Maschinenstörungen

    • Maschinenstörungen

      Guten Tag Herren,

      Zuerst möchte ich sagen, dass diese Seite den einen oder anderen sehr viel helfen wird und, dass es auch sehr gut gelungen ist.


      Bin ziemlich neu in der Fertigung , kenne mich eigentlich kaum aus. Das ist quasi mein erster Job direkt nach der Schule.


      Wir haben ca. 80 Spritzgussmaschinen (30%engel, 30%demag, fanuc, netstal) und sehe sehr oft, dass die Fertigung mit den Störungen kämpft und vieles nicht im Griff hat.

      Störungen wie: Massepolsterschwankungen, Dosierschwankungen, Spritzzeit überschreitungen etc...der Tagesdurchschnitt liegt ca. bei 80 Störungen, wobei nur ca 55 Maschinen produzieren.

      Meine Frage an euch wäre, wie geht ihr mit solchen Problemen um?

      Gibt es bei euch in der Fertigung auch viele Störungen?

      Habt ihr vlt. eine Checkliste , so dass der Einrichter einzelne Faktoren überprüfen und diese dann abhackerln kann, bis er die Ursache gefunden hat?

      Gibt es bei euch in der Fertigung auch viele Störungen?

      ich entschuldige mich schon vorab, weil wahrscheinlich zu wenig Information da sind, bin eben neu und versuche soviel Information aufzunehmen.

      Bedanke mich schon jetzt für eure Unterstützung.

      Mit freundlichen Grüßen
    • Moin Jayjay.
      Zuerst mal: herzlich willkommen als neuer Gast in diesem Forum.

      Nun, 80 Störungen pro Tag bei 80 Maschinen hört sich für mich erstmal eigentlich nicht nach viel an.
      Wenn ich aber höre: "Massepolsterschwankungen, Dosierschwankungen, Spritzzeit überschreitungen etc..." hört sich das eher wie "unbeherrschte Prozesse und schlecht konstruierte Werkzeuge" an. Werkzeuge, die nicht prozessgerecht konstruiert wurden. Oder die Materialien wurden nicht entsprechend vorbereitet, was wiederum heißt: falsche oder keine Vorbehandlung und vielleicht auch keine Kontrolle der Vorbehandlung (Feuchtemessung).
      Vermutlich wissen die Einrichter sogar woran es liegt, nur sie können aus den oben genannten Gründen gar nichts daran ändern.
      Sicherlich könnte man Checklisten erarbeiten, nach denen die Fehlersuche durchgeführt werden soll. Nur: eigentlich sollte jeder Einrichter auf Grund seiner Ausbildung und Erfahrung wissen, wonach er bei einem indizierten Fehler suchen muss, wie er die Suche zu gestalten hat. und wie der Fehler abzustellen ist, Und es sollte natürlich protokolliert werden, was wann warum geändert wurde und natürlich welcher Fehler da aufgetreten ist. Wird das nicht gemacht, kann so etwas auch nicht ausgewertet werden. Das führt dann meistens dazu, dass ein Fehler immer wieder auftritt nach einem Rüsten und der Eingabe des entsprechenden Programms. Auch die Programme müssen entsprechend dokumentiert werden. Nicht dass jeder ein schwarzes Büchlein hat und jeder sein eigenes Programm fährt.
      Oft sind es viele kleine organisatorische Fehlstellungen, die erst einmal behoben werden müssen. Treten dann immer noch immer wieder die gleichen Probleme auf, muss systematisch der ganze Berg von oben her abgeklopft werden. Vom Material (geeignet, ungeeignet, Qualitätsschwankungen), Vorbereitung (Trocknung ja/nein, Ausreichend ja/nein), Maschinenzustand (Größe, Zustand des Spritzaggregates, der Antriebe), Werkzeugzustand (Verschleiß, Eignung, Konstruktion) und die Programmierung (Zeiten, Wege, Drücke, Geschwindigkeiten und deren Toleranzen). Und natürlich auch die Zykluszeiten: sind die aus falschen wirtschaftlichen Gründen vielleicht viel zu kurz angesetzt? Kann vielleicht ein Prozess viel besser mit einer entsprechenden Sensorik im Werkzeug gesteuert und kontrolliert werden?
      Du siehst, es gibt viele Faktoren, die erfasst und beurteilt werden sollten, um einen "fehlerfreien" Prozess zu fahren. Auch die Qualitätssicherung gehört letzten Endes mit dazu. Und Dokumentation, Dokumentation und noch mal Dokumentation. Und das nicht nur von einer Person, sondern von allen Mitarbeitern. Dann Auswertungen und dann Änderungen.

      Ach ja: Und ggf. auch Schulungen des Personals.
    • Also ich arbeite jetzt ca. ein halbes Jahr nach der Ausbildung und mittlerweile bin ich so weit, dass ich jede Maschineneinstellung von meinen Kollegen - die teilweise Jahrzehnte in dem Beruf arbeiten! - erstmal anzweifle sobald eine Maschine auf Störung geht (kommt natürlich auch darauf an was genau die Ursache war). Lange Zeit hatte ich ja gedacht: an der Maschine war Person XY, der macht das schon seit jahrzehnten, die Maschine muss doch richtig eingestellt sein also ändere ich auch nichts.

      Aber von unsauberen Maschinenüberwachungen, unpassende Nachdrücke, falsche Kühlzeiten, schlechte Einspritzprofile war alles dabei und das auch mit wirklich massiven einhergehenden Problemen... und mit diesen Problemen wurde ich neulich an EINEM Tag an 5 verschiedenen Maschinen konfrontiert. 2 Stunden später waren alle Fehler beseitigt bzw. die Maschinen "meiner Meinung nach" optimal eingestellt und siehe da: keine Störungen mehr und nebenbei habe ich noch Zykluszeiten optimiert bei - natürlich sehr wichtig - gleichbleibender bzw. besserer Produktqualität (manchmal ist halt vorher nur Ausschuss rausgekommen). Also können sehr viele Störungen auch von schlechten Einstellparametern kommen.

      Wie war das noch gleich mit der Diskussion von wegen qualifiziertes Personal... ?(
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    • Wir hatten eine exakte Zeiterfassung, bei der Störungen tatsächlich 5 min genau auf bestimmte Artikel aufgeschlüsselt wurden.
      Am Ende konnte man auch wirklich erkennen, bei welchen Artikeln welche Problem gehäuft auftauchen.
      Wenn ich z.B. am Jahresende 8 h Störung bei Artikel a wegen Anguss habe, dann löse ich einen Auftrag für Störbeseitigung aus.
      Welcher Teil der 7 M das nun genau verursacht, muss halt analysiert werden.
      Viele Probleme bei uns waren WZ-Bedingt.
      Leider aber auch oft genug unpassende Einstellungen.

      Über die Zeiterfassung konnten wir auch mal sehen, was z.B. Nacharbeiten oder Sortieren usw. für Kosten verursacht.
      Ich war direkt "überrascht"

      Beim Massepolster kommt es natürlich auf die Toleranz an.
      Eventuell kann man diese ja höher einstellen und die Teile sind trotzdem gut, das muss man halt ausprobieren und
      die Teile auch exakt vermessen und anschauen.
      Aber das Ganze benötigt halt auch Zeit.....da muss man sich halt auch mal an die SGM für einige Stunden hinstellen.

      Grüße