Fließzahl als Überwachung

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    • Fließzahl als Überwachung

      Guten Morgen,

      Folgendes hat sich gestern in unserer Spritzerei beobachten können.

      Die Fließzahl schwankte nach jedem 2-3 Schuss um 18bar! Und dabei ist es dazu gekommen, das der gespritzte Artikel nicht ausgefüllt war. (Ca 30%) weniger.

      Polster und Einspritzzeit haben auf das Zehntel gepasst. Daraus könnte ich nichts ableiten.

      Daten:
      Dosierweg 80mm, Staudruck 100bar, Dekompression 10mm Zylinder - Temperaturen 280 - 265C.

      Material PA 6.

      Da mir die Parameter eig ganz gut gefallen haben, erhöhte ich etwas die Dekompression (3mm) und siehe da, Teile blieben voll und die Fließzahl war konstant.
      Kann mir das jemand erklären?
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    • Hallo Deko,
      Wir arbeiten nicht mit der Fließzahl, musste ich aber auch noch nie. Ich würde aber mal vermuten, dass du Schwankungen in der Viskosität hast, deine Rsp nicht sauber schließt oder Auswaschungen im Zylinder hast (Leckstrom, weniger komprimierte Masse, weniger Druck). Die Verweilzeit würde ich mal ausklammern, da es nur alle 2-3 Schuss auftritt.
      Aber eventuell liege ich auch ganz falsch, dann möge mich bitte jemand korrigieren. :)
    • Hallo @Deko,

      die Antwort auf deine Frage ist leicht erklärbar: Entgegen allgemeinem Glauben muss die RSP nach dem Dosieren schließen. Das geschieht mittels *Kompressionsdifferenz des Materials vor der RSP und dem Material hinter der RSP*. Dafür muss die Kompression hinter der RSP durch die Dekompression (Schneckenrückzug nach Dosieren) soweit abgebaut sein, dass der Kompressionsdruck vor der RSP in der Lage ist, den Sperring sauber an den Dichtring zu drücken.
      Und in deinem Prozess war diese *optimale Druckdifferenz* mit den 3 mm höherem Schneckenrückzug erreicht und die RSP hat bei jedem Schuss sauber geschlossen.

      Bei optimalem Staudruck 50-60 bar ist dieses in der Regel mit 10% vom Dosierweg erreicht. Bei deinem Prozess muss es mehr sein (13 mm), da das Massepolster zu groß ist, das optimales Massepolster ist 5-10% vom Schneckendurchmesser! Zudem hast du 100 bar Staudruck = 5 to Kraft(!!), gegen die das Material in den Zylinder eingearbeitet wird und dadurch hohe Kompressionsenergie aufnimmt. Auche sehr hoher Energieverbrauch!!!
    • Hallo @Berens,
      Ist es so gemeint, dass die Rsp nach der Dekompression schon auf Spritzlage stehen soll? Mir wurde beigebracht, dass die Rsp beim Einspritzen schließt. Die Rsp liegt ja in vorderer Lage beim Dosieren, die Dekompression ändert ja nichts an der Lage? Habe ich beim Einspritzen nicht genug Entlastung, habe ich einen Masserückfluss. Soll die Rsp nach der Dekompression schon abdichten, muss ich ja "austesten" wann die Masse noch komprimiert genug ist um die Rsp in Dichtlage zu bringen? Oder verstehe ich das jetzt völlig falsch? :/
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    • BastiWest schrieb:

      Ist es so gemeint, dass die Rsp nach der Dekompression schon auf Spritzlage stehen soll?
      Ja :thumbsup:

      BastiWest schrieb:

      Mir wurde beigebracht, dass die Rsp beim Einspritzen schließt
      Ist doch das Problem: Spritzgießer werden schlecht ausgebildet!

      BastiWest schrieb:

      die Dekompression ändert ja nichts an der Lage?
      Lies meinen Text noch einmal in Ruhe durch, und versuche es dir vorzustellen ....
    • BastiWest schrieb:

      Soll die Rsp nach der Dekompression schon abdichten
      Ja :thumbsup:

      BastiWest schrieb:

      muss ich ja "austesten" wann die Masse noch komprimiert genug ist um die Rsp in Dichtlage zu bringen
      Funtioniert bei 60 bar Staudruck und 10%Dosierweg als Schneckenrückzug .... Ausser bei TPE's, da die erheblich mehr Druckenergie aufnehmer .... da soll der Staudruck dann ja auch nur 1/10 betragen ....
    • Nachdem ich es nochmal las, ergab es sich mir. :)
      Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich schlecht ausgebildet bin. Aber man lernt ja immer dazu. Und viel habe ich mir in Eigenarbeit beigebracht (mein Beruf ist schon sowas wie ein Hobby :D ). Aber man lernt immer etwas dazu!
      Mich interessiert jetzt aber ganz besonders ob man es "testen" muss, oder sich nur mit den 5-10% rantasten muss. :)
      Standard in den Programmen (bin neu in der Firma) sind 25ccm und 10ccm/s für die Dekompression. Ungeachtet der Dosierung und des Schneckendurchmesser.
      PA6 und 60 bar Staudruck.
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    • BastiWest schrieb:

      Mich interessiert jetzt aber ganz besonders ob man es "testen" muss, oder sich nur mit den 5-10% rantasten muss.
      Wenn du ein *Rantaster* bist, würde ich die Qualität deiner Ausbildung nach wie vor in Frage stellen, nicht persönlich nehmen, kannst ja nichts dafür ....

      Testen kannst du das ganz einfach mit Hilfe der Kurvengrafik .... Beherrscht du das *Visualisieren des Prozesses* (die Technik gibt's in den SGM's schon 35 Jahren) ....
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    • Grafiken kann ich durchaus lesen und für mich auch Rückschlüsse ziehen. Ich arbeite auch gerne damit. Bringe ich sowas aber an, dann kommen Dinge wie "Das braucht man nicht: schalte doch einfach die Polsterüberwachung aus die Zeile sind ja gut.". Sicher eine Lösung für andere, aber nicht für mich. :D Ich bemühe mich immer die Schmelze und die Maschine "zu sein".
      Ich bin auch meist Ansprechpartner, obwohl ich neu bin, wenn es Probleme gibt. Aber manchmal stößt man auf seine Grenzen oder sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht und kommt nicht drauf.
      Unsere Einrichter in der Ausbildungsfirma haben auch mal ganz entspannt 20mm Dekompression bei 10mm Dosierung eingestellt. Hat funktioniert, mich aber auch stutzig gemacht. "Warum denn so viel?" "Haben wir immer so gemacht". :thumbdown:
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    • Ich habe hier auch eine ganze Zeit mitgelesen und bin von Ihren Lösungen und der Rangehensweise total überzeugt.
      Nach 10 Jahren in der Produktion stumpft man ja auch manchmal etwas ab. Hier frischt es doch immer mal wieder was auf. :P Ich würde auch gerne mal wieder mein Wissen erweitern und den einen oder anderen Lehrgang belegen, auch bei Ihnen. :thumbsup: Ob die Firma das allerdings übernimmt, ist die andere Frage. :S
    • Vielen Dank.

      Leider ist es bei uns so, das wir sehr viel Mahlgut verfahren und ständig Probleme mit nicht vollen Teilen haben. Spricht man das Thema aber an, will niemand was davon hören. Und so ist es auch mit den Einstellparametern...

      Wir werden wohl immer herum basteln müssen, damit Teile heraus kommen. Denn einen Sicheren Prozess haben wir fast nirgendwo!
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