Hydraulikschläuche wechseln

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Hydraulikschläuche wechseln

      Hallo zusammen,

      mich würde einmal interessieren, wie Ihr das bei euch im Unternehmen handhabt bzw. abläuft.

      Berufsgenossenschaften und Maschinenhersteller empfehlen den Wechsel sämtlicher Hydraulikschläuche nach 6 Jahren bei "normaler" Nutzung.

      Auch bei uns steht dieser Wechsel nun wieder an.

      "Muss das sein" "Optisch sind die ja noch in Ordnung" "Kostet viel" ... usw. bekommt man da schon immer wieder zu hören.

      Geht es euch hier ähnlich oder schlucken das eure Vorgesetzten, Chefs usw. ohne wenn und aber?

      Wechselt Ihr eure Leitungen selbst oder überlasst ihr das den Maschinenherstellern ?

      Hattet ihr bereits Unfälle mit defekten Hydraulikleitungen ?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Stoopid ()

    • Ich arbeite aktuell in keinem Spritzgießunternehmen, aber die 6 Jahre für Hydraulikschläuche dürfen nicht ignoriert werden.
      Was passiert mit den Schläuchen in der Zeit? Die Weichmacher diffundieren einfach über die Zeit aus und das Material wird härter. Weiterhin unterliegen die Schläuche auch einem Verschleiß durch die Bewegung. Jede Biegung führt über die Anzahl an Lastwechselspielen zu Mikrorissen in jedem Material. Diese Risse sind nicht mit dem bloßen Auge sichtbar und wachsen über die Zeit. Die Maschinenhersteller wissen dies und die 6 Jahre sollten eingehalten werden. Analog dazu Winterreifen. Nach 6 Jahren reiner Lagerung können sie immer noch gut aussehen, versagen aber bei Schnee und Eis, weil sie spröde geworden sind.

      Was passiert nun, wenn beide Effekte zusammen auftreten? Durch die Risse wird die Wanddicke effektiv reduziert und die Belastung für den Schlauch steigt weiter. Leider lässt sich dies nicht mehr sauber vorhersagen und kann irgendwann zum Platzen eines Schlauches führen. Da liegen leider nicht einfache 1-2bar an, sondern deutlich mehr. Platzt solch ein Schlauch, besteht Lebensgefahr für die Mitarbeiter, die direkt daneben stehen sollten. Mir scheint, dass deine Vorgesetzten sich der Gefahr nicht bewusst sind und sollten aufgeklärt werden. Schau mal bei der BG online, ob sie Infomaterial haben. Ansonsten muss der Weg über den Betriebsrat gehen, dass er die BG einschaltet.
    • Hallo

      wir haben bei uns im Unternehmen eine befähigte Person für Hydraulikschlauchleitungen.

      Diese prüft jährlich an allen Maschinen (nicht nur Spritzgussmaschinen) die Hydraulikschläuche, dokumentiert dies und hat auch den überblick wann die Schläuche ausgetauscht werden müssen.

      Die 6 Jahre sind ein reiner Richtwert, der je nach Verwendungsart / dauer und Belastung extrem schwankt.

      Wichtig ist uns hier die jährliche Prüfung und der sofortige Austausch, selbst bei kleinsten Zweifeln.

      Natürlich ist das ein Kostenaufwand, aber das Risiko möchten wir nicht eingehen.

      LG

      Klabuster
    • Die Hydraulikschläuche sollten laut den Vorschriften mindestens alle 6 Jahre gewechselt werden. Gründe sind von 1u21 oben ausreichend beschrieben. Nun könnte man sich natürlich hinstellen, die Dinger ausbauen und nach allen Regeln der Kunst prüfen oder man sagt nach einer Sichtprüfung, das die Schläuche noch gut sind. Problem ist dann: Derjenige, der die Schläuche beurteilt, muss für die Beurteilung auch gerade stehen. Passiert dann etwas, steht der Beurteilende schlecht da und in der Verantwortung. Wenn der Chef sagt "die sind noch gut" muss er die Verantwortung übernehmen, wenn es zu Unfällen kommt. Und dann sollte ihm bewusst sein, das IHN dann viel Geld kosten kann - als Besitzer der Firma und auch ggf. zivilrechtlich.
      Mein Chef hatte mich auch mal gefragt: "Tut das wirklich Not?" Nach Darlegung der Vorschriften etc. und der Bitte mir schriftlich zu bestätigen, dass die Schläuche bleiben können, hatte sich das sofort erledigt.
      Bei uns werden alle Hydraulikschläuche grundsätzlich alle 6 Jahre ausgetauscht - nicht nur die der Spritzgießmaschinen. Wir lassen das von einer Hydraulikfirma durchführen. Die vermessen die Schläuche und Verschraubungen und bringen dann alle fertig wieder mit oder bei Großaufträgen machen sie alles vor Ort. Und man muss ggf. sogar daran denken, dass die Schläuche mit entsprechenden Schlauchfangvorrichtungen und Überzügen versehen werden müssen, die ein unkontrolliertes Herumspritzen von Öl bei Schlauchbruch verhindern. Laut Maschinenhersteller nicht erforderlich laut einschlägiger Vorschriften aber doch.
      Geld hin oder her - Das gehört alles zur Arbeitssicherheit und ist immer noch billiger als die Rente für eine verunfallte Person zahlen zu müssen. Darüber sollten sich die "Verweigerer" mal bewusst werden.
    • petersj schrieb:

      Bei uns werden alle Hydraulikschläuche grundsätzlich alle 6 Jahre ausgetauscht - nicht nur die der Spritzgießmaschinen. Wir lassen das von einer Hydraulikfirma durchführen. Die vermessen die Schläuche und Verschraubungen und bringen dann alle fertig wieder mit oder bei Großaufträgen machen sie alles vor Ort.
      @petersj, bedenke bitte, dass sich solch "Großzügigkeiten" der normale Spritzgießer garnicht leisten kann! Die meisten Spritzgießer sitzen doch als "Sklaven" im *Schraubstock zwischen Lieferanten und Kunden* und kämpfen ums Überleben! Jeden Monat gehen Spritzgießer in die Insolvenz, und ich gehe mal davon aus, dass diese nicht zu 100% schlechte Unternehmer sind!

      Soll aber nicht heissen, dass Sicherheit vernachlässigt werden darf(!!).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Behrens ()

    • @Behrens
      Es handelt sich beim Tausch der Hyd.-Schläuche keinesfalls um "Großzügigkeiten"! Wer es sich leisten kann, den A... hinzuhalten wenn einem Kollegen der Saft einer Maschine mit zarten 160 bar aus einem nadelgroßen Loch die Haut aufschneidet und damit dann auch - wie mit einer Injektionsnadel - Hyd-Öl in den Blutkreislauf injiziert, der möge die empfohlenen (gesetzlichen) Wechselintervalle vernachlässigen. Wahrscheinlich fährt er auch noch mit 20 Jahre alten Pneus über die Landstraßen.
      Wir haben es uns durchaus kräftig überlegt, ob wir unsere Maintenance (modern für Betriebsschlosserei) damit beauftragen, es selber machen (ich), den Maschinenhersteller beauftragen oder es von einer Hyd-Schlauchfirma machen lassen. Alle Alternativen sprachen eben für extern, durch Hyd-Schlauch-Firma wechseln zu lassen. Zeitlich, preislich und dokumentationsbedingt.
      Was die Vergangenheit angeht - da war vieles anders und "dahatten wir auch noch einen Kaiser". Und was man privat macht ist auch was anderes. Aber in einem Gewerblichen Betrieb in Deutschland steht man doch unter recht genauer Aufsicht. Und eine Zertifizierung nach 0815wasweißich spielt da erstmal noch keine Rolle. Da gibt es andere Vereine, die einen Betrieb in nullkommanichts zumachen können.
    • Klabuster schrieb:

      Die 6 Jahre sind ein reiner Richtwert, der je nach Verwendungsart / dauer und Belastung extrem schwankt.
      @Klabuster 's Beitrag kommt der realistischen Spritzgusswelt da schon näher und ich halte diese Vorgehensweise auch für verantwortungsvolles Handeln. Es wird kein Gericht Verantwortungsträger gleich verurteilen, weil er Richtwerte nicht einhält, Urteile werden nach Recht und Gesetz und genauer Ursachenanalyse/Beweislage entstehen .... Es sei denn, der 6-Jahreswechsel ist gesetzlich vorgeschrieben(?), dann ist dieses natürlich auch einzuhalten.
      Zudem wäre es mal interessant, wieviel Verletzungen durch die von dir beschriebenen Unfälle die Berufsgenossenschaften in den letzten 30 Jahren (in denen mit Sicherheit über 90% der Spritzereien die 6-Jahresfrist nicht eingehalten haben) registrierten?!

      petersj schrieb:

      Wahrscheinlich fährt er auch noch mit 20 Jahre alten Pneus über die Landstraßen.
      Reifenwechsel wird nicht nach empfohlener Frist durchgeführt, sondern nach Bewertung des Profils bzw. gesamten Reifens ;) ;)

      "Bissl die Kirche im Dorf lassen"
    • Behrens schrieb:

      Klabuster schrieb:

      Die 6 Jahre sind ein reiner Richtwert, der je nach Verwendungsart / dauer und Belastung extrem schwankt.
      @Klabuster 's Beitrag kommt der realistischen Spritzgusswelt da schon näher und ich halte diese Vorgehensweise auch für verantwortungsvolles Handeln. Es wird kein Gericht Verantwortungsträger gleich verurteilen, weil er Richtwerte nicht einhält, Urteile werden nach Recht und Gesetz und genauer Ursachenanalyse/Beweislage entstehen .... Es sei denn, der 6-Jahreswechsel ist gesetzlich vorgeschrieben(?), dann ist dieses natürlich auch einzuhalten.Zudem wäre es mal interessant, wieviel Verletzungen durch die von dir beschriebenen Unfälle die Berufsgenossenschaften in den letzten 30 Jahren (in denen mit Sicherheit über 90% der Spritzereien die 6-Jahresfrist nicht eingehalten haben) registrierten?!

      petersj schrieb:

      Wahrscheinlich fährt er auch noch mit 20 Jahre alten Pneus über die Landstraßen.
      Reifenwechsel wird nicht nach empfohlener Frist durchgeführt, sondern nach Bewertung des Profils bzw. gesamten Reifens ;) ;)
      "Bissl die Kirche im Dorf lassen"
      Reine Haftungsfrage mit den Richtwerten der BG und Hersteller - ist wie bei DIN und anderen Normenwerken: die alle besitzen keinen Gesetzescharakter, d.h. sie sind nicht zwingend verpflichtend. Aber wenn ich mich daran halte und etwas passiert (egal ob ein gefährliches Leitungslecks, Passung bei Bauteilen stimmt nicht) bin ich **in der Regel** erst einmal raus, wenn ich keine anderen Versäumnisse begangen habe.
      Halte ich mich nicht daran, muss ich in der Regel den Nachweis führen, dass ich dennoch allen Fürsorgepflichten nachgekommen bin.
    • Eine ordentlich geführte Spritzerei hat regelmäßige Wartungsabläufe, bei denen jedes Mal auch die Betriebsstunden dokumentiert werden.
      Lösung wäre für das Austauschen der Hydraulikschläuche den Zyklus nach Betriebsstunden, wie z. B. *alle 40.000 Std.*, festzulegen(?).
    • Warum werden denn Richtwerte festgelegt? Weil mit Sicherheit in einer Zeit "x" minus Sicherheitsfaktor xy nach dem festgelegten Richtwert vermehrt Unfälle aufgetreten sind weil man sich das Geld sparen wollte. Für die meiste GF/GL ist "da unten" jeder nur ein Kostenfaktor und jederzeit ersetzbar. Leider auch heute noch. Das Gejammer geht erst dann los wenn die BG oder im schlimmsten Fall die Kripo an die Tür klopft.

      Im übrigen wird es bei uns seit einigen Jahren gemacht wie @petersj es beschreibt. Die Schläuche werden getauscht, mit einer Kennung versehen und in einem digitalem System gelistet. Unsere Jungs der Technik haben jederzeit zugriff auf das System und können rechtzeitig Termine zum Austausch vereinbaren. Egal wie die Schläuche aussehen, sie fliegen raus. Sicherheit geht nun mal vor.
    • @Behrens
      Versuch mal mit 10 Jahre alten, rissigen Reifen durch die HU zu kommen. Da nutzen dir auch 12mm Profil nichts - die Plakette wird dir verweigert.

      Ein vielleicht nicht repräsentatives Beispiel: Unser Spritgießmaschinen werden z.B. 40.000 Bh erst nach ca. 40 Jahren erreichen. Die Schläuche sind aber nach maximal 10 Jahren so hart, dass man sie senkrecht an die Wand stellen könnte. Gerade biegen sollte man dann aber lassen.

      Die Alterung von Kautschuk geht aber nicht nach Betriebsstunden, sondern nach der Zeit in der sie den Außenbedingungen unterliegen. Selten ist die Seele des Schlauches porös. Meistens sind es die außenliegenden Schichten und das Gewebe die den Geist aufgeben.
    • Ich habe vor vielen Jahren schon erlebt was passiert, wenn ein Hydraulikschlauch unter Last platzt. Der Kernzug ragte nach Oben zur Decke. Die ganze Halle war nicht sehr hoch und die Decke etwa 1Meter vom Schlauch entfernt. Schlauch Platzt, Öl schiesst unter die Decke und wird wie ein leichter Regen in der Halle verteilt. Ergebniss: Eine riesen Sauerei, stinkt wie Hölle, Produktion stand und 2 Tage putzen war angesagt.
      Das war echt nicht Lustig....



      LG
    • Welchen Button soll ich denn jetzt drücken?
      "Like", weil es ein gutes Beispiel ist für einen regelmäßigen Austausch der Schläuche? Könnte leicht, so verstanden werden, dass ich es toll finde, dass die ganze Halle mal richtig staubfrei durchgeputzt wurde.
      Oder doch besser "dislike", um mein Mitgefühl zu dem sagenhaften Arbeitsaufwand nach der Aktion auszudrücken und das ich es nicht gut finde, dass der Schlauch geplatzt ist?
    • Ich hab es nicht persönlich mitbekommen, aber bei einer Tagung eine Person kennengelernt die solch einen Unfall als Ersthelfer "verarzten" musste. War keine Spritzerei, wo es passiert ist, sondern eine Hydraulikleitung eines Flugzeugs. Da meinte ein Mechaniker, dass er das Leck erfühlen kann. Hand mit 5 Fingern rein, einmal über das Leck streichen, Hand mit einem Daumen raus. Die vier Finger durften dann die Kollegen rausfischen. Leitung war während der Suche dann druckfrei.

      Ich wünsche keinem solch einen Unfall. Er lässt sich vermeiden und sollte vermieden werden. Flüssigkeiten unter Druck und/oder Temperatur sind keine Kleinigkeit! Es gibt nichts gefährliches. Nicht umsonst gibt es auch das Wasserstrahlschneiden für dickere Stahlbleche.
    • Bei dem Thema drängt sich mir eine Frage auf: Wie hoch ist eigentlich der System- bzw. Pumpendruck in der Hydraulik einer SGM? Hab jetzt auf die schnelle im Netz nix finden können, immer nur die Prozessdrücke auf auf der "Kunststoffseite".

      Auch wenn es sicher in der SGM keine 3800 bar sind, finde ich es doch beeindruckend, dass mit Wasserstrahlschneidanlagen (ohne Abrasivmittel) z.B. gefrorener Fisch oder frischer Fisch mit Gräten sauber geschnitten werden. (Übrigens sogar Zwieback, ohne dass der aufweicht) ;)