Wie setzen sich die Kosten im Spritzguss zusammen

  • Guten Tag


    mich würde einmal interessieren wie sich die Kosten im Spritzguß zusammen setzen.

    Also wie viel % sind Materialkosten, Maschinenkosten, Mitarbeiter, Verwaltung inkl Miete etc.


    Kann man dass in etwa sagen?


    Gruß


    Metaller

  • Das kann man so nicht sagen, das hängt von einer Menge Faktoren ab:

    1. zentral die Stückzahl, es ist ein himmelweiter unterschied, ob ich 5 Jahre lang 10000 Teile produziere oder über 15 Jahre jährlich 1000000 Teile produziere.

    2. verwendetes Material, besonders preis/kg (das reicht von wenigen Ct für Recycling-PP bis zu 100€ für Hochleistungskunststoffe

    3. Komplexität des Werkzeugs

    4. Zykluszeit pro Teil

    5. Anzahl der Kavitäten im Werkzeug = Anzahl Teile/Schuss


    Daraus können sich ganz gewaltige Unterschiede, bei einem Langläufer, bei dem über mehrere Jahre aller 1,5 s 95 Flaschendeckel rausfallen, macht das Material 90% der Kosten aus. Bei einem technischen Dickwandteil aus Hochtemperaturkunststoff mit 150s Kühlzeit ist die Maschinenzeit führend in den Kosten.

  • Kann man pauschal absolut gar nicht beantworten aus meiner Sicht.


    Materialkosten sind sehr unterschiedlich, da es eine riesen Bandbreite an Typen und dadurch an Preisen gibt. Von wenigen Prozent bis 80% ist hier alles möglich. Ganz grob wäre meine Richtung dass man mit 50% Materialkosten eine Anhaltspunkt hat.


    Genauso bei den Maschinenkosten. Reicht eine einfache, "billige" SGM aus oder brauch ich für den Artikel eine Sonderanlage mit viel Peripherie usw.

    Beim Mitarbeiter geht es von vollautomatischer Anlage bis zu mehreren Personen die an einer Anlage stehen.

  • Hast schon Recht.


    ich war bei einem Nachbarn, der Kerl ist an die 85 und macht das irgenwie noch mit dem Spritzguss (er hat 4 grüne maschinen in der Garage stehen). Ich hab mit ihm gesprochen weil ich was entwickelt hab. Nun kam mir der Gedanke, bei seiner Kalkulation... ich hab ihn gefragt was das alles so kostet...

    da murmelte er so vor sich hin....


    Werkzeug pro stück 15-25TEUR, ABS 9,3€KG, Maschine 20€/h ..... ein teil wiegt 4g und sieht aus wie ein Bumerang....


    irgendwie kam mir das so vor als ob alles außen rum "nix" kostet aber das Werkzeug mir das genick bricht...


    jetzt hab ich natürlich ein problem. deshalb will ich es auch nicht so genau wissen sondern nur in etwa... vielleicht hab ich sein gemurmel ja auch falsch verstanden...


    es geht um einfachste teile (teiweise) aus normalen ABS bzw er sagte noch was von PP6 und PP66


    Ich will einfach verstehen wie man das einschätzen kann...

  • Nachtrag:

    es bringt mir ja nix wenn ich 7 Werkzeuge brauche die alle zwischen 15-25k€ kosten. das Meterial 9,3/KG, mein Teil aussieht wie ein 3cm Bumerang und 4g wiegt und ich je 400.000 Teile brauch und die dann zwar "nur" X=25TEUR/400.000+(0,004*9,3€) Also 10cent je Teil, und mir dann noch Produktionskosten von 3€/ Teil drauf kommen.... verstehste...

  • Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz um was es nun geht?!


    Soll ein neues Teil hergestellt werden? Oder soll die Fertigung von dem alten Herrn übernommen werden?


    Bei einem neuen Teil sollte man sich mal Gedanken machen wie das aussehen soll, welches Material und welche Mengen verkauft werden können.

    Dann kann man die Maschine bestimmen, die Verpackung, die genaue Materialtype usw. und dann kann man die Kosten schonmal grob abschätzen.


    Diese Informationen haben wir hier alle nicht, folglich kann man absolut keine Aussage treffen.


    Bevor ich mit einem neuen Produkt auch eine neue Fertigung anfangen würde, würde ich zu einem Lohnspritzer gehen. Spritzguß ist nicht paar Körnchen in die Maschine schmeißen, Programm laden wie bei ner CNC und Startknopf drücken.

    Da steckt sehr viel KnowHow drin und man braucht viel Erfahrung.


    Neues Produkt, erstmals eigene Fertigung, ohne Vorahnung. Aus meiner Sicht zu 100% zum scheitern verurteilt...


    Noch kurz zu der Rechnung. Ein SGM Werkzeug, wie auch die Maschine, schreibt man normal nicht auf ein Jahr ab. So ein Produkt sollte etliche Jahre laufen, die Maschine sowieso. Produktionskosten in Höhe von 3€ für ein 4g Teil halte ich einfach mal für unrealistisch, das werden eher 3 Cent sein... Bei Kleinteilen hat man normal mehrfach Formen und bei dem Teilegewicht wird di Zykluszeit überschaubar sein, da kommen dann schon paar Teile in einer Stunde raus.

  • Nachtrag:

    es bringt mir ja nix wenn ich 7 Werkzeuge brauche die alle zwischen 15-25k€ kosten. das Meterial 9,3/KG, mein Teil aussieht wie ein 3cm Bumerang und 4g wiegt und ich je 400.000 Teile brauch und die dann zwar "nur" X=25TEUR/400.000+(0,004*9,3€) Also 10cent je Teil, und mir dann noch Produktionskosten von 3€/ Teil drauf kommen.... verstehste...

    Insgesamt 400.000 Teile sind für "einfache" Teile auch recht wenig. Wenn dein Produkt 10 Jahre à 400.000 Teile dann sieht das schon ganz anders aus, dann ist es nur noch 1ct/Teil (mit Wartung usw. eher 2-3 ct/Teil). Bei den 4g/Teil ist dann noch die ganz entscheiden Frage, ob du einen Kaltkanal hast oder gar einen Spritzrahmen, wie man ihn aus dem Modellbau kennt. Dann kann es nämlich schnell sein, dass du für 1 Teil 15-20 g pro Schuss verbrauchst.


    Wenn deine Stückzahlen wirklich so gering sind, gibt es noch zwei Möglichkeiten, die Werkzeugkosten zu drücken: 1. Stammform mit Einsätzen, wie oben erwähnt oder aber ein "Muster-"Werkzeug aus Aluminium. das kostet je nach Komplexität 40-70% von einem Stahlwerkzeug, hat aber auch eine deutlich geringere Lebensdauer.

    Kommst du dann immer noch nicht auf deine Kosten, musst du wohl über ein anderes Herstellverfahren nachdenken.


    p.s. der Kunststoff, den dein Nachbar meinte, ist sehr wahrscheinlich PA6 bzw. PA6.6

  • Noch eine Anmerkung, wenn dein Nachbar dir ABS für 9,3 €/kg verkauft, dann wäre das recht frech. Selbst mit aktuellen Preiserhöhungen liegt man da eher bei 4-5€/kg.

    Kann natürlich sein, dass dein Nachbar nur einen Sack (idR 25kg) abnimmt und dann massiv Mindermengenzuschläge zahlt.

    Das Problem hättest du aber wohl bei den Lohnspritzern nicht, da die meisten vermutlich "standard" ABS sowieso verarbeiten und in "größeren" Mengen beziehen.

    Grüße

    DerK

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