Lunker im Spritzgussteil

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    • Lunker im Spritzgussteil

      Hallo,

      bin neu hier im Forum, komme allerdings nicht aus der Kunststoffbranche. Habe aber ein Problem, hoffe das ich hier Hilfe bekommen kann.

      Wir besitzen bei uns im Betrieb selber zwei Werkzeuge mit denen wir nach Bedarf Teile spritzen lassen. Die hergestellten Teile verbauen wir bei Kunden. Die Werkzeuge sind mittlerweile an die 15 Jahre alt, haben immer super funktioniert. Wir lassen die Teile bei einem Lohnspritzer fertigen. Er bekommt die Werkzeuge von uns und spritzt damit die Teile.
      Mit dem damaligen Lohnfertiger hatten wir hinsichtlich der Qualität keine Probleme. Ärger mit der Einhaltung von Zusagen führte dazu das wir uns einen neuen Lohnfertiger suchten. Hier bei uns in der Nähe, er besitzt einen guten Ruf, wie man hier mitbekommt. Die erste Charge aus seiner Fertigung war gut. Keinerlei Probleme, alles klappte super.
      Nun wurde vor ca. 6 Wochen wieder eine Charge gespritzt. Optisch sahen die Teile gut aus, wurden von uns beim Kunden verbaut. Nun trat das Problem auf, die Kunden beschwerten sich über die Haltbarkeit der Teile. Diese würde nicht dem entsprechen was wir Angeboten hatten. Da wir uns das nicht erklären konnten, zersägten wir einige Teile. Dabei stellte sich heraus, im inneren der Teile sind Lufteinschlüsse vorhanden. So kleine Löcher, so groß wie der Kopf einer Stecknadel. Auch in den Rippen, überall diese Lufteinschlüsse. Äußerlich ist nichts Sichtbar.
      Zum Vergleich zersägten wir noch Teile vom alten Lohnfertiger. Diese waren top, keine Lufteinschlüsse.

      Nun die Frage an die Profis. Wie können diese Lufteinschlüsse entstehen, kann dadurch die Stabilität bzw. Tragfähigkeit des Bauteils geringer sein? Noch wichtiger, wie sieht es mit der Haftung aus? Uns sind fehlerhafte Teile geliefert worden.
    • Grüß Gott,

      vielleicht helfen Dir diese Links/Beiträge:


      plast-spritzer.de/index.php?forum-showposts-17

      Lunker-bei-Dickwandigem-PA-Teil

      Lunker

      Lunker 2


      Technische/Mechanische Eigenschaften können sich je nach Art, Ort und Ausprägung der Lunker/Luftblasen im Spritzteil negativ auswirken! Auch die Stabilität und Tragfähigkeit.
      Was ist mit Haftung gemeint?

      Es gibt vieles was man jetzt hinterfragen könnte, warum es jetzt zu Problemen mit Lunkern/Lufteinschlüssen kommt ...
      Gleiche Parameter verwendet ?!
      Baugleiche Spritzgussmaschine verwendet (Schneckengröße und Art z.B.) ?!
      Material gleich ?!
      Gleiche Peripherie (Düse, Temperiergerät etc.) ?!



      Physikalische Ursache:
      - Das Spritzteil erhält zunächst eine starre Außenhaut, die sich je nach Intensität der Werkzeugkühlung schneller oder langsamer zum Kern hin verstärkt. Im Bereich großer Wanddicken bleibt der Kernbereich jedoch sehr lange zäh-elastisch. Die Außenhaut ist stark genug, um Schwindungsspannungen aufzunehmen. Die Masse im Innern wird nach außen gezogen, so das im noch plastischen Kern des Formteils Vakuumhohlräume entstehen können.

      Konstruktiv bedingte Ursachen für Lunker:
      - Angußquerschnitt zu klein
      - Düsenbohrung zu klein
      - Artikel wird im Bereich der kleinen Wanddicke angespritzt
      - Masseanhäufung zu groß

      Parametertechnische Abhilfemaßnahmen gegen Lunker:
      - Nachdruck / Nachdruckzeit erhöhen - Volumenschwindung in der Abkühlphase wird ausgeglichen
      - Staudruck erhöhen
      - Werkzeugtemperatur erhöhen
      - Schneckendrehzahl niedriger
      - Massetemperatur niedriger


      Beste Grüße :]

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ballkuenstler1987 ()

    • Danke, das hilft mir schon weiter.

      Mit der Haftung meinte, wer nun für die defekten Teile, welche ja nicht ordnungsgemäß produziert worden sind, gerade steht. Am Werkzeug kann es ja eigentlich nicht liegen, jahrelang sind dort Teile mit gefertigt worden, ohne jegliche Probleme.
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    • Da die Teile des alten Lohnfertigers nicht beanstandet wurden und keine Lunker aufwiesen, bleibt da als mögliche Ursache nicht mehr viel übrig.

      * zu hohe Restfeuchte (was für ein Material wird eigentlich verwendet ?)
      * zu hohe Materialtemperatur , evtl. auch zu hohe Verweilzeit im Zylinder
      Es könnte auch sein, dass es einen Haarriss in der Kavität gibt und somit die Temperierung minimal leckt.

      Durch solche Fehler leiden nicht nur die mechanischen Eigenschaften zum Teil erheblich, sondern es ändern sich auch die chem. Beständigkeiten, die elektrischen Eigenschaften etc...
      Meiner Ansicht sind die Teile nicht verwendbar, so wie der Fehler beschrieben wurde.
    • Die Haftung sehe ich aus Sicht eurer Kunden natürlich bei euch. Ihr habt geliefert, also seid ihr für die fehlerhaften Teile beim Kunden verantwortlich (offensichtlich wurden die Teile bei euch nicht auf ihre Qualität hin geprüft).
      Ihr könnt die schlechte Qualität aber wiederum bei eurem Lieferanten reklamieren. Dabei muss auch der Aufwand für den Austausch bereits an eure Kunden gelieferter Teile berücksichtigt werden.
      Das alles muss unter dem Begriff "Produkthaftung" betrachtet werden.
    • Der Lieferant hat nun nach mehrmaligen „auf die Füße treten“ eingesehen das diese Lufteinschlüsse nicht normal sind, kann es sich aber nicht erklären wie das kann. Nun sollen nächste Woche Probeteile gespritzt werden, umzuschauen ob diese auch Lufteinschlüsse haben.
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    • Wenn "alles voll von Blasen ist", muss auch geprüft werden ob dem Spritzbetrieb das Material beigestellt wird oder ob er eine (undeutliche) Materialvorgabe bekommen hat.
      Wenn alles voll mit Blasen ist kommt mir der Gedanke, dass vielleicht Schäumungsmittel mit im Einsatz war.
      Wurde das Material beigestellt muss auch das Material geprüft werden. Letzten Endes sollte in Zukunft die Verarbeitung dokumentiert werden. Hierzu Zählt auch Vortrocknung und Parameterprotokolle. Das dürfte heutzutage keinen Aufwand darstellen.
      Wurden dem Verarbeiter Verarbeitungsvorschriften und Parametersätze übergeben? Er sollte den Nachweis antreten, dass er diese eingehalten hat.

      Aber vielleicht klärt sich das ja auch alles ganz einfach.

      Wenn wir Bilder hätten (geschnittenes Spritzteil, vollständiges Teil, Werkzeugbeschreibung und eine Materialbezeichnung) könnten wir evtl. besser beraten.
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    • Und bei Blasen ist die Frage:
      Luft, andere Gase usw.

      Lunker treten an Massehäufungen mit HotSpot vermehrt auf.

      Deine Beschreibung weist auf Bläschen hin.
      Was das nun genau ist...naja.

      Material war trocken?
      Staudruck war vorhanden?

      Bilder?
    • Hallo,

      also wenn die Teile brechen und die Bruchkante eine "porige" Fläche (viele kleine Bläschen) dann würde ich auf Feuchtigkeit tippen.

      Wenn es nur ein großes Loch ist, dann würde ich auf einen Lunker tippen. Der könnte durch einen Hot-Spot entstanden sein, dann müsste nach der WZ-Temperatur oder der Massetemperatur geschaut werden (wahrscheinlich zu niedrig).

      Ein Bild vom Fehler wäre sehr hilfreich.

      mfg Daniel
    • Hallo Charly,

      Du hast Dir ja jetzt hier einen ganzen Teil an Lösungsansätze mit auf den Weg bekommen.

      Seit Ihr den bei der Abmusterung mit dabei ?
      Ich würde mir an eurer Stelle Blätter mitnehmen, wo Ihr für euch die eingestellten Werte dokumentiert.
      Sprich bei jeder Änderung, irgendwann werdet Ihr hier ein gutes Ergebnis finden und dies sollte dann auch mit dem
      Lohnfertiger als HV festgelegt werden.

      Wenn dieser einen so guten Ruf hat, wird er sicher auch einen erfahrenen MA bei dieser Abmusterung an die Maschine
      stellen.

      Und ganz wichtig, nehmt euch Zeit dafür.

      Immer nur einen Wert ändern, warten, Teile begutachten und analysieren.
      Bei Temp. Änderungen der Masse oder Werkzeuge braucht es ein wenig länger.

      Grüße
    •      
    • Hallo,

      die Abmusterung soll diese Woche stattfinden, angeblich ist noch kein Material vorhanden. Die Teile bestehen aus PP Regranulat. Fotos von den Teilen werde ich auch machen. Der Chef der Firma sagt ,,Da es sich bei diesem Material um ein Regranulat handelt, kann nicht immer dieselbe Qualität oder Zusammensetzung garantiert werden.
      Deshalb kann es zu solchen Problem kommen".


      Ist das so? Oder ist das nur eine Behauptung um die Schuld der fehlerhaften Teile von sich zu weisen?
    • charly250 schrieb:

      Der Chef der Firma sagt ,,Da es sich bei diesem Material um ein Regranulat handelt, kann nicht immer dieselbe Qualität oder Zusammensetzung garantiert werden.
      Deshalb kann es zu solchen Problem kommen".
      Wenn der Chef professionelle Prozessleute hat, oder er selbst Spritzgussprofi ist, dann müßte er das an der Maschine (Prozessmessmaschine) messen und nachweisen können!
      Bei Regranulat sind die Viskositätsschwankungen oft größer, was bei der Produktion in der Trendgrafik mit dem Mitschreiben des *Umschaltdruck-Wertes* (Spreizung +- 10%) sehr gut erkennbar ist! Wer Prozesse visuaisiert erkennt schon von vornherein sehr viel .... :thumbsup: Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es sich hier um *Lunker* handelt (bei PP schnell möglich)!
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    • Die Firma, welche die Teile gespritzt hat sagt, es wäre die gleiche Maschine gewesen mit der Produziert worden ist. Werkzeug gibt es nur eins. Angeblich ist es das gleiche Material gewesen, was bei den vorherigen Chargen auch verwendet wurde. Parameter sollen auch die gleichen gewesen sein.

      Die vorherigen Chargen wurden nicht beanstandet. Kann es doch am Material liegen?
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    • Moin,

      sind auf dem Teil außen Schlieren zu erkennen? Kann das auf dem Bild leider nicht genau sehen.
      Ich würde unbedingt prüfen ob das Material trocken ist. PP nimmt zwar kein Wasser auf aber es könnte ja z.B: "im Regen gestanden haben".
      Wenn es Regranulat ist, dann wäre auch eine Materialvermischung/ Unverträglichkeit möglich. Dafür dann einfach einen Versuch mit einer 1A Ware machen.
      Mach mal eine "Brandprobe" damit kann man recht gut feststellen ob da vielleicht anderes Material drin ist.

      mfg Daniel
    • Der Chef der Firma sagt ,,Da es sich bei diesem Material um ein Regranulat handelt, kann nicht immer dieselbe Qualität oder Zusammensetzung garantiert werden.
      Deshalb kann es zu solchen Problem kommen".

      Trotzdem muss diese Qualität nicht akzeptiert werden. Das gehört klar zur Qualitätssicherung, dass solche Fehler nicht auftreten. Kann mal passieren, darf aber nicht. Hier sehe ich aber ganz klar einen Materialfehler, der vom Spritzgießer - der offensichtlich auch das Material beschafft - zu verantworten ist. Stichwort: Wareneingangskontrolle. Dass Material kritiklos und ohne zu prüfen verarbeitet wird, ist weit verbreitet, da prüfen und kontrollieren immer Geld kostet, was man nur scheinbar sparen könnte.
      Ich sehe hier keine Vakuolen, sondern ganz klar aus irgend einem Grund eine aufgeschäumte Struktur. da die Bläschen auch im dünnwandigen Bereich mehrfach und deutlich zu finden sind. Wenn das Bild rechts unten die offene Oberfläche zeigt, kann man auch hier deutliche Oberflächenfehler (Schlieren) erkennen. Ehrlich: Diese Fehler hätten dem Maschinenführer ebenfalls auffallen müssen, denn ich kenne es so, dass man an der Maschine - gerade beim Anfahren - mal ein paar Teile zerbricht oder aufschneidet, um zu sehen, wie es innen aussieht.