Gleitmittel-Zugabe

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    • Gleitmittel-Zugabe

      Hi Leute.

      Wir haben ein grösseres Problem mit einem PC-ABS gehabt.
      Der serienprozess lief nicht mehr. Egal welche Einstellungen man zur Optmierung anwendete hat nicht funktioniert. Entweder Entformung ( Auswerfermarkierungen ), Grat durch hohe Drücke ( leichtes auftreiben ) und das schlimmste die Maße außerhalb der Toleranz.
      Nach Zugabe eines Gleitmittels hat sich alles gelegt. Selbst leichter trenngrat der immer da war, war minimiert durch geringeren Spritzdruck. Aber warum ??????? Bitte um eine Erklärung ??
      Wir haben uns erstmal damit abgefunden, dass eine geringere Reibung dies verursacht ??? Zugabe 0,3 Prozent
    • Ich habe da ein kleines Problem mit der Äußerung "Nach Zugabe eines Gleitmittels hat sich alles gelegt." 0,3% sind so wenig, dass die Vermutung nahe liegt, dass es ein anderes Problem gab. Dieses zeigt auch der Satz: "Selbst leichter Trenngrat, der immer da war, war minimiert durch geringeren Spritzdruck." Da wurde also die Parameterisierung geändert!
      Ich habe fast den Verdacht, dass es in diesem Fall (vielleicht auch zufällig) zu einer schlechten oder auch übermäßigen Trocknung gekommen war.
    • Würde mal das aktuelle Material-Prüfzeugniss geben lassen und mit älteren vergleichen. Evtl. hat sich der MFI dramatisch geändert. Ansonsten würde ich auch vermuten das vor kurzem eine Werkzeugwartung durchgeführt wurde und dort ein Fehler unterlaufen ist. Von nichts kommt nichts, das muss man sich immer durch den Kopf gehen lassen bei Problemen.
    • Bis dato großes Dankeschön für euer Interesse.

      1. nein das Werkzeug ist in Ordnung. Wartung einwandfrei
      2. leichten grat durch aufdrücken der Form hatten wir schon in den ersten Testphasen. Dies ist aber mit wenigen Eingriffen ins Werkzeug abgehackt
      3. nach Zugabe von gleitmitteln von mindestens 0,3 Prozent. Sind die drücke runter. Man könnte höhere Geschwindigkeiten fahren. Nur beim dosieren gab es bei hohen Geschwindigkeiten Probleme. Da es scheinbar sehr schmierig wurde.

      Habe so etwas noch nie gesehen. Wie als würde der Kunststoff leicht verdünnnt werden ?!?!
    • Bart schrieb:

      ... Wie als würde der Kunststoff leicht verdünnnt werden ?!?!
      Ich hab zwar von allen hier am wenigsten Ahnung, aber mich würde dann ja mal interessieren ob das fertige Produkt dann auch gut geworden ist oder sieht es einfach nur gut aus? Wirkt das Material jetzt noch wie PB-ABS oder eben wie "verdünntes" PC-ABS? Hat das Werkzeug feine oder gar sandgestrahlte Strukturen und sind die jetzt immer noch sichtbar oder ist das Material da teilweise "drübergeglitten" ohne in die feinsten Zwischenräume einzudringen?

      Meine persönliche Theorie bei sowas ist ja immer: Das Mittel hat die Produkteigenschaften "verschlechtert" und damit die Verarbeitung erleichtert. Meine Erfahrung sagt mir: Sobald ich höre dass ein Spritzgießer, ein Modellbauer oder ich beim Feilen oder schleifen sage "Oh, das Material ist aber schwer zu bearbeiten", dann weiß ich, das muss ein "gutes" Material sein. Drastischer Vergleich: Warum kann jeder Depp in der Küche einen Pudding in Form bringen aber warum ist es so schwer Edelstahl in die selbe Form zu gießen, zu schleifen oder zu hämmern? Weil Edelstahl ein "gutes" Material ist und Pudding ein "schlechtes". "Gut" heißt hier natürlich vor allem "härter". Oft heißt "gut" aber auch "zäher" oder "temperaturbeständiger". Mein Lieblingsbeispiel: Warum will kaum jemand unverstärktes PEEK im Spritzguss verarbeiten? Dieses Material ist "gut", sehr hart, durchaus zäh und nutzt nicht ab, temperaturbeständig. Die Kunststoffe die diese, in meinen Augen "guten" Eigenschaften nicht haben sind offenbar leichter zu verarbeiten. Wie gesagt, ich hab eigentlich keine Ahnung, aber wenn ich sowas höre dann würde ich hellhörig werden und fragen "Was hat sich durch das Mittel am Material verschlechtert, dass es nun so leicht zu formen ist?"

      Wie gesagt, nur Vermutungen und Theorien...
    • Hi,
      @Maltodextrino: Ein Additiv kann sich aber genauso gut nur auf eine Eigenschaft auswirken und auf die anderen kaum. Da kann man jetzt viel darüber spekulieren. Aber ich will mal mit den Spekulieren anfangen :D



      @Bart: War das ein Gleitmittel das mit dem Material verträglich ist, sprich in diesem gelöst wird? Da es beim Dosieren Probleme gab wirkt das so als wollten Schmelze und Gleitmittel sich trennen, auf der Schnecke hätte sich dann ein Film gebildet der die Schmelzeförderung/-strömung behindert da die Haftung fehlt. Bei schnellerem Dosieren wird die Schmelze zusätzlich sehr niedrigviskos und es kann so nicht mehr gefördert werden da die Rückströmung zu hoch wird.
      Wenn sich das Mittel nicht löst kann das auch die Entformung vereinfachen das das im Prinzip wie ein Entformungsspray wirkt, das würde also das Verschwinden der Ausstoßmarkierungen erklären.

      Gleichzeitig muss das Gleitmittel aber auch irgendwie die Viskosität verändern da ja der Druckverust bei gleicher Geometrie deutlich geringer ist zum Fließwegende (bei gleichen Volumenströmen, das Schmelze verdünnt sich ja durch Scherung). Einen Schmierfilm in der Kavität kann ich mir nicht vorstellen da meisten Thermoplastschmelzen immer noch ziemlich zähflüssig sind und die Menge an Gleitmittel so gering ist dass es das Abkühlverhalten nicht ändern kann.

      [IMG:https://www.schweizer-fn.de/stroemung/druckverlust/druckverlustlaminar_form.png]

      in der unteren Gleichung ist der Druckverlust in einem Rohr bei viskosem Fluid beschrieben. Man beachte dass bis auf eta (=Viskosität) alle Variablen nur von der Geometrie/der Einspritzgeschwindigkeit abhängen die sich ja nicht geändert haben. (Ich gehe mal davon aus dass bei der Materialmischung auch mal mit gleichen Parametern wie davor gefahren wurde). Eta muss also sinken damit das mit dem geringeren Spritzdruck zusammenpasst. Eine dünnflüssigere Masse müsste aber auch den Grat verstärken, bei dir war aber das Gegenteil der Fall, vermutlich durch den geringeren Druck.

      Durch die Druckverluste in den Querschnitten bildet sich ja beim Füllen immer eine Druckverteilung in der Kavität aus, siehe das Gefälle vom Anspritzpunkt (Gelber Pfeil) zum Fließwegende.

      [IMG:http://www.lynus.de/lynus/fileadmin/template/artikel/fuellstudie_pumpenhalter_3/5.png]

      Dieses Gefälle ist der Grund warum der die maximale Zuhaltekraft üblicherweise erst beim Komprimieren der Schmelze in der Kavität, also beim Nachdruck (bzw beim Überpacken wenn falsch eingestellt.. ;) ) benötigt wird. Das macht ja Sinn da nur ein Druck über eine große Fläche eine große Kraft ergibt...Der bekannte mittlere Werkzeuginnendruck ist eben das Integral des ortsabhängigen Drucks über der Fläche dividiert durch die Gesamtfläche (weniger kryptisch: Summe aus den lokalen Drücken mal jeweilige Flächenelemente durch Gesamtfläche).

      Noch zum Grat:

      Meist entsteht der Grat beim Einspritzen da das Material durch die Scherverdünnung der Schmelze beim Füllen in die Trennebene fließen kann. Zusätzlich wird durch die niedrigeren Drücke die Trennebene/das Werkzeug weniger deformiert. Die Trennfläche kann ja auch als "Fließkanal" mit Mikrodurchmesser verstanden werden --> Durchmesser ^4 --> Druckverlust enorm sodass kein Material reinfließen sollte..wird aber der Durchmesser nur minimal größer hat man gleich die Haut. Minimale Unterschiede bei Entlüftungen können z.B. gleich übergroßen Grat bedeuten. Selbst erlebt als ich in der Lehre mal ein Mehrfachwerkzeug mit 12 Entlüftungskernen gereinigt/zerlegt habe. Ein Kern falsch rum drin --> ganzer Kern schön mit PA umspritzt..nochmal zerlegen.
      Zusätzlich sind die äußeren Formteilbereiche beim Füllen noch nicht eingefroren...das kommt natürlich aber immer auf das Werkzeug und die Parameter an, je heißer gefahren wird desto eher tritt der Grat beim Nachdruck auf da das Material länger fließen kann.


      Wenn ich irgendeinen Denkfehler habe bitte aufklären :)