Berufskrankheiten Verfahrensmechaniker / Kunststoffformgeber

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    • Berufskrankheiten Verfahrensmechaniker / Kunststoffformgeber

      Guten Abend Forum,

      sind für euch gewisse Berufskrankheiten bekannt die der Beruf mit sich bringt? Alle Kollegen die ich bisher kennen gelernt habe klagten über Schulter-/ Rückenschmerzen (mich mittlerweile eingeschlossen).

      Was mich auch interessieren würde, ob jemandem bekannt ist ob der Kunststoffstaub schädlich ist wenn man ihn einatmet (z. B. von PP, PA GFx%, PS, POM usw.). Persönlich finde ich es schon bedenklich wenn man so etwas einatmet, aber bisher hat sich nie jemand dazu negativ geäußert, aber ich mache mir da halt meine Gedanken... ?(

      Würde mich über ein paar Beiträge dazu freuen :)
    • Stäube allgemein sind nicht zuträglich für die Gesundheit. Sie setzen sich in den Atemwegen fest und führen zu chronischen Krankheiten. Aus dem Grund gehört auch eine Atemschutzmaske zur PSA.

      Als Berufskrankheiten können noch folgende Dinge angeführt werden:

      Verbrennung oder Verbrühungen

      Die haben zwei verschiedene Quellen. Einmal Unachtsamkeit oder fehlende PSA. Im Sommer ist es zwar unangenehm in langärmligen Shirts in der Produktion zu sein, aber es deutlich unangenehmer, wenn die nackte Haut einmal Hallo zum heißen Kunststoff oder Metall sagt. Das ist ein Beispiel für Unachtsamkeit. Fehlende PSA ist es, wenn ins freie, ohne entsprechende Abschirmung, gespritzt wird. Entweder gehört eine Scheibe davor oder ein Gesichtsschutz, damit kein heißer Kunststoff direkten Kontakt zur Haut oder den Augen hat.

      Weggeätzte Atemwege

      Die berüchtigsten Kunststoffe dafür sind POM und PVC. Wird bei beiden die maximale Verweildauer überschritten, bauen diese Kunststoffe ab und setzen entweder Formaldehyd oder Chlorgas frei. Ersteres ist nicht so kritisch, führt aber langfristig zu Schäden in den Atemwegen. Heißt also auch hier, dass die PSA eine Atemmaske mit Aktivkohlefilter enthalten muss und die Aktivkohlefilter müssen regelmäßig getauscht werden, damit die Schutzwirkung vorhanden ist. Chlorgas muss auf jeden Fall verhindert werden. Aktivkohlefilter sind nur bedingt einsetzbar, da die Filter vom Chlorgas angegriffen werden und schnell die Schutzwirkung verlieren. Wird das Chlorgas eingeatmet, werden die Schleimhäute zersetzt und die bilden sich nicht mehr neu! Sollte Chlorgas austreten, müssen alle(Ja, wirklich alle) die Produktion umgehend(Nein, hier ist es nicht mehr sinnvoll noch auf den Notaus zu drücken. Der Schaden an der Maschine und dem Werkzeug ist da, aber Schleimhäute sind unbezahlbar!) verlassen und die Feuerwehr muss kontaktiert werden. Die haben entsprechende Ausrüstung für den Umgang mit Chlorgas.

      Quetschungen und Amputationen

      Dies sind häufige Unfälle, durch Nichtbeachtung der allgemeinen Sicherheitsvorschriften. An der Maschine wird nur dann gearbeitet, wenn sie steht und die Schutzschalter offen sind, damit ein unbeabsichtigter Start der Maschine keinen Erfolg hat. Auch wird nicht im laufenden Betrieb zwischen das Werkzeug gegriffen.
      Wird mit Heißwasser gearbeitet, kann Schlampigkeit oder falsche Sparsamkeit zu direkten Amputationen führen. Sind Temperaturen für das Wasser von über 100°C vorgesehen, muss das Wasser unter Druck stehen. Je höher die Temperatur, umso höher auch der Druck. Bei 130°C reichen 4bar aus, damit es flüssig bleibt, während bei 180°C schon mehr als 20bar notwendig sind. Beides kann bei einer Leckage zu überkritischem Dampf führen. Dieser ist nicht sichtbar und schneidet sich durch biologisches Material, wie durch Butter. Bei 130°C ist die Reichweite nicht so hoch, macht es aber nicht ungefährlicher. Das gesamte Werkzeug muss somit in der Maschine soweit eingekapselt werden, dass kein überkritischer Dampf in Richtung Mensch gelangen kann und auch das Temperiergerät inklusive Zu- und Ableitung muss gekapselt werden.

      Das sind die kritischen Verletzungen, die der Beruf mit sich bringen kann. Durch den richtigen Einsatz von PSA und der richtigen Auslegung, ist das Verletzungsrisiko sehr gering und nicht höher als das Verletzungsrisiko im Haushalt. Die üblichen Schulter- bzw. Rückenschmerzen sind eine Folge der "monotonen" körperlichen Arbeit. Abhilfe schaffen hier regelmäßige Übungen oder auch Sport, der diese Muskelregionen fordert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von 1u21 () aus folgendem Grund: Korrektur von PBT auf POM. PBT setzt keine ätzenden Gase frei.

    • Die berüchtigsten Kunststoffe dafür sind PBT und PVC. Wird bei beiden die maximale Verweildauer überschritten, bauen diese Kunststoffe ab und setzen entweder Formaldehyd oder Chlorgas frei.
      Herr Mueller : Kann hier ein Schreibfehler vorliegen ?
      POM ueberhitzen setzt Formaldehyd frei !
      PVC ueberhitzen setzt Chlor frei.
      PBT weder das eine noch das andere, wenn ich mich nicht irre.
      mfG
    • orielefant schrieb:

      Die berüchtigsten Kunststoffe dafür sind PBT und PVC. Wird bei beiden die maximale Verweildauer überschritten, bauen diese Kunststoffe ab und setzen entweder Formaldehyd oder Chlorgas frei.
      Herr Mueller : Kann hier ein Schreibfehler vorliegen ?
      POM ueberhitzen setzt Formaldehyd frei !
      PVC ueberhitzen setzt Chlor frei.
      PBT weder das eine noch das andere, wenn ich mich nicht irre.
      mfG
      Korrekt. Hätte POM heißen müssen. Wird im Beitrag korrigiert.
    • Der Einsatz von PSA soll und muss der letzte Schritt sein, wenn es um Schutzmaßnahmen geht. Vorher müssen alle technischen und organisatorischen Optionen ausgereizt werden.
      Gerade bei Atemschutz (Atemschutzgeräte, Vollmasken) muss beachtet werden, dass dieser nicht von ungeprüftem Personal benutzt werden darf. Oder zumindest nur ganz kurzfristig. Da gibt es fixe Vorschriften!
      Zur Vermeidung von Staub mit "alveolengängigen Bestandteilen" kann jeder beitragen. Z.B. sollte nicht in hohem Bogen nachgefüllt werden. Wenn solche Vorgänge nicht vermeidbar sind, müssen entsprechende Absaugungen nahe dem Entstehungsort installiert werden.
      Was schädliche Gase beim Spritzguss angeht gibt es einerseits einschlägige Untersuchungen. Andererseits kann man enntsprechende Messungen von verschiedenen Gesellschaften (TÜV, BG u.a.) durchführen lassen. Kostet natürlich Geld, öffnet aber so Manchem die Augen - in die eine oder andere Richtung.
      Wir haben solche Untersuchungen bei uns schon mehrere Male in der Compoundierung, sowie auch im Spritzguss durchführen lassen, um zu sehen, ob sich die Ergebnisse auch tatsächlich bestätigen lassen. Das ist übrigens auch Aufgabe des Arbeitsschutzes in einem Betrieb. Und das muss auch tatsächlich vom Betrieb bezahlt werden. Die Ergebnisse ließen sich grundsätzlich bestätigen - in positiver Hinsicht. Haben die Kollegen ständig schwarze Ringe um die Nasenlöcher, muss natürlich an der Absaugung etwas geändert werden. Eine Staubmaske sollte dann nur ausnahmsweise getragen werden müssen.
      Die Beurteilung von anderern körperlichen Verletzungen sollte auch durch den Arbeitsschutz durchgeführt werden. Da eben jede Verletzung (bei uns sogar "beinahe Verletzung) im Verbandbuch eingetragen werden muss (egal ob digital oder handschriftlich) müsste eine regelmäßige Statistik leicht zu erstellen sein. Entsprechend muss aber auch jeder Eintrag entsprechend aufgearbeitet werden. Dadurch können besondere Gefahrenstellen (bei Schnittverletzungen oft die geliebten Cuttermesser) entsprechend enttarnt werden und es muss dann ein entsprechender Lösungsweg gefunden werden.
      Es ist nicht immer einfach alles entsprechend zu dokumentiern und zu entwickel. Aber es geht. Und meistens tatsächlich mit dem Ergebnis, dass die Verletzungen deutlich zurück gehen. Hektik, Leistungsdruck und Gedankenlosigkeit lassen sich durch entsprechende Organisation meistens mindern oder beseitigen. Vorraussetzung ist das ALLE daran mitarbeiten. Vieles kann dabei unbequem werden. Wenn dadurch Verletzungen aber vermieden werden sollte man damit arbeiten. Vorschriften müssen befolgt werden. Wenn nicht, können Vergehen auch geahndet werden!
      Siehe auch:
      POM Zersetzung
      Spritzguss Gesundheitsgefahr?
      Sicherheit beim Spritzgiessen

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von petersj ()