Spritzteil aus Pom Maße beeinflussen

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    • Spritzteil aus Pom Maße beeinflussen

      Hallo,
      Bemustere in unsere Firma im Moment ein Wzg. Mit jewals einem hacken links und rechts. Der Abstand der hacken soll 31mm betragen, mein Maß liegt inmoment bei 30,5 wie bekomme ich die weiter auseinander gebogen? Mit welchen Werten könnte ich das beeinflussen. Ist ein Schieber wzg. Teile aus pom

      Würde mich über jeden Rat freuen
    • Du hast folgende Möglichkeiten direkt am Werkzeug:

      - Wassertemperatur rauf, damit die Nachdruckzeit länger wird und die Schwindung besser kompensiert wird
      - Massetemperatur rauf(Verweilzeiten beachten!), damit mehr Energie in Kavität kommt. Das Bauteil kühlt langsamer ab, wodurch der Nachdruck länger wirken kann
      - Staudruck runter. Du bringst sonst eine stark komprimierte Masse in das Werkzeug, die unkontrolliert voreilt und zuschnell erstarrt, wodurch der Nachdruck nicht mehr lange wirken kann

      Mit den drei Maßnahmen kannst du in der Regel den Verzug gut beeinflussen. In dem Fall schwindet das Material stärker als erwartet und das kann gut durch eine verlangsamte Abkühlung beeinflusst werden.
      Die einfache Erhöhung des Nachdrucks hat mehrere negative Folgen und sollte vermieden werden. U.a. sorgst du dafür, dass das Werkzeug überladen wird. Könnte man im Notfall verschmerzen, nur erzeugt POM bei einem Kaltkanal/Kaltkanalunterverteiler bei zu kaltem Prozess kleine Partikel, die sich überall absetzen und so die Schiebermechanik negativ beeinflussen können.
    • Unverstärktes POM hat locker eine Schwindung (ungehindert) von 1,5-2,5%. Liegt also genau in deiner Range. Das sollte beim Werkzeugbau auf jeden Fall berücksichtigt werden. Solltest also auch nochmal nachmessen, wie groß der Abstand der Haken im Werkzeug vorgesehen ist. Wenn es dann läuft sollte vermieden werden, das Produkt zu wechseln.
    • Wie bereits erwähnt hat POM eine hohe Schwindung.
      Hohe WZ-Temperaturen verlagern die Gesamtschwindung in die Verarbeitungsschwindung, welche besser zu kontrollieren
      ist als die Nachschwindung.

      POM braucht für bessere Maßhaltigkeit (Dimensionskontrolle):

      -WZ Temperaturen im höheren Vorgabebereich
      -große Anschnitte
      -hoher Nachdruck
      -ausreichend hohe Nachdruckzeit

      Ist der Schieber ebenfalls temperiert oder heizt sich hier die Formkavität ungehindert auf?

      Grüße
    • Ohne eine Skizze oder Zeichnungsausschnitt kann ich leider nicht das Problem erkennen.
      klips 2.JPG
      Im obigen Beispiel kann ich die beiden Haken nicht auseinanderbiegen.
      Ausreichende Nachdruckversorgung kann den Abstand in die Toleranz bringen. Dazu muss im Werkzeug schon eine passende Schwindung einkalkuliert sein. Wenn das Werkzeug mit zu wenig Schwindungsaufmass gebaut wurde , kann ein Erreichen des richtigen Masses nur durch Ueberladen erreicht werden , was ein ganz schlechtes Teil ergibt.
      klips.JPG
      Dieses Problem ist vielleicht schon geloest. Wenn der Konstrukteur eine gute Verklipsung wuenscht und hier nur 31mm +/- x eingetragen hat , laesst sich durch eine reine Minustoleranz das Problem loesen.

      Die gesamte Geometrie des Artikels und die Werkzeugkonstruktion sollten wir aber auch kennen lernen duerfen , um wirklich guten Ratschlag und schnelle Loesungsstrategien anzubieten.


      Leider ist auf einen Hilferuf ohne Ortsangabe und Details keine Hilfe moeglich ! Es bleiben nur Allgemeinplaetze .

      Falls Details nicht veroeffentlicht werden duerfen muss professionelle Hilfe bei entsprechend erfahrenen Beratern gesucht werden , die Ihr Wissen natuerlich nicht ohne Honorar preisgeben koennen. , aber auch entsprechende Vertraulichleitsabkommen unterzeichnen.
    • orielefant schrieb:



      Ausreichende Nachdruckversorgung kann den Abstand in die Toleranz bringen. Dazu muss im Werkzeug schon eine passende Schwindung einkalkuliert sein. Wenn das Werkzeug mit zu wenig Schwindungsaufmass gebaut wurde , kann ein Erreichen des richtigen Masses nur durch Ueberladen erreicht werden , was ein ganz schlechtes Teil ergibt.
      Das ist das Hauptproblem in vielen Fällen. Die Schwindung im Datenblatt wird häufig mittels einer Normplatte ermittelt. Die hat natürlich eine ideale Kühlung und der teilkristalline Anteil ist relativ gering. Beim realen Artikel sieht es wieder anders aus. Da ist in den seltensten Fällen eine konturnahe Temperierung in Nutzung und somit kriegt der Kunststoff mehr Zeit Kristalle zu bilden, nur kühlt der Anguss zu schnell ab. Dadurch ist die Schwindung höher als erwartet und die Toleranzen stimmen nicht mehr.
    • Hallo habe ein paar Bilder eingefügt
      Dateien
    • @Matthi29 - das ist ein Problem der Temperaturen im Wkz

      • auf der Innenseite der Haken steht nur wenig Stahl
      • der kann die Wärme nicht genügend abführen
      • dadurch wird der Bereich wärmer/heißer
      • Die Haken "biegen" sich in Richtung der höheren Temperatur - also ziehen sich leicht nach Innen
      • Also wird das "Innenmaß" der Haken zu klein
      • Schätze die Kühlkanäle sind weit weg von der Kavität platziert - hier ist über unterschiedliche Temperierung nix mehr zu machen
      • Über den Prozess wird auch wenig gehen


      Abhilfe:
      • Änderung am Bauteil
        • die T-Rippe auf der Haken-Außenseite aufdicken
        • Rippe deutlich "dicker" als der Haken
        • Dadurch höhere Schwindung
        • Dadurch "zieht" die Rippe die Haken nach außen (Regel: dünne Rippen "drücken", dicke Rippen "ziehen")
        • Wie viel dicker? Langsam rantasten. Würde mal mit 10-20% starten
        • Matthi29.pdf
      Fragen:
      • Welche Schwindung wurde ins Wkz gelegt?
      • Stimmen die anderen Maße soweit?


      Viel Erfolg

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von LutherStickl ()

    • Hallo Mathi29
      Wenn am gruenen Pfeil angespritzt wird, dann muss das POM von duenn nach dick !
      Eine Nachdruckversorgung ueber das ganze Teil ist damit nicht moeglich und es wird ein endloses Suchen nach Kompromissen werden.
      3mm Wandstaerke habe ich immer mit 2,1 % Schwindung kalkuliert.
      anschnitt.JPG

      Die grosse Platte scheint schon Grat zu haben :
      Entweder ist der Druck zu hoch oder die Schieberverrieglung nicht ausreichend stabil.

      grat.JPG

      Die Bodenplatte scheint mir auch schon durchgebogen zu sein , was eventuell auch die Massabweichung der Klipshaken miterklaeren kann.

      Was mich sehr freut ist die nun sehr offene Darlegung. Unter dieser Voraussetzung bin ich gerne bereit hier oeffentlich das Teil weiter zu analysieren.
      Wenn Sie mehr wissen moechten, stellen Sie uns doch das 3-D Modell des Artikels zur Verfuegung.
      Spritzgiessdaten sind auch wichtig.
    • Das Kind ist in den Brunnen gefallen, aber noch nicht ertrunken.

      Ich sehe hier noch deutlich mehr Fehler, die am Artikel bzw. Werkzeug vorhanden sind. Ich gehe davon aus, dass Artikeländerungen nicht mehr möglich sind. Sollte dies der Fall sein, bleiben nur noch Änderungen am Werkzeug. Alle Fehler lassen sich nicht mehr ausbügeln, aber es ist möglich den Artikel lauffähig zu machen, damit er in die jeweiligen Toleranzen passt.

      Solltet ihr daran Interesse haben, könnt ihr mich darauf ansprechen.
    • Matthi29 schrieb:

      ja das stimmt das die Platte einwenig gebogen ist und wahrscheinlich die hackeb deswegen verbiegen.
      Was kann man den Ihrer Meinung denn tun?
      Wie bereits geschrieben , brauche ich die 3-D Artikeldaten und 2-D Artikelzeichnung und am besten das Werkzeugmodell .
      Ich gehe davon aus , dass noch mehr nicht in Ordnung ist. ( Massabweichungen , Toleranzprobleme ......)

      Teilkristalline Materialien wie POM wollen und muessen bei guter Druckversorgung zum Anschnitt hin einfrieren. Ist das nicht der Fall , wird Bereiche im Teil noch als Schmelze vorliegen , wenn andere bereits erstarrt sind .
      Nach dem Erstarren nimmt speziell POM weniger Raum ein , d.h. die Dichte ist hoeher. Dadurch werden Kraefte im Teil freigesetzt , die zu Verzug fuehren.
      ( Pruefung : Teil warmlagern bei 120º Celsius ueber 3 Stunden. Dann duerften innere Spannungen abgebaut sein und der Gesamtschrumpf durchlaufen sein. )

      Genaueres kann ich nur mit o.g. Daten versuchen zu ermitteln.
    • @Matthi29 - wenn die verbogene Grundplatte das "eigentliche" Probleme ist, geht evtl. was über eine stark unterschiedliche Temperierung im WKZ. Schön ist das alles nicht, aber ein pragmatischer Ansatz in der Produktion. Viele Möglichkeiten, nur was über den Prozess zu drehen, bleiben wahrscheinlich nicht.

      • Die Schieber, die die Oberseite der Platte formen, deutlich wärmer fahren
      • Gratbildung in der Trennung steigt dann wahrscheinlich
      • WKZ überarbeiten lassen
      Wie temperiert Ihr das WKZ aktuell?

      Stell doch mal die Prozessdaten hier rein (Zeiten, Drücke, Temperaturen, ...)
    • Ich bin ueberzeugt davon , dass in der grossen Platte mit geschaetzt 3 mm Wandstaerke sich einige Lunker befinden. Aufschneiden und nachsehen. 12 sec. Nachdruck ist zu kurz fuer 3 mm Wand. Die Frage bleibt aber offen , ob der Nachdruck ueberhaupt in dieser Platte wirksam wird oder ob an anderer Stelle bereits abgefroren ist ( Wenn am Haken angespritzt wird / Tunnelanguss )
      Der Anschnitt von 1,21 mm ist fuer 3 mm Wand zu klein ( 2/3 Wandstaerke und der Nachdruck wirkt )

      Matthi29 schrieb:

      Also
      • zylindertemperaturen sind 180 -190 - 200 - 210 - 210 grad
      •Spritzdruck liegt bei ca. 1200 Bar
      •Nachdruck 700 Bar 12 s
      •Einspritzgeschwindigkeit 20cm3/s
      •umschaltpunkt 13cm3
      •Dosiervolumen 65cm3
      •Staudruck 30 bar
      Wzg. Temp. 80grad
      Dekompression 5cm3 und 5cm3/s
      Hoffe damit ist geholfen
      Sie muessen nicht uns helfen , wir versuchen Ihnen zu helfen. Dazu muessen alle Fragen beantwortet werden.
      Die Zylindertemperaturen sind von untergeordneter Bedeutung , viel wichtiger ist die Schmelzetemperatur nach ca. 10 Schuss gemessen ( abpumpen auf Isolierunterlage und dann ruehrend messen mit schnellem Einstechpyrometer )
    • Betrachten wir doch mal das *Ursache(Maschine) - Wirkung(Kavität)*-Prinzip ... Der Maschinenprozess endet an der Schneckenspitze, und nur bis dort kann der Spritzgießer mit seinen Parametern Einfluss nehmen!
      Ich habe mal die Länge der Plastischen Seele im Bild rot dargestellt. Für mich ist es sinnlos, über den Prozess was retten zu wollen, das Hauptproblem ist der Anguss, der extrem viel Prozesswirkung vernichtet. Die 700 ba Nachdruck z. B. kommen nur zum Bruchteil in der Kavität zur Wirkung, zudem versiegelt der Anguss zu schnell ....

      @Matthi29, ermittel bitte mal die FließLänge (rote Linie) am Anguss und stell mal rein.

      Anguss.jpg


      1u21 schrieb:

      Das Kind ist in den Brunnen gefallen, aber noch nicht ertrunken.
      Stimme dem zu.
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!