Additive gegen Verzug / Werkzeugaenderung

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    • Additive gegen Verzug / Werkzeugaenderung

      Hallo zusammen,

      welche Möglichkeiten gibt es in Form von Additiven gegen Verzug und Schwindung einzuwirken.
      In diesem Fall bezieht sich meine Frage auf das Grundmaterial PC/ABS Lupoy HR5007 AC . Das Teil wird anschließend lackiert.
      Somit scheiden gewisse Stoffe schon mal aus.

      Des Weiteren bezieht sich mein Problem auf die Teile Geometrie, die ich in einem anderen Thema erläutern möchte.
    • Möglich sind Glaskugeln oder Glasfasern.
      Glasfasern führen dazu, dass der Verzug vom Anspritzpunkt abhängig wird und weniger von der Temperierung. Da müsst ihr im Vorfeld mittels einer Simulation prüfen, ob sich eure Situation verbessert oder verschlechtert.
      Glaskugeln reduzieren allgemein den Verzug, da der Anteil vom Kunststoff im Formteil sinkt. Auch hier besteht die Gefahr, dass ihr eure Situation verschlechtert anstatt verbessert.

      Bevor ihr mit irgendwelchen Additiven oder Füllstoffen arbeitet, solltet ihr erstmal ermitteln, warum der Verzug so auftritt, wie er gerade ist. Ohne diese Information ist es ein stochern im Nebel und wird euch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zum Ziel führen bzw. viel Zeit und Geld kosten. Meine Vermutung ist hier die übliche. Keine konsistente Wanddicken oder sehr schlechte Temperierung.
    • @Fuzzy - mit einem PC/ABS habt ihr ein amorphes Material. Von Hause aus gering in Schwindung und Verzug. Wenn ihr hier Probleme habt, ist was richtig was faul

      • Artikelgestaltung kunststoffgerecht (Wandstärken, Fleißwege, ...)
      • WKZ Temperierung
      • Anguß/Anschnitt
      • Prozessführung
      • ...


      Bitte gib uns mehr Infos dazu:
      • Spritzprotokoll
      • Schussgewicht
      • Fachigkeit
      • Anguss/Anschnitt Dimensionierung
      • Bilder Bauteil, Anguss/Anschnitt
      • genaue Problem-Beschreibung
      Dateien

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von LutherStickl ()

    • Ohne das Material grundlegend in seiner Spezifikation zu ändern habt ihr grundsätzlich keine Möglichkeiten.

      Mich beschäftigen hier ganz andere Fragen:
      - Wie sah es bei der Abmusterung aus?
      - Wurde bei der Abmusterung das gleiche Material verwendet?
      - Wurde das Teil in der Vorzeit aus einem anderen Material hergestellt?
      - (Wenn die vorige Frage mit "ja" beantwortet wurde) Wer glaubt, Formteile gleicher Dimension mit einem Werkzeug für ein anderes Material erzeugen zu können?

      Verzug könnte man noch ggf. mit einer entsprechenden Temperierung in den Griff bekommen - wenn nicht gerade eine "Achterbahn" aus der Maschine fällt. Die Schwindung kann zwar mit Werkzeugtemperatur und Drücken begrenzt beeinfusst werden, ist jedoch bei gleichem Material kaum zu beeinflussen.
    • Das Problem ist Eher Verzug durch die Teilegeometrie. Auf dem Bild 2 habe ich den Verzug mal im extrem eingezeichnet. Die Blende verzieht logischerweise in Richtung der Blindtaste.
      Meine Idee waere ein oder zwei Stege einzubringen (Bild 3) , sozusagen als hilfsbruecke, die danach aus dem Teil entfernt wird. Nicht das Gelbe vom Ei aber vllt eine moeglichkeit. Den Breich anderweitig zu kuehlen ist leider nicht moeglich.
      Dateien
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    • Da haben wir doch die Ursache für den Verzug.

      Leider werden die zwei Stege nicht sehr viel weiterhelfen. Die Blindtaste hat ein deutlich größeres Volumen als die Stege und somit auch mehr Kraft für den Verzug. Dauerhafte Abhilfe schafft eine symmetrische Blindtaste auf der anderen Seiten. Du musst noch bedenken, dass durch diese Geometrie die Füllung nicht symmetrisch ist und somit auch die Fließfront nicht so läuft, wie vermutet. Mit den zwei zusätzlichen Stegen bringst du noch weitere Bindenähte ein, die nichtsymmetrisch sind. Somit verschlimmbesserst du das Problem und diese Bindenähte können bei der Oberflächenveredelung noch schlimmer werden.

      Willst du dauerhaft Abhilfe schaffen, muss die passende Vorhaltung in das Werkzeug rein. Wenn ihr verschiedene Varianten dieses Artikels nutzt, helfen nur passende Wechseleinsätze für die verschiedenen Varianten.
    • Ihr braucht ein Kräftegleichgewicht hierbei. Die Blindtaste ist relativ hoch und kann durch die gute Anbindung hohe Kräfte ausüben. Nehmt ihr für die andere Seite einen dünneren Anguss, wird dieser vorzeitig abreißen und ihr steht immer noch am Ausgangspunkt. Kräfte durch Schwindung sind nicht ohne. Ebenso kann der Bereich nicht vollständig gefüllt werden und ihr habt nichts gewonnen außer Überladung.

      Mich würde auch interessieren, warum genau diese Variante die Probleme macht.
    • Bei den anderen Varianten aendert sich die position und Anzahl der Blindtasten. Habe somit mehr Mateial innerhalb des Rahmens und Teilweise so Positioniert, das das Teil gleichmaessig schwinden kann. Bei dieser Version ist das eben leider nicht der fall und aufgrund der beschaffenheit verzieht sich dieser Bereich eben und die eingebauten Taste im unteren Bereich klemmt.
    • Dann bleiben zwei Möglichkeiten. Die Blindtaste exakt spiegeln oder eine Vorhaltung einbringen.

      Die Spiegelung lässt sich am einfachsten umsetzen, kostet jedoch zusätzliches Material, was mit zusätzlichen Material- und Nachbearbeitungskosten verbunden ist. Sinnvoll wäre die Vorhaltung sinnvoll, da ihr so kein unnötiges Material benötigt und je nach Losgröße und Gewicht ist das auf Dauer viel günstiger. Den Wert der Vorhaltung könnt ihr mittels Simulation sinnvoll ermitteln.
      Hierbei ist es aber wichtig, dass schon der digitale Zwilling eine sehr ähnliche Auslenkung liefert. Sind diese Ergebnisse nicht nah an der Realität, stochert ihr weiter im Nebel. Solltet ihr keine Möglichkeit dafür haben, könnt ihr mich gerne ansprechen
    • Plastik Designer schrieb:

      Wird in China ganz häufig gemacht und sollte in Mexico auch problemlos funktionieren.
      Wird übrigens in Europa auch noch gemacht ;) aber ob man auf solche Arbeitsweisen zurückgreift, sollte gut überlegt werden!

      Plastik Designer schrieb:

      Denke ich das es am besten ist wenn du eine Matrize aus Alu oder Holz erstellen lässt und die teile dann darauf abkühlen lässt.
      Das wäre "SchwindungsVerzug einfrieren", was dann dazu führt, dass a) die Teile mit Spannung in ihre Zukunft geschickt werden und b) dass die Teile bei Erwärmung sich von dieser Spannung befreien = sich geometrisch verändern.
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!
    • Plastik Designer schrieb:

      Ich denke da man am Werkzeug nichts mehr machen kann, das kosteneffekt ist.
      Denke ich das es am besten ist wenn du eine Matrize aus Alu oder Holz erstellen lässt und die teile dann darauf abkühlen lässt.
      Wird in China ganz häufig gemacht und sollte in Mexico auch problemlos funktionieren.
      Merkwürdige und gewagte Aussage. Nachträgliche Änderungen am Werkzeug sind teuer, aber die günstigste Variante, wenn das Werkzeug schon vorhanden ist. Hier müssen ja auch nur neue Einsätze hergestellt werden, sowie die Entwicklungsarbeit für die neue Einsatzgeometrie.

      Die Variante der Matrizenerstellung ist deutlich teurer und fehleranfälliger. Die Teile müssen entweder per Hand oder Roboter schon vor Erreichen der Entformungstemperatur entnommen werden, damit diese noch formbar bleiben. Hier besteht das Risiko, dass die Teile nicht sauber mittels Auswerfer entformt werden. Ist man per Hand zu langsam, passt das Teil nicht mehr auf die Matrize. Ebenso muss der Artikel auf der Matrize fixiert werden, damit er nicht runterspringt und somit den Ausschuss entsteht.
      Der Grund, warum dies in China gemacht wird, liegt in den geringen Personalkosten. Die Problemteile werden per Hand aussortiert und nur die Gutteile kommen zum Kunden. Dass das in Deutschland nicht finanzierbar ist, ist klar. Nur muss man Bedenken, dass die Produktion dauerhaft günstiger ist, wenn die händische Sortierung nicht notwendig ist.
      Sind Spannungen, wie von @Behrens schon erwähnt, eingefroren, macht sich dies bei der Oberflächenveredelung bemerkbar. Der Ausschuss nach der Oberflächenveredelung wird deutlich erhöht und somit auch die Kosten.
    • Eigentlich könnte man das Teil doch auch ohne die Blindtaste herstellen. Die Blindtaste müsste - wenn gewünscht - dann als separates Spritzteil nachträglich bei der Montage eingeklipst werden.
      Wenn es eine "Blindtaste" gibt, gibt es sicherlich auch einen "Rahmen ohne Blindtaste". Durch nachträgliches Einsetzen dieser Taste könnte der spätere Verarbeiter des Fertigteils sogar eine höhere Flexibilität bei der Komplettierung erreichen. Ach könnte die Lackierung wegen der nicht vorhandenen Sicken dann einfacher und zuverlässiger werden.

      Der Rahmen sieht verdächtig nach einem OEM-Teil aus. Da werden Werkzeug- und /oder Materialänderungen auf jeden Fall schwer, wenn das Projekt nicht mehr in den Kinderschuhen steckt.
    • Das mit der Matrize haben wir auch schon versucht. Auch Teile Abschrecken. Spaetestens nach dem Lakieren bzw trocknen im Ofen geht das Teil seinen natuerlichen weg. Faellt somit schon mal raus. @petersj auch das mit der Blindtaste war bereits eine Idee , aber ist leider nicht mehr umsetzbar, Projekt ist schon lange durch.

      Wie sieht es denn aus die Wandstaerke der Blindtaste bzw die Anbindung so weit wie moeglich zu reduzieren, also Wanddicke verringern. Damit in diese Richtung weniger verzogen wird.

      Nach recherche habe ich herausgefunden, das das Hauptproblem das Mass in der Breite ist. Im Verbau gibt es eigentlich keine Probleme . Hier handelt sich es um ein klassisches Preisdruecken. Ein mass ist nicht in der Toleranz somit passen eure Teile nicht. Klassische Automobil Geschichten :D
    • Die Wandstärke ist nicht das primäre Problems, sondern die projizierte Fläche. Änderst du die Wanddicke, läufst du Gefahr in der Stelle eine Bindenaht zu erhalten, die nach der Oberflächenbehandlung sichtbar wird.

      Es ist nicht nur das klassische Problem in der Automobilbranche. Das Thema Toleranzen gibt es in allen Bereichen. Mache ich nur eine stumpfe Skalierung des Artikels und baue danach das Werkzeug, werde ich immer Probleme mit den Toleranzen haben. Mal passt das eine Maß, aber nicht das andere usw...