Oberflächenspannung für Kleben durch Spritzparameter beeinflussbar?

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    • Hallo,

      ob du die Oberflächenspannung durch eine strukturierte WZ-Oberfläche stark beeinflussen kannst, wage ich jetzt einfach mal zu bezweiflen. Die Klebfläche könnte man ansonsten noch mit Plasma o. Ä. aktivieren (theoretisch auch im Werkzeug möglich).

      Durch eine Oberflächenstrukturierung kannst du jedoch die wahre Kontaktfläche für den Klebstoff erhöhen, was sich wiederum positiv auf die übertragbare Kraft auswirkt. Das bringt dir natürlich auch nur was, wenn die Kompatibilität zwischen Klebstoff und Kunststoff gegeben ist...
    • Bei uns werden sehr sehr viele Kunststoffbauteile mit Kleber benetzt und dann Nichtkunststoffteile darauf geklebt. Es gab mal Untersuchungen mit verschiedenen Oberflächenrauhigkeiten. Es kommt aber auf den Kleber an.

      Einige haften auf glatten Oberflächen, andere auf recht rauhen Oberflächen. Da helfen sicher die Kleberhersteller. Zu 90 % werden die Teile mittels Plasma vor-behandelt.

      Werden die Kleber mittels Temperatur aktiviert, ist die Restfeuchte der Bauteile noch ein Problem.
    • Unseren Erfahrungen nach lässt sich Oberflächenspannung durch "strukturierte" Werkzeugoberfläche nur "gering" beeinflussen. Nach Entformung der Teile aus der Kavität, kann mit einem Tinte-Test die Oberflächenspannung/Oberflächenenergie ermittelt werden. Nach längerer Abkühlzeit im Freien wird sich die Oberflächenspannung/Oberflächenenergie verringern und der gewünschte Wert wird nicht mehr gegeben. Für weitere Verfahren, was man auch immer mit den Teilen bzw. Oberflächen anstellen will, muss die Oberfläche behandelt bzw. aktiviert werden. Dazu braucht man jede Menge Know-how .
    • Für unsere Bauteile wird, wenn wir Haftmittel auftragen, auch eine bestimmte Oberflächenenergie gebraucht. Dabei hat der Grundwerkstoff schon großen Einfluß. Z.B. verhalten sich PA6 und PA6.6 schon unterschiedlich. Sandstrahlen, Plasma usw. hilft.
      Für unseren Fall ist Wasser die günstigste Testtinte. Wenn Wasser ohne abzuperlen gleichmäßig verläuft dann ist das ok. Bei Testtinte darauf achten das niemals Oberflächenschmutz zurück in die Testtinte verschleppt wird. Jede nachfolgende Messung ist dann ohne Aussage.
    • Wir haben ein spezielles Gerät für diese Messungen, da man eigentlich immer 2 Flüssigkeiten (eine polare und eine unpolare) für eine Oberflächenspannungsbestimmung braucht. Das eine ist destilliertes Wasser, die andere ist Diiodmethan. Beide Flüssigkeiten werden gleichzeitig auf die Oberfläche aufgebracht. Pro Tropfen nur 0,2mikroliter. Dann wird der Benetzungswinkel vermessen. Wird z.B. ABS-PC-Blend getestet kann man deutlich sehen, dass der Wassertropfen auf der Oberfläche sofort in mehrere Einzeltropfen zerspringt. Das zeigt, dass diese Oberfläche sehr unpolar ist.
      Klar ist, dass besonders bei faserverstärkten Kunststoffen die Werkzeugtemperatur und damit die Oberfläche deutlichen Einfluss auf die Polarität und Qualität der Oberfläche hat.
      Und wie Maestro schon sagt: Es gehört jede Menge Know How dazu. Zur Bestimmung, zur Auswahl der entsprechenden Oberflächenbehandlung und zur Auswahl des richtigen Klebstoffes oder der Druckerfarbe etc.

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    • Es handelt sich um folgendes Gerät:
      Mobile Surface Analyzer-MSA One-Click SFE | KRÜSS Scientific (kruss-scientific.com)

      Der Ablauf der Prüfung ist relativ einfach. Das Diiodmethan ist allerdings recht giftig und muss entsprechend vorsichtig gehandhabt werden. Tropfen auf dem Probeteil müssen entsprechend entfernt werden, Probeteile dürfen nicht weiterverwendet werden etc. (So haben wir für uns und bei uns entschieden).
      Welchen Einfluss die Werkzeugtemperaturen haben, kann ich nicht sagen. Das ist das wo man sich entsprechendes Know How aneignen muss. Hängt letzten Endes vom Material und der erreichten Oberfläche ab. Da kann KRÜSS sicherlich aber am Anfang entsprechende Hilfe leisten. Auch entsprechendes Lesematerial sollte besorgt werden.

      Offensichtlich gibt es aber auch noch andere Flüssigkeiten als die von uns benutzte. Hängt wohl auch wieder von der Anwendung ab. Ich habe die Methode bei uns nicht initiert. Das waren unsere Entwickler, die ganz bestimmte Vorstellungen an die gelieferten Ergebnisse haben.

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