NOT-AUS > Hand eingeklemmt

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    • NOT-AUS > Hand eingeklemmt

      Hallo zusammen,

      ein Mitarbeiter hat letzte Woche die Klappe in der Selektierweiche unserer Boy 60E gereinigt. Dazu hat er den Schutzschieber geöffnet und
      mit einem Putzlappen die Klappe unter der Schließeinheit geputzt. Dabei hat er versehentlich mit der rechten Hand den Not-Aus Schalter ausgelöst, der sich unter dem Bedienterminal
      befindet. Im gleichen Zuge schaltete die Selektierweiche um und seine Hand wurde eingeklemmt.

      Durch das Auslösen des Not-Aus-Kreises wird offensichtlich das Ventil für die pneumatisch betätigte Selektierweiche abgeschaltet.

      Aus meiner Sicht darf sich KEIN Maschinenteil mehr bewegen sobald der Not-Aus Schalter betätigt wird. Er dient an Spritzgießmaschinen ja als Not-Halt.

      Was sagt ihr dazu?
      Techniker Fachr. Mechatronik
    • Hallo Hateman,

      ich denke eine solche Sache gehört nicht unbedingt hier in ein solches Forum.

      Desweiteren wirst Du dieses Problem selbst bei anderen Maschinenhersteller finden.
      Dies hat ganz einfach damit zu tun, das eine gewisse Schaltung bei Notaus aktiviert wird.
      Pneumatikventile fahren bei solchen Signalen immer auf Anschlag/Endlage und das wird hier der Fall wegen Notaus auf Schlechtteile sein.

      Eigentlich schaltet man auch die Druckluft aus/ab wenn man an beweglichen Pneumatikteilen Hand anlegt.

      Also sehe ich hier nicht unbedingt die Maschinenhersteller in der Pflicht.
      Eher die Mitarbeiter die solche Reinigungs und Wartungsarbeiten durchführen darauf hingewiesen, das man diese Drucklos schaltet.

      Grüße

      The Problem Solver
    • ich glaube, diese Antwort ist zu kurz gegriffen.
      Stell Dir vor ein Hydraulisches Spannelement öffnet bei Not-Aus, und das Werkzeug fällt in den Auswerferschacht!, nicht gut, oder?
      Genauso darf ein Pneumatikventil nicht schalten, Bei Not-Aus haben grundsätzlich Bewegungen zu stoppen, auf keinen Fall darf eine Bewegung eingeleitet werden.
      Da hat schlicht und einfach der Konstrukteur/Programmierer nicht mitgedacht, wenn das Teil ein OEM-Produkt ist, auf jeden Fall den in die Pflicht nehmen.
      Falls es eine Nachrüstlösung ist, muss halt mit dem "Komplettierer" der Anlage eine Lösung suchen.
    • Da hat @Preform schon recht, diese Klappenbetätigung hat anscheinend ein Pneumatikventil mit Federrückstellung, heisst, dass
      - mit elektr. Magnetventil mit Spannung die Klappe in eine Richtung geschaltet wird und
      - wenn die Spannung wegfällt, schaltet eine Feder das Vetil zurück und die Klappe bewegt sich in die andere Richtung.
      Das wäre nicht der Fall, wenn das Ventil mit zweiseitiger Magnetschaltung ausgestattet wäre, dann muss jede Bewegung mit elektr. Spannung erfolgen.

      Andererseits wäre hier die Frage, ob nicht sämtliche Druckluftleitungen mit "NOTausschaltung" über pneumatischen Haupanschluss auf drucklos (mit Entlüftung) schalten müssen(?)!
      Kunststoff-Spritzguss: 50 Jahre technischer Fortschritt, jedoch: Die Fehlerbilder sind geblieben!
    • Hallo,

      erstmal hoffe ich dass es Deinem Kollegen gut geht. Gute Besserung.

      Ich bin keine ausgebildete Sciherheitsfachkraft, jedoch vermute ich folgendes:

      Bei einer Prüfung durch die BG wird der Unfall eventuell auf die Fahrlässigkeit des Mitarbeiters zurück geführt. Für Reinigungs, WArtungs- und Reparaturaufgaben ist die Maschine in Nullposition zu fahren und versorgungsfrei zu schalten. Eventuell plötzlich abfallende Maschinenteile oder gespannte Maschinenteile sind mechanisch gegen Bewegung abzusichern.

      ABER das Absichern der beweglichen Teile muss meiner Meinung nach laut DGUV bei kritischen Maschinenteilen so gelöst werden, dass der Druck bei Auslösen des Not-Aus-Schalters eingeschlossen wird und eine Bewegung so nicht stattfinden kann.

      Schaut mal bei der DGUV nach pneumatischen Systemen. Da müsste was darüber stehen.

      Mir ist klar dass beim normalen täglichen Ablauf kaum alles gesichert wird, aber bei einer Prüfung wird genau auf sowas geachtet.

      Habt ihr darüber eine Gefährdungsbeurteilung über das Arbeiten an Spritzgussmaschinen? Wenn ja, was steht da drin? Wäre ein Grund diese zu überarbeiten.

      Schaut Euch mal die Betriebsanleitung an. Da muss auch auf sowas hingewiesen werden mit Hinweiswörtern wie "Gefahr" usw. Wenn dies nicht der Fall ist, dann würde ich mich umgehend an den Hersteller wenden.

      LG

      Klabuster
    • Ich habe mal in den Schaltplänen von ARBURG nachgesehen (wir haben keine Selektiereinrichtungen).
      Hier sind die Klappen elektrisch mit Stellmotoren betrieben. Für jede der zwei Sortierstellungen gibt es je 2 Endschalter zur Überwachung der Stellung. Und wenn Nothalt gedrückt, stehhen alle Motoren der Maschine. Der Nothaltknopf ist aber kein Notaus! Denn die Steuerung und der Monitor bleiben unter Spannung! Lediglich alle Bewegungen werden gestoppt, bei der Hydraulik z.B. durch einsperren der Ölströme.
      Das ist übrigens alles auch Bestandteil der Maschinenbaurichtlinien für den Maschinenbauer.
      Ich gehe auch mal davon aus, dass die Klappe mit Bordmitteln nachgerüstet worden ist. Von der Idee her gut, in der Ausführung "verbesserungswürdig". Man hat ein preisgünstigeres Ventil eingebaut und zusätzlich auch noch eine entsprechende Steuerung für das gezielte Umsteuern gespart.
      Hoffentlich war das nur ein sogen. "Beinaheunfall" ohne gravierende Verletzungen.
    • Danke für die zahlreichen Antworten.
      Unser Mitarbeiter hat sich glücklicherweise nicht verletzt.

      Die Selektierweiche war bereits an der Maschine montiert als wir sie als Neumaschine bekommen haben. Wir haben auch keine Änderungen vorgenommen.

      Ich sehe es auch so, dass ALLE Bewegungen der Maschine beim Betätigen von Not-Aus sofort stoppen müssen, und nicht in Gang gesetzt werden dürfen.

      Zuleitungen haben ja nichts mit dem Sicherheitskreis der Maschine zu tun und müssen deshalb auch nicht abgeschaltet werden (meine Meinung)

      Bei unserer neuen Boy 35E schaltet das Ventil übrigens nicht ab.
      Da scheint die Elektrokonstruktion nicht geschlafen zu haben.

      Ich werde den Hersteller auf jeden Fall kontaktieren und um Stellungnahme bitten.
    • Bin gespannt auf dessen Antwort, in der Hoffnung diese ist dann nicht komplett vertraulich.

      Ist jedenfalls kein triviales Thema: Gegenbeispiel wäre, dass ein Kollege - weil er bspw. in der Teilekiste die Teile umschichtet und dabei in die Weiche greift, während diese gerade schaltet, unabhängig davon ob er da im Betrieb etwas verloren hat.
      Wenn er oder ein Helfer dann auf den Notaus schlagen und das Ventil dann NICHT freigeschalten wird, hat er ein Problem
    • Bei einem Notaus muss die gesamte Anlage, Maschine auf Drucklos gestellt werden.
      sprich das heisst alle Drücke müssen entleert werden, es darf kein Druck eingesperrt werden.
      Auch selbst angebrachte Druckluft Ventile und sonstiges müssen drucklos sein.
      das soll verhindern wenn der Not aus wieder entsperrt wird sich keine Maschinenbewegungen stattfinden.
      wie schon erwähnt haben sich die bauer der Klappe mit einen günstigen Lösung Federrückstellung da geholfen.
      oder aber man kann die Klappe programmierne dann wiederum mus in der steuerung eingegeben werden was passiert.
    • Durch den Not-Halt darf keine gefährliche Bewegung eingeleitet werden.
      Also müsste das Pneumatikventil in der aktuellen Stellung bleiben.
      Es kann aber sein das die Kraft hier so klein ist das eine Gefährdung von Personen ausgeschlossen ist.
      Welches Baujahr ist die Maschine?
      Grundlage für die Sicherheit ist hier die Produktnorm EN201.
      Die Stellungnahme vom Hersteller ist auf alle Fälle interessant.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pl_asti ()

    • "Bei einem Notaus muss die gesamte Anlage, Maschine auf Drucklos gestellt werden"

      Stimmt nicht, eher im Gegenteil.
      Es dürfen keine gefahrbringenden Zustände eingeleitet werden, d.h. wo nötig, muss der Druck stehenbleiben (Spannelemente, pneumatische Achsen, usw.)
      Bewegungen müssen schnellstmöglich gestopt werden.
      Das ist nicht immer einfach zu bwerkstelligen, es muss jeder Einzelfall mit einer Gefährdungsbeurteilung abgeklärt und behandelt werden.
      Eine pauschale Lösung gibts leider nicht
    • Habe nochmal etwas nachgeforscht: Eine Selektierweiche kann auch "eigensicher" konstruiert werden, die maximale Kraft an einer möglichen Quetschstelle darf 7,5kg nicht überschreiten und auch andere konstruktive Vorgaben sind zu erfüllen.
      Optimal ist es natürlich wenn weder beim Öffnen der Schutzverdeckung noch beim Betätigen des Not-Halt sich die Klappenstellung verändert.