PP Recyclat oder Biopolymer

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    • PP Recyclat oder Biopolymer

      Hallo zusammen,
      ich hoffe das geballte Fachwissen der Community hilft bei folgender Aufgabenstellung weiter.

      Wir wollen "Dosen" in Brotdosengröße herstellen und zwar entweder aus PP Recyclat oder irendein Biopolymer.
      Es wäre für die Verarbeitung auch denkbar, 20 - 30% Neuware beizumischen, um Schwankungen etwas geringer zu
      halten und die Verarbeitbarkeit zu verbessern.
      Die Dose hat auch ein Filmschanier....und hier sehe ich das erste Problem. Gibt es Biopolymere, welche gleich Filmschaniereigenschaften bieten,
      wie eben ein PP?
      Eine weitere Frage........wie verhält sich die Filmschaniermechanik mit Recyclat?
      Wir sollen keine Tupperware Qualität abliefern...lediglich eine "Box" die "mehr" Nachhaltigkeit bietet bzw. eben aus bereits zerkleinerten "Altmaterial" gemacht wird.
      Ob das sinnig ist....naja.
      Wenn eine Tupperdose aus NW jahrelang ihren Dienst erfüllt, dann find ich es ausreichend. Für die Heizung wird ja auch direkte Öl verbrannt.......
      Somit ist das thermische Recycling ja nicht unbedingt schlecht......ein Produkt das Sinn und Zweck erfüllte im nachhinein zu verbrennnen.....
      Wenn natürlich giftige Gase gefiltert werden.

      Trotzdem möchte der Kunde einfach zeigen, was man aus alten Material oder eben Biopolymer noch machen kann.
      Ich dachte bereits an AgriPlast.
      Dort wäre zumindest der Anteil des reinen Kunststoffes geringer....die Mechanik kann ich nicht beurteilen (Filmschanier).

      Recyclat sollte ja dann ebenfalls einigermaßen gleichbleibend sein und nicht ständig aus den verschiedensten PP`s gewonnen werden.
      Wie seht ihr das Ganze?

      Grüße

      Michael
      Kunststoffformgeber sind Künstler, denn es ist eine
      Kunst,
      den Kunststoff in Form zu bringen
    • Hallo Lümmel,

      ich kann dir zwar nicht direkt antworten, gebe Die vielleicht ein paar Anregungen. Bei den Biokunststoffen bin ich raus. Thema Recyklat. Da gibt es sicher noch das Thema geeignet für Lebensmittel, was ein Knackpunkt sein kann. Aus meiner Sicht muss man mit einen Compoundeur das Thema angehen. Ich habe einen guten der seit vielen Jahren ein guter Lieferant ist. Leider hat er nur technische Kunststoffe.
    • Bei Filmscharnieren sollte ein Kunststoff verwendet werden, der einen hohen teilkristallinen Anteil hat. Das ist notwendig, damit ausreichend Dehnung ermöglicht wird. Ist der teilkristalline Anteil zu gering, wird das Scharnier schnell reißen.

      Biopolymere können dafür genutzt werden, wenn obige Bedingung erfüllt ist, jedoch ist auch die Viskosität relevant. Bleibt die zu hoch, kann ich über das Scharnier nicht die zweite Hälfte füllen und habe somit ein großes Problem bezüglich unvollständig gefüllter Teile und Verzug.
      Recyclate leiden häufig darunter, dass der teilkristalline Anteil durch die mehrma(h)lige Verarbeitung immer weiter sinkt und somit auch die mögliche Dehnung. Besteht eine Streuung hinsichtlich des teilkristallinen Anteils, so ist auch die Streuung hinsichtlich Haltbarkeit da und höher. Es besteht leider kein lineaer Zusammenhang zwischen teilkristallinem Anteil und Lebensdauer.

      Nach dem Zyklus gibt es auch noch mehrere Optionen, wie sich die Scharnierqualität verbessern lässt und auch die Haltbarkeit. So kann ein schlechteres Material noch um ein bis zwei Stufen in der Qualität angehoben werden.

      Zufälligerweise habe ich mich vor einiger Zeit mit dem Thema in der Theorie sehr stark auseinandergesetzt, da beim Thema Filmscharnier sehr viel Potential liegen gelassen wird. Eine stilisierte Brotdose ist Teil einer Schulung, aber ich kann euch auch begleitend dabei helfen, damit ihr deutlich weniger Fehler macht und die Kosten bis zum Serienprozess gering bleiben. Eins der Ergebnisse findest du hier.
    • @Luemmel - mit Bio basierten Kunststoffen wird das nix werden. Die sind von ihren Eigenschaften noch lange nicht auf dem Niveau von technischen Polymeren. Ich würde nach PP recycelt (Post-Industrial) suchen. Die Chargenkonstanz ist "mäßig", da musst Du mit einer Wurfpassung bei der Spezifikation (MVR, Mechanik, ...) rechnen. Geruch ist meist auch speziell.

      Kristallinität bei PP kann man gut mit speziellen Additiv-Batches anheben.

      Das Thema Recycling ist ganz groß in aller Munde - im Bereich technischer Werkstoffe ist das Meiste noch vollkommen unklar und die Umsetzung noch lange nicht gelöst.

      Good Luck - das wird nicht einfach.
    • Wie oben schon bemerkt, gibt es Probleme bei recycelten Polymeren mit der Eigenschaft für Food contakt, weil niemand sicherstellen kann, dass ausschließlich freigegebene Stoffe im Produkt landen werden.
      Bei der Bezeichnung "Aufbewahrungsdose", vielleicht noch mit dem Vermerk "nicht für Lebensmittel geeignet" steht man auch schon mit einem halben Bein im Knast, weil diese Bemerkung übersehen werden kann.

      Nichts desto trotz komme ich nicht um eine gewisse Eigenwerbung herum (siehe Anhänge). Wenn z.B. genügend recyelfähiges Material aus dem eigenen Betrieb geliefert werden kann. Nachteil ist bei buntem R-Material allerdings meistens, dass nur wenige Farbergebnisse erreichbar sind: In der Regel ergibt sich ein freundliches Schwarz. :S

      Dateien
    • Danke für die vielen Anreize.

      Farbe wäre egal.
      Naja....Filmscharnier bleibt die Schwierigkeit.

      Wenn zwischendurch Teile nicht voll werden, ist das nicht so schlimm....das wäre alles miteinkalkuliert.
      Eigentlich ist es ein Prestigeprojekt...ohne Gewinnabsicht :)
    • Luemmel schrieb:

      Danke für die vielen Anreize.

      Farbe wäre egal.
      Naja....Filmscharnier bleibt die Schwierigkeit.

      Wenn zwischendurch Teile nicht voll werden, ist das nicht so schlimm....das wäre alles miteinkalkuliert.
      Eigentlich ist es ein Prestigeprojekt...ohne Gewinnabsicht :)
      Wenn's ein Prestigeprojekt ist, dann sollte man auch ein bisschen mit den Muskeln spielen. Ideal ist es auch, wenn es nicht in einem Desaster endet und keiner mehr was davon hören will. Das Thema Filmscharnier kann gehörig in die Hose gehen, wenn die Ansätze schon falsch sind, es aber keiner merkt.
    • Recycling-Waren haben idR. nicht die Reinheit wie Neuwaren. Ein kleiner Krümel setzt sich da gerne im Film fest. Das Scarnier geht dann kaputt.

      Als "Bio-Kunststoffe" werden neuerdings ja auch PP und PE bezeichnet, die aus Zuckerrohr hergestellt werden. Vielleich findet sich in der Richtung ja was Passendes.
      Frag doch einfach mal bei uns an. Oft haben wir Produkte - auch in Lizenz - die gar nicht in den Produktelisten im Netz auftauchen. Fragen kostet ja noch nichts. Vielleicht sind die ja auch bereit etwas "in Kooperation" zu verkaufen. Aushängeschild dann für beide Parteien.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von petersj ()

    • Qualitätsseitig lässt sich vermutlich bei "second hand Kunststoff" schon viel erreichen, wenn ihr nicht Rezyklat direkt, sonder ReGRANULAT verarbeiten dürft für die Behälter.

      Der fachkundige Compoundeur vermag da bestimmt einige degenerative Effekte durch Additive und Aufarbeitung vermindern - außerdem habt ihr die Probleme mit der stark streuenden Streuung der Korngrößen in der zugeführten Ware nicht.
    • 03 1010 schrieb:

      Qualitätsseitig lässt sich vermutlich bei "second hand Kunststoff" schon viel erreichen, wenn ihr nicht Rezyklat direkt, sonder ReGRANULAT verarbeiten dürft für die Behälter.

      Der fachkundige Compoundeur vermag da bestimmt einige degenerative Effekte durch Additive und Aufarbeitung vermindern - außerdem habt ihr die Probleme mit der stark streuenden Streuung der Korngrößen in der zugeführten Ware nicht.
      Es bietet sich an dies aus einem Material zu fertigen, was bei einem selbst als "Abfall" anfällt und von einem Compoundeur wieder aufbereitet ist. Dann gibt es nicht das Problem der unklaren Herkunft und Verarbeitungshistorie. Nur sollte man sich hierbei auf maximal zwei verschiedene Materialien beschränken.

      Was spricht dagegen sich auch ein paar mehr Gedanken bei der Artikelkonstruktion hinsichtlich Materialeinsparung zu machen?
    • Kunststoffboxen mit angeklipsten Deckel gibt es viele. Protolabs hat dazu einige Bilder veroeffentlicht . Dort wird gezeigt , dass nur ein Einfachwerkzeug benoetigt wird und zwei Teile ( zwei Schuss ) zu einer Box gefuegt werden.
      box protolabs 2.JPGbox protolabs.JPG

      Fuer mich sind das Wissen um diese geklipsten Scharniere Allgemeingut. Protolabs hat diese Bilder unter design-tipps frei zugaenglich im WEB.

      protolabs.de/ressourcen/design…der-suche-nach-symmetrie/
    • 1u21 schrieb:

      03 1010 schrieb:

      Qualitätsseitig lässt sich vermutlich bei "second hand Kunststoff" schon viel erreichen, wenn ihr nicht Rezyklat direkt, sonder ReGRANULAT verarbeiten dürft für die Behälter.

      Der fachkundige Compoundeur vermag da bestimmt einige degenerative Effekte durch Additive und Aufarbeitung vermindern - außerdem habt ihr die Probleme mit der stark streuenden Streuung der Korngrößen in der zugeführten Ware nicht.
      Es bietet sich an dies aus einem Material zu fertigen, was bei einem selbst als "Abfall" anfällt und von einem Compoundeur wieder aufbereitet ist. Dann gibt es nicht das Problem der unklaren Herkunft und Verarbeitungshistorie. Nur sollte man sich hierbei auf maximal zwei verschiedene Materialien beschränken.
      Was spricht dagegen sich auch ein paar mehr Gedanken bei der Artikelkonstruktion hinsichtlich Materialeinsparung zu machen?
      Wenn ich Luemmel richtig verstanden habe, geht es dem Kunden primär nicht um die Kosten der Bauteils, sondern darum, ein "grünes Etikett" draufkleben zu können - also eher symbolisch Recycling oder Bio einzusetzen als um noch 5 oder 10 % Materialkosten zu sparen
    • Genau....geht nur "Umweltprestige" :)


      orielefant schrieb:

      Kunststoffboxen mit angeklipsten Deckel gibt es viele. Protolabs hat dazu einige Bilder veroeffentlicht . Dort wird gezeigt , dass nur ein Einfachwerkzeug benoetigt wird und zwei Teile ( zwei Schuss ) zu einer Box gefuegt werden.
      box protolabs 2.JPGbox protolabs.JPG

      Fuer mich sind das Wissen um diese geklipsten Scharniere Allgemeingut. Protolabs hat diese Bilder unter design-tipps frei zugaenglich im WEB.

      protolabs.de/ressourcen/design…der-suche-nach-symmetrie/

      Das wäre natürlich auch noch ne Möglichkeit.....tatsächlich haben wir sowei bereits....ist mir nicht mehr in den Sinn gekommen.
      Danke für den Gedankenanstoß

      Grüße
    • Bei sowas kann man leicht auf die Idee kommen, Deckel verschiedener Materialien und Farben zur Präsentation miteinander kombinieren zu wollen. Besonders die Damen und Herren aus der Werbeabteilung sind dann gerne enttäuscht, wenn diese Teile auf Grund unterschiedlicher Schwindung leider nicht zusammenpassen. Sowas muss im Vorlauf geplant und kommuniziert werden, sonst ist das Theater mal wieder groß.
      Ansonsten eine sehr gute Idee.