Einsatz von Post-Consumer-Rezyklat

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    • Einsatz von Post-Consumer-Rezyklat

      Hallo zusammen,

      mich würde mal interessieren, ob irgendwer von euch Post-Consumer-Rezyklate (mehr oder weniger aus dem gelben Sack) in seiner Produktion verwendet. Also keine geschredderten Angüsse. Bei Verwendung würde mich interessieren bei welcher Art von Bauteilen ihr das verwendet und bis zu wie viel Prozent ihr zum Neumaterial dazumischt, bevor es Probleme mit Schwankungen im Bauteilgewicht etc. gibt.

      Viele Grüße
    • Wir verarbeiten das regelmäßig im Bereich Rasengitter und Paletten, usw., zu 100%.

      Wenn das Material gut ist, gibt es hier auch keine größeren Probleme, außer hartnäckigen Ablagerungen in der Form und am Greifer sowie einem deutlichen Geruch.

      Qualitativ müssen die Ansprüche natürlich abgestimmt sein, irgendein Sichtteil oder Funktionsteil mit kleinen Toleranzen wollte ich damit nicht fertigen.
    • Aus Erfahrung anderer Kunststoffverarbeiter kann ich davon nur abraten.
      Erstmal ist ein bunter Mix an diversen Typen, die unterschiedliche Eigenschaften für die Verarbeitung haben. Werden Kunststoffe aus dem Spritzguss und der Extrusion gemixt, wirst du nie im Leben einen halbwegs stabilen Zyklus haben. Auch gibt es keine zuverlässige Farbe.
      Dann kommt noch ein sehr großes Problem hinzu, was die wilde Nutzung quasi ausschließt. Diese Kunststoffe sind teilweise Wochen mit Speiseresten in Kontakt und der Geruch der ganzen Speisereste bleibt am Kunststoff haften. Spätestens bei der Verarbeitung wird der Geruch für alle Mitarbeiter extrem unangenehm und die fertigen Teile riechen auch lange nach.
    • Ich schlage vor, das Thema ein bisschen differenzierter zu betrachten. Aus meiner Sicht weist der Begriff "Post-Consumer" darauf hin, dass die verwendeten Rohstoffe vor der Aufbereitung schon einmal im Gebrauch waren. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass Speisereste oder sonstige Substanzen diese Rohstoffe kontaminiert haben müssen. Es gibt unterschiedliche "Altmaterialquellen" und somit müssen es nicht unbedingt Verpackungen aus dem Gelben Sack sein. Diese Rezyklate lassen sich dann auch wieder vernünftig aufstabilisieren und ein schönes, deckendes Schwarz bekommt man auch hin. Ich teile die Einschätzung von Huddl, dass bei vielen Anwendungen ein solches Rezyklat gut zu verwenden ist, aber natürlich nicht jeder beliebige Artikel aus einem solchen Material gefertigt werden kann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Olefiner ()

    • Bei PCR gibt es ja unterschiedliche Qualitätsstufen.

      @huddl Verwendet ihr Regranulat, also compundiert oder wirklich lediglich vorsortierte, gewaschene und geschredderte Flakes? Bei Flakes könnte ich mir zusätzlich große Schweirigkeiten mit dem Einrieselverhalten vorstellen. Und welche Polymere verwedneet ihr? Fast sortenreines PP z. B. oder eine bunter Mischung?
    • gloab schrieb:

      Bei PCR gibt es ja unterschiedliche Qualitätsstufen.

      @huddl Verwendet ihr Regranulat, also compundiert oder wirklich lediglich vorsortierte, gewaschene und geschredderte Flakes? Bei Flakes könnte ich mir zusätzlich große Schweirigkeiten mit dem Einrieselverhalten vorstellen. Und welche Polymere verwedneet ihr? Fast sortenreines PP z. B. oder eine bunter Mischung?
      Wir verarbeiten regranuliertes PO und LDPE, beides zu 100% aus dem gelben Sack.
      Haben sicher schon einige 1000t verfahren..

      Verarbeitung funktioniert bei den genannten Teile recht gut, man muss aber damit umgehen können. Farbschwankungen können immer mal sein, kommt aber auch immer auf das Material an. Hier gibt es heutzutage ja auch verschiedene Qualitäts- und Preisklassen.



      Flakes / Agglomerat lassen sich sehr schwer fördern und dosieren, damit haben wir gar keine guten Erfahrungen gemacht, verarbeiten wir auch nicht mehr.
    • Ok, wir sind nun mal einer der bösen Recycler und Compoundeure, die diese "Upgradematerialien" unter anderem herstellen. In der WEK (Wareneingangskontrolle) haben wir schon seit bestimmt 25-30 Jahren das Problem, dass Flakes und/oder Agglomerate sich auf den Spritzgießmaschinen nur sehr bescheiden verarbeiten lassen. Flakes: weil sie im Trichter und Einzug nicht nachrutschen. Agglomerate: weil sie oft wegen der Gaseinschlüsse einerseits zu leicht sind, weshalb sie auf der Schnecke "schwimmen" und andererseit eben aus den Gaseinschlüssen schlecht entgasen und die Dosierzeiten damit häufig ins unendliche gehen. Manchmal kommt es eben auch vor, dass diese "Mahlgüter" oft nicht sortenrein sind und Materialien enthalten, die nicht zueinander passen.
      Das Thema "unpassende Materialien" wird aber in den letzten Jahren immer weniger, da die Sortierbarkeit durch die Anlagen immer weiter verbessert wird.

      Gut. Und wenn wir dann eine schöne Fraktion haben, wird erstmal gut vorgemischt, damit man eine homogene Mischungscharge hat. und dann wird compoundiert. Nach den ersten Kilos können wir dann die Farbe bestimmen und den Farbton entsprechend einstellen. Füllstoffgehalte können dann ebenfals gesteuert werden. Es funktioniert eigentlich schon recht gut, die Nachfrage ist inzwischen sehr groß, aber noch ausbaufähig und die Qualitäten sind auch entsprechend gut bis zum Teil grausig, was aber auch entsprechend benannt wird.
      Grundsatzlich muss aber auch gesagt werden: Ein recycletes Material wir nie als Neuware verkauft. Aus der Nomenklatur ist immer ersichtlich welchen Status das Material hat. Man braucht also keine Angst zu haben, das ein Material nicht als Recycling-Material sondern als Neuware deklariert wird.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von petersj ()

    • Ich halte es für nicht zielführend, pauschal über solche sehr grenzwertig verwendbare Materialien zu diskutieren bzw. zu spekulieren!! Der Einsatz von diesen Materialien ist viel zu individuell - siehe Betrag von @1u21 ....
      Letztendlich ist doch immer der Anspruch an das Endprodukt die Entscheidungsgrundlage für den Einsatz des Materials!
      Wie @huddl schon ganz richtig erwähnte: für Rasengitter und gewisse Paletten sind solche minderwertigen Materialien verwendbar ....
      @gloab, was ist denn euer Ziel? Wer entwickelt eure Teile?, denn mindestens derjenige sollte auch die Materialanforderung entsprechend den Anforderungen der Teile kennen und entsprechend das Material vorgeben! Und mit dieser Vorgabe geht man dann zu kompetenten Leuten aus der Liga von @petersj ....

      *NEUES Prozessdenken* ist überfällig, denn trotz *50 Jahre technischen Fortschritts* sind die ALTEN Fehlerbilder geblieben!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Behrens ()

    • Da kann ich Behrens nur zustimmen.
      Was von dem einen Verarbeiter durchaus noch als völlig ausreichend und sehr gut empfunden wird, führt den anderen Verarbeiter zum Haareraufen. Die erzielten und erhältlichen Qualitäten sind derart unterschiedlich, dass man sich bei einigen Anwendungen nur wundern kann, dass das Material überhaupt gekauft wird.
      Deshalb ist es auch sinnvoll, sich bemustern zu lassen. Hat man seine Qualität dabei gefunden, kann man diese getrost kaufen, denn sie wird immer diese Qualität haben. Jedoch versuchen wir den Kunden kein Material zu verkaufen, welches auch bei uns schon durchfällt.