Preisunterschiede bei Farbmasterbatch

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    • Preisunterschiede bei Farbmasterbatch

      Hallo Leute,

      ich habe eine Frage. Ich bin relativ neu im Kunststoff Sektor, bitte entschuldigt meine etwas "dumme" Frage.

      Kann es sein, dass zwischen zwei Farbtönen beim Masterbatch ein Preisunterschied von 10% zustandekommt? Eine Farbe ist zB. Beige und die andere ein dunkles Beige(fast braun).

      Die Bestellmenge ist die selbe, Trägermaterial laut Hersteller auch. Beide Farben sind RAL Töne. Beide Batche werden für das selbe Rohmaterial in gleichen Verhältnissen zugemischt.

      Mich würde nur interessieren, ob das generell so ist, dass die Preise für unterschiedliche Farben weit auseinandergehen, oder ob es sich möglicherweise nur um schöngerechnete Werte handelt, damit das Angebot nicht so langweilig wirkt. ;)
      Dass die Preise bei unterschiedlichen Herstellern weit auseinander gehen, habe ich bereits gesehen. Das hängt dann auch oft mit der Ausstattung der Hersteller zusammen. Aber beim selben Hersteller, mit sehr ähnlichen Farbtönen ?(


      Liebe Güße.
    • Bei definierten RAL-Farben weiß der Masterbatch-Hersteller ganz genau, wie viel Batch von welcher Farbe in den letzten Jahren produziert wurde. Aus den Infos kann der Hersteller sein Lager füllen und Kunden so zügig bedienen. In der Branche ist Lagerplatz deutlich günstiger als eine reine auftragsbezogene Produktion.
    • Zum bereits erwähnten kommt noch hinzu, das die Pigmente und oder Farbmittel.-stoffe auch unterschiedliche Grundpreise haben, wie auch die Menge ( prozentuale Anteil ) die bei der Batchherstellung beigefügt werden müssen, unterschiedlich hoch sein können.

      Sicher kommen aber noch weitere Aspekte hinzu.
    • Bei der Erstellung einer Farbe - egal ob RAL, Pantone, Eigenwunsch nach Designer oder sonst einem System - spielen viele Faktoren eine Rolle.
      Man kann z.B. nicht einfach einen einzelnen Farbstoff einsetzen. Wir haben die Erfahrung, dass man mindestens 3 Farben braucht, um einen Farbton auch in Zukunft reproduzieren zu können. Bei dem Beige würde ich z.B. auf ein "Braun" als Grundfarbmittel tippen. Zum Abtönen kommen dann sicherlich noch ein "Schwarz", ein "Rot", und ein "Grün, Blau oder Gelb" hinzu. Zum Aufhellen ist dann noch ein "Weiß" erforderlich. Dann will man bei dem hellen Batch eine bessere Farbeinmischung im Spritzguss erreichen: dieses erfordert evtl. noch ein "Mischaktives Additiv". Bei dem dunklen Beige kommt man evtl. mit viel weniger Farbmitteln und Additiv aus. Das alles werdet IHR gar nicht erfahren bzw. erfahren können, da der Kompoundeur seine Rezeptur natürlich geheim hält.
      Dann kommen die Entwicklungskosten ins Spiel. Vielleicht ließ sich das dunkle Batch viel schneller entwickeln als das helle Batch. Und dann finden sich noch die Maschinenkosten in der gesamten Abrechnung wieder. Bleib zum Schluss noch die Frage: was wurde wie viel produziert. Es kann sein, dass mehrere Kunden die gleiche Farbe bestellen. Dann wird eine größere Menge produziert, die dann pro Kunde günstige berechnet werden kann.
      Und: Vieleicht sind im hellen Batch ganz andere Farbmittel drin als im dunklen. Da können sich die Pikos (Pigmentkosten) schnell verdoppeln. Und Vielleicht erfordert das Helle viel mehr Pigmente um die entsprechende Farbdeckung zu erreichen und die Lichtdurchlässigkeit zu beschränken.

      Da sind also viele Wenns und Abers.
    • Nein, das ergibt sich von Farbe zu Farbe, von Polymer zu Polymer und von Anwendung des Fertigteils zu Fertigteil.
      Es ist (zumindest bei uns) so, dass der Kunde uns ein Fertigteil, ein Granulatmuster oder einen Farbwunsch liefert. Wir stellen dann ein entsprechendes Batch (wenn es Batch sein soll) in einer verarbeitbaren Konzentration in dem entsprechenden Polymer ein. Dabei muss auch die erforderliche Deckung (Lichtdurchlässigkeit) beachtet werden. Je nach Polymer gibt es bestimmte Farbmittel, die entsprechende, durch uns getestete Zulassungen haben. Man kann also nicht jedes Farbmittel in jedem Polymer und in jeder x-beliebigen Konzentration verwenden. Dazu gibt es dann auch eine entsprechende Beratung. Dann wird der Kunde in der Regel erst einmal mit einer kleinen Menge bemustert, damit er die Farbe und ggf. die Eigenschaften frei geben kann. Und erst dann wird die bestellte Menge produziert, weil auch erst dann der endgültige Preis berechnet werden kann. Alle Preiskalkulationen vorher sind gewisse Schätzungen.
      So kann man eigentlich sagen, dass in den meisten Fällen jede Farbeinstellung individuell für jeden Kunden ausgearbeitet werden muss. Und das auch bei einer RAL-Farbe. Es gibt nur selten (außer wenn ein Produkt schon mehrfach hergestellt wurde) direkt den Freigabeschuss. Alle Rohwaren unterliegen gewissen Schwankungen und die müssen jedes Mal neu ausgeglichen werden.
      Ebenso unterliegen auch die Polymere Preisschwankungen, ähnlich wie die Tageskurse an der Börse. So kann ein und das selbe Produkt z.B. 2 Wochen später einen ganz anderen Preis bilden.
      Sicherlich gibt es gewisse Standard-Batches, die geringeren Preisschwankungen unterliegen. Solche Farben wie bestimmte "Beiges" sind aber meistens keine Standardfarben. Sie werden zwar häufig für einen Kunden in großen Mengen hergestellt, wenn der Kunde aber immer nur eine Tonne bestellt, werden nicht 3 Tonnen produziert. Es könnte ja sein, dass der Kunde ganz spontan dieses Produkt nicht mehr braucht und dann hätten wir in kurzer Zeit zig Tonnen an Materialien aller möglichen Farben und Polymere liegen, die kein Mensch mehr braucht und die wahrscheinlich auch nie wieder abverkauft werden können.
      Ich meine, dass wir z.Z ein Portfolio von ca. 15.000 Farben ausgearbeitet haben. Das heißt aber nicht, dass damit Schluss ist. So versuchen wir natürlich dem Kunden eine Farbe zu präsentieren, die nicht mehr aufwändig ausgearbeitet werden muss. Wenn aber nichts Passendes vorhanden ist, muss entwickelt werden. Und das ist sehr häufig der Fall. Da kommt ständig was zu und ewig nicht mehr bestellte Farben werden dann auch mal aufgegeben. Die Rezepturen bestehen aber im Computer weiter.

      Wie "teuer" eine Farbe werden wird kann zwar "vorher" auf Grund der bestehenden Erfahrung grob geschätzt werden. Es wird für diese Schätzung aber keine Gewähr gegeben, da sich bei der Ausarbeitung immer irgend etwas anders darstellen kann als gedacht. In beide Richtungen.