Ausgasung POM bereits im Trockner

  • Hallo,


    ich habe heute ein "nettes Foto" bekommen, das ich so auch noch nicht gesehen habe.

    Wir trocknen in diesem Trichter ein Delrin 500 natur.

    Der komplette Kreislauf der Prozessluft nach dem Trockentrichter hat sich mit dieser Flüssigkeit zugesetzt.

    Mit Ausgasungen im Spritzgusswerkzeug hatte ich ja schon zu tun, aber das ist neu.

    Vor allem, da es Naturmaterial ist, ist die starke Einfärbung doch ziemlich komisch.

    Ich dachte daran, dass es evtl. das Schmiermittel ist, aber um das einzuschätzen, kenne ich dessen Kennwerte nicht.


    Wir halten uns auch exakt an die Trocknungsvorgaben, 4 h und 80 °C. Ich weiß, dass man es nicht trocknen muss, aber die Verarbeitungsfähigkeit erhöht das schon enorm.


    Kennt jemand dieses Phänomen bzw. kann mir verraten, wie wir das verhindern?

  • Das ist echt interessant. Bitte Atemschutz mit Aktivkohlefilter anziehen, da es vielleicht schädlich für die Atemwege ist!


    Von der Farbe her, wäre Hydrauliköl eine Möglichkeit, aber bei einem Trockentrichter eher unwahrscheinlich in der Menge und auch unwahrscheinlich, weil eine Hydraulik auch normalerweise nicht verwendet wird. Andere Möglichkeit für die Farbe, ist oxidiertes Material, weil der Trockentrichter zwar 80°C anzeigt, aber die Heizung deutlich drüber liegt. Mit dem Sauerstoff oxidiert das Material und die Molekülketten brechen auf. Das sorgt am Ende dafür, dass die Viskosität sinkt und es eine Farbänderung gibt. Das kann leicht überprüft werden, wenn der Trichter gereinigt und überprüft wird.

  • Eine "deutliche" Schädigung des Materials schließe ich auch aus, da das Fertigteil daraus ein stark überwachter Dauerläufer ist, Prozess absolut stabil.

    Die Farbe kann ich mir eben auch nicht bei dem Naturmaterial erklären... Gibt es den Oxidationsprodukte, die sich so stark in den Rotton gehen?`


    Ich kenne auch die Additive des Delrin 500 nicht, deswegen weiß ich nicht, was sich da alles verflüchtigen kann.


    Danke euch für eure Meinungen

  • Es könnte eventuell auch irgendwo einen Kontakt zwischen Heizung und Trichter geben. Dann betrifft es nur lokal einen kleinen Bereich, der sich zersetzt und oxidiert, während der Rest weiterhin intakt bleibt.

    Der rötliche Ton kann das Ergebnis der Zersetzung sein.

  • Zum einen gibt es eine Reihe verschiedener "Delrin 500". Das ist also nur ein übergreifender Begriff. Da sollte man also noch einmal genau auf dem Etikett bzw. den Papieren nachsehen.

    Sollte sich das POM aber tatsächlich im Trockner zersetzen, würde ja das allseits beliebte Formaldehyd entstehen und dann würden den Leuten in der Nähe des Trockners und an der Maschine ganz schön die Augen Tränen und der Hals kratzen.

    Ansonsten mal eine kleine Menge (vielleicht so 100ml in einem Becherglas trocknen und darauf eine Glasplatte oder Petrischale legen. Dann kann man sehen, ob da tatsächlich was aus dem POM migriert. Das würde dann an der Glasscheibe bzw. Petrischale kondensieren.


    Es könnte u.U. eine Type mit Silikonöl als Schmiermittel (Additiv) sein. Das kann evtl. bei der Trocknung (und bei der weiteren Verarbeitung) teilweise austreten. Dann solltet ihr auf eine Vortrocknung ggf. verzichten. Ich kenne mich aber mit den Delrin-Typen nicht aus. Gerade im MED Material sollte soweit ich weiß nichts migrieren.

  • Und? Schon was festgestellt???

    Würde mich wirklich interessieren. Denn wir "wärmen" POM auch immer 2-4h/80°C vor, haben aber noch nie derartige Probleme gehabt. Manchmal wird das Material auch im Trockner vergessen. Irgendwann wird der dann mal leergeräumt und man findet dann noch solche Restbestände (kein Silotrockner sondern wir trocknen kleine Portionen zu ca 1,5kg in Kastenformen.)

  • Ergebnis bisher, wie sie sehen, sehen sie nichts.

    Das waren nun die normalen 80 °C bei 4h.

    Ich plane grad längere Tests und dann auch noch mit mehr Temperatur, um eben so einen partiellen Hitzestau nachzustellen.


    Aber mehr als 12h will ich dem Versuch nicht geben. Mal angenommen, Material ist wirklich zu lang im Trockner, dann durchläuft es aber sicher keine Zeit von mehr als 12h.

  • Rückmeldung Digicolor:


    Bekannt, Ursache auch von einem (nahmhaften) Materialhersteller genannt bekommen:


    "Es handle sich um "Herstellungsreste" der Polykondensation, also nicht reagierte Grundmaterialien. Häufig der Fall bei PBT und PET."

    petersj , kannst du mit dieser Aussage etwas anfangen?


    Wie sehr ich das jetzt auf mein Delrin ummünzen kann, fraglich. Aber eine Grundaussage.

    Ansatz von Digicolor (den ich jetzt nicht schlecht finde), ist ein Additivfilter, den sie anbieten. Kostet 500€ und wird direkt an den Flansch der Rückluft angeschlossen. Dieser muss aber nicht an diesem Trockner bleiben, sondern ich kann ihn "wandern lassen". So kann ich eben erst diesen und dann weitere Trockner überprüfen, ob ich denn Ausgasungen wie Additive durch meinen Trocknungsprozess habe und ggf. Trocknungsparameter anpassen.

  • "Es handle sich um "Herstellungsreste" der Polykondensation, also nicht reagierte Grundmaterialien. Häufig der Fall bei PBT und PET."

    petersj , kannst du mit dieser Aussage etwas anfangen?


    Definitiv NEIN.

    Wenn dem so ist, ist das Material nicht auslieferungsfähig, nicht verarbeitbar und damit reif für eine Reklamation.

  • Bei richtiger Vortrocknung (Einhaltung der Temperaturen und Zeiten nach Vorgaben der Hersteller) darf aus einem fertigen Compound nichts in dem Maß wie bei dir ausgasen. Wir als Compoundeur prüfen selbst unser Produktionen sehr umfänglich. Und wir trocknen eigentlich alles außer PP, PE und PS grundsätzlich vor dem Verspritzen. Wenn so große Ausgasungen vorkommen sollten, wie bei euch würde das entsprechende Produkt sofort gesperrt werden. Sicherlich gibt es einige Produkte, die "zum Himmel stinken". Das ist dann aber ein "produkttypischer Geruch" der durch die entsprechende Rezeptur entsteht. Trotzdem würden wir grundsätzlich versuchen diese Emission zu minimieren oder zu beseitigen. Das geht sogar so weit, dass entsprechende Produkte bei uns in entsprechenden Trockensilos vor der Verpackung entsprechend vorbehandelt werden. Würde dabei aus dem Silo eine deinem Beispiel entsprechende "Suppe" bemerkt werden, müsste der Silo sehr aufwändig gereinigt werden und das Produkt würde als nicht verkaufsfähig gesperrt werden. Zumal so etwas besonders bei Serienprodukten nicht passieren darf.

    Wir setzen also solche Filter nicht ein, weil es keinen Sinn machen würde.

  • "Es handle sich um "Herstellungsreste" der Polykondensation, also nicht reagierte Grundmaterialien"


    Das würde ja bedeuten, dass Monomere im Polymer vorliegen würden - d.h. bei Pom (Form)Aldehyde!

    Da bist du ja noch "gut bedient", wenn das Zeug im Trockner hängen bleibt und nicht bei über 200°C in der Plastifiziereinheit in Massen verdampft =O

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