Oxidation vom PA6 GF30 beim Einspritzen.

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    • Oxidation vom PA6 GF30 beim Einspritzen.

      Servus.

      Wir spritzen zu 80% dickwandige Teile.

      Größtes Problem sind Wandstärkensprünge und die Ausgasung vom Material.

      Hauptsächlich, wenn helle Farben wie weiß oder hellgrau verwandt werden, sieht es dementsprechend auch unschön aus.

      An der Farbe liegt es nicht, denn schon Naturteile sind gelbbraun.

      Einzig Temperatur sehr weit runter und langsames einspritzen bewirken eine Verbesserung.

      Gibt es Ideen zu der Problematik?
      Dateien
      • IMAG2383.jpg

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      ..:: Gruß von Kuka ::..
      ..:: Alle sagten es geht nicht. Dann kam einer, der das nicht wusste, und tat es ::..
    • Dafür braucht ihr spezielle Spritzeinheiten wegen der hohen Verweilzeiten. Meistens sind die Zylinder komplett überdimensioniert, und der Kunststoff kommt schon in der Einzugszone (3-Zonen-Schnecke) in die Schmelze. Ergebnis: Schlechte bis keine Entgasung.
      Ziel muss sein, dass der Kunststoff erst in der Kompressionszone in den plastischen Zustand übergeht ....
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    • Kann es sein, das du (@Kuka) das Thema schon mal gepostet hast?
      PA6 GF30 weiss

      Du kannst es mit einer deutlich längeren Kühlzeit probieren. So, dass das PA beim Entformen aus dem kritischen Temperaturbereich heraus ist. Ansonsten nur mit thermisch stabilisiertem Material. Nachträglich (per Batch) stabilisieren geht nicht. Ansonsten wie in dem Thread beschrieben: anderes Material probieren.
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    • petersj schrieb:

      Kann es sein, das du (@Kuka) das Thema schon mal gepostet hast?
      PA6 GF30 weiss

      Du kannst es mit einer deutlich längeren Kühlzeit probieren. So, dass das PA beim Entformen aus dem kritischen Temperaturbereich heraus ist. Ansonsten nur mit thermisch stabilisiertem Material. Nachträglich (per Batch) stabilisieren geht nicht. Ansonsten wie in dem Thread beschrieben: anderes Material probieren.
      Hey,

      Warum denkst du an kritischen Temperaturbereich bei der Entformung? Da stehe ich jetzt aufm Schlauch.
      Wenn die Reduzierung der Temperaturen und langsameres Einspritzen das Fehlerbild verbessern, kommt mir zuerst die Verweilzeit in den Sinn. Beginnt da schon die Schädigung, wird es durch schnelles Spritzen ja nicht begünstigt.

      Oder laufe ich gerade voll am Thema vorbei? ?(
    • Bei einigen PAs in hellen Farben haben auch wir die Erscheinung, dass die Spritzlinge bei zu kurzer Kühlzeit nach der Entformung vergilben bzw. richtig braun werden. Dieses ist besonders gut zu beobachten bei den Spritzkuchen: Ins Freie gespritzt und die Dinger werden schnell braun. Fährt man einen schnellen Zyklus (nicht wie bei uns im Labor), ist die Entformungstemperatur evtl. noch sehr hoch. Lässt man nun eine etwas längere Kühlzeit laufen, kommt an das Material fast kein Sauerstoff (im geschlossenen Werkzeug, weil Kavität ist ja voll und durch die Entlüftungen kommt kaum wieder was ins Werkzeug). Dadurch kann die Oxidation minimiert werden. Ab einer zu testenden Spritzkörpertemperatur findet dann also keine Oxidation mehr statt - zumindest nicht in dem dargestellten Umfang. Ok, das Vergilben kommt nicht bei jeder Rezeptur vor, weil es durch andere Farbmittel oder eine additive Temperaturstabilisierung gehemmt werden kann. Oder es wird durch einen deutlich höheren Pigmenteinsatz sozusagen "überfärbt". Es muss auch nicht zwingend die mechanischen Eigenschaften beeinflussen. Es ist meistens einfach nur unschön, wenn z.B. ein Weiß gewünscht wird und es kommt ein scheckiges Braun an der Oberfläche heraus. Diese Oxidation findet nur an der Oberfläche statt. Dazu kommt - wie bei Kuka eben - das die Teile auch noch sehr dickwandig sind, heißt: es sind recht große Wärmespeicher. Da Kunststoffe zusätzlich schlechte Wärmeleiter sind, ist die Oberfläche durch die relativ kalte Werkzeugwand zwar fest genug um zu Entformen, jedoch strahlt die Wärme aus dem Inneren des Spritzteils wieder nach und bringt die Oberflächentemperatur des Spritzlings wieder in den "kritischen Bereich". Und das begünstigt oder besser fördert dann wieder die Oxidation der Oberfläche.
      Bei uns ist es auf Grund der "gemütlichen" Zykluszeiten eben so, dass zwar der Spritzkuchen beim Spülen sch... aussieht. Die Spritzkörper zeigen dieses Verhalten dann aber nicht mehr. (Vielleicht erinnerst du dich ;) ).

      Das Problem ist doch Folgendes: Der Kunde möchte ein möglichst günstiges Spritzteil haben. Der Spritzgießer möchte daran aber trotzdem noch gut verdienen. Je mehr, desto besser. Soweit alles gut. Dann wird ggf. am grünen Tisch eine Kalkulation gemacht. Werkzeugbau, Maschinenstunden und vermeintliche Erfahrungen mit einem Material aus der gewählten Kategorie ergeben dann die Kalkulation. Die Konsequenz ist aber, der Spritzgießer versucht ein Material zu kaufen, das in seinen Augen preisgünstig ist und das klappt auch. Das Material gibt er dann an seinen Einrichter, der daraus tolle Teile produzieren soll. Und der hat natürlich auch noch den Ehrgeiz eine möglichst kurze Zykluszeit zu programmieren und zu fahren, damit der Betrieb weniger Maschinenstunden für das Produkt braucht. Klar, spart auch noch mal wieder Geld. Und nun werden die Teile nach der Entformung braun. Eine Verlängerung der Kühlzeit kommt aber gar nicht mehr in Frage, weil dann die ganze Kalkulation nicht mehr passt. Aus dem gleichen Grund kann kein anderes Granulat bezogen werden. Vielleicht auch, weil das erste Produkt für das Fertigteil spezifiziert wurde, ein Materialwechsel mit den ganzen Freigaben sehr aufwändig ist und schon daher nicht mehr in Frage kommt. Den Einkäufer lasse ich hier mal außen vor, obwohl der natürlich auch noch ein Glied der Kette ist. Gibt der Kunde das Material vor, müssten vor der Kalkulation eigentlich ausgiebige Spritzversuche gefahren werden, um die Kalkulation zu untermauern. Aber welcher Lohnspritzer hat i.d.R. schon die Zeit und Maschinen kostenlos erstmal einiges zu testen - wenn er das Werkzeug erst bekommt, wenn der Vertrag fix ist?
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    • Etwas Spät aber vielleicht hilfreich. Wir haben einen dickwandigen Pa6 GfF30 Artikel, der in weiß gespritzt werden . Farbe schlägt beim Einspritzen um (teilweise danach) . Zumindest den ersten Effekt konnten wir durch den Einsatz von Stickstoff beseitigen. Kavität mit 10 bar Stickstoff füllen . Einspritzvorgang entsprechend verzögern bis Werkzeug mit Stickstoff gefüllt ist und dann füllen. Es kommt nicht mehr zu Verbrennungen bzw. einer thermischen Schädigung. Nach dem Entformen kommen die Teile in ein Wasserbad um ein nachträgliches Umschlagen der Farbe zu verhindern. natürlich nur hilfreich wenn man entsprechende Peripherie hat und gewillt ist das Werkzeug anzupassen. Zyklus verlängert sich auch um die Sekunden der Einspritzverzögerung. Ist zumindest eine Möglichkeit , wenn alle Stricke reißen.