Schwindung Parallel und Senkrecht bzw. längs und quer

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    • Schwindung Parallel und Senkrecht bzw. längs und quer

      Hallo Forengemeinde,
      bin auf ein Verständnisproblem gestoßen, dass unterschiedliche Literaturen und
      Artikel auch leider unterschiedlich aufklären.
      Im Anhang wäre mal meine Vorstellung der Begrifflichkeiten......aber ob das stimmt ;)

      Was ist denn nun Schwindung parallel zur Molekülausrichtigung bzw. was meint denn dann senkrecht?
      In manchen Datenblätter steht längs und quer.....da dreht man doch durch.

      Und 2.
      Wenn im Datenblatt nur Verarbeitungsschwindung steht, dann kann die Nachschwindung vernachlässigt werden oder?
      Gesamtschwindung = VS + NS
      Doch wenn nur VS angegeben ist?
      Das Beispiel Durethan:

      Verarbeitungsschwindung, parallel 150x105x3; 280 °C / WZ 80 °C; 500 bar % i.A. ISO 2577 1.1
      Verarbeitungsschwindung, senkrecht 150x105x3; 280 °C / WZ 80 °C; 500 bar % i.A. ISO 2577 1.1
      Nachschwindung, parallel 150x105x3; 120 °C; 4 h % i.A. ISO 2577 0.3
      Nachschwindung, senkrecht 150x105x3; 120 °C; 4 h % i.A. ISO 2577 0.3


      Aber bei anderen Datenblättern nichts.

      Hoffe um Aufklärung ;)

      Grüße
      Dateien
      • Schwindung.pdf

        (128,61 kB, 29 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      Kunststoffformgeber sind Künstler, denn es ist eine
      Kunst,
      den Kunststoff in Form zu bringen

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Luemmel ()

    • Ich kann mich hier nur auf die Norm EN ISO 294-4 beziehen, die aber ebenfalls die Verarbeitungs- und Nachschwindungsmessung beschreibt. Unterschied zwischen diesen Normen ist die Probekörpergröße. In der EN ISO 294-4 werden Probekörper der Größe 60x60x2mm verwendet.
      Verarbeitungsschwindung ist demnach folgender Maßen definiert:
      Zitat: "Die Verarbeitungsschwindung, wie sie in diesem Teil von ISO 294 definiert ist, schließt Auswirkungen von
      Feuchteaufnahme aus. Das ist in der Nachschwindung und somit in der Gesamtschwindung enthalten."

      Das bedeutet, dass die Verarbeitungsschwindung unmittelbar nach dem Spritzguss erfolgt, jedoch nach der Abkühlung auf Raumtemperatur. Die Platten sollten dabei bei "Normklima" (23°C / 55% rH) gelagert werden. In der Regel ergibt dieses eine Zeit von ca. 30 Minuten.
      Die Nachschwindung ist dann wie folgt festgehalten:
      Zitat: "Maßdifferenz eines geformten Probekörpers, zwischen dem Beginn und dem Ende einer Nachbehandlung,

      bei Raumternperatur bestimmt."
      Die Lagerzeit wird hierbei nicht vorgeschrieben, sollte also im Protokoll entsprechend vermerkt werden.
      Interessanter Weise wird hier dann noch eine "Gesamtschwindung" beschrieben. Diese soll sich am Ende der Nachbehandlung ergeben.
      Alle Angaben erfolgen i.d.R. mit der Bemerkung "i.A.", also "In Anlehnung". Die Normen beschreiben einige Abläufe, die in der Realität und für die Realität nicht durchführbar oder realisierbar sind bzw. es sollen Werte genannt werden, mit denen der weitere Verarbeiter überhaupt nichts anfangen kann. So z.B. "Werkzeuginnendruck 1 Sekunde nach Nachdruckbeginn".

      Die Bezeichnungen längs und quer zur Molekülausrichtung beziehen sich eigentlich auf die Fließrichtung. Sicherlich werden die Moleküle in Fließrichtung ausgerichtet werden, da die Platten über einen ganzseitigen Filmanguss gefüllt werden. Parallel bedeutet dementsprechend "in Molekülausrichtung", also in Fließrichtung. "Senkrecht" bedeutet quer zur Ausrichtung, also auch quer zur Fließrichtung.

      Die Menge der Angaben ist klar von den erfolgten Messungen abhängig. Nicht immer werden Schwindungsmessungen durchgeführt, bzw. es werden nicht alle Eventualitäten vermessen.
      Ich würde nicht davon ausgehen, dass bei nicht genannter Nachschwindung, diese vernachlässigt werden kann. Das ist zwar eine Möglichkeit, jedoch kann es auch sein, dass diese Messung einfach (noch) nicht erfolgt ist. Schließlich muss man auch bedenken, dass für eine Angaben in einem Datenblatt mindestens 10 Produktionen mit den entsprechenden Datenblattausprüfungen erforderlich werden, um eine halbwegs brauchbare Statistik erstellen zu können. Diese Datenblattausprüfungen sind sehr aufwändig und erfordern sehr viel Zeit, da dabei nicht nur "Schwindung" gemessen wird, sondern das gesamte Programm wird durchgezogen.

      PS:
      Bei der "Nachschwindung" mit Relaxation und/oder Feuchtigkeitsaufnahme kann sogar eine negative Schwindung auftreten. Die Teile werden also größer als die Formnester! Selten, aber ich habe es auch schon gehabt. Siehe hier: Schwindung bei PP GF30 auch negativ möglich?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von petersj ()

    • Ob die Schwindung für ein Bauteil "relevant" ist bestimmt das Bauteil bzw. der Kunde. Wird ein Gerät aus mehreren Teilen "komplettiert" würden die Bauteile evtl. nicht zusammen passen.
      Ja, natürlich ist auch die Kristallinität wichtig und damit die Verarbeitung. Deshalb sollte bei einer Schwindungsangabe immer die Massetemperatur, die Werkzeugtemperatur und der entsprechend genutzte Nachdruck genannt werden. Trotzdem nicht wundern: Das sind immer reine "Laborwerte"!
    • Hallo petersj,
      hab hier mal eine Simulation mit BKV 50.
      Bild oben zeigt einen Schwund von ca. 0,4 mm beidseitig.
      Bild mittig zeigt einen Schwund von ca. 0,25 mm beidseitig
      Bild unten zeigt Orientierung und somit auch die Fließrichtung.

      Lt. DB:

      Verarbeitungsschwindung, parallel 150x105x3; 280 °C / WZ 80 °C; 400 bar % i.A. ISO 2577 0.16
      Verarbeitungsschwindung, senkrecht 150x105x3; 280 °C / WZ 80 °C; 400 bar % i.A. ISO 2577 0.85

      Somit zeigt das Bild oben also 0,85 % und demnach senkrechte Verarbeitungsschwindung.
      Das mittlere Bild sollte dann die Schwindung parallel sein, da hier viel weniger Schwindung stattfindet. (wie auch im DB ersichtlich)

      Hoffe man kann das so stehen lassen?
      Gibts Einwände?
    • Bis auf Bild 3 kann ich mit den anderen Beiden praktisch gar nichts anfangen. Du benennst die Datei mit "Verzug". Ich gehe also davon aus, dass die Simulation auf Verzug gearbeitet hat und nicht auf Schwindung. Und Schwindung und Verzug sind nicht zwangsläufig identisch.
      Die Vermutung zu Bild 3 ist aber richtig. Jedoch zeigt dieses Bild die Orientierung der Glasfaser, die in diesem Fall aber identisch ist mit der Orientierung der Moleküle.
    • Die Auswertung ist unter SW-Plastics Verzug in diesen jeweiligen Achsen.
      Hier wird hauptsächlich der Verzug durch unterschiedliche Schwindung berücksichtigt.
      Bei der Simulation wurden Optimalwerte für WZ-Oberflächentemperatur etc. eingestellt, um Thermalspannung und
      Residualspannung außen vor zulassen.
      Wollte nur den "Schwund" der sich aber nur unter "Verzug" auswerten lässt :)

      Bei Materialien ohne Fasern hab ich wie im Anhang die Fließvektoren.
      Sind quasi ähnlich wie Faserausrichtung.

      Grüße
      Dateien
      • Fließvektoren.pdf

        (265,92 kB, 26 mal heruntergeladen, zuletzt: )