"Kaugummi-Blasen"

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    • "Kaugummi-Blasen"

      Hallo zusammen,

      ein Thema für die Spezialisten. [IMG:http://www.kunststoffspritzer.de/PHP5/wbb3/wcf/images/smilies/wink.gif]

      In Anhang findet Ihr ein Foto mit einer von mir als "Kaugummi-Blase" bezeichneten Erscheinung.

      Randbedingungen: immer Polyamid 66, meist am Ende eines Fließweges, bei verschiedenste Teilegeometrien und Werkzeugkonzepten, sporadisches Auftreten

      Um die Diskussionen einzugrenzen:

      Definitiv nicht die Ursache ist: Feuchte, eingezogene Luft, fehlende Entlüftung oder andere grobe Fehler (HK, MG o.ä.) Die Prozesse sind bekannt und stabil, laufen seit Jahren im p.p.m. Bereich

      Manchmal hilft: Chargenwechsel, Werkzeugreinigung - aber nicht konsequent und nicht immer



      Wer hat anhand eigener Erfahrungen eine Idee wie Zusammenhänge sein könnten.

      Ich würde mich über rege Diskussion freuen

      z900
    • Eine Blase dieser Art kann sich nur bilden, wenn beim Entformen das Polymer noch flüssig ist (Kühlzeit verlängern). Ausserdem muss natürlich etwas unter Druck eingeschlossen sein. In diesem Fall würde ich sagen (trotz der Äusserung: eingeschlossene Luft kann es nicht sein), dass es doch an einer schlechten Entlüftung liegt. Denn die bräunlichen Schlieren, die sich auf dem Teil zeigen, deuten auf eine thermische Belastung hin. Ausserdem sind solche Taschen typisch für eingeschlossene Luft. Das sporadische Auftreten kann auf eine gelegentliche Verstopfung einer vermeintlich guten Entlüftung hindeuten.
      Eigentlich gibst du dir selbst die Antwort:
      ...meist am Ende eines Fließweges, bei verschiedenste Teilegeometrien und Werkzeugkonzepten, sporadisches Auftreten
      ...Werkzeugreinigung
      Damit läuft der Prozess nur scheinbar stabil. Denn du hast in unregelmäßigen Abständen ein unerklärliches Problem. Das hat mit Stabilität dann nichts mehr zu tun. Der Prozess ist damit eigentlich grenzwertig und kann ganz schnell umkippen.
      MfG. petersj
    • Hallo Petersj,

      vielen Dank für die ausführliche AW. Sie zeigt mit das ich doch recht unpräzise formuliert habe

      zu "eingeschlossener Luft": Ich dachte hier an "mit geschleppte Luft von Einzug" - spricht zu wenig Staudruck
      Bitte entschuldige die schwammige Formulierung

      zu "braune Schlieren": leider ist das Foto hier nicht besonders gut. Es gibt keinerlei Verbrennungen
      PA 6.6 mit 265 Grad Masse bei 3-5 Min Verweilzeit und geringer Scherung ergibt eine gemessene VZ red um 3 bis 5 Punkte

      zu " zu wenig Kühlzeit" : An dieser Stelle Ist das Teil 1,5 mm Dick, die maximale Wandstärke liegt bei 3-4 mm am Teil, die Zykluszeit bei etwa 16s - davon >10s Kühlzeit

      zu " unter Druck eingeschlossen": Genau das ist das Problem, nämlich Luft - aber leider mit einer Haut darüber
      welche dann die Blase wird - die Luft steht nach dem Entformen noch unter so hohem Druck das die Haut aufgeblasen wird - eine WZ-Entlüftung ist hier leider nicht direkt wirksam da die Haut die Luft einschließt

      zu" meist am Ende des Fließweges" hier sind die normalen Luftprobleme und auch die Entlüftungen, wenn die
      nicht vorhanden sind oder nicht bzw nicht mehr funktionieren, gibt es Brandstellen !!

      Lass uns weiter diskutieren, es ist Potential vorhanden.
      PS- noch ein paar Features (85 SGM, >8000 Artikel, >400Mio Teile/anno, >2000t 1a-Typware PA UL gelistet)

      Gruß
      z900
    • Ich meine tatsächlich nicht "mitgeschleppte Luft mangels Staudruck". Sondern wirklich Luft, die bei der Formteilbildung aus einem anderen Werkzeugbereich mitgezogen wird. Z.B. aus einem Bereich mit Wanddickensprüngen. Diese wird dann eingehüllt und kann nicht frei entweichen.
      Sind 265°C für PA66 nich ein bischen wenig? Wir liegen (und empfehlen) ab 280°C ohne GF.
      Es muss nicht zwangsläufig bei Lufteinschlüssen zum Dieseleffekt kommen. UL-Listung heißt aber auch nicht zwangsläufig FR-Ausrüstung. Wenn doch eine FR-Ausrüstung (vielleicht sogar V0) vorliegt, muss sich trotz Dieseleffekt nicht unbedingt eine Verbrennung zeigen.

      Ist dieser Effekt beim gleichen WZ immer an der gleichen Stelle, oder gibt es auch andere Stellen an denen sich die Blasen zeigen?
      MfG. petersj
    • soweit ok

      deine Analyse ...

      "... Sondern wirklich Luft, die bei der Formteilbildung aus einem anderen Werkzeugbereich mitgezogen wird. Z.B. aus einem Bereich mit Wanddickensprüngen. Diese wird dann eingehüllt und kann nicht frei entweichen"

      ... ist nach meinen Recherchen eine der Hauptursachen für das Problem. Das aufbrechen der Fließfront an Wandstärkensprüngen (vor allem bei dünn auf wieder dicker, auch wenn Kerne umflossen werden)
      Nur - das ist alles zu wenig reproduzierbar, der Fehler kann z. B. nicht bewußt erzeugt werden !!!
      Mann fertigt Millionen Stück ohne Blasen, dann hat man diese ein paar Stunden, dann ist wieder Ruhe.
      Selbst wenn das Problem akut ist, nicht jeder Schuss hat Blasen und nicht jedes Nest. Und beim nächsten Mal ist es ein anderes Nest.


      Zu Deinen anderen Fragen und Anregungen

      - der Fehler ist überwiegend von der Teilegeometrie und der Anspritzung abhängig
      oft kann mann hier auch nicht mehr varrieren ! (bei z.B. Heisskanal Direktanspritzung)
      Es sind eine "Hand voll" Artikelvarianten, teilweise in unterschiedlichen Werkzeugkonzepten
      - 265 C Massetemperatur geht nicht immer - aber durchaus oft
      Diese ist auf die Fehlerentstehung nicht signifikant, doch mit einer niedrigen Temp läßt sich
      die Blasengröße minimiern.
      - Diese Kaugummi-Blasen sind, wenn Sie denn kommen, meist an den gleichen Stellen
      Dieses Problem tritt sehr sehr selten auf - ärgert aber, weil es keine sichere Abstellung gibt
      - mit der 1a Typware und UL Listung wollte ich ausdrücken: Kein Materialschrott, sondern feinste Ware
      die z.B. auch eine Fa. Albis im Portfolio hat.
      PS - die Blasen kann man im übrigen auch bei unverstärkten FR(30) Typen bestaunen



      Die Frage an alle - wer hatte auch schon exakt dieses Problem ?


      Gruß
      z900
    • Haben Behälter aus PA6.6 (Grilon) gespritzt. Auch da hatten wie mal Bläschen. Nicht so stark ausgeprägt, aber sehr deutlich. Einige Produktionen liefen sehr gut und andere waren einfach Sch.... Wir haben den Staudruck erhöht und die Kühlzeit verlängert. Angefangen sind wir immer mit der Ursprungseinstellung, da je nach Charge mal mehr, mal weniger zu optimieren war. Die Bläschen sind auf verschiedenen Stellen der Wandungen aufgetreten. Immer auf den Flächen nie aber an den Rändern.
    • Diese Blasen kenne ich nicht nur vom PA66, sondern auch vom normalen PA6 - alles unverstärkt. Diese treten dann immer an der Trennkante auf, da wo man meist keine richtige Entlüftung reinbekommt. Es muss nicht Fließwegende sein.
      Diese Blasen habe ich immer "behandelt" wie Lunker (Lufteinschlüsse) am Fließwegende - nur das diese Lunker sich als Blase auftun. Formteilmitte oder in Randnähe kann ich das sogar bei PP beobachten, eine Werkzeugreinigung (meist werden die Ausgasungen entfernt) kann eine Abhilfe sein.
      ..:: Gruß von Kuka ::..
      ..:: Alle sagten es geht nicht. Dann kam einer, der das nicht wusste, und tat es ::..
    • Als ich das Bild gesehen habe, habe ich zuerst gedacht das es ein Artikel von uns ist. Wir haben genau das gleiche Problem und für mich ist das ganz klar ein Materialproblem. Nur beweisen konnte ich es nicht, noch nicht. Welches Material setzt Ihr denn ein? Zufällig Nilit Plastics? Und dann das Polymer mit F... ?
      Versuch macht klug !!!