Probleme mit Spritzen von Fenstern

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    • Probleme mit Spritzen von Fenstern

      Hallo ich bin vor kurzem auf dieses Forum gestoßen und habe eine Frage an die Fachleute :). Ich selbst bin kein gelernter Verfahrensmechaniker für Kunststoff sondern habe lediglich eine halbjährliche Umschulung zu diesem Beruf gemacht. Mittlerweile arbeite ich jetzt schon 4 Jahre als Verfahrensmechaniker. Ich arbeite für einen Betrieb der Modellbahnen in den Größen TT und H0 herstellt. Ich habe mich eigentlich ziemlich reingefuchst und würde sagen das ich 90% unserer Werkzeuge problemlos zum Laufen bekomme. Allerdings habe ich die meisten Probleme beim Spritzen von Fenstern. Aktuell habe ich eins wo ich wieder verzweifeln könnte, es handelt sich um 2 Seitenfenster die ca. 6-7 cm lang sind. Als Material wird Polycarbonat verwendet, dazu muss ich sagen das wir das Material der Maschine Manuell zuführen, haben also kein Saugsystem ect. sondern benutzen Eimer :D. Ich habe in letzter Zeit das PC auch nicht mehr vorgetrocknet da ich keinen unterschied zum getrockneten feststellen konnte. Beim aktuellen Fenster habe ich nun das Problem das extreme Schlieren auf den äußersten Fenstern zu sehen sind, sowie Fließlinien im mittleren Bereich. Die Fließlinien lassen sich durch hohe Temperaturen (Düse 300 Grad, Beide Formhälften 90 Grad) minimieren verschwinden aber nicht komplett. Die Schlieren an den äußeren Fenstern bleiben aber unverändert bestehen, daher wollte ich euch mal um Rat bitten. Glaubt ihr es liegt am ungetrockneten Material oder eher ein Spritztechnischer Fehler? Ich habe auch die Vermutung das es am Dosieren liegen könnte (Bläschenbildung ect.)

      Mfg
    • Ich mach morgen mal ein Bild wenn ich es nicht vergesse :) die Werkzeugtemperatur beträgt auf beiden Hälften 90 Grad jeweils 2 Durchläufe pro Seite die Vertikal verlaufen. Und die Zylinder Temperatur an der Düse 300 Grad und die jeweiligen anderen Stufen 10-20 Grad absteigend geringer. Ich werde es auch nochmal mit getrocknetem PC versuchen.
    • Warum wird so etwas immer wieder versucht: PC ungetrocknet verarbeiten?
      Warum wundern sich die Leute dann über Schlieren/Blasen und weitere Fehlstellen?

      Ich weiß ja nicht wie groß dein "Eimer" ist, mit dem du die Maschine aus dem Trockner befüllen würdest. Bei der Verarbeitung aus einem unbeheizten Trichter hat das Material nach ca. 20 Minuten wieder so viel Feuchtigkeit gezogen, dass die ersten Schlieren bereits wieder auftreten.

      Bei Sichtteilen sollte PC grundsätzlich vorgetrocknet werden. Je nach Hersteller werden 100 bis 130°C für mindestens 4 bis 24 Stunden empfohlen. Ein sicheres Ergebnis kann aber nur mit einer entsprechenden Messung des Granulates erreicht werden. Oder man weiß es aus ausreichender Erfahrung (Trocknungsversuche). Nun ist PC ja auch nicht gerade ein Material, dass bei 1 Stunde längerer Trocknung gleich gelb wird.

      Bei Teilen mit mechanischer Funktion muss ebenfalls auf die gleiche Weise getrocknet werden. Die Feuchtigkeit wird sonst im Spritzgießprozess frei gegeben. Bei den vorhandenen Temperaturen (ca. 300°C) wird das Waser unmittelbar zersetzt in Wasserstoff und Sauerstoff. Dadurch erreicht man beim Polycarbonat einerseits eine hydrolytische Zersetzung und andererseits eine Oxidation. Beides führt zu einer deutlichen Verringerung der mechanischen Eigenschaften. Außerdem kann es zu deutlichem Vergilben führen.

      Allerdings wird es durch das Vortrocknen zu einer deutlich zäheren Schmelze kommen. Das bedeutet, dass es besonders bei kleinen Querschnitten und langen Fließwegen zu Füllproblemen kommen kann. Das kann aber durch Anheben der Temperaturen (Zylinder als auch Werkzeug) ausgeglichen werden. Ein "gutes, normales" PC dürfte ohne Farbmittel bei einer Werkzeugtemperatur von 120°C und einer Massetemperatur von 320°C noch problemlos verarbeitbar sein. Gibt es dann immer noch Probleme mit der Fließfähigkeit, kann man noch Material beziehen mit einer höheren Viskosität.
      Je höher die Verarbeitungstemperaturen stehen, desto schlimmer wird es bei ungetrocknetem PC mit den Schlieren!
    • Ich kann mich petersj nur anschließen.

      Werkzeugtemperatur hoch
      Material unbedingt trocknen wobei natürlich negativ ist das ihr ein offenes System habt bei der Granulat Förderung. Hier gibt es aber auch Trockner die auf dem Einzug montiert werden können auch mit Elektrosauger sodass ihr keine zentrale Förderanlage braucht.
      Zylindertemperatur hoch und ggf Heizkanal auch
    • Wahrscheinlich sind die Innerbetrieblichen erwartungen an die Produktion mal wieder grösser als sie reproduzierbar sind.

      Hatte ein ähnliches Problem mit einem TPE das recht einfach zu verarbeiten ist und denoch kam es zur schlierenbildung angussnah sowie mitten im Bauteil. Herausgestellt hat sich nach langer suche dann eine undichtigkeit des kühlkreislaufs an dem punkt an dem der werkzeugeinsatz mit einem O-ring am Grundwerkzeug angebunden wird. Der Werkzeugeinsatz war an dem übergang von dem Kühlwasserkreislauf (ohne Rostschutz) extrem korrodiert.