Duroplast (Phenolharz) Spritzguss? Platten?

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    • Duroplast (Phenolharz) Spritzguss? Platten?

      Weiß jemand näheres über Duroplast Spritzguss oder wo man Materialproben oder Platten herbekommen?

      Ich hab nämlich wieder so ein komisches Materialproblem. Ein befreundeter Gitarrist hat mich darum gebeten doch Gitarrenplektren aus "Bakelit" herzustellen. Nachdem ich erstmal nachforschen musste was das ist bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das wirklich ein sehr interessantes Material ist, auch für andere Projekte. Und zwar handelt es sich um Duroplaste, in diesem Falle Phenolharz die sehr hart sind, aber nicht bei Hitze schmelzen. Trotzdem gibt es im Internet Seiten wo von "Duroplast Spritzguss" die Rede ist. Aber gleichzeitig gibt es auch sehr wenig Informationen darüber. Und da ich ja nur ein kleiner Fisch bin ist es meist sinnlos einfach bei Firmen nachzufragen. Deshalb versuche ich es mal hier: Weiß jemand näheres darüber? Für den Anfang würden mir aber auch schon Materialproben bzw Platten reichen, da mein Kumpel ja auch großspurig angekündigt hat er kann das mit Werkzeug bearbeiten um Prototypen zu bauen (das will ich sehen...). Aber ich finde nur Hartpapierplatten, die mit Phenolharz gebunden sind. Das ist dann vermutlich eher wie Holz. Aber es muss glatt sein. Hat jemand eine Ahnung wo man "reines" Phenolharz in Platten bekommt? Oder ist das gar nicht möglich? Wie wurden denn früher die Geräte, Telefone usw. aus "Bakelit" gemacht? Sind das alles Verbundwerkstoffe wo irgendwelche Fasern mit drin sind? Oder ist das wirklich reines gehärtetes Harz? Vielleicht hat ja jemand Anregungen...
    • Wie du sicherlich im Wiki gelesen hast, erfolgt die "Aushärtung" der Duromere in der Regel chemisch ode durch Wärme. D.h., dass das Spritzgießen eigentlich kalt erfolgt. Erst das Werkzeug ist dann entsprechend beheizt bei der thermischen Vernetzung. Bei Harzen (Duroplasten) mit chemischer Vernetzung hat man hinter der Spritzgießmaschine im Prinzip zwei Töpfe stehen, aus denen mit entsprechenden Dosiervorrichtungen entsprechende Mengen in den Spritzzylinder gepumpt warden. Nach dem Mischen bleibt einem dann eine gewisse "Topfzeit", nach der das Gemisch dann in einem recht eng definierten Zeitraum fast schlagartig aushärtet. Dazu werden aber spezielle Spritzeinheiten benötigt.
      Kauft man z.B. entsprechende Kohlefasermatten, kann man diese auf oder in eine vorgegebene Form drücken. Danach warden diese mit einer zweiten Komponente getränkt, mit einer Folie abgedeckt in die ein kräftiges Vakuum gesogen wird und dann z.B. in Autoklaven "ausgebacken". Nach mehreren Stunden hat man dann ein Halbzeug auf Kohlefaserbasis, das dann spanned nachbearbeitet werden kann.

      Auf Grund der sehr giftigen Bestandteile (Formaldehyd, Phenol etc.) des Produktes "Bakelit" ist dieses Material praktisch nur noch in Asien als Komponenten erhältlich.
      Bakelitplatten kann man recht einfach bekommen. Meistens ist jedoch ein großer Bestandteil Papier, Glas- oder Holzfasern enthalten.
      google.de/?gws_rd=ssl#safe=act…platten&spf=1500462485060

      "Pertinax" ist auch einer dieser "Duromer-Werkstoffe". Wird gerne wegen seiner guten thermischen und elektrischen Isolierfähigkeiten in der Elektroindustrie verwendet (von "Papier" bis "Platten" und auch als Stäbe etc)

      Oft findet man die verkäuflichen Produkte nur unter ihren Handelsnamen und wenige unter der Bezeichnung Duromer,Duroplast oder Harz.
    • Danke. Hm, ja, Pertinax und ähnliche Platten, teilweise auch mit sehr hohem (gewünschtem) E-Modul Wert von 9000 finde ich inzwischen im Internet. Aber wie du schon sagst, da ist dann Papier drin. Ich vermute das wird sich dann eher wie Holz und nicht wie glattes Plastik anfühlen. Ich werds wohl trotzdem spaßeshalber mal mit sowas versuchen da der Preis ja nicht so hoch ist.
    • Du bekommst von Raschig spritzgießbare Duroplast-Formmassen.
      Für die Verarbeitung ist ein Duroplastaggregat notwendig, das meist zwischen 40 - 80 temperiert wird.
      Die Vernetzungsreaktion findet dann im 160 - 180 Grad heißen Werkzeug statt.
      Überleg mal MF oder MP zu verwenden.
      Da es sich bei PF um eine Polykondensationreaktion handelt und diese Material beim Duroplastpressen
      entgast wird (Lüftungshub) ist es fraglich, ob man es auf einer SGM verarbeiten kann.

      Duroplastmassen sind sehr hoch gefüllt und werden sehr niedrigviskos....deshalb muss man quasi mit
      einer Entgratung kalkulieren......kenn keinen Artikel, bei dem das nicht irgendwann notwendig war ;)

      Grüße
    • Entgraten, sch... egal, bisher was sowieso aus jeweils unterschiedlichen Gründen bei jedem Produkt irgendwelchen Stellen Nachschleifen angesagt, auch wenn das nicht eingeplant war... :-/

      Ok, bei raschig.de/Kunststoffe ist aber jede Formmasse mit Fasern oder ähnlichem verstärkt oder? Ist es auch möglich so ein Harz ohne Fasern zu verarbeiten und zu kaufen?

      Ja wenn das so giftig und so kompliziert ist, und wenn das auf normalen Spritzgussmaschinen nicht funktioniert, dann wär immer noch die Frage wer das im Ernstfall für mich produzieren könnte, denn ich glaube ich werde mir kein "Duroplastaggregat" kaufen können...

      Sind denn normaler Spritzgusswerkzeuge geeignet? Oder muss man dafür auch neue machen? Oder geht eine Prototypenproduktion auch mit Kunststoffformen? Naja, wenn das Werkzeug 160 bis 180 Grad heiß sein muss, dann wohl eher nicht.... :-/
    • Ohne Füll- und Verstärkungsfasern sind Duroplaste quasi unbrauchbar.
      Sie werden immer im Faserverbund verarbeitet.
      Beim FVK mit richtigen Geweben.
      Lebensmittelecht ist nur das MF152.7.
      Wird auch für Geschirr verwendet....auch da sind Zellstofffasern drin.
      Als Stahl sollte immer ein Durchhärtestahl verwendet werden......für Muster reicht auch Alu.
      Der Aufbau ist wie beim Spritzgießwerkzeug.
      Es muss aber noch besser Dichttuschiert werden..aber trotzdem kommt irgendwann ein Grat. :P
    • Hallo Malto.
      Wenn du (oder der befreundete Gitarrist) tatsächlich so knüppelharte Plektren haben will, würde ich einfach mal PPS (Polyphenylensulfid = TEDUR oder z.B. Fortron) probieren.
      Ich weiß, dass es z.B. Tedur auch mit wenig GF oder auch ohne, sondern mit Mineralfüllung gibt. Ohne diese Füllungen ist eine Verarbeitung praktisch nicht möglich, da man sie als "Kristllisationskerne" braucht. Deshalb gibt es da auch minimale Füllungen. Farbe ist vorzugsweise Schwarz oder seltener auch "Natur". Allerdings fängt der Kilopreis so bei 15.-€ an!! Wenn du auch noch Kohlefasern etc. da drin haben willst (noch steifer) kommst auch schnell an die min. 20.-€ ran. PPS ist ein Thermoplast, Verarbeitungstemperatur ab 300°C bis 350°C. Werkzeugtemperatur für eine glänzende Oberfläche mindestes 140°C besser 160°.

      Zitat:
      TEDUR
      TEDUR ist ein lineares Polyphenylensulfid, das mit seinen herausragenden thermischen und mechanischen Eigenschaften beinahe universell anwendbar ist. In Verbindung mit einer ausgezeichneten Flammwidrigkeit und Chemikalienbeständigkeit eignet es sich als Substitut für Metalle und Leichtmetall-Legierungen sowie Duroplaste und Keramik.

      Such doch mal auf unserer Seite nach TEDUR L 9413-1 . Das hat ein Biege E-Modul von ca. 13600MPa. verbesserte Gleitreibung/verschleißoptimiert, hohe Steifigkeit, elektrisch leitfähig, kratzfest, aber:15 % Kohlefasern,15 % PTFE,4 % Silikon. Dürfte aber trotzdem eine schöne Oberfläche ergeben.
    • Welches ist denn das Tedur ohne Faserfüllung? Die Herausforderung ist halt was zu finden das hart ist aber wo nix drin ist was was gleiten über die Saiten erschwert...

      Naja, ist halt so ne Sache. Neue Plektren sind sowieso wahlweise zu hart oder zu weich. Die Gitarristen brauchen ja ne Ausrede warum sie neue Sachen nicht benutzen ^^. Es geht weniger darum die Plektren noch unbiegsamer zu machen, es ist ja sowieso alles ab 2mm Dicke unflexibel. Geht jetzt halt um klangliche Feinheiten...
    • Wie schon oben gesagt: es gibt praktish kein Tedur ohne Füllstoffe. Es gibt welche mit eine Mineralfüllung - also ohne Fasern. Aber es werden z.B. auch Kohlefasern (CF) eingesetzt um die Reibung zu verringern. Da die Oberfläche des Materials sehr hart ist, wird ein "verhaken" mit den Seiten praktisch ausgeschlossen. Da ist die Gefahr bei einem TPE-Plektrum schon deutlich größer, auf Grund der Reibung immer langsamer zu werden ^^