Hinterspritzen von Stoff

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    • Hinterspritzen von Stoff

      Hallo Zusammen,
      wir möchten bei uns das Hinterspritzen von Stoffen bzw. Teppich einführen.
      Hierzu gibt es verschiedene Varianten wie zum Beispiel Stoff wird im Werkzeug nach dem Spritzvorgang beschnitten oder auch die Nachbearbeitung mittels Stanze.
      Mich würde interessieren was wirklich Serientauglich ist und welche Erfahrungen ihr mittels Stoff Hinterspritzen habt und welche Varianten Ihr nutzt.
      Gibt es die Möglichkeit dies auch mit dem MuCell-Verfahren zu kombinieren?!
      Ich würde mich über einige Rückmeldungen freuen.

      Grüße
    • Mit der Hinterspritzung von Stoff oder Teppich hab ich nicht direkt Erfahrung, aber es kommen noch ein paar Probleme hinzu. Stoffe bzw. alle Fasermaterialien können keine Druck oder Schub-Belastung aufnehmen. Füllt ihr also die Kavität, kann eine fehlende Fixierung zur Verschiebung und somit Falten führen. Sieht nicht hübsch aus und sorgt nur für Ausschuss sowie eine teure Werkzeugüberarbeitung.

      Dann darf es nicht ein beliebiger Stoff sein. Die Webungsart und Stoffstärke sind entscheidend. Die Fehlstellen zwischen dem Garn können dem Kunststoff erlauben hindurchzudringen und somit ist das von außen sichtbar. Somit auch ein Qualitätsmangel. Ich hab in meiner Masterarbeit Organobleche hinterspritzt und selbst bei 3mm Stärke ist das häufiger passiert als man denkt!
      Ebenso muss beim Garn darauf geachtet werden, dass es die Temperaturen aushält ohne Änderungen an der Geometrie oder Qualität hervorzurufen.

      Was gut funktionieren kann, ist eine saubere variotherme Temperierung des Werkzeugs. Heißt ihr braucht beim Füllen eine Werkzeugtemperatur ähnlich zum Heißkanal, damit der Fülldruck gering bleibt. So wird das Durchdringen oder Verschieben des Stoffs reduziert und ihr erhaltet sehr viel weniger Ausschuss. Mit den klassischen Methoden werdet ihr bei sehr hohen Ausschusskosten liegen.
    • Die eigentlich große Aufgabe liegt darin, wie @1u21 auch schon erwähnte, den Kunststoff mit wenig Fließwiderstand (geringes Druckgefälle in der Kavität) auf den Stoff zu "legen". Zusätzlich sollte dafür gesorgt werden, dass Volumenschwankungen des Stoffes, durch das Füllvolumen des Kunststoffes kompensiert werden, daher möglichst mit Werkzeuginnendruck a) umschalten und b) wiederholgenaue Verdichtung in der Nachdruckphase erzeugen. Mit dem klassischen 08-15-Spritzguss wird es hohe Ausschussquoten geben ....
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!
    • also mal ehrlich "Stoffhinterspritzen" ist doch ein uralter Hut (m.W. seit mindestens 40 Jahren) frag einen Formenbauer und den Hersteller des Vlieses und Du wirst sehen, dass es da fast keine Unklarheiten gibt. Vergiss den Greiferbauer nicht! Das Einlegen und Nachbearbeiten sind noch Hürden.
      Frage: Muss unbedingt hinterspritzt werden?
      Solche Teile in der Kaschiermaschine zu fertigen ist eigentlich die gängigere Variante.
    • Natürlich bin ich mit Formenbauer etc. Kontakt , aber die wollen Ihre Produkte auch nur verkaufen bzw. geben eventuell nicht zu das es andere bzw. bessere Methoden gibt. Daher frage ich euch nach euren Erfahrungen.
      Hinterspritzen wird unumgänglich sein um sich Personalkosten einzusparen um natürlich gegenüber "Billiglohnländer" konkurrieren zu können.
      Vielen Dank erstmal für eure Beiträge
    • Ich habe schon Stoffe hinterspritzt. Wie schon beschrieben sind typische Probleme " Durchschüsse" " Falten" , nicht voll vs. Überspritzt.

      Es kommt natürlich auf das Teiledesign und -größe an.

      Wir hatten HK mit Nadelverschlußdüsen und Kaskadensteuerung, um den Kunststoff mit wenig Fließwiderstand und geregeltem Schmelzefluß zu verarbeiten. Flächenmäßig gab es ca. 16 HK Düsen verteilt auf dem Teil. Der überstehende Rand des Vließ wurde per US- Messer abgeschnitten.
    • Natürlich will jeder verkaufen (genau wie eure Firma) aber deshalb auf diese Expertisen zu verzichten, könnte wesentlich teurer kommen.
      Nimm mindestens einen der großen mit ins Boot und lass dich beraten. Lehrgeld ist teurer, als ein (vielleicht) zu teures Werkzeug oder Methode.
      Hinterspritzte Teile sind ja nicht gerade der billigste Massenartikel, meist stehen da Anforderungen wie Optik und Haptik dahinter, und das in meist hohen Stückzahlen, schau da nicht auf den einzelnen Euro bei der Investition, sondern auf Deine Stückkosten, die entscheiden letztendlich, ob Du mit dem "Billiglohnland" mithalten kannst.
    • JF1992 schrieb:

      Natürlich bin ich mit Formenbauer etc. Kontakt , aber die wollen Ihre Produkte auch nur verkaufen bzw. geben eventuell nicht zu das es andere bzw. bessere Methoden gibt. Daher frage ich euch nach euren Erfahrungen.
      Hinterspritzen wird unumgänglich sein um sich Personalkosten einzusparen um natürlich gegenüber "Billiglohnländer" konkurrieren zu können.
      Vielen Dank erstmal für eure Beiträge
      Ich würde nicht behaupten, dass die bessere Methoden nicht zugeben. Die alten Methoden sind für die gängig und sie haben ihre Erfahrungen damit gesammelt. Die neuen und besseren Methoden sind teurer als die alten Methoden, wodurch der Werkzeugpreis hoch geht. Sehr viele Kunststoffverarbeiter schauen nur auf den Einkaufspreis des Werkzeugs, aber nicht mehr auf die Betriebskosten. Bei einem sauber ausgelegten Werkzeug mit den neusten und(!) sinnvollen Methoden, lassen sich Betriebskosten im Bereich von 20-50% einsparen. Ich kenne das selber aus meiner Vergangenheit. Das teure Werkzeug schied aus, weil der Einkaufspreis zu hoch war. Stattdessen bekam das günstigere Werkzeug den Vorzug. Dem Einkauf ist es sehr oft drittrangig, ob man dann Kopfstände machen muss und damit noch eine halbwegs akzeptable Qualität produziert. Ihre persönliche Beurteilung(jähr. Leistungsbeurteilung) fußt darauf, dass sie möglichst wenig Geld für ein Werkzeug ausgeben und danach handeln sie.
      Achtet der Einkauf jedoch auf den TCO, rückt der Werkzeugpreis in den Hintergrund, weil die Betriebskosten um ein vielfaches höher liegen. Da kann ein teures Werkzeug sich teilweise schon vor dem ersten Schuss amortisieren oder innerhalb von sechs Monaten.

      Ihr wollt Personalkosten einsparen. Das heißt für euer Werkzeug, dass ihr an der Qualität nicht sparen dürft! Je weniger Störungen das Werkzeug hat, umso weniger Eingriffe von Personal sind notwendig. Euer Werkzeughersteller muss dies auch wissen, dass ihr eure Betriebskosten einsparen wollt und dann wird schon viel offener gesprochen. Was bringt euch ein günstiges Werkzeug, bei dem jeder zweite Schuss Ausschuss ist? Für die erforderlichen Stückzahlen müsstet ihr euch dann ein zweites Werkzeug hinstellen und das teure Werkzeug wird nicht doppelt so teuer sein, bei einer vernünftigen Wahl der Technologie. Ihr braucht auch keine zweite Maschine bereitstellen.

      Lasst euch bitte auch nicht von der Auswahl an allen möglichen Technologien für dieses Produkt blenden. Hinterfragt die physikalischen Effekte bei diesen Technologien. Eignen die sich für unser Produkt oder nicht? Welchen monetären und qualitativen Vorteil bieten sie uns? Das ist der zweite Punkt. Mit der sauberen Wahl der Methoden und Techniken werdet ihr günstiger produzieren können als in den Billiglohnländern.

      Falls ihr externe Unterstützung und Wissen braucht, wie man das am Besten umsetzt, könnt ihr mich gerne ansprechen. Ich gebe einen Teil meines Fachwissens gerne weiter und dieses Wissen kann in künftige Produkte einfließen. Das Ziel in Deutschland günstiger zu produzieren als in den Billiglohnländern verfolge ich auch.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von 1u21 ()

    • @JF1992, vorweg möchte auch ich dich hier (nachträglich) herzlich als Mitglied begrüßen!

      Meine Frage an dich: Warum wollt ihr überhaupt mit diesem speziellen Verfahren auf den Markt gehen? Wenn ihr bisher mit "Spritzguss" überlebt habt, halte ich den Weg in schon vorhandene(!!!) Risiko-Herstellungsverfahren für völlig unnötig! Und wenn ein Kunde das von euch verlangt, sagt NEIN, bevor euch dieser Kunde in die Insolvenz treibt - da wäret ihr nicht die Ersten, denen es so ergeht.

      Und zu dem "Abgreifen" von Knowhow bei den *erfahrenen Spritzgießern* kann ich nur die Frage stellen: Wer ist schon so dumm und baut sich eine zusätzliche Konkurrenz auf?
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!
    • Generell bin ich der Meinung das man an sich selber als auch am Unternehmen immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen annehmen sollte. Um einfach mit der Zeit zu gehen.
      Zudem wurde das ":

      Preform schrieb:

      "Stoffhinterspritzen" ist doch ein uralter Hut
      bezeichnet und ich denke das mit den richtigen Partner im Werkzeugbau und Greiferbau das solche Projekte sauber abgewickelt werden können.
    • mir gibt es halt zu Denken, dass die Massenproduzenten dieser Teile halt mittlerweile überwiegend auf das "zweistufige" Verfahren (Spritzen und anschließend Kaschieren) setzten, zu Verschenken haben die ja auch nichts.
      Ich kenne es halt nur als meist schwierigen Prozess, Probleme beim Einlegen oder kont. Zuführen, Glanzstellen an Radien, Beseitigung der Überstände und ..,und ..)
    • Preform schrieb:

      mir gibt es halt zu Denken, dass die Massenproduzenten dieser Teile halt mittlerweile überwiegend auf das "zweistufige" Verfahren (Spritzen und anschließend Kaschieren) setzten, zu Verschenken haben die ja auch nichts.
      Ich kenne es halt nur als meist schwierigen Prozess, Probleme beim Einlegen oder kont. Zuführen, Glanzstellen an Radien, Beseitigung der Überstände und ..,und ..)
      Jeder einstufige Prozess ist günstiger als ein zweistufiger Prozess. Nur muss beim einstufigen Prozess damit gerechnet werden, dass die Ausschussquote eine andere ist. Genügt Komponente A nicht den Qualitätsanforderungen, ist auch Komponente B direkt Ausschuss, obwohl qualitativ einwandfrei. Beim zweistufigen Prozess kann die Qualität von Komponente A und B separat bewertet werden und wenn notwendig aussortiert werden. Somit gibt es keine kombinierte Ausschussquote.
      Das könnte der Grund für die Wahl des zweistufigen Prozess sein, da man den einstufigen Prozess nur halbherzig umgesetzt hat und somit der Ausschuss teurer ist als der zweistufige Prozess.