Spritzgusswerkzeug: Antrieb Schieber/Kernzüge elektrische Maschinen

  • Moin,


    welche Antriebsart nutzt Ihr bei vollelektrischen Spritzgießmaschinen für die Schieber/Kernzüge? Hat jemand Erfahrungen mit elektrischen Antrieben für Schieber/Kernzüge? Welche konkreten Antriebe werden dazu ggfs. verwendet?


    Danke und VG

  • Da die überwiegende Anzahl der Spritzgussmaschinen hydraulische Antriebe haben, somit auch Kerzüge hydraulisch betreiben, wäre es zu überlegen, auch bei elektrischen Maschinen grundsätzlich Kernzüge hydraulisch zu betreiben. Dieses macht Maschinen- und Werkzeugzuordnung bei der Belegungsplanung flexibler. Die AV wird's danken.

  • hallo Mako8


    lass es dir keine Innovation durch veraltete Meinungen ausreden - wir haben imold Komponenten bei 160°C Formtemperatur-Werkzeugen bei PPA-verarbeitung eingesetzt...und läuft seit 2 Jahren problemlos in Serie.


    Voraussetzung ist logischerweise eine passende Werkzeugtechnik...also nachdenken, richtig konstruieren und die max. Arbeitstemperatur der Servos beachten und dann loslegen...


    ...nur mit Grips und Mut entsteht was neues!


    Druckverlust

  • Sorry Behrens,


    wenn du die Innovation bei einem servobetriebenen Kernzug nicht erkennst...und jetzt bitte nicht die Nachteile wie Invest, max. Temperaturbelastung etc aufzählen...vielleicht muss man sich da mal selbst hinterfragen und nicht permanent rezitieren was vor/seit 20 Jahren im Spritzguss mal State of the Art war...


    ...es gibt Anwendungen da hat diese Technologie Vorteile die eine hydraulische Variante nicht hat, und wer dies testen will, sollte das tun...denn so wie ich es sehe ist D das Land der Entwickler und Ingenieure...und nicht das Land der Zweifler und Nörgler ;)


    Druckverlust

  • Naja, es war in DE schon immer unser Job, nicht zufrieden zu sein ;)


    Bevor man sich streitet, wäre es aber vielleicht ganz schön, mal die Vor- und Nachteile von servobetriebenen und hydraulischen Kernzügen gegenüberzustellen. So hätten alle etwas davon (auch wir Neulinge).


    Ich fange mal an mit dem, was mir (als Anfänger) dazu einfällt:


    Vorteile hydraulische Züge:

    • Anschluss an bestehende Hydraulik meist einfach möglich, keine spezielle Elektronik nötig
    • Sehr gut für lineare Bewegungen geeignet
    • preiswert (im Prinizp simpler Hydraulikzylinder)


    Vorteile servomotorische Züge:

    • Nur ein Anschluss zu verkabeln
    • Beim Anschluss keine Verunreinigung durch Öl möglich
    • Kein Entlüften nötig (ist aber nur meine Vermutung, dass das bei Hydraulikzügen nötig ist)
    • Leicht positionierbar (wobei ich noch nicht weiß, wo man das sinnvoll einsetzt)
    • selbsthemmend (ist das wichtig?)


    Zur Haltbarkeit und Temperaturempfindlichkeit kann ich wenig sagen, wobei das ja offenbar funktioniert.


    Wie gesagt: das sind die Punkte, die mir als Einsteiger einfallen.


    Druckverlust:

    Mich würde interessieren, was das für Anwendungen sind. Vielleicht hast Du ja ein paar Bespiele?


    Viele Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,


    Eckdaten:

    -4 Fach Werkzeug

    - W-temp. 160°C

    - Material: Grivory PPA / 50% GF

    - Aufgaben der Servomotoren: Einfahren von Gewindekernen mit integrierten Fallkernen


    Der Haken war das konstruktiv die Kerne sehr präzise in einer gestuften Sequenz einfahren konnten, da von außen noch zusätzlich 4 hydr. Kerne in einer anderen Sequenz eingefahren sind.

    Die Sequenz einzustellen war sehr anwenderfreundlich, es konnte das Drehmoment überwacht werden (Verschleiß / WZ-Schaden etc.) und weil das Unternehmen und mein Chef sehr INNOVATIONSFREUDIG waren, wurde im Team beschlossen diese Technologie einzusetzen und für eine generelle Einführung in die WZ-Technologie zu testen.


    Wie gesagt, läuft bis heute...aber bei der Konstruktion muss man ein gewisses Know-How haben und auch entwickeln...z.B. Motoren richtig auslegen, Montageplatte thermisch abkoppeln und aktiv kühlen etc...


    Gruß


    Druckverlust

  • Danke für das Beispiel. Was es nicht alles gibt :)


    Sind solche Dinge eher exotisch im Werkzeugbau?


    P.S.: Ich komme aus der elektrotechnischen Ecke, daher bin ich gefühlsmäßig sowieso eher bei den Servos (was aber natürlich gar nichts heisst). Muss man sich solche Kernzugantriebe so wie die üblichen linearen mit Gewindespindel vorstellen?

  • großer Vorteil bei Servoantrieben: ich kann sie bei Bedarf sehr präzise auf Position und Geschwindigkeit regeln - wenn ich es denn brauche.

    Auch ist es einfacherer, eine Vielzahl davon in eine Steuerung einzubinden, da die Hydraulik-Nebenantriebe häufig eher limitiert sind als elektrische Steuer- und Leistungsleitungen.


    Wer einfach nur "auf-zu" zu Zeitpunkt X benötigt, der kommt natürlich wunderbar mit Hydraulikschiebern klar.

    Aber nur weil für 80-90% der Anwendungen die Standardlösung reicht, hat die Sonderlösung dennoch ihre Berechtigung.

  • Da die überwiegende Anzahl der Spritzgussmaschinen hydraulische Antriebe haben, somit auch Kerzüge hydraulisch betreiben, wäre es zu überlegen, auch bei elektrischen Maschinen grundsätzlich Kernzüge hydraulisch zu betreiben. Dieses macht Maschinen- und Werkzeugzuordnung bei der Belegungsplanung flexibler. Die AV wird's danken.

    Druckverlust ich würde dir empfehlen, den Text/Inhalt nochmals genau durchzulesen, vielleicht kommst dann auch zu dem Schluss, dass deine aufgeregte Aussage "vielleicht muss man sich da mal selbst hinterfragen und nicht permanent rezitieren was vor/seit 20 Jahren im Spritzguss mal State of the Art war..." unzutreffend ist!;) ;)

    Aber ich mag ja Leute, die den Spritzguss vorantreiben, aber bitte: Nicht nur mit "Technik of the Art" - Ausstattung! ;) 8o :)

  • Sorry Druckverlust, ich verstehe deine Aufgeregtheit überhaupt nicht, ich habe lediglich auf das Thema mit Empfehlung "gut zu überlegen, für was sich entschieden wird" geantwortet!

    Eingangs wurde nämlich danach gefragt, ob "elektrischer oder hydraulischer Kernzug" bei elektrischen Maschinen. Nur darauf war ich eingegangen! Natürlich machen beide Systeme JE NACH BEDARF SINN, und die Beiträge zeigen ja auch, dass hydraulische Antriebe in vielen - ich bin überzeugt in den meisten - Spritzereien auch an E-maschinen die Regel sind!

  • [...] Und die Beiträge zeigen ja, dass hydraulische Antriebe in vielen Spritzereien auch an E-maschinen die Regel sind!

    Wobei mich das in energetischer Hinsicht schon wundert - ich denke weiter, dass dies auch oft daran liegt, dass die Werkzeuge teils älter als die Maschinen sind oder je nach verfügbarer Anlage mal auf Vollelektrischer, mal auf Vollhydraulischer und mal auf einer Hybridanlage laufen - diese Flexibilität ist natürlich oft ein wichtiges Argument pro Hydraulik, da die wenigsten Spritzerein ganze Abeteilungen nur mit VE-Maschinen fahren.


    Energetisch liegen (elektrische) Hydraulikpumpen und -zylinder je bei etwa 80-90% Wirkungsgrad, d.h. pro eingespeister kWh elektrischem Strom kommen am Schieber durchschnittlich 0,72, bestenfalls 0,8 kWh an.

    Bei einem Servomotor sind es oft über 90%, d.h. man hat einen 10-20% besseren Wirkungsgrad an einer VE-Anlage.

    Habe ich eh eine hydraulische Maschine mit großem Hydraulikaggregat, fällt der vergleichsweise geringe Energieverbrauch der Schieber natürlich weit geringer ins Gewicht - aber betreibe ich extra für die Schieber ein kleines Hydraulikaggregat, ist das ein Stromfresser.

  • Wobei mich das in energetischer Hinsicht schon wundert - ich denke weiter, dass dies auch oft daran liegt, dass die Werkzeuge teils älter als die Maschinen sind oder je nach verfügbarer Anlage mal auf Vollelektrischer, mal auf Vollhydraulischer und mal auf einer Hybridanlage laufen - diese Flexibilität ist natürlich oft ein wichtiges Argument pro Hydraulik, da die wenigsten Spritzerein ganze Abeteilungen nur mit VE-Maschinen fahren.

    Richtig, wir haben uns selbst bei den neueren Maschinen, für eine Hydraulische Variante entschieden um genau diese Flexibilität aufrecht zu erhalten. Da wir auch, so wie vermutlich die Meisten, einen gemischten Maschinenpark haben :)

  • Seien wir doch mal ehrlich: Das Ganze ist doch auch eine *Glaubens-/Philosophi-/Geschmacksfrage*!

    Letztendlich muss aus PROZESSTECHNISCHER Sicht die Maschine den Anforderungen gerecht werden(!!) - denn immerhin lebt die Spritzerei vom effizienten SPRITZGUSSPROZESS und nicht davon, ob eine Maschine

    - ein tolles Design hat,

    - elektrisch oder hydraulisch angetrieben ist,

    - oder, oder, oder!

    Energie sparen ist wichtig, keine Frage(!), jedoch wird doch in den Spritzereien immer noch

    - mit energiefressender Angusstechnik (Kaltanguss),

    - Überladungsprozessen (min. 90% aller Prozesse),

    - zu hohen Ausschussraten,

    - ineffizienten Arbeitsweisen/-abläufen,

    - zu vielen Reklamationen,

    - usw. eine Unmenge Energie vergeudet!!


    Warum werden diese Kostentreiber nicht ernsthaft nachhaltig angegriffen und in den Vordergrund gerückt?

    Warum wird die schlechte Prozess-Ausbildung, aus der die energiefressende Prozesse in den Spritzereien entstehen, nicht in den Fokus gebracht? DIESE THEMEN sind WICHTIG!

    Jedoch: Für den MAINSTREAM der Branche (ich nenne es SPECKGÜRTEL der Spritzgießer) sind diese Themen völlig uninteressant, weil damit kein schnelles Geld zu machen ist!


    Auch die K-Messe wird wieder die Spritzgießer von ihrem eigentlichen Problem, nämlich EFFIZIENT STABILE QUALITÄT zu produzieren, ablenken - mit dem Ergebnis "es wird weiter gearbeitet wie bisher und alle hoffen, dass es mit noch mehr (sinnloser) Technik besser wird"!

    Dieses Spiel gewinnt immer nur einer .... und das sind nicht die Spritzgießer, denn deren Zustände/Tagesgeschäft/Probleme bestehen weiterhin und das 7 Tage pro Woche rund um die Uhr!


    Sorry, aber das musste raus ;) Zurück zum Thema ...

    Die Entscheidung, mit welcher Technik Kernzüge an E-Maschinen angetrieben werden, muss jeder aus der Situation in der Spritzerei und der funktionalen Notwendigkeit heraus treffen, und dieses sinnvoll und nicht nach einem vermeintlichen innovativen Zeitgeist folgend!


    Technik nicht der Technik wegen, sondern Technik zum NUTZEN DER MENSCHEN einsetzen ist angesagt!

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