Warum sind beim Spritzguss die gestrigen Q-Probleme auch die heutigen?

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    • Warum sind beim Spritzguss die gestrigen Q-Probleme auch die heutigen?

      Die Q-Probleme kosten den Spritzguss-Unternehmen Jahr für Jahr Unsummen an Wertschöpfungspotential! Wo liegen die Ursachen, was wäre zu tun?

      Hierzu ein paar meiner Erkenntnisse:

      1. Es ist in den meisten Unternehmen die „kaufmännische Liga“ zu hoch gewichtet, was nicht heißt, dass man unwirtschaftlich handeln soll, das haben DIE Unternehmer vor langen Jahren auch nicht getan, jedoch wusste damals ein Unternehmer noch, "wo und wie im Betrieb die Brötchen entstehen", heißt, wo im Unternehmen die Wertschöpfung entsteht!

      Zu viele Betriebe werden heute von Managern geführt, die nur noch auf schnellen Profit geschult sind, sie haben keinen Bezug mehr zum seriösen Unternehmerdenken - sie sind in den meisten Fällen auch Opfer des Systems (Aktien-/Profitorientiertes Handeln).

      2. Ein „Profitcenter Einkauf/Beschaffung Betriebsmittel“ ist mit seinen Zielvorgaben für Produktionsbetriebe kontraproduktiv! Wie jeder weiß, werden z. B. in den meisten Fällen bei Beschaffung von Spritzguss-Werkzeugen u. -Maschinen nach Preis und nicht nach „Nutzen für den Spritzguss-Serienprozess“ entschieden. So entsteht schon der erste „Kostentreiber“ für den Spritzgießer und natürlich vorgelagert ein „Kostensenker“ für den Werkzeugbauer.

      3. Die Mitarbeiter in den Spritzgießereien wurden mit der schnellen techn. Entwicklung der vergangenen 40 Jahre nicht mitgenommen, im Gegenteil: Man glaubte "umso höher die Technisierung, umso niedriger der Bedarf an qualifiziertem Personal in der Produktion“ - die Praxis zeigt: Das Gegenteil ist richtig! Die Folge ist ein schlechter Wertschöpfungsgrat gemessen am Stand der Technik!

      Fakt ist:

      DIE MENSCHEN IN DEN BETRIEBEN SIND MEIST OPFER UND NICHT DIE SCHULDIGEN!

      4. Die Prozesskette von der Entwicklung bis zum Entstehen eines optimalen Spritzgussteiles ist sehr komplex und wird zumeist aus Unwissenheit unterschätzt. Esbeginnt a) beim Konstruieren der Formteile über b) die Entstehung des dafür notwendigen Werkzeuges bis hin zum c) notwendigen Spritzguss-Prozess. Hier fehlt es viel zu oft in jeder Stufe am nötigen Spritzguss-Knowhow:
      Zu a) Die Formteile werden von Menschen entwickelt und konstruiert, die zu wenig oder keinWissen vom Entstehungsprozess haben (spritzgussgerechtes Konstruieren), halten es wohl auch nicht für notwendig(?)!
      Zu b) Die Werkzeuge werden auch zumeist von Menschen konstruiert, die kein Wissen vom Spritzguss-Prozess haben. Dieses beweisen u. a. viel zu oft schon die Anguss-/Anspritzkonzepte, die dem Denken eines Wasserinstallateurs sehr nahe kommen! Welcher Werkzeugkonstrukteur weiß schon, was die "plastische Seele" und ihre Wirkung beim Füll- u. Ausformprozess der Kavität bewirkt, oder dass der Kaltkanal "ein Prozess- und Energievernichter" ist? Kaltkanaltechnik bedeutet sachlich betrachtet: Es soll durch ein erstes Spritzgussteil (Anguss), an dessen Fließwegende sich eine kleine Öffnung (Anspritzpunkt) befindet, ein zweites Spritzgussteil hergestellt werden, welches dann auch noch perfekt rund um die Uhr wiederholgenau ausgeformt sein soll!
      Zu c) Die Mitarbeiter an den Spritzguss-Maschinen sind schlecht ausgebildet und arbeiten nach alten überholten Philosophien. Tiefes Wissen über den komplexen Prozess fehlt gänzlich.

      5. Alle Beteiligten in der Branche wie: Maschinenbauer, Werkzeugbauer, Peripheriehersteller usw. müssen sich darüber klar sein, dass nur das Spritzgussteil die Quelle ihrer Wertschöpfung ist! Nicht selten erweisen sie den Spritzgießern aus Eigennutz einen Bärendienst, z. B. Thema "Billig-Maschinen" mit abgespeckten Ausstattungen auf den Markt bringen, um eigene Kapazitäten auszulasten (2009/2010). Diese dem Anspruch oft nicht gerecht werdenden Maschinen findet man immer wieder in den Spritzereien - leider.

      6. Zu guter Letzt wäre dann da noch für die Zukunft das Wichtigste: Die Ausbildung und Weiterbildung der Kunststoffformgeber, die nicht zeitgemäß ist und total am Bedarf vorbei geht! Das heutige Ausbildungssystem kann mit seiner Wissensvermittlung die jungen Menschen nicht ausreichend in die Lage versetzen, erfolgreich die Prozesse an den Spritzgussmaschinen zu gestalten und auch zu beherrschen. Folge: Zu oft Misserfolg bei der tägl. Arbeit, was einen hohen Grat an Demotivation erzeugt. Mit dieser Ausbildung gefährdet die Spritzguss-Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit heute und in Zukunft! Die Ausbildung muss dringendst prozessorientiert und auf dem Stand der Technik stattfinden! Daher braucht sich auch keiner wundern, dass junge Menschen auf dieses doch so faszinierende Herstellungsverfahren „keinen Bock“ haben!

      Solange allgemein kein konsequentes Umdenken erfolgt und die dicken Denkmauern nicht eingerissen werden, solange werden die gestrigen Q-Probleme die heutigen bleiben und die zukünftigen weiterhin sein, dessen bin ich mir sicher!

      Gruß

      Hans-Heinrich Behrens
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Die aktuelle Krise verschärft das Problem stark. Viele Lieferketten brechen zusammen oder sind zusammengebrochen, weil mit der alten Philosophie gearbeitet wurde. Der Mythos "Im Ausland sind die Produktionskosten geringer" beruht letztendlich mit darauf, dass dort die Qualitätssicherung durch geringere Personalkosten günstiger ist. Mit dem gleichen Werkzeug wird im Ausland keine schlechtere oder bessere Qualität erzeugt. Die Aussortierung der schlechten Teile ist schlichtweg günstiger.

      Wie du schon erwähnst, haben viele Entscheidungen, die lange vor der Produktion gefällt wurden, maßgeblichen Einfluss auf die Produktion. Der schwarze Peter wird immer weiter geschoben, bis er in der Produktion landet.

      Aktuell sitze ich an den Schulungsunterlagen, wie man kunststoff-, prozess- und werkzeuggerecht konstruiert. Es ist ein enormes Umdenken erforderlich, wenn man es umsetzen will. Mir sind bis jetzt nur sehr wenige Kunststoffkonstruktionen auf den Tisch gekommen, die sich nicht mehr weiter optimieren ließen bzw. der Aufwand zu hoch ist. Dafür sehr viele Konstruktionen, die eklatante Fehler aufweisen, die der Produktion ein sehr kleines Prozessfenster lassen:
      • Bereiche, die sich nicht temperieren lassen, führen immer zu unnötig langen Zykluszeiten
      • Fehlendes Verständnis für Verrunden im Bauteil führen immer zu Füllproblemen oder Einsatzbruch
      • Keine Berücksichtung der plastischen Seele und wie diese die Füllung und den Nachdruck beeinflusst
      • Wie sich der Anspritzpunkt auf die Qualität auswirkt, wird selten berücksichtigt
      • usw...
      Natürlich bedarf die Konstruktion des Artikels dann mehr Zeit. Jedoch sind zusätzliche z.B. 40h für die Optimierung kein verschwendetes Geld. Sie sorgen dafür, dass der Prozess robuster wird bzw. die Produktion ein breites Prozessfenster erhält. Die Anzahl der Optimierungsschleifen für das Werkzeug wird reduziert und SOP ist am Ende garantiert oder kann vorgezogen werden. Sind mehrere Werkzeuge für die Produktion der Artikel notwendig, kann mit einer sauberen Konstruktion auch die Anzahl der Werkzeuge reduziert werden.
      Die alten Pfade führen nicht zu neuen Zielen. Will man immer besser werden, muss man alles kritisch hinterfragen und auch bereit sein die neuen Erkenntnisse umzusetzen. Man kann die eigene Zukunft selber gestalten.
    • "Viele Lieferketten brechen zusammen oder sind zusammengebrochen, weil mit der alten Philosophie gearbeitet wurde. Der Mythos "Im Ausland sind die Produktionskosten geringer" beruht letztendlich mit darauf, dass dort die Qualitätssicherung durch geringere Personalkosten günstiger ist. Mit dem gleichen Werkzeug wird im Ausland keine schlechtere oder bessere Qualität erzeugt"

      Ganz so einfach ist aber auch nicht, Die Produktion wird immer auch dem Absatz folgen, d.h. wenn in einer Zielregion x% der Produkte verkauft werden, wird jeder Produzent über kurz (eher) oder lang (eher weniger) versuchen, die Produktion dorthin zu verlagern.
      Transport kostet Geld und auch der Zeitbedarf für den Transport kostet Geld (Zwischenfinanzierung, Papierkram, usw.)
      Wir werden also damit leben müssen, dass Serienprodukte mit relevanten Transportkosten in die Absatzregionen abwandern, das läßt sich m.E. nicht vermeiden.
      Wir sind also gefordert, diesen Trend zu akzeptieren und uns geeignete Maßnahmen (Nein, keinen Protektionismus oder ähnl.) einfallen zu lassen, wie wir eine Arbeitsplatzerhaltende Zukunft sichern. Mittelfristig ist vermutlich eine kontinuierliche Verbesserung der Produktivität ausreichend, langfristig wird sie nicht reichen, da werden andere Nachziehen, oder uns vermutlich sogar überholen.
      Gruß
      Hans
    • Preform schrieb:

      Ganz so einfach ist aber auch nicht, Die Produktion wird immer auch dem Absatz folgen, d.h. wenn in einer Zielregion x% der Produkte verkauft werden, wird jeder Produzent über kurz (eher) oder lang (eher weniger) versuchen, die Produktion dorthin zu verlagern.
      @Preform, um die Produktion von Teilen, die auch vor Ort gebraucht werden, geht es hier nicht. Es geht darum, Produktion z. B. nach Asien zu verlagern (weil dort billiger) für Produkte, die dann zurück nach Europa transportiert werden, um sie in Europa zu verkaufen.

      Das beste Beispiel ist doch gerade Thema: Medizinische Produkte für den europäischen Bedarf in Asien herstellen, weil die Herstellung dort billiger ist.
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • @Behrens,
      da gebe ich Dir völlig recht, aber ich gehe davon aus, dass sich im Zuge der Globalisierung auch die (Lohn-)Kosten global angleichen werden,
      ebenso wie die Kosten für Umweltschutz, Soziales usw.
      Wird sicher noch etwas dauern, aber es wird kommen, und dann werden die jetzt unterrepräsentierten Kosten an Gewicht gewinnen.
      Die Produktion wird dann den Märkten und den Rohstoffen folgen.
      Und an diese Zeit denke ich bei meinen Überlegungen.
      Gruß
      Hans
    • Preform schrieb:

      @Behrens,
      da gebe ich Dir völlig recht, aber ich gehe davon aus, dass sich im Zuge der Globalisierung auch die (Lohn-)Kosten global angleichen werden,
      ebenso wie die Kosten für Umweltschutz, Soziales usw.
      Wird sicher noch etwas dauern, aber es wird kommen, und dann werden die jetzt unterrepräsentierten Kosten an Gewicht gewinnen.
      Die Produktion wird dann den Märkten und den Rohstoffen folgen.
      Und an diese Zeit denke ich bei meinen Überlegungen.
      Gruß
      Hans
      Genau das ist der Punkt. Aktuell gleichen sich die Lohnkosten in China an unsere an, womit die Produktion in China für den europäischen Markt nicht günstiger wird. Es wird auf andere Niedriglohnländer ausgewichen.
      Entweder kann man weiterhin in Asien für den europäischen Markt produzieren oder man fängt wieder in Europa an für den europäischen Markt zu produzieren.

      Wir habe in Deutschland noch relativ hohe Lohnkosten, jedoch können diese mit passender Technologie deutlich reduziert werden. Die Nutzung von Sensoren erspart z.B. vollständig die händische Suche nach solchen Teilen und Kontrolle einer Fertigungscharge. Ebenso wird das Rüsten eines Werkzeugs beschleunigt. Der Anteil der Lohnkosten sinkt pro Bauteil weiter. Wird weitere Technologie wie konturnahe Temperierung genutzt, sinken die Produktionskosten weiter. Als Beispiel führe ich die reine Kühloptimierung durch die Fa. Listemann AG/iQTemp GmbH eines Werkzeugs für Tintenpatronen von Pelikan an. Altwerkzeug hatte 96 Kavitäten und die Beschaffung eines Neuwerkzeugzeugs stand an. Man hat sich für die konturnahe Temperierung entschieden. Natürlich sind die Kosten pro Kavität gestiegen, jedoch hat das Neuwerkzeug nur noch 48 Kavitäten, ist kleiner und produziert 10% mehr Teile im Jahr. Für die Produktion ist eine kleinere Maschine in Nutzung und dadurch sinken die Produktionskosten weiter.
      Viele Artikelkonstruktionen lassen sich mit einfachen Mitteln optimieren. Da muss man aber wissen, wie solch eine Optimierung aussehen kann und welche Folgen sie hat. Für die Schulung nehme ich ein fiktives Teil, was aus den üblichen Fehlern besteht. Ich hab bis jetzt nicht viel dran gemacht, jedoch ist die Festigkeit des Bauteils um 40% gestiegen bei aktuell 10% Materialersparnis. Da geht noch mehr und das trifft auch auf viele Bauteile. Spare ich 5% Material ein ohne die Lebensdauer zu reduzieren, ist dies ein weiterer Kostenpunkt, der sinkt. Bei einer Jahresproduktion eines Artikels von 1Mio und einem Gewicht von 200g, macht dies in einer ersten Optimierungstufe eine Ersparnis von 10 Tonnen Material. In der zweiten Stufe können wir von 15% Materialersparnis reden. Das wären dann über insgesamt 30 Tonnen. Das Material muss nicht bezahlt werden und viel wichtiger, muss nicht aufgeschmolzen werden, was Energiekosten einspart. Vorteil dieser Optimierungen ist auch die weitere Reduktion der Zykluszeit durch das bessere Design.

      Es gibt so viele Möglichkeiten die Kosten für die Produktion zu senken. Man muss es nur wollen und sinnvoll starten.
    • Natürlich ist die Optimierung nicht auf Deutschland begrenzt. Jeder Firma in jedem Land steht diese Technologie zur Verfügung, genauso wie Drucksensoren.

      Einsätze mit konturnaher Temperierung können mittels additiver Fertigung(auch oft als Lasercusing bezeichnet), Vakuumlöten oder anderer Verfahren hergestellt werden.

      Hier greift Punkt 2 von @Behrens. Der Einkauf will natürlich so wenig Geld, wie möglich ausgeben. Da werden dann auch mal eben die 10k€ für solche Einsätze "eingespart" und man akzeptiert eine längere Zykluszeit. Das ist im Ausland auch nicht viel anders.

      Der Werkzeugbau wird dir mit hoher Wahrscheinlichkeit eine geringen Prozentsatz nennen.
      Damit solch eine Temperierung betrieben werden kann, müssen auch gewisse Kriterien an das Wasser erfüllt sein. Und da hapert es häufig bei vielen Spritzereien in Deutschland und im Ausland. Es gibt die Sorge, dass sich die Kanäle zusetzen. Ist berechtigt, aber die Temperierkanäle aller anderen Werkzeuge leiden auch darunter. Lagert sich eine dünne Kalkschicht ab, vermindert sie den Wärmeübergang in das Wasser. Von sauberem Wasser profitiert nicht nur ein Werkzeug, sondern die gesamte Produktion.
    • Hören wir doch endlich auf zu lammetieren/diskutieren und kommen wir doch einfach zur e h r l i c h e n Betrachtung der globalen Situation:

      Hätte die Spritzgussbranche
      - die technische Entwicklung mit all ihren Möglichkeiten in den vergangenen 30 Jahren genutzt und
      - an dieser Entwicklung auch Ausbildung/Qualifizierung ihrer Mitarbeiter parallel angepasst (das Wichtigste!!),
      dann wäre das Produzieren in Asien (incl. Transport nach EU) in keinster Weise billiger!!

      Nein, ewig gestrige "Ignoranten gegenüber neuer Technik" in den Spritzereien(!!) und die "Globalisierungs-und s c h n e l l e Profitgier" (kaufmännische Seite) haben dieses verhindert!

      Hinzu kommt, dass der *Speckgürtel der Spritzgießer* (Maschinenbauer und Technologieanbieter) immer wieder suggerierten, und das heute noch verstärkt, mit erfolgreichem Marketing: Eure Probleme lösen WIR mit Technik! .... Ergebnis steht in meiner Signatur ....

      Min. 30% Potential hat die Branche auf der Straße liegen gelassen, weil die Nutzung jahrzehntelanger technischer Entwicklung nicht stattgefunden hat! Ich glaube nicht, dass dieses in den nächsten 30 Jahren aufholbar ist - auch nicht mit KI und/oder Industrie 4.0![/b]
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Preform schrieb:

      ich gehe davon aus, dass sich im Zuge der Globalisierung auch die (Lohn-)Kosten global angleichen werden,
      ebenso wie die Kosten für Umweltschutz, Soziales usw.
      ... die Hoffnung stirbt zuletzt ;) das wird aber noch lange Jahrzehnte dauern, ich glaube nicht, dass es kommt.
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Behrens schrieb:

      Preform schrieb:

      Ganz so einfach ist aber auch nicht, Die Produktion wird immer auch dem Absatz folgen, d.h. wenn in einer Zielregion x% der Produkte verkauft werden, wird jeder Produzent über kurz (eher) oder lang (eher weniger) versuchen, die Produktion dorthin zu verlagern.
      @Preform, um die Produktion von Teilen, die auch vor Ort gebraucht werden, geht es hier nicht. Es geht darum, Produktion z. B. nach Asien zu verlagern (weil dort billiger) für Produkte, die dann zurück nach Europa transportiert werden, um sie in Europa zu verkaufen.
      Das beste Beispiel ist doch gerade Thema: Medizinische Produkte für den europäischen Bedarf in Asien herstellen, weil die Herstellung dort billiger ist.
      Da hast du in meinen Augen ein gutes Beispiel genommen mit den medizinischen Produkten in Asien.
    • Solange unser Wirtschaftssystem bzw. die Art und Weise wie wir produzieren und leben auf der Ausbeutung von Menschen in Niedriglohnländern beruht wird sich daran wenig bis nichts ändern.

      Wenn der ganze asiatische Markt uninterssant wird weil dort die Lohn- und Produktionskosten in die Höhe gehen dann wird nach Afrika verlagert. Dann hätte man sogar fast alle Bodenschätze vor Ort und müsste sie nicht um die halbe Welt karren.

      Dieses System und die Geiz ist Geil Mentalität werden sich wenig ändern.

      Und Fachkräfte ausbilden ist nicht des deutschen Unternehmers Steckenpferd. Das dürfen die anderen Unternehmen machen und man übernimmt dann lieber ?!?
      Und by the way ... wer möchte denn heute Verfahrensmechaniker werden ? Handwerkliche Berufe sind in der Denke der meisten jungen Menschen total out, Schichtarbeit nein Danke aber erwarten das bei der Notrufnummer 110 immer jemand erreichbar ist.

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    • Streetforce schrieb:

      Solange unser Wirtschaftssystem bzw. die Art und Weise wie wir produzieren und leben auf der Ausbeutung von Menschen in Niedriglohnländern beruht wird sich daran wenig bis nichts ändern.
      Nicht vergessen (z. B. am Sonntag an der Wahlurne): Auch in Deutschland werden viele Menschen ausgebeutet ... # Niedriglohn # Altersarmut
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • Behrens schrieb:

      Preform schrieb:

      ich gehe davon aus, dass sich im Zuge der Globalisierung auch die (Lohn-)Kosten global angleichen werden,
      ebenso wie die Kosten für Umweltschutz, Soziales usw.
      ... die Hoffnung stirbt zuletzt ;) das wird aber noch lange Jahrzehnte dauern, ich glaube nicht, dass es kommt.
      Das wird noch Jahrzehnte dauern, aber die ersten (z.B. Noname-Textilbuden) haben China schon wieder verlassen, weil zu teuer und zu "hohe" Arbeitsschutz- und Sozialauflagen.
      Noch haben wir ein paar Billigstlohnländer, aber irgendwann sind wir auf dem Globus einmal rundherum.

      Abgesehen davon dass diese Erde unseren "dekadenten" Westlichen Lebensstil nicht bei 6 oder 8 Milliarden Menschen weltweit verkraften kann
    • 03 1010 schrieb:

      Behrens schrieb:

      Preform schrieb:

      ich gehe davon aus, dass sich im Zuge der Globalisierung auch die (Lohn-)Kosten global angleichen werden,
      ebenso wie die Kosten für Umweltschutz, Soziales usw.
      ... die Hoffnung stirbt zuletzt ;) das wird aber noch lange Jahrzehnte dauern, ich glaube nicht, dass es kommt.
      Das wird noch Jahrzehnte dauern, aber die ersten (z.B. Noname-Textilbuden) haben China schon wieder verlassen, weil zu teuer und zu "hohe" Arbeitsschutz- und Sozialauflagen.Noch haben wir ein paar Billigstlohnländer, aber irgendwann sind wir auf dem Globus einmal rundherum.

      Abgesehen davon dass diese Erde unseren "dekadenten" Westlichen Lebensstil nicht bei 6 oder 8 Milliarden Menschen weltweit verkraften kann
      Das mit der Menschheit bzw. deren ewigem Wachtum, einen Prinzip dem viele ewige Gestrigen hinterher rennen, wird sich in den nächsten 100 Jahren von selbst regelen denke ich. Wenn die Menschheit nicht mehr ernährt werden kann weil Rohstoffe und Nahrungsmittel nicht mehr ausreichen wird sich das fröhlich nach dem Vin Yang Prinzip selbst regeln.

      Ähnlich sollte man auch in der Produktion umdenken und die Globalisieren nicht als das große Heilmittel sehen. Corona hat uns allen sehr deutlich gezeigt dass die Abhängigkeit von externen Quellen nicht der Weisheit letzter Schluss ist und sich tot zu sparen auch nicht zum Erfolg führt. Maximale Wertschöpfung funktioniert nunmal nur wenn alle Gewerke ineinander greifen und sich ergänzen. Davon sind wir leider sehr weit entfernt.
      Behrens hat es gut beschrieben, nur muss man auch in der Köpfen der folgenden Generationen verankern was eine optimale Produktion bedeutet. Die Wertschätzung der gewerblichen Mitarbeiter bleibt meiner Meinung nach immer mehr auf der Strecke. Man erwartet effektives Arbeiten zum Nulltarif, bildet die Mitarbeiter wenig bis garnicht aus.

      Ich sage meinen Chefs immer "Wer in der Formel 1 mitfahren möchte sollte nicht mit einem klapprigen Opel am Start stehen" Dafür hassen sie mich ^^

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    • Streetforce schrieb:

      Die Wertschätzung der gewerblichen Mitarbeiter bleibt meiner Meinung nach immer mehr auf der Strecke. Man erwartet effektives Arbeiten zum Nulltarif, bildet die Mitarbeiter wenig bis garnicht aus.
      Möge hierzu jeder in sich gehen und überlegen, welche Partei er bei der Wahl gewählt hat?!? Denn wer immer noch CDU und FDP gewählt hat, hat sich weiterhin genau dafür ausgesprochen, dass der Niedriglohn sich immer mehr ausbreitet/etabliert und die Kluft zwischen ARM und REICH immer tiefer wird!
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!
    • spritzhacky schrieb:

      Herr Behrens!!!!.....Parteipolitik!!!!..... ist das im Spritzgussweb angebracht ?
      Sorry, das hat mit meiner "Ursachen-Fokussierung bei Problemen" zu tun .... ;) Richtig ist natürlich, dass es nicht direkt mit Spritzguss zu tun hat, jedoch aber mit *systembedingten* Problemen in der Spritzgussbranche ...
      spritzguss-schulung.de steht für Qualitätsentstehung durch den optimalen Produktions-Prozess und nicht durch das optimale QM-System!