Welches Material für Einsteiger?

  • Hallöchen!


    Nachdem die Auslieferung meiner (ersten?) Boy "bedrohlich" näher rückt, stellt sich mir die Frage, mit welchem Material ich meine ersten Versuche bzgl. Werkzeugbau und Spritzguss durchführe.


    Was ist für Anfänger am besten geeignet?


    Es geht mir dabei NICHT um spätere Teileeigenschaften (Festigkeit etc.), sondern hauptsächlich darum, dass sich das Material beim Spritzen "gutmütig" verhält, also bspw:


    - in einem großen Temperaturfenster verarbeitet werden kann

    - nicht stark degeneriert, wenn es auch mal länger in der Schnecke verbleibt, eventuell auch mal über Nacht.

    - natürlich nicht zu teuer ist

    - auch bei nicht optimalen Parametern noch verarbeitbar ist.


    Also einfach etwas zum Experimentieren mit offener Düse mit 35er Radius, 2,5mm Düsendurchmesser und einfachsten Werkzeugen der "Einkaufswagenchip-Klasse" ;)


    Vielleicht gibt es ja auch so eine Art "Probierpaket" mit 10x2kg aus verschiedenen Kunststoffen?

    Oder sollte ich bis zur K warten und kann dort Proben von Granulatherstellern ordern?


    Bei Boy meinte man PE oder PP natur - aber vielleicht hat ja noch jemand einen Tipp.


    Danke schonmal :)

  • Hallöchen,

    also recht günstig fährt man zB mit PP oder PE.

    Die sind eigentlich relativ gutmütig was die Temperatur angeht. Die nutzt man auch gern mal zum Zylinder reinigen/ spülen.

    Und falls die doch mal zu heiß werden riecht es noch nicht so fieß wie bei vielen anderen Materialien.

    Denke zum ersten "rumspielen" und ausprobieren was passiert wenn, wie, wo, was dürfte das ganz gut sein.


    Ansonsten fand ich in meiner Zeit als Verfahrensmechaniker auch ABS immer recht angenehm.

    Kostet halt momentan Pi mal Daumen doppelt so viel wie PE/PP.


    Vielleicht findet sich auch jemand im Forum, der noch Material "rumliegen" hat, welches er/ sie günstig an dich loswerden mag.

    Kommt ja manchmal vor, dass man ein Material nicht mehr benötigt, es aber zum wegwerfen/ verschrotten/ recyceln zu schade scheint.


    Grüße


    DerK

  • Hallo Jogger,


    also mit PE oder PP liegst Du definitiv nicht falsch, auch so wie der Maschinenlieferant und die Forenmitglieder sagen.


    Liegt aber natürlich auch an der Geometrie des Artikels, aber in der Regel ist dies kein Thema.


    Was bekommst Du den für eine ?


    Beste Grüße und viel Spaß dabei ✌️👍

  • PE/PP natur haben viele Vorteile: gutmütig zu verarbeiten, moderate Temperaturen sehr preisgünstig.

    Außerdem kannst du dich am Start ganz auf Formfüllung und Temperaturführung konzentrieren, ohne auf Farbdosierung und Additivabbau acht geben zu müssen.

    Diese Themen kannst du dann aber problemlos in einem zweiten Schritt angehen, viele Farbbatches sind auf PP-Basis standardmäßig zu erhalten.


    Definitiv NICHT nutzen solltest du POM, PVC, PVDF und alle anderen Materialien (und additive) die bei Fehlbedienung gesundheitsschädliche Stoffe abgeben.

  • 03 1010: Danke, das mit den Dämpfen ist ein wichtiger Hinweis!


    Drei Fragen hätte ich noch:


    1.) Bei PE gibt es ja verschiedene Untertypen (LD, HD etc.), wobei PE-LD wohl bei niedrigeren Temperaturen gespritzt werden kann. Wäre das dann für mich zu empfehlen für erste Tests (falls ich PE nehme)?


    2.) Gibt es bzgl. der Granulatgröße irgendetwas zu beachten? Oder gibt es eine Art "Standardkorngröße"?


    3.) Wie sieht es mit der Trockung bei PE/PP aus? Bei Boy ist offenbar nur optional Vortrocknung nötig ("Oberflächenfeuchtigkeit"):

    Boy Materialinfos

  • zu 1. muss ich passen


    zu 2: wenn nichts weiter ausgewiesen ist, sollte das "Zylindergranulat" mit ca. 3x3 mm sein. Ob Kaltabschlag oder Linsengranulat ist erst einmal egal.


    zu 3: PP und PE musst du normalerweise nicht trocknen, da das Material im inneren kein Wasser aufnimmt. Aber: du musst auf eine ordentliche Lagerung achten, damit das Material nicht in offenen Säcken oder wenn es im Winter aus der kalten Garage kommt Kondenswasser zieht.

    Dazu am Besten die Tagesproduktion am Vortag an der Maschine lagern und angefangene Säcke gut verschließen oder in verschließbare Tonnen umfüllen, nicht im offenen Trichter stehen lassen.

    Solltest du dennoch beim Dosieren knistern hören oder im Spritzkuchen Bläschen entdecken, kann das ein Indiz für Feuchtigkeit im Granulat sein (aber auch andere Gründe haben, z.B. Entlüftung der thermische Zersetzung)

  • Zu 1:) PE-LD bedeutet Polyethylen Low Density und PE-HD bedeutet Polyethylen High Density. Also übersetzt ein PE mit niedriger Dichte oder ein PE mit hoher Dichte. Diese Materialien werden mit unterschiedlichen Herstellungsverfahren hergestellt. Ein PE-LD wird oft für die Folienherstellung verwendet. Ein PE-HD meistens für Verpackungen jeglicher Art.


    Zum Spritzguss würde ich dir eher ein PE-HD empfehlen.


    Zu 2:) und 3.) hat 03 1010 schon alles beantwortet.

  • Vielen Dank für die Tipps!


    Für die Granulate habe ich für die Lagerung sowieso kleine, dichtschließende 30l-Deckelfässer (die blauen mit dem Spannring) vorgesehen. Zur Sicherheit könnte man noch Silicagel-Boxen dazulegen, aber bei PE/PP ist das ja offenbar nicht nötig.


    Was mir noch eingefallen ist: kann man auch zu stark trocknen?

  • [...]


    Was mir noch eingefallen ist: kann man auch zu stark trocknen?

    ja man kann Material definitiv "tottrocknen".

    Wenn das Material zu trocken ist, ist es deutlich schlechter gleitfähig auch als plastifizierte Masse, außerdem bauen Kunststoffpolymerketten auch bei relativ geringer Wärmebelastung über längere Zeiträume ab, wodurch das Material spröder und weniger belastbar wird.


    Noch kritischer als der Grundwerkstoff sind häufig noch die Additive, die sich schneller zersetzen

  • Danke für die Antwort bzgl. Tottrocknung :)


    Hallo, ich hätte einiges an TPU zur kostenfreien Verfügung :) Versand/Abholung müsste übernommen werden.

    Vielen Dank für das Angebot - es wäre natürlich super, wenn ich für weitere Experimente dann auch solches Material hätte!


    Um wieviel handelt es sich denn und wo könnte man es denn abholen (sofern nicht zu weit) bzw. was kostet der Versand? Ich bin aus der Region Koblenz.


    Gerne auch per privater Nachricht.


    P.S.: Wichtig wäre eine genaue Bezeichnung des/der Granulate, damit ich dann auch eine vernünftige Datenbank ("Laborbuch") aufbauen kann :)

  • Man findet im WWW bestimmt auch günstige gebrauchte Umlufttrockner. Dürfte fürs erste ausreichen (für das rumprobieren mit TPE). Ihr habt in der Halle bestimmt keine tropischen Luftfeuchtigkeiten. Besser ist natürlich z.B. ein Trockenlufttrockner.

    Ansonsten haben die Vorredner ja deine Fragen zum PE perfekt beantwortet.

  • Ja, so war mein Plan. Wir haben hier einen Gastroumluftofen (komplett Edelstahl) mit digitalem PID ausgerüstet, der bis auf 350° gradgenau heizen kann. Funktioniert richtig gut. Eigentlich ist der für die Trocknung von Grünlingen, Pulverbeschichtung usw. gedacht, aber der wäre auch gut für die Trocknung von Granulat-Kleingebinden geeignet.


    Einen Deckel hat der Trichter meiner Maschine auf jeden Fall - mal schauen, wie dicht der ist. Aber eine Dichtlippe wäre ja auch problemlos nachrüstbar.

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