Muss die Artikelkonstruktion neu gedacht werden?

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    • Muss die Artikelkonstruktion neu gedacht werden?

      In Anlehnung anverschiedene Forenbeiträge, eröffne ich einen Diskussionsbeitrag zum ThemaArtikelkonstruktion. Häufig geht es auch in die Richtung, dass nicht nur in derProduktion viel Potential liegen gelassen wird, sondern schon in derKonstruktion des Artikels.

      Welchen Einfluss hatdie Artikelkonstruktion auf das Werkzeug und welchen Einfluss hat dieArtikelkonstruktion auf die Produktion?

      Ziel derArtikelkonstruktion ist es das Design und die Funktion zu gewährleisten.Entweder wird das Design vom Kunden vorgeben und die Sichtfläche ist relevantoder es wird ein bestimmte Funktion verlangt. Beides kann auch kombiniertwerden. Hieraus können viele verschiedene Konstruktionen folgen. Sehr häufigorientieren sich die Konstruktion an den Regeln für Metallgusskonstruktion undberücksichtigen somit nicht die Eigenschaften und Möglichkeiten, dieKunststoffe bieten.
      Die Eigenschaftenvon Kunststoffen sind oft nur rudimentär bekannt.

      Die Viskosität wirdals MFI verstanden. Je höher der MFI, umso besser muss das Material fließen.Dabei beschreibt der MFI nur einen Punkt auf der temperatur- undscherratenabhängigen Kurve. Aus der Erfahrung wird der Artikel so konstruiert,dass das Verhältnis von Fließweglänge/Wanddicke eingehalten wird. Aus Vorsichtwird somit bei Kunststoffen mit einem geringen MFI die Wanddicke stärkergewählt. Das geht einher mit einem erhöhten Materialverbrauch und längererZykluszeit. Ist das große Thema Viskosität teilweise verstanden, erfolgt dieKonstruktion anders. So hat der Kunststoff MOPLEN EP240H einen MFI von 2g/10minbei 230°C und 2,16kg Last. Der Kunststoff PP576P hat einen MFI von 14,7g/10minbei gleichen Bedingungen. Wird nur der MFI betrachtet, müsste man davonausgehen, dass der notwendige Fülldruck bei gleicher Geometrie beim EP240H umein vielfaches höher liegen müsste. Dass das nicht der Fall ist, ist imangehängten Bild zu sehen. Dort werden beide Materialien für einenDünnwandartikel genutzt. Der Druckunterschied liegt nur 31% höher. Somit istdie Erfahrung, dass der MFI gleichzeitig auch die Viskosität beschreiben soll,hinfällig. Die höhere Wandstärke ist unbegründet gewählt.
      Werden auch diethermischen Eigenschaften nicht berücksichtigt, ergeben sich negativeErgebnisse mit hohen Wandstärken. Teilkristalline Kunststoffe geben während desKristallisationsvorgang Wärme ab ohne die Temperatur zu ändern. Wird dieseWärme nicht schnell genug abgeführt, geht die Kristallisation stetig weiter bisdie Temperatur zu gering ist um diesen Prozess zu unterstützen. Durch dieseSchwindung wird eine Eigenspannung aufgebaut, die den Artikel deformiert und zuVerzug führt. Resultat ist häufig eine Werkzeugänderung nach der anderen.Dieser Verzug ist auch von Kunststoff zu Kunststoff unterschiedlich. Es gibtPP-Sorten, die reagieren gutmütig auf hohe Wandstärken und kristallisieren nurlangsam aus. Andere PP-Sorten haben von Natur aus schon einen hohenkristallinen Anteil und werden so noch stärker Schwinden. Ein Kompromiss imnotwendigen Schwindungsaufmaß kann teuer und zeitaufwendig durch Try&Errorermittelt werden oder schon in der Konstruktionsphase mittels Simulation. Derdigitale Zwilling erlaubt kostengünstige Versuche schon während derKonstruktionsphase und legt Schwächen schnell offen.
      Damit das ganzePotential des digitalen Zwillings ausgeschöpft werden kann, ist eineKommunikation mit dem Werkzeugbau notwendig. So lässt sich schon schnell diegeplante Temperierung überprüfen, ob diese einen positiven oder negativenEinfluss auf die Artikelqualität hat und wie sich diese verbessern lässt. Beiglasfasergefüllten Kunststoffen kann das Angusskonzept günstig erarbeitetwerden, damit am Ende keine bösen Überraschungen auftauchen. Mittels virtuellenSensoren kann so auch eine gute Position für Drucksensoren ermittelt werden.Aus den Informationen der Simulation kann so eine sinnvolle Position ermitteltwerden, die sich auch gut im Werkzeug umsetzen lässt.
      Geht dieArtikelkonstruktion schon auf die Eigenschaften der Kunststoffe ein, ergebensich verschiedene Möglichkeiten.
      Das Prozessfensterin der Produktion ist deutlich größer. Leichte Materialschwankungen sindwesentlich leichter kompensierbar und die Möglichkeit weiteres Material ohneWerkzeugänderung erfolgreich zu bemustern besteht ebenfalls. Durch dieselteneren Eingriffe in die Produktion und Messtechnik, haben dieVerfahrensmechaniker wesentlich mehr Zeit und Ruhe die minimale Zykluszeit,ohne auf Kosten der Qualität, zu ermitteln. Mit dieser Rückmeldung aus derProduktion in die Artikelkonstruktion können Schwächen im Simulationsprozesserkannt und behoben werden. Das führt zu besseren Simulationsergebnisse,wodurch die Produktion von einem noch breiteren Prozessfenster profitiert.

      Grundlegende Fehlerin der Produktion lassen sich damit nicht abstellen. Soll dieser Wegerfolgreich sein, ist auch die Produktion gefragt und muss vom Ausbildungsstandauf dem aktuellen Stand der Technik sein. Das heißt die Themen Drucksensorik,Materialkennwerte, Grundlagen Simulation und Grundlagen Werkzeugkonstruktionmüssen vorhanden sein. Der Ausbildungsstand muss somit erhöht werden, damit dieProduktion mit immer weniger Zwischeneingriffen läuft und auch deutlichautomatisiert werden kann. Das heißt jedoch nicht, dass sich dieVerfahrensmechaniker wegrationalisieren lassen, da jedes Werkzeug ein Unikatist und individuelle Handgriffe hat, die sich nicht automatisieren lassen.

      Ich bitte umMeinungen und Kritik zu diesem Thema.
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    • Danke für die ausführliche Ausführung, informativ.

      Meine Meinung zu dem Thema:
      "Das Rad neu erfinden" muss man nicht. Aber wie in jedem Betrieb auf der Welt ist überall der gleiche Handgriff doch anders... Alle verfolgen ihre Philosophien und sind der Meinung, die Arbeitsorganisation ist gut, wie sie ist. Aber genau da ist der Haken an der Sache!

      Du hast in deinem Text alles notwendige genannt um ein Projekt von der Konstruktion über FOT hin zu einem reproduzierbarem Prozess zu führen. Ergo keine Probleme, alles gut und überall im Spritzguss weniger als 3,4 ppm Ausfall. Die Methoden und Technologien sind alle bekannt.

      Problem:
      Sie sind nicht jedem bekannt.
      In der Arbeitsorganisation eines Projektes müssen die Meilensteine sowie die Einzelaufträge klar definiert sein. Mangelnde Kommunikation ist das Problem. Selten sind alle an einem Tisch, die aus allen wichtigen Berwichen etwas dazu beitragen könnten. Und da rede ich nicht nur von Anwendungstechnikern für Material oder HK, da fehlen manchmal viel wichtigere Mitarbeiter aus dem eigenen Hause...
    • ParameterJongleur schrieb:

      Danke für die ausführliche Ausführung, informativ.

      Meine Meinung zu dem Thema:
      "Das Rad neu erfinden" muss man nicht. Aber wie in jedem Betrieb auf der Welt ist überall der gleiche Handgriff doch anders... Alle verfolgen ihre Philosophien und sind der Meinung, die Arbeitsorganisation ist gut, wie sie ist. Aber genau da ist der Haken an der Sache!

      Du hast in deinem Text alles notwendige genannt um ein Projekt von der Konstruktion über FOT hin zu einem reproduzierbarem Prozess zu führen. Ergo keine Probleme, alles gut und überall im Spritzguss weniger als 3,4 ppm Ausfall. Die Methoden und Technologien sind alle bekannt.

      Problem:
      Sie sind nicht jedem bekannt.
      In der Arbeitsorganisation eines Projektes müssen die Meilensteine sowie die Einzelaufträge klar definiert sein. Mangelnde Kommunikation ist das Problem. Selten sind alle an einem Tisch, die aus allen wichtigen Berwichen etwas dazu beitragen könnten. Und da rede ich nicht nur von Anwendungstechnikern für Material oder HK, da fehlen manchmal viel wichtigere Mitarbeiter aus dem eigenen Hause...
      Bestätigen kann ich die Tatsache, dass die kommunikation einfach fehlt und auch die Zeit dazu nicht ist Von daher gebe ich dir hierbei Recht.
    • Nicht nur mangelnde Kommunikation,
      Es liegt auch vielmehr an der Unwissenheit der Designer, Produktgestalter.
      Die kommen aus irgendwelchen Schulen(nicht böse gemeint), haben noch nie gesehen wie ein Joghurtbecher hergestellt wird.
      Wird an den Rechner gesetzt und zeichnet los auf Teufel komm raus.

      ISt das gleiche bei Konstrukteuren. noch nie Stahl von Hand bearbeitet aber zeigen, sagen wollen wie es geht.

      DAnn kommen wir wieder auf den Kern des Problems wie auch in anderen Post hier. Ausbildung Ausbildung Ausbildung.
    • Behrens schrieb:

      Auch wenn ich als altmodisch verpönt werde, bleibe ich dabei: Ohne abgeschlossene Berufsausbildung kein Studium!
      Ich hab keine Ausbildung vor meinem Studium gemacht. Ich schlage zwei Alternativen vor.

      1. Schwerpunkte in den Betriebspraktika setzen sowie mehr Pflichtpraktika im Labor in den Hochschulen

      Ich habe während meines Studiums genug Leute kennengelernt, die während des Praktikums nur am Schreibtisch saßen und nie praktisch tätig waren. Die Grundlagen der Metallbearbeitung müssen sein, damit ein Verständnis für die Maschinen und den Ablauf vorhanden ist. Bei meinem Praktikum hatte ich das Glück, dass ich in einer Abteilung eingesetzt wurde, die gerade im Aufbau war. So durfte ich alle Bereiche von der Grundidee bis zum fertigen Produkt kennenlernen. Das beinhaltete so ziemlich alle Bereiche, womit mir die Wahl meiner Schwerpunkte erleichtert wurde, da ich meine Stärken und Schwächen entdecken konnte.

      2. Die Anforderungen an das Abitur erhöhen und das Bild des Facharbeiters zurechtrücken

      Es mag für manchen harsch klingen, aber mittlerweile ist heutige Abitur kaum noch was wert. Im Vergleich zu einem Abitur vor 20 Jahren, lernen die heutigen Jugendlichen viel weniger, speziell in den naturwissenschaftlichen Fächern. Mein Abitur ist 13 Jahre her und ich hatte im Mathematik- und Physik-Leistungskurs jeweils Lehrer gehabt, die das Niveau hoch gehalten haben. Das Tempo und die Pflicht zum selbstständigen Lernen lagen auf Uni-Niveau und zum Beginn des Studiums habe ich dies bemerkt. Dafür bin ich dankbar, da ich sonst das Studium entweder mit höherem Zeitbedarf geschafft hätte oder gar nicht.
      Wenn schon klar ist, dass man das Abitur mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schaffen wird, ist eine Ausbildung die bessere Wahl. Durch die Inflation der Abitur-Abschlüsse(mittlerweile werden Abi-Prüfungen künstlich verbessert, da die Aufgaben "zu schwer" waren) hat sich das Bild des Facharbeiters verschlechtert. Das finde ich schade, da sie die Hauptstütze unseres Wohlstands sind. Was bringt ein Studium in einem Fach, was in der Wirtschaft überhaupt nicht gefragt ist?

      Beide Alternativen würden das Problem der Kommunikation und Informationsbeschaffung lösen. Der Blick auf die Facharbeiter geht wieder in die Horizontale und wenn beide Seiten(Facharbeiter und Akademiker) auf gleicher Augenhöhe kommunizieren, macht die Arbeit deutlich mehr Spaß. Ich spreche da aus guter Erfahrung. Das Studium erhöht einen nicht, sondern ist ein anderes Feld.
    • @1u21, dein "Wunschdenken" in allen Ehren, und ich stimme dem auch zu. Das Problem bzw. die Gefahr der "Überakademisierung" (möglichst jeder soll Abitur machen) ist auch seit langen Jahren bekannt - ich kenne die Diskussion schon seit über 30 Jahren. Jedoch lässt sich das Bildungssystem sehr schwer wieder umkehren, da das Niveau der in dem System nachgewachsenen Lehrenden von Jahr zu Jahr auch mit abgesunken ist - klar, es gibt auch noch viele Ausnahmen, GottseiDank!

      Ändern wird sich nichts, solange die entscheidenden Politiker täglich ihre "Dosis Weichmacher" schlucken ....

      Hier im Forum bestätigt sich immer wieder, dass *der Unterschied zwischen Theorie und Praxis (leider) nur in der Praxis schmerzhaft zu Problemen führt*!

      Auch diese Erkenntnis/Erfahrung von Eltern treibt die vielen Jugendlichen immer wieder bei der Berufswahl zur T H E O R I E .........

      Organigramm.jpg
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!
    • Behrens schrieb:

      Auch wenn ich als altmodisch verpönt werde, bleibe ich dabei: Ohne abgeschlossene Berufsausbildung kein Studium!
      Da werden sich die Ausbildungsbetriebe freuen, wenn jeder 4. der fertigen Azubis pauschal zur Uni verschwindet, weil er die Ausbildung nur als Pflicht gemacht hat.
      Da sehe ich eher entsprechend sinnvoll gestaltete Duale Systeme!

      Ich bin da komplett bei @1u21:
      - Mehr Praxis in die (technischen) Studiengänge, besonders IM Semester. und zwar wirklich eigenverantwortliches Arbeiten in Werkstätten und Laboren über Praktika und Studienarbeiten - nicht nur so: "hier habt ihr 5 Bauteile, verdrahtet die, stellt die 3 Werte ein und lest 20 Messwerte ab."
      - Gleichzeitig sehe ich aber auch die Unternehmen in der Pflicht, denn es ist für viele Studenten fast ein Ding der Unmöglichkeit, für Vorpraktika in den ersten Semestern über 4 oder 8 Wochen eine Stelle zu finden. Unter nem halben Jahr (Praktikum + Bachelorabeit) oder Praxis-Semester geht da nix
      -> was bleibt also anderes übrig, als sich über Beziehungen etwas zu suchen, was fachlich nicht wirklich sinnvoll ist, aber "für den Schein" reicht?
      - Auch an dem "minderwertigen" Image der Ausbildungsberufe und des Nicht-Abiturs sind die Unternehmen selbst schuld! Wenn ein namhafter Autohersteller mit 3 Buchstaben vor 12-15 Jahren Abi als Voraussetzung für Ausbildung aufruft (Obwohl für handwerklich-technische Bereiche vielleicht sogar jemand mit Geschichte und Bio 4,0 besser geeignet ist), ist klar dass alle mit der Brechstange das Abitur versuchen
      - Auch die Wertigkeit des Facharbeiters oder Technikers wurde gesellschaftlich durch verschiedene Institutionen lang bombardiert, bevor man feststellte: Mist, will ja keiner mehr machen!
      Und der Plan der Geister-Montage ist ist bisher zum Glück auch noch nicht aufgegangen.
    • @Behrens
      Ich hab noch immer die Hoffnung, dass mit einer richtigen Krise die Prioritäten wieder neu gesetzt werden.
      Wenn jetzt durch Corona die Insolvenzen steigen, gibt es eine Schwemme an Akademikern auf dem Markt. Hinzu kommt dann noch der Druck für die lebensfähigen Firmen weiter zu automatisieren, um sinnvoll Kosten zu sparen. Es gibt manche Akademiker-Stellen, die sich sehr gut automatisieren lassen. Schon heute können ca. 80% der Stellen für BWLler durch Automatisierung ersetzt werden. Dank KI entfällt der Aufnahmeprozess bei Schriftstücken zum größten Teil und somit sind z.B. Rechnungen auch schnell erfasst. Ebenso sind viele Stellen in der Buchhaltung automatisierbar, wenn auf den TCO geschaut wird. Zwar ist es arbeitsintensiv diese Art der Buchhaltung einzuführen, spart jedoch dauerhaft eine Menge Zeit und Geld und reduziert die Wahrscheinlichkeit von Sabotageentscheidungen. Am Ende bleibt noch das technische Personal, was nicht automatisiert werden kann.
      Sobald sehr viele aus dem Bereich BWL arbeitslos sind und bleiben, wird es einen Schock geben, der ein BWL-Studium unattraktiv macht.

      Und spätestens dann, wenn sehr viele Menschen arbeitslos sind und bleiben, muss sich die Politik rühren. Es wird lange dauern bis das Qualitätsniveau an Schulen und Universitäten gehoben wird, aber es muss passieren. Was anderes kann Deutschland nicht bieten.

      Solange gilt auch folgendes Bild:

      [Blockierte Grafik: https://debeste.de/upload/f56670ed76a21be0228ff5f849ff323f7068.jpg]
    • Das ist ja alles richtig, jedoch SYSTEMVERÄNDERUNG in Deutschland? Bis zum Jahr 2100 mag sich vielleicht einiges ändern ... Corona schwemmt Themen hoch, die sind schon fast 50 Jahre alt! Ich weiß ja, dass ich hier im Forum fast (oder ganz?) einer der wenigen Ältesten bin ;) :D und vor 40 Jahren kursierte schon der Spruch (weil du @1u21 die BWLer erwähnst) "Wer nichts wird wird Betriebswirt und garnichts wird wird Kneipenwirt" vielleicht ist er dem einen oder anderen bekannt .... Und? Was hat sich seitdem verändert?
      - An welcher Stelle steht Deutschland bei der Digitalisierung? An der 50ten oder noch weiter hinten ....?
      - Wieviele Schulen und Lehranstalten in Deutschland habe Wlan geschweige denn sind digitalisiert?
      - In wieviel Amtsstuben gehört das FAXEN noch zum täglichen kommunizieren?
      - usw.

      Nein, ich will nicht schwarzmalen ... ich sehe dieses alles als ein riesiges Potential, was man noch locker nutzen kann/muss! :thumbsup:

      1u21 schrieb:

      Und spätestens dann, wenn sehr viele Menschen arbeitslos sind und bleiben, muss sich die Politik rühren. Es wird lange dauern bis das Qualitätsniveau an Schulen und Universitäten gehoben wird, aber es muss passieren. Was anderes kann Deutschland nicht bieten.
      Wir hatten schon reichlich Arbeitslose .... und? Was hat sich verändert? Solange die Politik Bildung in einem System NUR über Hochschulen definiert, kommt genau das raus, was wir haben!

      Aber zurück zur Basis, zurück ZU UNS in die Spritzerei: WER IST DORT OFFEN FÜR VERÄNDERUNG UND NEUES DENKEN?
      50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben! Hier wäre doch Veränderung und neues Denken fällig, oder? JEDER von UNS hier im Forum sollte mal SEINE EIGENE Nase berühren und sich fragen: Was tue ich? ;) ;) Allein das wäre schon großer Fortschritt ... hin zu neuem Denken!
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!
    • Das Thema wird immer schwieriger für Fachleute. Als ich Betriebsleiter war, konnte ich viele Prozesse beeinflussen innerhalb der Fertigung, ZA mit WZB und auch Kunden in der Fertigung.

      Aber " Nur" als Geschäftsführer mit dem Kunststofftechnikhintergrund kann ich alle Prozesse innerhalb eines Unternehmens beeinflussen.

      Jetzt bin ich in einem großen Unternehmen. Da bin ich schon in der Produktentwicklungsphase dabei. Super. Aber mittlerweile gibt es so viele tools und Meeetings, Leitfäden usw. Da wird fast parlamentarisch entschieden wie es gemacht wird.

      Vor 10 Jahren kam der Entwickler und hat gefragt, welchen Kunststoff nehmen wir am besten und was sagst Du zu der Konstruktion. Heute muss man zig Folien und Untersuchungen machen, um ja sicher zu sein, dass man des optimalste Design und Material hat. Da ich fast nur Elektronik mache, kommen dann ganz andere Themen der " Umhüllten" elektronik über Lebensdauert raus.
    • Neuer Nutzer schrieb:

      Jetzt bin ich in einem großen Unternehmen. Da bin ich schon in der Produktentwicklungsphase dabei. Super. Aber mittlerweile gibt es so viele tools und Meeetings, Leitfäden usw. Da wird fast parlamentarisch entschieden wie es gemacht wird.
      Das bestätigt: Wer sich entwickeln will, wer was bewegen will und wer nicht nur "eine Nummer" sein will, der sollte in ein KU (Kleinunternehmen) gehen!
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!
    • Also die Produktdesigner (Ausbildungsberuf) haben ja dann die einzelnen Fachrichtungen.
      Unsere Berufsschule setzt komplette "Handlungsorientierte Projekte" um, wo die Azbis auch die Rückmeldung bekommen,
      wie gut oder schlecht ihr Design funktioniert.
      Vorher bekommen sie aber die kompletten Designgrundlagen an die Hand.
      Fachliteratur z.B. Produktdesign mit Kunststoff usw.

      Wenn natürlich Designer und Konstrukteure unteinander die Daten nur austauschen, hinterfragt niemand mehr eine
      spritzgussgerechte Formgestaltung.

      Da geht es los bei Bindenahtposition, Anspritzpunktlage, Wanddickensprünge, Entformungsschrägen.

      Eigentlich müsste man einen Designer selber an die SGM stellen, wenn ein Teil DS hängen bleibt, weil wieder nur
      0,5° Schräge umgesetzt wurden.


      Unsere Konstruktion (2 Mann) mussten in der Woche 2-3 Werkzeuge zeichnen und andere Konstruktionen erzeugen.
      Leider wurde deshalb oft zu schnell "geschossen" und Design 1 zu 1 übernommen.

      Ursprünglich wurde mal eingeführt, dass bei allen neuen Teilen eine kurze Besprechung einberufen wird, um ggf.
      Fehler oder Ideen von allen Beteiligten Stationen eingebracht werden können.

      Konstruktion/Werkzeugbau/Spritzerei/QS

      Wurde leider dann nicht mehr gemacht :(

      Ich finde auch, dass vor jedem Studium eine Ausbildung gemacht werden sollte.
      Damit meine ich aber nicht, 1 Jahr Travel and Work in Australien ;)

      Oder ausführliche Praktikas......über Monate....mit selber Hand anlegen.
      Aber das ist bei uns wieder ein Versicherungsproblem wahrscheinlich.......
    • Luemmel schrieb:

      Ursprünglich wurde mal eingeführt, dass bei allen neuen Teilen eine kurze Besprechung einberufen wird, um ggf.
      Fehler oder Ideen von allen Beteiligten Stationen eingebracht werden können.

      Konstruktion/Werkzeugbau/Spritzerei/QS

      Wurde leider dann nicht mehr gemacht
      Warum nicht, hat es sich nicht bewährt?
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!
    • Luemmel schrieb:

      Ich finde auch, dass vor jedem Studium eine Ausbildung gemacht werden sollte.

      Damit meine ich aber nicht, 1 Jahr Travel and Work in Australien ;)

      Oder ausführliche Praktikas......über Monate....mit selber Hand anlegen.
      Aber das ist bei uns wieder ein Versicherungsproblem wahrscheinlich.......
      Damit ziehst du dir aber en masse Berufsanfänger mit 27+ Jahren Einstiegsalter heran (Abi 18/19; Ausbildung 3/4 Jahre, Studium 5/6 Jahre)

      Versicherungsproblem sind die Praktika weniger - eher ein Existenzproblem: die 1-2 Semester Praktium sind idR. nicht oder schlecht bezahlt, Bafög steigt auch aus wenn du Pech hast (wegen Regelstudienzeit/Zielerreichung)

      Aber generell ist es wirklich wichtig, sowohl "gelehrte Praxis" als auch realitätsnahe, praktische Aufgaben in die (Hoch)schulische Ausbildung reinzubringen. Seitens der Bildungsträger die Ressourcen dafür zu schaffen, dass ein in Projektarbeit konstruiertes Teil auch wirklich auf der Maschine landet und die "Jungs und Mädels" am Ende sehen, was sie "verbrochen haben"

      Andererseits gibt es auch genug Ausbildungsberufe, bei denen die berufliche Betreuung "miserabel" ist - im Spritzguss zumindest nicht fachfremd, weil die "billige Arbeitskraft an der Maschine" zu Wertvoll ist, aber ich kenne einige Personen persönlich, bei denen war Basteln (Reparaturen mit Händen und Füßen) und "Strafarbeiten" (Rasenmähen) eher die Regel als die Ausnahme ... die kannst du dann genauso wenig eigenverantwortlich an eine Anlage stellen, wenn sie ihren Gesellenbrief in der Hand haben.
    • In meinem Unternehmen ist die Spannweite so groß, dass der Einrichter nie mit einem Konstrukteur zusammenkommt.

      Aber interne Produkte werden schon von allen Seiten betrachtet.

      Bei Zukaufteilen sieht das anders aus. Zeichnung, 3- D Modell, Material, Stückzahlen, so nun geb mir mal einen Preis......

      Aber mittlerweile wissen sich die Lieferanten auch zu helfen, denn es gibt ja in der Regel immer Änderungen....

      Ich glaube die Fragestellung sprengt in so einem Forum den Rahmen. Es müsste differenzierter von " Betroffenengruppen" beantwortet werden.
    • 1u21 schrieb:

      Kommen wir wieder zum eigentlichen Thema zurück.

      Woran liegt es, dass nicht kommuniziert wird? Besteht keine Zeit? Oder gibt es keine gemeinsame Sprache? Verstehen sich die Einrichter nicht mit den Konstrukteuren?
      Weil es immer schnell gehen muss. Passt dann was nicht, wird die Zeit, welche vorher nicht aufgebracht wurde, mehrfach in das lösen des Problems gesteckt. So erlebe ich das oft genug.
      Warum daraus keiner lernt - keine Ahnung.
    • 1u21 schrieb:

      Kommen wir wieder zum eigentlichen Thema zurück.

      Woran liegt es, dass nicht kommuniziert wird? Besteht keine Zeit? Oder gibt es keine gemeinsame Sprache? Verstehen sich die Einrichter nicht mit den Konstrukteuren?
      Hallo,

      ich denke das kann man nicht pauschalisieren. Da gibt es verschiedene Gründe. Z.B.

      - Keine Zeit
      - Keine Lust
      - Keine klare Vorgabe des Vorgesetzten
      - Selbstüberschätzung
      - Eitelkeit
      - Keine klar strukturierten Prozessabläufe
      - Unwissenheit
      - ...

      Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass z.B. hin und wieder Konstrukteure so von sich und ihren Konstruktionen überzeugt sind, dass sie es gar nicht möchten dass ein Einrichter/KU-Techniker an ihren Konstruktionen mit werkelt. Da werden HInweise seitens Einrichtern usw. als Kritik angesehen, statt als zielführend. Das ist natürlich nicht immer so, aber kommt schon vor bzw. ist es sehr schwer einen Konstrukteur, welcher sich solch ein Verhalten aneignet davon abzubringen. Also wird man von solch einem Konstrukteur wenig Einsicht erwarten können. Außer, sein Vorgesetzter schreibt ihm eine Kommunikation mit entsprechenden Personen vor. Doch dann ist das wieder eine Anweisung von der er nichts hält, was wohl am Ende auch wieder zu keinem erfolgreichen Ergebnis führt.

      Genauso gibt es jedoch die Situation, dass Konstrukteure (Egal ob Teilekonstruktion oder Werkzeugkonstruktion) eben wohl entsprechende Einrichter/Techniker usw. bei der KOnstruktion mit ins Boot holen, hier jedoch nicht die entsprechende Fachkenntnis vorhanden ist um erfolgreiche Hinweise zu geben. Auch hier sollte dann der Vorgesetzte reagieren.

      Dies sind nur Beispiele, jedoch können beide Situationen dazu führen, dass es zu Streitigkeiten kommt wenn am Ende das Produkt nicht wie gewünscht Produziert werden kann. Egal ob das WErkzeug/Teil falsch konstruiert wurde oder ob der Einrichter "falsche" Tips zur Werkzeugkonstruktion gibt. Es werden immer Schuldige gesucht. Dann knallt es und die Bereitschaft beim nächsten Projekt wieder gemeinsam zu arbeiten sinkt stetig.

      Den Faktor Zeit kann ich eigentlich nie wirklich gelten lassen. Die Zeit, die man gemeinsam verwendet um ein Teil/das Werkzeug zu optimieren, wird am Ende im Prozess wieder rein geholt.

      Also für mich sind das oft menschliche Gründe...

      LG

      Klabuster
    • Ich wage zu behaupten das 95% der "Einsteller/Einrichter/Kufus" keine Ahnung haben wie ein Produkt für einen robusten Prozess sinnvoll designt werden sollte.
      Woher auch? @Behrens siehe ihre Kommentare zum Stand der Ausbildung aktuell

      Ich kenne nur Konstrukteure die auf Wolke7 schweben und meine wir Kufus sind alle blöd und machen eh nur Werkzeug kaputt ;)