PP soll sich bei 230 Grad zu Pulver zersetzen???

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    • PP soll sich bei 230 Grad zu Pulver zersetzen???

      Hallo werte Gemeinde

      Ich hatte heute mit meinem Kollegen eine hitzigere Debatte über das verhalten bzw die Eigenschaften von PP bei verschiedenen Temperaturen.
      Nach seiner Aussage zersetzt sich das PP (Hostalen in diesem Fall) schon bei 230 Grad zu Pulver.

      Nun kam mir das ausgesprochen Spanisch vor, weil ich in meinem Ausbuldungsbetrieb mehrere Anwendungen hatte wir ebenso Hostalen bei rund 280 Grad gefahren hatten.
      Zusätzlich haben wir dort zum durchspritzen, auch um von Peek (400 Grad Zylindertemperatur) runter zu kommen.
      Zwar war das PP bei 400 Grad flüssig wie Wasser, aber es hat sich noch gut genug fördern lassen um das PEEK bzw PEI aus dem Zylinder zu bekommen.
      Auch von meinem Meister hatten wir die Arbeitsanweisung bei jedem Materialwechsel mit PP zu spülen, weil es durch die hohe Wärmekapazität dafür am besten geeignet sei bzw sich PP nicht zersetzt (Bin kein Chemiker, kann dies also nicht verifizieren.)
      Zusätzlich hatten wir dort einen Einrichter der aus der Verpackungsindustrie kam und berichtet hat das es in der Branche bzw bei Schnellläufern durchaus üblich ist PP bei 300 Grad zu fahren.

      Ich stehe jetzt vor meinem neuen Kollegen der mir sagt das meine Jahrelange Erfahrung die ich in meinem Lehrbetrieb gemacht habe im Grunde Schwachsinn ist und mir subtil reinwürgt das ich keine Ahnung hätte.
      Jetzt suche ich nach stichhaltigen Argumenten die ich ihm liefern kann und hoffe das ihr mir da weiterhelfen könnt.
      Mein erster Gedanke war plump über die Datenblätter zu gehen, aber da steht halt nur etwas über die "empfohlenen" Temperaturbereiche, nicht wie sich das Material bei hohen Temperatur verhält.

      Schonmal danke für eure ANtworten :D
    • Kleiner praktischer Tipp. Nimm dir einen feuerfesten durchsichtigen Behälter, pack ne handvoll vom Granulat rein, stell es in einen Backofen mit 230°C und lass deinen Kollegen solange davor stehen, bis es Pulver ist. In der Zeit, wo er wartet bis es Pulver wird, kannst du in Ruhe weiter arbeiten und deine Erfahrung weiter sinnvoll nutzen.

      Anders kann ich mit solchen Menschen nicht umgehen, da solche Leute genauso faktenresistent sind wie die Flat-Earther. Erst die harte Realität bringt sie auf den Boden der Tatsachen.
    • Hallo Sebbi,

      willkommen in der Runde.

      Hier kann ich nur 1u21 voll recht geben...,
      würde deinem Kollegen im Beisatz vielleicht noch sagen :
      Wünsche Dir schon mal ein schönes Weihnachtsfest / Silvester / & Frohe Ostern.

      Ironie ein

      Sorry, ich glaube ein Fall Dein Kollege für den " Spritzgussführerschein "

      Ironie aus

      Grüße

      The Problem Solver
    • BÄÄMMMM-KLATSCH-BUUUUUUMMMMM...............! 200 Jahre Erfahrung mit Material zu Maschine zu Werkzeug zu Teilekalkulation zurück zum Ursprung und dann Zeitsprung, man hat natürlich recht wenn man aus der Zukunft kommt.

      Bei uns zersetzt sich PP erst bei 208°C im Batch mit PE plus TPE-E "plus" Einspritzgeschwindigkeiten" jenseits von 58ccm/sek. Sehr Leicht daran zu erkennen dass es splittert wie feuchtigkeit im Ungetrockneten Material.(Alles gelogen ) Dann zieht es fäden und dein Werkzeug macht Musik, Musik so wie du morgens gerne geweckt werden willst, und dann fährst Du an die Arbeit und fängst von vorne an.Material das genau vorgetrocknet ist,und startest den Prozess aufs neue in der Hoffnung das an diesem Tag alles besser wird,aber du findest zu deiner überraschung wieder die selben Maschinen vor und startest aufs neue die Produktion in der hoffnung das alles besser wird, und abends ist es wie zu hause, Du startest DIE produktion. Wir haben Produkte die mit "Signalgelb" Gefahren werden und bei der Produktion sollten die Farbdosierer nicht mehr als 5% fahren und das Trägergranulat nicht über 198°C gestellt werden ansonsten verfärbt es sich in den Rot bereich.
      Danke Junger Paddawan... Ich lern noch dazu..!
      P.S.;Rente

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Exercise () aus folgendem Grund: Um Gottes willen ...................Fragt nach es wird euch geandwortet.............

    • Hallo,

      bei der Verarbeitung sind die hohen Temperaturen nicht so kritisch da dort 'anaerobe' Bedingungen, also ohne Sauerstoff/Luft (idealerweise ;) ) herrschen. So kann das Polymer nicht mit O2 reagieren und sich abbauen. Es kommen aber andere Reaktionsmechanismen in Gang, es bilden sich Radikale und Ketten werden gespalten, das Material 'vercrackt'.
      Deswegen setzt man zum Beispiel beim physikalischen Thermoplastschsumgießen CO2 oder N2 als Treibmittel ein, sonst erzeugt man eine Bombe :D

      Viele Grüße
    • Technisches Datenblatt des Materials anfordern. Eventuell kurz im Internet selbst suchen .
      Oft hat man dann in diesem schon die vom Hersteller für das Material empfohlenen Verarbeitungstemperaturen.
      PP / PE / LD PE /HD PE verarbeiten wir hier problemlos bei Temperaturen weit über 230 °C .
      Natürlich will man nicht mehr Energie ins Material bringen als nötig ist. Aber von Zersetzung habe ich bei einem PP bei 230 noch nie gehört -geschweige es denn selbst erlebt.

      Interessant wäre es ob es sich bei dem besagten Material eventuell um eine Flammschutzmaterial handelt. Da gibt es so einige VO Materialien , die weit unterhalb der üblichen Verarbeitungstemperaturen gefahren werden müssen .
      Wurde ein Batch oder sonstiges Additiv eingesetzt? Wir hatten hier auch schon einmal dass ein POM Batch in einem PP zum Einsatz kam.
      Allgemein gilt bei solchen Meinungsverschiedenheiten bei uns im Haus :Datenblätter für Material und Additive checken.