Materialanpassung von PA6.6 auf PA6?! - Alternativen, Literatur?

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    • Materialanpassung von PA6.6 auf PA6?! - Alternativen, Literatur?

      Hallo zusammen,

      ich bin bei meiner Recherche sehr schnell auf dieses Forum gestoßen und habe bereits einige hilfreiche Beiträge gefunden. In diesem Zusammenhang will ich mich schon mal für meine "etwas anderen" und vllt etwas naiven Fragen entschuldigen ;)

      Kurz zum Hintergrund:
      Ich habe vor kurzem begonnen meine Bachelorarbeit zum Thema einer strategischen Materialanpassung im Einkauf bei einem großen schwäbischen Automobilhersteller zu schreiben (Wirtschaftsing. - die Arbeit wird also 50% technisch/50% kaufmännisch). Genauer gesagt versuche ich aufgrund der anhaltenden Verknappung und des stetigen Preisanstiegs ein Alternativmaterial für PA6.6 zu finden. Intern ist da schon das Material PA6 im Gespräch allerdings würde ich mich mit dem Thema etwas genauer auseinandersetzen und deshalb bin ich hier. Leider habe ich zu diesem Zeitpunkt noch keine genauen Spezifikationen.

      - gibt es einen "klassischen Weg" bei der Umstellung von PA6.6 oder einige sehr vergleichbare Stoffe? Vielleicht hat schon jemand Erfahrungen damit gemacht und könnte mir einen Tipp geben in welche Richtung ich laufen soll ;)
      - gibt es Literatur/Zeitschriften oder ähnliches, in welche ich den PA6.6-Boom etwas nachlesen könnte oder mich über Alternativmaterialien informieren kann?
      - wäre es vielleicht sogar sinnvoll direkt auf Spritzgussunternehmen oder sogar Compoundierer zuzugehen und um deren Expertenmeinung zu bitten?

      Vielen Dank schon mal Eure Zeit. Ihr helft mir ein großes Stück weiter. :)

      freundliche Grüße
      Tim
    • Hallo,

      Viele Anbieter von Materialcompounds werben mit Ersatzmaterialien genau zu PA 6.6. Hier zumindest ein Beispiel.

      Der Nachteil bei anderen Materialien sind meist nicht passende Schwindungsdaten, mechanische Eigenschaften bei höheren Temperaturen und eine andere Wasseraufnahme.
      PA6 hat z.B. im Vergleich zu PA6.6 eine höhere Wasseraufnahme und schlechtere mechanische Eigenschaften bei höheren Temperaturen. Außerdem besitzt PA 6.6. eine höhere Erstarrungstemperatur und kristallisiert schneller als PA6. Damit sind kürzere Zykluszeiten möglich. Kommt aber immer auf die Type, verschiedene Füllstoffe und den Teil an.

      Bei Glasfaserverstärkten Materialien ist das Ganze dann noch ein wenig anders.
      Zu dem Thema sollte man aber reichlich Material im Internet finden.

      - Der klassische Weg beim Materialumstellen ist eine komplette Neubemusterung.
      - Such mal nach "PA6.6. Force Majure". Da gibt's sicher einiges.
      - Kann man auf jeden Fall machen, vorallem wenn die einen hauseigenen "Polyamidkiller" vertreiben, sind die da sehr gesprächig.

      Ich hoffe ich konnte helfen.
    • Ja, es ist schon so, wie "Junghuber" dargestellt hat.
      Es gibt viele Möglichkeiten PA66 zu ersetzen. Es kommt aber immer auf den Anwendungsbereich und damit auf die diversen unterschiedlichen Belastungsszenarien an. Das heißt, dass für jeden Austausch die komplette Herstellungskette betrachtet und evaluiert werden muss, sowie diverse Versuche und Bewertungen zu den Materialien gemacht werden müssen. Ein PA66 1 zu 1 einfach nur durch ein anderes Material zu ersetzen ist in den meisten Fällen nicht möglich. Meistens müssen dazu die SG-Werkzeuge deutlich überarbeitet bzw. sogar neu konstruiert werden.
      Tatsächlich können viele Compoundeure gerade hier über die Anwendungstechnik sehr gute Hilfen bieten. Oft wird so etwas dann von denen auch in entsprechenden Projekten kundenspezifisch erarbeitet.

      PS
      Bei diesen Ersatzmaterialien muss ein PA66 nicht zwangsweise durch ein PA6 ersetzt werden. Das ist meistens zu kurz gedacht. Die Entwicklung kann erstaunliche Ergebnisse bringen (z.B. PA66 GF Ersatz mit einem entsprechend rezeptierten PP bei einem Bremspedalhebel, wodurch bei gleichen mechanischen Eigenschaften sogar eine Gewichtsersparnis erreicht werden konnte). Auch der Blick auf gute Recompounds (oft unter dem Begriff ECO) kann oft sehr hochwertige Ersatzmaterialien bieten. Die Entwicklungen werden eben immer dann angetrieben, wenn dringende Ersatzprodukte gesucht werden. Und da hat sich in bezug auf PA66 gerade in den letzten 2 Jahren viel getan. Produkte sind da und liegen z.T. wartend in den Schubladen.
      So auch bei uns.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von petersj ()

    • Ja, auch.
      Es kommt auf den Verwendungszweck an.
      PPA ist genau so eine Alternative, wie auch PET/PBT-Blend oder PPS.
      Wie gesagt: Man muss sich das alles genau ansehen und dann mit allen Beteiligten entscheiden. Gerade bei den OEMs kann man nicht einfach umswitchen.