Überprüfung des Umschaltpunktes

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    • Überprüfung des Umschaltpunktes

      Hallo,
      kurz zum Hintergrund meines Anliegens.

      Mir wurde in der Ausbildung beigebracht, dass man beim Anfahren einer Maschine mit bereits vorhandenem Programm, nach einer unbestimmten Anzahl an Einlaufzyklen, zur Überprüfung des Umschaltpunktes die Nachdruckzeit auf 0 setzt und die Drücke und Geschwindigkeiten so lässt, wie sie sind.
      Ich habe vor 2 Jahren den Arbeitgeber gewechselt.
      Die Einrichter in dieser Firma sagten mir jedoch, dass meine zuvor erlernte Vorgehensweise vollkommen falsch war.
      Hier wird die Nachdruckzeit beibehalten und der Druck auf das Minimum herabgesetzt. Das Herabsetzen der Nachdruckgeschwindigkeit auf 0 wird nicht von jedem Einrichter durchgeführt.
      Mir wurde gesagt, dass bei einem Herabsetzen der Zeit die Schnecke nach hinten federt.
      Meiner Erfahrung gemäß passiert dies jedoch nur, wenn die Teile schon ohne Nachdruck überladen sind.
      Nach einer kleinen Versuchsreihe meinerseits konnte ich das genaue Gegenteil feststellen.
      Nach herabsetzen der Zeit blieb die Schnecke auf Position. Nach dem Herabsetzen des Drucks federte sie jedoch zurück.
      Einer unserer Bemusterungstechnologen gab mir in dieser Hinsicht recht und sagte mir, dass er schon immer so vorgegangen sei, da er es auch so gelernt habe. Er argumentiert beispielsweise auch mit der Tatsache, welche ich durch meinen Versuch in Erfahrung gebracht habe.
      Kann jemand mit 25 Jahren Berufserfahrung so falsch liegen?!

      Nun zu meiner/-n Frage/-n:
      Ist eine der beiden Vorgehensweisen falsch?
      Bzw. Welche ist die optimale Vorgehensweise?
      Gibt es irgendwo eine Literatur in welcher ich dies nachlesen könnte?

      Danke schonmal im Voraus.
    • Soweit ich das beurteilen kann, hängt das stark von der Steuerung der Maschine an: Es gibt Maschinen, die auch bei Nachdruckzeit "0" den Systemdruck noch eine Weile aufrecht erhalten bzw. in einer Rampe abfährt und bei anderen Maschinen kann man bspw. den Druck gar nicht auf 0 absenken.
      Ich persönlich stelle Druck- und Zeit auf Null (bzw. Druck auf Min, bei Arburg 25 bar), dann bin ich sicher, dass wirklich kein ND wirkt.
    • Ich setze die Nachdruckzeit auch nie auf Null. Druck auch nicht auf Null sondern 1 oder Arburg 25
      Null kann nach hinten losgehen....gab (gibt) k.A ob das noch aktuell ist Maschinen, bei denen hieß Null Nachdruck deaktiviert....
      und haben dann mit Einspritzprofil komplett durchgefahren.
      Deshalb finde ich Null auch Quatsch.
      Wie die SGM´s das nun regeln variiert.....ich würde dann tatsächlich auch die Nachruckgeschwindigkeit (hat auch nicht jeder Hersteller)
      auf Null setzen....damit die SGM richtig runterregelt.
      Aber das genaue Regelverhalten wird dir keiner genau sagen können.

      Grüße
    • Es ist so, wie @03 1010 schon erwähnte, es ist maschinenabhängig ....

      Um diese Frage zu beantworten, gibt es nur eine Vorgehensweise: Kurvengrafik aktivieren und das *Druckverhalten des Massedruckes* und das *Bewegungsverhalten der Schnecke* anschauen!
      Solche (sinnlosen) Diskussionen, Spekulationen und Überlegungen entstehen mal wieder nur, weil die Spritzgießer das Visualisieren mit Kurvengrafik nicht lernen bzw. vielleicht sogar ignorieren - sehr traurig, aber wahr!

      Wann wird endlich das Visualisieren (mit Kurvengrafik) der Prozessabläufe beim Spritzguss im Ausbildungsplan integriert? Es ist nahezu lächerlich (wenn's nicht so traurig wäre), Gedanken am Thema *Digitalisierung* und *Industrie 4.0* zu verschwenden, wenn die Ausbildung noch nicht einmal die fast 40 Jahre alte Technik der Visualisierung beinhaltet! ---- Spritzguss könnte so einfach sein! ----
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Craftan144 schrieb:

      Das Können ist schon da, nur leider die Berechtigung eine solche Grafik einzustellen nicht.
      ?( ?( ?( verstehe ich nicht, die Kurvengrafikseiten sind doch Standardseiten wie jede andere Seite, wo der Spritzgießer Parameter einstellt ....
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Ich muß Behrens Recht geben !
      Selbst alte Maschinen haben Überwachungen , Kurven usw die nicht genutzt werden.
      Zykluszeitüberwachung , Einspritzzeitüberwachung wird immer wieder gerne "vergessen ", und dann blöd aus der Wäsche geschaut warum die Form überspritzt wenn nur ein Nest kommt.
      In allen Maschinenlehrgängen,zB. Demag, Ferromatik , Arburg wird das so schön erklärt und später nicht genutzt .
      Den " alten Hasen" kann man so etwas neues nicht mehr beibringen :D , aber die Lehrlinge sollten es lernen.

      Wenn es aber im Betrieb nur befohlen wird ,und nicht gelebt ,ist das alles sinnlos.

      Gruß Matthias
    • Matthias71 schrieb:

      Den " alten Hasen" kann man so etwas neues nicht mehr beibringen , aber die Lehrlinge sollten es lernen.
      Ist noch nichtmal was NEUES ... Besonders die "alten Hasen" (ich bin 68) sollten es auch beherrschen, es sei denn, sie sind Ignoranten .... !!!!
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Es beschleicht mich seit längerem der Verdacht, dass *der GUTE Spritzgießer* nicht gewollt ist, denn dann könnten die Anbieter aus seinem "Speckgürtel" ihm die vielen vermeintlichen technischen "Hilfskrücken" (wie z. B. die mechanisch schließende Rückstromsperre) nicht mehr verkaufen .... ;) ;)
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Behrens schrieb:

      Es beschleicht mich seit längerem der Verdacht, dass *der GUTE Spritzgießer* nicht gewollt ist, denn dann könnten die Anbieter aus seinem "Speckgürtel" ihm die vielen vermeintlichen technischen "Hilfskrücken" (wie z. B. die mechanisch schließende Rückstromsperre) nicht mehr verkaufen .... ;) ;)
      Ich bin sehr wohl der Meinung, dass viele (nicht alle!) der technischen Spielereien durchaus einen Vorteil bieten können und viele ihre Berechtigung haben. ABER: Sie müssen dennoch verstanden und beherrscht werden und vor allem muss der Verantwortliche wissen, bei welcher Anwendung man sie zielführend anwendet!
      Und natürlich wissen es auch die Verkäufer der Anbieter, diese Features auch den Kunden schmackhaft zu machen, die sie in 10 Jahren gar nicht oder nicht sinnvoll einsetzen werden.

      Das ist fast wie mit lactosefreien Milchprodukten: nur weil es "hipp" ist, geben tausende Konsumenten mehr Geld aus, ohne davon einen Mehrwert zu haben, den Vorteil hat aber der Allergiker, da er mehr Auswahl hat, als noch vor ein paar Jahren ;)
    • Matthias71 schrieb:

      Durch Selbstoptimierungsprogramme in der Software ist der Spritzgießer dann nur noch der Formrüster
      Daran glaube ich nach wie vor nicht, dafür ist der Prozess zu individuell und zu komplex .... diese Idee gibt's schon seit Mitte der 90er Jahre .... Zudem müssen alle erst einmal sicherstellen, dass *die Kavitäten mit der Maschine kommuniziert*, denn ohnedem ist eine wiederholgenaue Ausformung bei Mehrfachwerkzeugen in den Kavitäten nicht möglich ....
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    • Behrens schrieb:

      Matthias71 schrieb:

      Durch Selbstoptimierungsprogramme in der Software ist der Spritzgießer dann nur noch der Formrüster
      Daran glaube ich nach wie vor nicht, dafür ist der Prozess zu individuell und zu komplex .... diese Idee gibt's schon seit Mitte der 90er Jahre .... Zudem müssen alle erst einmal sicherstellen, dass *die Kavitäten mit der Maschine kommuniziert*, denn ohnedem ist eine wiederholgenaue Ausformung bei Mehrfachwerkzeugen in den Kavitäten nicht möglich ....
      Das sehe ich in den nächsten 10-20 Jahren auch noch nicht.
      Technisch ist das sicher realisierbar, vorausgesetzt, die i.O.-Kriterien sind definierbar und messtechnisch erfassbar (Oberflächengüte, Maße, Gewicht, Grate etc.). Aber die Sensorik und Regelungstechnik ist aktuell noch unwirtschaftlich teuer, um die Steuerung mit genügend Informationen (z.B. auch Chargeninformationen Granulat) zu versorgen, um den Prozess sicher abbilden und reproduzieren zu können.
      Da ist das mit dem "Formrüster" technisch einfacher automatisierbar, wie auch auf Messen schon gezeigt wurde, jedoch auch mit hohen Investitionen und Pflegeaufwänden verbunden.
    • Behrens schrieb:

      Craftan144 schrieb:

      Das Können ist schon da, nur leider die Berechtigung eine solche Grafik einzustellen nicht.
      ?( ?( ?( verstehe ich nicht, die Kurvengrafikseiten sind doch Standardseiten wie jede andere Seite, wo der Spritzgießer Parameter einstellt ....
      Ich denk wir meinen unterschiedliche Grafiken.
      Ich rede von Spitzenwertüberwachungen und Hüllkurven. Die normalen Überwachungen sind logischer Weise für alle Einrichter zugänglich. Nur die Hüllkurvenüberwachungen und Spitzenwertgrafiken können nicht mit meiner Berechtigungsstufe angepasst bzw. der zu überwachende Parameter eingestellt werden.
    • Andre schrieb:

      Ich persönlich zähle die Druckrampe zum vol. Füllen weil ich nicht möchte dass die Schnecke insbesondere bei dünnwandigen Teilen zu stark zurück springt. Dies kann Unterspritzung oder Einfall im Inneren des Teils bedeuten.
      Das ist das Gleiche, als wenn du vor "geometrisch voll" umschaltest und den Rest "mit Druck füllst .... Die Druckrampe ist nur ein "verzögerter Druckabbau" von Umschaltdruck auch Nachdruck ... Ein Frakment aus "althergebrachtem" Prozessdenken.
      Das Zurückspringen der Schnecke dient dem Abbau der Kompressionsenergie, ist also nichts Schlechtes ... Um die Kompressionsenergie zu minimieren, sollte das Volumen vor der Schnecke minimiert werden, wie z. B. Massepolster auf max. 5% vom Schneckendurchmesser einstellen.
      Thema hatten wir schon hier im Forum ...
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Neu

      Ich persoenlich setze nur die Nachdruckgeschwindigkeit auf 0.
      Wie schon die vorredner geschrieben ist das auch Maschinenabhaengig. Alles in allem ist das wieder so ein thema , genauso wie die spritzgeschwindigkeit bei hydraulischen maschinen mitunter erheblich einfluss auf die fuellung haben kann.
      Philosophien gibt es viele, was richtig und was falsch ist ist so ne sache.