Wie werden Farb-Masterbatches hergestellt?

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    • Wie werden Farb-Masterbatches hergestellt?

      Hallo zusammen,

      ich stelle mir schon länger die Frage, wie Farb-Masterbatches eigentlich hergestellt werden.


      Das eine Extrusionslinie mit anschließender Granulierung vorhanden sein muss, ist klar.
      Doch was für ein Materialien werden benötigt?

      Ich vermute, dass einfach der gewünschte Träger und Farbpigmente einfach zusammen gemischt und extrudiert werden. Täusche ich mich schon hier?
      Sind die Farbpigmente zufällig in Pulverform, welches man auch beim Lieferanten erwerben kann?


      Es wäre nett, wenn mir einer das erklären könnte.
      Nein, ich möchte kein zweiten Geschäftszweig eröffnen.
      Jedoch möchte ich den Aufwand und die dadurch entstehende Preise nachvollziehen können.



      Danke im Voraus!
    • Ja, genau das ist das Prinzip. Noch ein bisschen dies und ein bisschen das dazu (verrate ich aus bestimmten Gründen nicht), das dann bei bestimmten Parametern durch einen Zweischneckenextruder mit entsprechender Schneckenkonfiguration fahren. Um die entstehende Farbe zu bestimmen wird das Granulat in der entsprechenden Verdünnung zu Musterplatten gespritzt. Die entstandenen Platten werden dann visuell und ggf. auch per Farbmesscomputer beurteilt. Dabei ist das Ergebnis natürlich nicht zufällig, sondern die Rezeptur wird entsprechend der Farbe des Kundenwunsches zusammengestellt. Dabei kommen in der Regel mindestens 3 Farbmittel zum Einsatz. 1.) die Hauptfarbe, 2. und 3. und ggf. weitere Farben sind dann zur Abtönung notwendig.
      Dagegen gibt es dann noch die Monobatches. Dabei wird dann nur 1 Farbmittel verwendet. Intern ist da zwar auch ein Farbziel vorgegeben, der Kunde muss sich aber ggf. dann selber seine Endfarbe aus mehreren Batchen selber mischen. Und: Die Farbe des Mono-Batches kann nicht ausgesteuert werden!
      Was man aber nicht vergessen darf ist, dass Batche oft auch noch andere Wirkstoffe (Additive) enthalten können. Das fängt bei mischaktiven Substanzen an und geht über viele andere Additive weiter. Manchmal ist die Farbe dann nicht mehr wesentlich, sondern die verdünnte Funktion des Additiv-Batches im Rohpolymer des Kunden.
      Der Preis der Farbmittel ist sehr unterschiedlich. Er hängt zum einen von der Herkunft und auch von der Aufwändigkeit der Herstellung ab. Dann spielt auch die Beständigkeit gegen Temperaturen, Licht und andere Einflüsse eine Rolle. So kann ein Sack zu 25kg schnell mal 20-30 tausend Euro kosten. Ok, dass wird dann aufgeteilt auf verschiedene Aufträge, wird dadurch aber auch nicht billiger. Es kommen zum Produkt ja die Maschinenkosten des Kompondeurs wieder hinzu.
      Kann man nun nicht einfach eine gewisse Menge eines Farbmittels kaufen und die Farbe dann auf der SGM selber einarbeiten? Klar - könnte man. Aber durch das Mischen mit dem Trägermaterial und das anschließende Kompoundieren werden die Farbmittel ganz anders und wesentlich effektiver aufgeschlossen. (Ja, auch der Mischvorgang in entsprechenden Mischern ist entscheidend). Würde man die Farbe als Pulver einfach bei Spritzgießen zugeben, kann man davon ausgehen, dass man etwa das Doppelte an Farbmittel einsetzen muss. Soll noch ein bestimmter Farbton erreicht werden, müssen mehrere Farben gemischt werden. Das alles ist nicht so ganz einfach und kostet richtig Zeit. Wir haben als Farbmittel ca. 3000 verschiedene Farben und Typen im Lager (Farbkammer). Und je nach Kundenwunsch werden bis zu 10 Einzelfarbe zu einer Rezeptur zusammengemischt. Und dabei ist von Produktion zu Produktion eine Varianz gegeben, da auch die Rohwaren nie ganz einheitlich sind. Das wird alles über die Rezeptierung durch die Koloristen aus- und abgeglichen. Der Kunde bekommt dann ein Produkt, dass auf seine Rohware angestimmt ist. Der Einsatz in einem anderen Polymer als in der Bestellung beschrieben, sollte dann auch möglichst unterbleiben, da die Wirkung i.d.R. nicht nachstellbar sein wird. Und das möchte der Kunde evtl. auch nach 10 Jahren noch können.
      Also: Nichts ist einfacher, als eine Farbe zu basteln.
      Übrigens: es gibt z.B. auch Stahlfaserbatches. Hat dann aber nichts mit Farbe sondern elektromagnetischer Abschirmung zu tun. Ähnlich wie Additivbatches, die nur ein bestimmtes Additiv enthalten.
      Wofür kauft man sich ein Additivbatch? In der Regel sind Additive Gefahrstoffe. Da man sie aber im Kunststoff nicht sehr hoch konzentriert benutzen muss, können sie vom Kompoundeur entsprechend verdünnt werden. Zum einen werden sie dadurch besser Verarbeitbar, sie werden besser dosierbar und sie sind keine Gefahrstoffe mehr. Die Lagerung von Gefahrstoffen und die damit verbundenen Verarbeitungsanlagen sind im allgemeinen sehr Kostenintensiv. Und die Mitarbeiter müssten entsprechend geschult werden.
      So hier höre ich mal auf zu erzählen, sonst bekommst du noch Angst und fasst keinen Kunststoff mehr an. Aber ich hoffe damit einen kleinen Einblick in das Werden einer Farbe gegeben zu haben. Übrigens ist der Unterschied zum farbigen Kompoundieren nicht besonders groß. Nur die Einsatzmengen sind deutlich unterschiedlich. Und natürlich, dass die Rohstoffe vom Trägerpolymer bis zu den Farbmitteln auf das Verdünnungspolymer speziell abgestimmt werden.
      Hier nun noch ein paar Links zu Themen in denen das auch schon behandelt wurde:
      Preisunterschiede bei Farbmasterbatch
      Wie teuer ist die Herstellung von spezifischen Color Masterbatches wirklich?

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von petersj ()