Rückstromspeere

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    • Rückstromspeere

      Hallo liebes Forum,

      Hatte letztens eine längere diskusion mit einem Arbeitskollegen und möchte jetzt eure meinung dazu hören.

      Unsere Diskusion war wann bei der Rückstromspeere der Sperr-Ring in seine hintere Position geht.



      Meiner Meinung gleich nach dem Dosieren weil das Material ihn ja zurück drückt.

      Mein Arbeitskollege meinte allerdings dass der Sperr-Ring erst anfang einspritzen in die Hintere position geht.




      Freu mich auf eure Antworten. :D
    • Hallo @Motor1, du liegst da völlig richtig bezüglich *Soll-Funktion* der Rückstromsperre! Die *Ist-Funktion* hängt natürlich vom eingestellten Dosierprozess ab :thumbsup:

      Ein "falscher" Plastifizierprozess ist sehr oft, wegen nicht stabil funktionierender Schließfunktion der Rückstromsperre, Ursache einer Kette von (Falsch)Einstellungen/-veränderungen des kompletten Spritzguss-Prozesses, heisst: Der Spritzgießer befindet sich in einem Teufelskreis ständiger Prozessänderungen, was jeder aus dem täglichen Arbeiten in einer Spritzerei kennt.

      Immerhin passiert beim Spritzguss nicht mehr und nicht weniger, als dass ein bestimmtes Volumen plastischer Masse aus dem Spritzzylinder in das Werkzeug verschoben wird.

      Dieses Volumen sollte in seiner Größe im Spritzzylinder bei jedem Zyklus möglichst sehr präzise von Beginn bis Ende Plastifizieren erzeugt werden. Ergo muss nach Ende Plastifizieren die Rückstromsperre sofort schließen!! Das setzt voraus, dass der Plastifizierprozess richtig eingestellt wird!

      Solange die ewiggestrigen Mythen *Rückstromsperre schließt bei Einspritzen*, *Umschalten auf Nachdruck bei ca. 98% Kavitätenfüllung* usw. in den Spritzereien und skandalöser Weise in der Ausbildung vorherrschen, werden die Spritzgießer sich weiterhin mit den uralten Fehlerbildern herumquälen und von Null-Fehler-Produktion nur träumen :thumbsup:

      @Exercise, die Aussage

      Exercise schrieb:

      Beim Dosieren wandert die Rückstromsperre nach "vorne"(je nach Staudruck) um das nötige Volumen für den nächsten Einspritzvorgang bereit zu stellen.
      ist da viel zu "schwammig" ... sorry, aber "gewandert" wird da kaum, und "je nach Staudruck" schon garnicht! ;)

      Zur Funktion: Beim Plastifizieren wird das Material nach vorne getrieben, wobei der Stauring vom Material nach vorne gedrückt wird. Somit entsteht zwischen Stauring und Dichtring ein Zwischenraum, durch den das Material in den Schneckenvorraum strömt. Dieses geschieht unter einem Gegendruck von hinten auf die Schnecke, dem Staudruck. Er sollte möglichst gering gehalten werden (max. 80 bar) um keine unkontrollierten thermische Einflüsse auf den Prozess zu haben (zudem spart es extrem Energie!!). Beim Ende des Plastifizierens darf die Schnecke nur so viel (10% v. Dosierweg) zurückgezogen werden, dass die Druckenergie-Differenz zwischen dem Material vor dem Stauring und dem Material hinter dem Stauring ausreicht, um den Stauring sicher(!) an den Dichtring anzudrücken (Konusdichtung)!

      So und nicht anders funktioniert die klassische Rückstromsperre - ergo: Mechanisch schließende Rückstromsperren (kann man kaufen, als Beigabe gleich eine elktrische Maschine dazu) braucht keiner! ....
      Wer Spritzguss beherrscht und versteht, der braucht das alles nicht, zumal diese "sinnlosen" Erfindungen die Qualitätsprobleme der Spritzgießer auch nicht lösen/gelöst haben!
    • man merkt gleich wer Ahnung hat ^^ und wer nicht ?( ...

      Behrens hat es vollkommen richtig erklärt ... früher waren die sogenannten Stauringe sogar beidseitig identisch.
      Heutzutage habe die meisten Hersteller an der vorderen Seite eine Fläche angebracht, damit der Stauring beim
      "spritzen" Start möglichst schnell nach hinten fährt und dabei dichtmacht.

      Hier ist nur die Gefahr, dass man aus Unwissenheit/Unachtsamkeit das Teil falsch zusammenbaut und die Fläche nach hinten schaut ... :S
      Also uffbasse - sonst nach neuer RSP u.U. auf einmal kein Massepolster mehr :!:
    • Kurze Frage: Warum ist das so? :D Also dass die RSP bei Dosieren-Ende für das Einspritzen dicht macht? Liegt das an der Kompressibilität der Schmelze - also quasi am Staudruck der diese komprimiert oder woran? Und warum gibt es dann Erfindungen wie ActiveLock von Demag (Schnecke dreht sich kurz entgegengesetzt um die RSP gesteuert zu schließen? Weil niemand es hinbekommt das so perfekt einzustellen oder wegen Krötenwanderung? :D
    • Kunststoffstudi schrieb:

      Liegt das an der Kompressibilität der Schmelze - also quasi am Staudruck der diese komprimiert oder woran?
      Ja, so ist es. Damit es funktioniert, muss der Plastifizierprozess entsprechend gestaltet/eingestellt werden.

      Kunststoffstudi schrieb:

      Und warum gibt es dann Erfindungen wie ActiveLock von Demag (Schnecke dreht sich kurz entgegengesetzt um die RSP gesteuert zu schließen? Weil niemand es hinbekommt das so perfekt einzustellen oder wegen Krötenwanderung?
      Genau :!: Es gibt inzwischen viele sinnlose Erfindungen, die nur die brauchen, die den Prozess nicht beherrschen. Zudem ist es für den "Speckgürtel" ein gutes Geschäft .... :D
    • Bei KM hatten wir immer das Problem, das die RSP bei zu langsamen Einspritzen
      nicht dicht machte.
      Ich war gezwungen, zumindest die 1. Stufe extrem schnell einzustellen.
      Lt. Bender und Auer war da tatsächlich mal was im Busch, die konnten mir nämlich
      Probleme an der RSP bei KM bestätigen.
      Im Übrigen hilft eine Dekomp. am Ende der Dosierung nicht nur zur Schmelzentlastung,
      sondern sorgt auch für ein besseres Absperren der Schmelzrückströmung.
      Manchmal gehts zwar nicht, weils Fehler am Formteil herbeiruft, aber eine minimale Dekomp.
      ist nach meiner Erfahrung vorteilig für das Abdichten der RSP.

      Grüße
    • Hallo geschätzte Forengemeinde,

      ich greife "wieder einmal" in das Thema ein und fange mal an etwas Wissenschaft in den Raum zu werfen.
      Wem es interessiert und wer sich gerne damit auseinader setzen möchte kann gerne die Dissertation des
      Herrn Dr. Reinhard Schiffers lesen.

      Diese wurde am Lehrstuhl für Konstruktionslehre und Kunststoffmaschinen, Universität Duisburg-Essen vorgelegt.

      Beide Gutachter (Prof. Dr.-Ing. Johannes Wortberg, Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Walter Michaeli) sind keine Unbekannten in der Kunststoffwelt.
      Das Thema:

      Verbesserung der Prozessfähigkeit beim Spritzgießen durch Nutzung von Prozessdaten und eine neuartige Schneckenhubführung



      Herr Dr. Schiffers hat sich in seiner Dissertation eingehend mit dem Schliessverhalten von Rückströmsperren in Abhängigkeit von der sinkenden oder steigender Viskoität der Schmelze sowie des Antriebes der Schnecke unter Berücksichtigung des Weg-Geschwindigkeitsprofils beim Einspritzen beschäftigt.

      Er hat in mehreren Versuchen nachgewiesen, dass die Rückströmsperre beim Einspritzen unterschiedliche Anprechverhalten aufzeigt und somit die Schliesszeit der RSS beim Einspritzen variiert.

      Sicherlich hat er noch viel mehr nachgewiesen, dafür fehlt mir jedoch jetzt etwas die Zeit :)

      Vorweg schon einmal ein schönes Wochenende.

      Otl. E.
    • Dieses alles sollte man relativieren, da sich jeder neuer Dr. und Prof. förderungsfähige(!) neue Themen ausdenken muss ....
      So gab es vor längerer Zeit an einer Hochschule das Thema *Kommunikation zwischen Spritzgussmaschine und Werkzeug* und dieses uralte Thema wurde auch noch mit Fördergelder bedacht. :D Dabei haben wir das Thema schon vor über 20 Jahren in der Produktion mit Erfolg gelebt!

      Ich kann nur jedem Spritzgießer empfehlen, allen Neuerungen kritisch gegenüberzustehen (heisst nicht ablehnen), kompetent zu hinterfragen und besonders die Sinnhaftigkeit für seine tägliche Arbeit zu hinterfragen! Meine Erfahrung in den Betrieben zeigt mir immer mehr, dass mit jeder Messe der Anteil der *sinnlosen Technik/Investitionen* in den Spritzereien ansteigt. Das soll nicht heissen, dass man sich den Neuerungen verschließen soll!

      Sind wir doch mal ehrlich: Jeder sucht seine Existenzberechtigung und besonders in der Spritzgussbranche bildet sich immer mehr eine wirtschaftliche Kluft zwischen den Lieferanten (Maschinenbau, Peripherie, Kühltechnik usw.)der Spritzgießer und dem Spritzgießer selbst (Kunde) mit dem Ergebnis, dass es den Lieferanten wirtschaftlich besser geht als deren Kunden (Spritzgießer). Nicht ohne Grund geraten jeden Monat Spritzgießer in die Insolvenz ....

      Ich weiss, dass wir alle technikverliebt sind, und wenn wir das Thema Automatisierung hören, steigt die Begeisterung noch weiter, jedoch ....


      Investitionen in Technik sind nur Mittel zum Zweck um sinnvoll Geld zu verdienen!

      Zurück zur Rückstromsperre: Wer von einer *Schliesszeit während des Einspritzens* redet, hat immer noch nicht verstanden, dass sie *nach Plastifizieren schließen* muss!!


      *Spritzguss ist mehr als nur Spritzguss*


      Schönes Wochenende!

      HHB

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Behrens ()

    • Bei 0 bar Staudruck ist davon auszugehen, dass das Schließen unsicher wird. Bei 60 bar (spezifisch - erwähne es nur, weil manche immer noch mit Hydralikdruck arbeiten, was nicht empfehlenswert ist) STAUDRUCK ist bei Dekompression von 10% des Plastifizierweges das Schließen sicher ....
    • Na ja, das sind ja wieder sehr Wissenschaftliche Antworten auf eine einfache Frage.! Habe in der Praxis jedoch gravierende Abweichungen erlebt. Sperring vorne.....Sperring hinten ....wann....warum.....womit wie viel......weshalb........Aber ich hab doch das so eingestellt damit..........! Mal von einer ganz anderen Seite bedrachtet: Wärmeausdehnungskoefizenz, ....
      Ich will mal versuchen das zu erklären: man nehme eine Spritzeinheit (D Egal) mit einer länge von 1m=100cm; aufgeteilt auf 5 Heizzonen, 1. Heizzone 2,5cm ab 0(Einzug)bis 5. Heizzone 97,5cm, und jetzt kommt unser Temperaturprofil dazu....Also haben wir vorne je nach Material eine Vorgegebene Temperatur die richtung Einzug Abfällt und in jeder Tempereraturzone eine andere Tempereraturausdehnung vorweist, dann habe ich in jedem Heizzonenbereich eine andere Längenausdehnung des jeweiligen Materials. Drück ich mit Staudruck dagegen beeinflusse ich den ersten Einzug aber kann durch den Temperaturkoeffizienz nicht den 2. 3. oder 4. beeinflussen so dass ich erst nach Thermischer Egalisierung an der Düsenspitze eine veränderung feststellen kann. Muss ich jetzt mein Volumen nur zwischen Hz 2 und Hz3 komprimieren ist der Wärmeausdehnungskoefizenz höher als zwischen Zone 4 und 5. Ergo drück ich bei Einzug mit Mit "1" herrscht bei 5 "1,3" . (Fangt jetzt bitte nicht mit Schneckengeometrien an).
    • Deko schrieb:

      Ich habe einen Schneckendurchmesser von 60mm. Und einen Dosierweg von 80mm. Jetzt verwende ich nach dem dosieren eine Dekompression von 30mm!! Schließt da überhaupt die Rsp?
      Nein, ist natürlich auch vom Staudruck abhängig .... Stell 60 bar (spezifisch) Staudruck ein (außer bei TPEs) und 10% vom Dosierweg Dekompression (in deinem Beispiel 8 mm) und gut ist's :thumbsup:
    • Guten Abend,

      ich beschäftige mich gerade mit dem Thema Staudruck und Rückfluß der Masse
      Neim recherchieren im Netz bin ich auf dieses Forum aufmerksam geworden.
      Habe mich dann auch gleich direkt einmal angemeldet.
      Nun habe ich mich etwas belesen hier und bin in meinen anderen, außerhalb dieses Forums, gemachten Recherchen auch immer wieder auf das Ansprechverhalten von Rückströmsperren gestoßen.
      In diesem Beitrag werden die Dinge ja von mehreren Seiten betrachtet und ich stelle fest, es gibt unterschiedliche Meinungen dazu.
      Darum hätte ich noch die eine oder andere Frage dazu.

      Behrens schrieb:

      Ergo muss nach Ende Plastifizieren die Rückstromsperre sofort schließen!! Das setzt voraus, dass der Plastifizierprozess richtig eingestellt wird!
      Behrens, wie muss ich einen Prozess einstellen, daß die Rückströmsperre nache Ende des Plastifizierens sofort schließt?
      Hat es etwas mit der Dekompression zutun?

      Behrens schrieb:

      Beim Ende des Plastifizierens darf die Schnecke nur so viel (10% v. Dosierweg) zurückgezogen werden, dass die Druckenergie-Differenz zwischen dem Material vor dem Stauring und dem Material hinter dem Stauring ausreicht, um den Stauring sicher(!) an den Dichtring anzudrücken (Konusdichtung)!
      Behrens, wo kommen die Unterschiedlichen Druckverhältnise vor und hinter dem Stauring her?
      Kannst Du mir das bitte etwas besser erklären?
      Wo herrschen welche Druckbedingungen wann in meinem Zylinder, oder auf der Schnecke bezogen auf die Sperre?

      Otl. E. schrieb:

      Herr Dr. Schiffers hat sich in seiner Dissertation eingehend mit dem Schliessverhalten von Rückströmsperren in Abhängigkeit von der sinkenden oder steigender Viskoität der Schmelze sowie des Antriebes der Schnecke unter Berücksichtigung des Weg-Geschwindigkeitsprofils beim Einspritzen beschäftigt.
      Otl. E., bei meinen Recherchen bin ich über ähnliche Verhaltensweisen gestoßen kann sie mir jedoch noch nicht erklären.
      Ich habe auch viel über Rückfließen der Masse beim Einspritzen in Abhängigkeit der Viskosität gelesen.
      Ungeachtet dessen, daß die Einstellung des Staudrucks womöglich Einfluss auf meine Viskosität hat, möchte ich vorweg was anderes Fragen.
      Wo bekomme ich so eine Dissertation zum lesen her?
      Über Ansprechverhalten habe ich jetzt auch schon viel gelesen, jedoch hat keiner eine Erklärung dazu abgegeben wie es nun funktioniert oder was wirklich passiert.
      Gibt es noch andere Erklärungen für das Verhalten wie es beschrieben wird?
      Hat die Geschwindigkeit des Einspritzens mit der Rückströmsperre bzw. mit der Rückfließenden Masse etwas zutun?

      So, ich hoffe das waren für den Anfang nicht zu viele Fragen auf einmal.
      Finde dieses Forum jedoch sehr schön und hoffe hier ein paar Antworten auf meine Fragen zu finden.

      Vielen Dank
      Robert Weidmann