Werkzeugentlüftung in umspritzten Bereichen

  • Hallo liebe Community,


    nach nun längerer Zeit poste ich mal wieder was. Es geht um die Entlüftung eines Werkzeugbereichs, der von einem Angusssystem umgeben ist (siehe Abbildung):

    pasted-from-clipboard.png


    Wir möchten beim Spritzen des Zugstabes (mit Bindenaht) diesen gleichmäßig auf beiden Seiten entlüften. Wie ist eure Erfahrung für solche "isolierten" Bereiche im Werkzeug hinsichtlich der Entlüftung? Ist eine Bohrung notwendig um eine Verbindung nach außen zu schaffen (schwierig zu implementieren aufgrund Platzmangel)? Oder reicht eine Tasche um die Kompression der Luft zu verringern?


    Viele Grüße

    • Official Post

    Ganz wichtig: Die Entlüftung muss an den Bindenähten der Zugstäbe erfolgen! Also mittig der Zugstäbe. Am besten direkt als Schliff zu den Außenkanten des Formeinsatzes (ist ja nicht weit). Sonst gibt es an der Bindenaht den lieben Dieseleffekt. Und der ist praktisch garantiert bei der Menge Masse die in die Form gespritzt wird.

    Offensichtlich wird das Werkzeug aber auch für das Spritzen ohne Bindenaht genutzt. Da muss die Entlüftung jeweils am Fließwegende der Stäbe bewerkstelligt werden. Es müsste also eine Entlüftung in den grauen Verschlussklötzen eingearbeitet werden. Wichtig ist bei diesen Probekörpern die Entlüftung der Ecken oder in den Ecken sicher zu stellen. Sonst gibt es dort ständig Brenner. Bedenke die Form der Fließfront: Sie stößt zuerst in der Mitte des Endes der Kavität an die Form und muss dann die Luft besonders aus den Ecken der Laschen der Stäbe wegdrücken.

    Die Entlüftungen dürfen keinesfalls in den zentralen Bereich des Werkzeuges führen. Das ist definitiv kontraproduktiv. Immer schön auf direktem und kürzesten Weg zu den Kanten des Werkzeugeinsatzes.

  • Guten Morgen zusammen,


    Danke für die Infos und Tipps zu den Ecken und zur Entlüftung ins Innere.

    ja die DS ist eine ebene Platte, dort sollte auch Platz für folgende Lösung sein:

    spritzgussweb.de/PHP5/WLS5/index.php?attachment/1018/


    Wie bereits erwähnt ist das WKZ für das Spritzen von Zugstäben mit und ohne Bindenaht ausgestattet (über die grauen Wechseleinsätze und Drehdüsen). Dementsprechend brauchen wir auch auf den Blindeinsätzen eine Entlüftung stirnseitig, danke für den Hinweis.


    Eine weitere Frage habe ich noch. Wir wollen mit diesem Werkzeug unverstärkte Materialien sowie auch TPEs / TPUs bzw. allgemein gesprochen Werkstoffe mit hoher Klebeneigung je nach Beschaffenheit der Oberfläche zu Probekörpern verarbeiten um diverse Materialdaten zu generieren. Wie sollte die DS von der Oberfläche beschaffen sein damit es nicht zum Kleben kommt? Prinzipiell müsste man eine gestrahlte oder zumindest gröbere Erodieroberfläche als in der AS vorgeben. Hinterschnitte wären auch eine (eher Not-)Option, die ich aber nur ungern bei einem Probekörper einbringen möchte. Hat da jemand Erfahrung dazu?


    Besten Dank!

  • Wie sollte die DS von der Oberfläche beschaffen sein damit es nicht zum Kleben kommt? Prinzipiell müsste man eine gestrahlte oder zumindest gröbere Erodieroberfläche als in der AS vorgeben. Hinterschnitte wären auch eine (eher Not-)Option, die ich aber nur ungern bei einem Probekörper einbringen möchte. Hat da jemand Erfahrung dazu?

    An sich würde es ggf. ausreichen die Außenflächen des Probestabes in der Auswerferseite anzurauen.

    Dadurch bekommst du ganz kleine "Hinterschnitte" die bei deinem Probenquerschnitt vernachlässigbar sein sollten.

    Die Düsenseite würde ich so glatt wie möglich bzw. nötig (hochglanz braucht ihr da nicht) lassen.


    Eine weitere Option wäre die Mitnahme auf die AS mit Hilfe des Anguss zu gewährleisten.

    Ihr könnt die Auswerfer mit einem Art Schwalbenschwanz ausführen. Dadurch hat der Auswerfer einen ordentlichen Hinterschnitt auf zB 2 Auswefern und das Teil kommt aufgrund des Filmangusses immer auf die richtige WZ-Hälfte.

    Hier mal professionell mit Paint in dein Screenshot eingemalt. In rot die Auswerfer und daneben der Querschnitt des Auswerfers.

    2022-07-21 09_32_37-Werkzeugentlüftung in umspritzten Bereichen - Werkzeug - Forum SpritzgussWeb.png

    Ich hoffe das hilft dir weiter.


    Grüße


    DerK

    • Official Post

    Wir haben entsprechende Einschübe mit den gleichen Zugstäben. Allerdings in "Einzelform" (ein ganz anderes Formwechselsystem). Also ein WZ mit den großen Stäben (2 Kavitäten), einen Einschub mit ähnlichen Stäben (4 Kavitäten), sowie einen Einschub mit großen Stäben mit Bindenaht (2 Kavitäten). Auf jeden Fall ist zu empfehlen die Auswerfer deutlich dicker, also auf mindestens 8mm, zu machen. Dazu braucht man selbst bei den Dicken Stäben pro Schulter eigentlich nur jeweils 1 Auswerfer. Ansonsten kann es passieren, dass man Löcher in die Stäbe stanzt - selbst wenn der Ejektor gaaaanz langsam fährt.

    In den allermeisten Fällen werden die Stäbe ohnehin auf die Auswerferseite mitgenommen, da sie auf Grund der Hundeknochenform und der Schwindung in diesen Kavitäten bleiben. Wir haben rundum eine Auswerferschräge von 2 Grad. Bei besonders weichen Materialien (< Shore A40) muss trotzdem oft manuell entformt werden, da die Stäbe in der Taille hängen bleiben, von den Auswerfern an den Schultern zwar ausgedrückt werden, trotzdem aber im WZ bleiben. Ich rate aus Kostengründen zu einer einfachen Strichpolitur. Da haben wir weltweit gute Erfahrungen in allen unserer Labore mit gemacht.

    Hinterschnitte waren bisher noch nie nötig.

  • Mindestens die Entlüftungstaschen (das sind sicher die rot umrandeten) mit einem kanal mit den Auswerfern (Die Kreise über dem Angussverteiler) verbinden, damit die Luft dorthin entweichen kann. Luft im Werkzeug zu verdichten und einzusperren geht nicht gut.


    Alternativ auf der AS Stifte einbringen, die hinten Richtung Auswerferplatte entlüften.

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