elektrische Prüfplakette Spritzgießwerkzeuge

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    • elektrische Prüfplakette Spritzgießwerkzeuge

      Hallo,
      mit was für einer Plakette werden bei euch die Werkzeuge mit Heißkanal nach elektrischer Prüfung versehen ?
      Die übliche Plakette für ortsveränderliche Betriebsmittel (was ja ein Spritzgießwerkzeug mit 230/400V Heißkanal ist) ist meiner Meinung nach unbrauchbar.
      Wenn ich nach erfolgter Prüfung eine Plakette mit "nächster Prüftermin 12/16" anbringe und dokumentiere ist erst einmal alles in Butter.
      Aber es kann gut sein, dass das Werkzeug und dessen Heißkanal bei der Wartung oder einer evtl. Reparatur demontiert wird.
      Wenn dort der Werkzeugmacher einen Fehler macht, hat man ein evtl. gefährliches Werkzeug mit gültiger Plakette...
    • Hateman schrieb:

      Ich habe noch nie gesehen, dass Spritzgießwerkzeuge eine Prüfplakette tragen. Ich würde mich erstmal erkundigen, ob diese wirklich unter ortsveränderliche Verbraucher fallen. Selbst Werkzeuge die Eigentum von Autoherstellern sind haben keine Prüfplaketten.
      Ich auch nicht.
      Wir sind seit über 40 Jahre Lohnfertiger haben schon hunderte wenn nicht tausende Formen von verschiedensten Kunden und Branchen im Hause gehabt, aber eine Prüfplakette hatte noch nie eines...

      Sehe ein Werkzeug eig. auch eher unkritisch. Eine Form ist ja immer gut geerdet, entweder durch die Formplatte, die Spanneisen/Spannvorrichtung oder aber auch durch das Kühlwasser und natürlich auch durch die elektrischen Leitungen selbst.
      Somit spricht im Fehlerfall normal immer die Sicherung an und es sollte nichts passieren.
      Isolation ist ja eig egal, denn selbst im Fehlerfall entsteht (mMn.) hier kein Risiko.
    • Ja da haben wir wieder das Problem: Machen wir seit X-Jahren so, also ist es auch richtig so....
      ohne die Sachen einmal neu zu beleuchten.
      Ich bin seit 1988 dabei und freue mich trotzdem immer über junge Mitarbeiter, welche mal einige
      "war schon immer so - Sachen" hinterfragen (inklusive Spritzerlatein).

      Nehmen wir mal an, der Werkzeugmacher vergisst den Schutzleiter anzuklemmen und klemmt ein Kabel der Heizung ein und der Maschinenpark hat einen schlechten Potentialausgleich. Da kommt kein FI-Schutz.
      Ganz gefährlich wird es dann, wenn das Werkzeug mal außerhalb der Maschine getestet wird....

      Wir machen es jetzt so, dass die wieder montieren Werkzeuge nach der Prüfung eine Plakette bekommen.
      Wird der Heißkanal demontiert entfernt der Werkzeugmacher die Plakette.
    • Stelle ich einfach doch mal die Frage: Wie sollte der Heißkanal geprüft werden? Wenn hier schon über aufwendige Plakettendokumentation und sogar die BGV A3 diskutiert wird, muss doch die Qualität der Prüfung hinterfragt werden??!!
      Es gibt schon seit langen Jahren Heißkanalregelgeräte mit Analyse-Ausstattung - z. B. von *Gammaflux* aber auch anderen Herstellern - stelle ich mal die Frage: Haben alle Spritzgießer/Werkzeugbauer solche Geräte? Welcher Eurer Werkzeugbauer bzw. Wartungswerkzeugbauer hat solche Geräte und kann nach Zusammenbau eine *Systemanalyse fahren* und Euch/dem Spritzgießer den Ausdruck davon mit dem Werkzeug mitliefern? Wenn das der Fall ist, macht eine Plakette vielleicht auch Sinn . . . Aber wer mit Phasenprüfer und klassischen "Elektrikerprüfverfahren" einen Heisskanal checkt, kann sich die Plakette auch sparen . . . außer er will/muss nur den Kundenauditor "blenden" :D ;)

    • Unsere verantwortliche Elektrofachkraft hat festgelegt, dass die Spritzgießwerkzeuge unter die DGUV V3 und VDE 701-702 fallen. Auch wenn man heutzutage als Lohnfertiger oft durch Vorschriften, Prüfungen, Dokumentationen etc stark in Anspruch genommen wird, empfinde ich die Prüfung der Werkzeuge als sehr sinnvoll. Hier geht es mal nicht darum, dass dieser oder jener seine Papiere und Berichte bekommt, sondern hier geht es um unsere Gesundheit.

      Geprüft wird der Schutzleiterwiderstand (kleiner/gleich 0,3ohm) und der Isolationswiderstand (größer/gleich 0,3Mohm bei Heizelementen) als die wichtigsten Prüfwerte. Weiterhin wird der Ersatzableitstrom gemessen.
      Dafür gibt es geeignete Prüftechnik. Wir haben hier nur Geräte von Gossen-Metrawatt, keine Ahnung wie es mit anderen Herstellern aussieht. So etwas sollte eigentlich zur Grundausstattung eines Werkzeugbaus gehören.

      Keine Ahnung, ob die Heißkanalsteuergeräte das auch können. So ein Gerät muß dann aber auch öfter zur Überprüfung.
    • Meistens hat so eine Messaufgabe einen speziellen historischen Hintergrund. Es hat vermutlich irgend wann einmal ein "elektrisches Problem" mit einem HK-Werkzeug gegeben, bei dem es irgend jemandem gewaltig in den Fingern "gekribbelt" hat oder der zu einem größeren Ausfall einer Anlage geführt hat. Das sollte dann in der Zukunft mit der Prüfung minimiert werden. Vermutlich hat sich da ergeben, dass die Prüfung "in Anlehnung an" die damalige "Prüfung ortveränderlicher Betriebsmittel" das Sinnvollste sein wird. Oft sind solche Prüfungen aus der Erfahrung heraus entstanden und haben daher für einen bestimmten Betrieb ihren Sinn.
      Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob ein HK-Werkzeug ein "ortveränderliches Betriebsmittel" ist. Die HK-Regelung, sofern sie nicht fest in der Software der Maschine integriert ist, gehört mit Sicherheit dazu.
      Bei uns gelten alle Geräte und Anlagen, die mit einer flexiblen Leitung und einem Stecker an das Stromnetz (ab 220V) angeschlossen sind, zu ortsveränderlichen Betriebsmitteln und werden damit in entsprechenden Intervallen (festgelegt nach der Belastung durch die Ortsveränderlichkeit) geprüft - auch Geräte von Außendienstmitarbeitern. Ein Laptop, der über ein Netzgerät (Trafo) betrieben wird, gehört übrigens nicht dazu, weil er mit Niederspannung betrieben wird. Aber das Netzteil muss geprüft werden.
    • Bisher habe ich dafür keine einheitliche Regelung gefunden. Das HK-WZ ist ja auch via Regelgerät über eine flexible Leitung mit dem Drehstrom-Netz verbunden. Also entweder gibt es eine Regelung und sie ist nur schwer zu finden, oder jede verantwortliche Elektrofachkraft muss in seiner Firma entscheiden, wie das gehandhabt wird.
      Deshalb hatte ich das Thema gestartet, eventuell meldet sich ja noch jemand...
    • Ich habe noch eine richtig vielsagende Antwort:
      Der Prüfumfang, Prüftiefe etc. sind i.d.R. vom Arbeitgeber per Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln (sofern in der BetrSichV keine vorgegeben sind).


      Man wird in den bestehenden Vorschriften und Regeln kaum noch definierte Anlagen und Verfahren finden. Sinngemäß steht in der BetrSichV, dass der Arbeitgeber für die Arbeitsicherheit an seinen Anlagen verantwortlich ist, das Gefahrenpotential in einer Gefährdungsbeurteilung bei allen Mitarbeitern und Arbeitsmitteln erfassen muss und daraus die entsprechenden Prüfungen veranlassen soll. Die Verantwortung für die Prüfungen und deren Umfang liegt also beim Arbeitgeber, was aber nicht heißt, dass er so beurteilen kann, dass nichts zu prüfen ist. Denn jedes Arbeitsmittel birgt ein gewisses Gefährdungspotential. Diese Erfassung ist sehr schwierig, umfangreich und nicht ganz einfach.
    • Um die Sache abzuschließen:
      Wir prüfen nun nach BGV A 3 (Sichtprüfung, Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand, Ersatzableitstrom und die Leistung beim Funktionstest).
      Das betrifft Heißkanäle, Heizbänder etc.
      Jedes Werkzeug bekommt nach dem Prüfen eine Plakette mit einer Frist von einem Jahr.
      Muss der Heißkanal vor Fristende demontiert werden, muss der Werkzeugmacher die Plakette zerstören und das Werkzeug zum Prüfplatz zwecks neuer Prüfung schaffen.
      Demnächst werden zwei Werkzeugmacher zum Lehrgang "Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten" geschickt.
      Ich habe diesen Lehrgang im letzten Herbst abgeschlossen und prüfe alle Heißkanäle (nach Anweisung unserer verantwortlichen Elektrofachkraft).