Liquid Masterbatches

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Liquid Masterbatches

      Hallo ihr lieben,

      ich bin verzweifelt auf der Suche nach Erfahrungsberichten bezüglich flüssigen Farben für den Spritzgussprozess.

      Wie sieht es mit der Verarbeitung und dem versprochenen Einsparpotential aus?

      Arbeitet vielleicht jemand mit flüssigen Farben oder hat es mal industriell ausprobiert?

      Ich bin dankbar für alle Erfahrungen :D und Hinweise

      Liebe Grüße
      Tinka
    • Hmmm. . .
      Wie du an der großen Resonanz siehst, gibt es offensichtlich nicht sehr viele in diesem Forum, die mit flüssigen Farben arbeiten. Das liegt sicherlich auch daran, dass diejenigen, die sie propagieren, meistens nicht wirklich damit arbeiten müssen. Wird mit flüssigen Farben gearbeitet, entstehen immer wieder die gleichen Probleme:

      1.) Die Reinigung der Maschine (Eizugsbereich und Trichter): Beide Teile müssen bei Farbwechseln sehr aufwändig gereinigt werden. Die flüssige Farbe haftet in jeder Pore und man braucht lange um wirklich alles zu entfernen.
      2.) Das Dosieren der Farben ist meistens nicht ganz einfach. Entweder es wird in einem Mischer auf das Granulat aufgebracht oder man dosiert es mit einer Flüssigkeitsdosierung zu. Als Mischung im Trichter kann es dann wieder passieren, dass die Farbe vom Granulat wieder abfließt, sich im Einzug sammelt und damit das Ergebnis der Einfärbung verfälscht. Eine gute Flüssigkeitsdosierung zu finden ist in der Regel auch nicht so ganz einfach. Wir haben es mal mit einer entsprechenden Einspritzanlage, wie wir sie für die Additivierung in der Compoundierung benutzen, versucht. Aber auch nur mit schlechtem Erfolg.
      3.) Es gibt eigentlich immer Probleme mit den Trägern der Farben. Sie müssen genau auf das einzufärbende Granulat abgestimmt werden. Und das ist noch problematischer, als die Anpassung eines Batches auf Kunststoffbasis. Letzten Endes ist der Anteil des Trägermaterials bei flüssigen Farben deutlich höher als bei festen Batchen.
      4.) Diese Flüssige Additivierung (und das ist es ja letzten Endes) kann oft von den Polymeren gar nicht ausreichend aufgenommen und eingelagert werden. Das Erscheinungsbild ist dann vergleichbar mit einem zu hohen Feuchtigkeitsgehalt des Rohmaterials (Schlierenbildung).

      Jeder wird dir sagen, dass es zwar "grundsätzlich möglich ist", dass es aber auch grundsätzlich mit viel Schweinkram = Schmutz verbunden ist. Da Reinigungszeit im Spritzguss verlorene Zeit ist, wird kaum jemand dieses System benutzen. Batche auf Granulatbasis sind in der Regel deutlich schneller zu wechseln
    •      
    • Hallo @Tiinka, bin erst heute mal wieder on, daher verspätet meinen Beitrag. Vorweg noch wünsche ich ein gutes und gesundes 2018!

      Wir haben Teile im Büroartikelmarkt (Prämiummarke vor der Globalisierung / Erfinder vom Ordner) hergestellt, die nur mit Flüssigfarben eingefärbt wurden. Es wurden grundsätzlich keine "vorgefärbten Granulate" verwendet, wir mussten alles gemäss Weisung der GF mit Flüssigfarben einfärben, auch transparente Teile. In dieser Spritzerei war ich 13 Jahre Spritzereileiter, was bei den geforderten sehr hohen Qualitätsansprüchen dazu führte, dass ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigen musste, denn Effizienz war auch gefragt ...! Um alle Anforderungen (geringer Umfärbaufwand, einfaches Händeln für die Mitarbeiter, Organisation u. Logistik usw.) optimal zu erfüllen, war es klar, dass wir dieses nicht mit den am Markt empfohlenen klassischen Arbeitsweisen erreichten, zumal es kaum Spritzereien gab/gibt, die durchgängin mit Flüssigfarben gearbeitet/arbeiten. So haben wir ein eigenes Knowhow uns erarbeitet, was uns in die Lage versetzte, problemlos und kostengünstig(!) auf den Spritzgussmaschinen einzufärben.

      Klar ist: Mit Flüssigfarben lässt sich kostengünstiger einfärben!

      Vorraussetzung ist natürlich ein entsprechendes technisches Knowhow (auf den größeren Maschinen Schnecken mit Mischzonen, Mischfilter, Schlauchpumpen) und das Wichtigste: Verfahrens-Knowhow! Hier ein paar Tips:
      Die Farbe muss mit einer Lanze (Röhrchen mittig senkrecht im Materialtrichter eingebracht in einem Deckel auf dem Materialtrichter) oberhalb des Einzugbereiches der Maschine im Materailstrom während des Plastifizierens "zugeimpft" werden. Auf diese Art verschmutzt die Farbe nicht den Einzugsbereich der Maschine und gleichzeitig entsteht durch das strömende Material eine gute "Vorvermischung" auf dem Weg bis zum Schneckenbereich. Umfärben: Es gibt für die Farben einen sogenannten "Verdünner" (Trägerflüssigkeit?), mit dem sich bei laufender Maschine das komplette System bis hin in die Kavität gut "spülen" lässt, man braucht nur anstatt der Farbe den "Verdünner" anschließen. Somit ist das ganze Umfärben mit entsprechender Arbeitsweise sehr schnell erledigt.

      Von @petersj erwähnte Schlierenprobleme kann ich aus diesen 13 Jahren Erfahrung mit Flüssigeinfärben nicht bestätigen.

      Weitere Fragen zum Thema bitte per Email ....

      Gruß HHB

      *Spritzguss ist mehr als nur Spritzguss*