Grat messen

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    • Grat messen

      Guten Morgen,

      ich habe durch unserer QW eine Frage auf den Tisch bekommen, an der sich bei uns die Geister scheiden.

      "Wenn ich ein Teil messe, messe ich ohne oder mit Grat"

      Klingt simpel, ist es aber leider nicht. Viele Kunden interpretieren es anders, Zeichnungsforderung ist es nicht und einfach ja/nein geht auch nicht. Sicherlich lässt sich sagen, es ist da, also gehört es zum Maß, andererseits ist es keine Teilekontur (je nach Ausprägung :D )

      Um eben hier aussagefähig zu sein frage ich euch, ob ihr irgendwelche Normen kennt, in denen das als absolutes Argument festgehalten ist.
    • Hallo,

      naja Grat ist immer relativ.

      Zwar visuell mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennbar, haben doch alle Kunststoffteile in den Trennkanten oder bzw. Entlüftungen einen minimalen "Gratansatz" und wenn er nur 0,005 groß ist.

      Deshalb ist es aus meiner Sicht die Fragestellung schon Richtig und muss beachtet werden, auch bei der Vermessung.

      Für Funktionsteile sollte auch die Gratrichtung beachtet werden, diese kann ja ggf. bei der Werkzeugkonstruktion / Artikelkonstruktion schon beachtet werden.

      Ich kenne es so dass neben den Dimensionsmaßen entsprechend ein Kommentar in der Zeichnung ist "Grat zulässig mit Formversatz bis max. 0.05 mm" bzw. bei
      besonderen Merkmalen speziell nochmal darauf verwiesen wird.

      Aus meiner Sicht also Dimensionsmaße ohne Grat messen, den Grat aber zusätzlich Überwachen entsprechend vereinbarten Grenzen.

      Besondere Merkmale am Artikel die zum Beispiel gefügt werden / oder montiert werden zusätzlich mit Lehren oder anderen Tests auf Funktion überwachen um die Montierbarkeit / Funktion sicherzustellen.

      Viele Grüße

      moritz
    • Nun, ich finde es ja schön, dass alle nur das NonPlusUltra fertigen wollen :thumbsup:

      Aber Fall 1) Kunde lässt jostengünstiges WKZ herstellen und Fall 2) (s. Formenbauer) gings mir jetzt auch eher um die ganz kleinen Details... Denn der Bereich um 0,01mm ist da mein Problem. Es geht um die notwendige Entlüftung, und da wird leider mit was-weiss-ich-was für Messmitteln beim Kunden geschaut, was da nicht zur Kontur des 3D- Modells passt...

      Deswegen meine (wie ich finde weiterhin berechtige) Frage im Raum...
    • Ich schließe mich @>formenbauer< an. Solange der Grat nicht zu groß, optisch nicht störend ist und die technische Funktion nicht gefährdet, ist es iO. Es gibt keine gratfreien Spritzgussteile.

      Wenn der Kunde ein kostengünstiges Werkzeug kauft, kauft er auch entsprechende Qualität. Während der Füll- und Nachdruckphase wirken einfach die höchsten Drücke und mit vereinfachten Modellen der Mechanik kann man ausrechnen, um wie viel µm sich die Formplatte durchbiegt und somit den Grat begünstigt. Ist zwar nicht so hochpräzise, gibt aber die Größenordnung sehr gut wieder.
    • 1u21 schrieb:

      Wenn der Kunde ein kostengünstiges Werkzeug kauft, kauft er auch entsprechende Qualität.
      Dem kann man nur zustimmen, jedoch zielen die Kommentare hier zu sehr auf *nicht spritzgussgerechte Werkzeuge* als Grat-Ursache, wobei das nur zum geringsten Teil die eigentliche Ursache ist! Aus Erfahrung kann ich nur feststellen, dass die Mehrheit der Gratprobleme ursächlich in der *Überladung*, somit *Überlastung der Tuschierungen* der Werkzeuge begründet sind! Dieses resultiert aus der (falschen) Prozessphilosophie
      - bei 95-98% Volumenfüllung umzuschalten und Restfüllung mit Nachdruck (druckgeregelt),
      - bei Fehlerbild *nicht voll ausgeformt* den Nachdruck zu erhöhen,
      - die Massetemperaturen zu niedrig einzustellen (ist bei über 90% der Einrichter allgemeine Tendenz bei der Prozessgestaltung),
      - schon bei Musterungen die Maße *mit Nachdruck "hinzudrücken"* ( ist das Schlimmste, was der Musterer dem Werkzeug antun kann!!) - jeder Musterer kennt es,
      - usw. usw.

      Leider lernen die Verfahrenstechniker aufgrund dieser "Steinzeit-Philosophien" in ihrer Ausbildung nicht, wieviel "Feingefühl" für dieses komplexe Herstellungsverfahren notwendig ist. Zumal auch die wirkende Kräfte (durch Drücke) völlig unterschätzt werden!

      Ich stelle immer wieder fest, das über 90% aller Werkzeuge mit "Stress-Prozessen" laufen!
    • Den Wert will ich nicht anzweifeln, da er vielleicht sogar noch drüber liegen kann.

      Wenn ich die Füll- und Nachdruckphase mit dem möglichst geringen Druck fahre und immer noch Grat erhalte, liegt es einfach der Werkzeugqualität.

      @ParameterJongleur: Kannst du die Größe der Platte(Breite, Länge, Dicke), die Anzahl der Kavitäten und den Fülldruck sowie Nachdruck veröffentlichen? Dann würde ich einmal kurz durchrechnen wie sich die Platte durchbiegt.
    • Ihr habt sicher alle recht damit, dass Prozesse so an das WKZ angepasst sein "sollten", dass ein stressfreier Prozess möglich ist. Und auch der Punkt, dass Überladen zum Grat führt hatte ich natürlich berücksichtigt.

      Je nachdem wie wir Grat wahrscheinlich unterschiedlich definieren, wird hier auch argumentiert. Allerdings landen wir schon wieder sehr allgemein dabei, wie gespritzt werden sollte.

      Ich wollte jetzt auch nicht auf einen bestimmten schlecht laufenden Prozess hinaus, sondern nur allgemein fragen, ob es Regularien gibt. Grat aufgrund Überladung ist Ausschuss! Grat aufgrund schlechter Schiebertennung auch, etc... Mir gehts wie gesagt um sowas wie 0,01mm, zB wenn bspw der Polierer zuviel abgetragen hat...