Staudruck bei der Extrusion

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Staudruck bei der Extrusion

      Hallo liebe Community.
      Ich hoffe ich stoße nun nicht auf fragende Gesichter, wenn die Frage etwas komisch klingen sollte. :)
      Ich bin seit etwa 3 1/2 Jahren im Spritzguss tätig, doch man lernt ja bekanntlich nie aus und will sich über die anderen Fachrichtungen informieren.
      Da man bei Extrusionsschnecken bekanntlich keine RSP hat, frage ich mich des Öfteren wie dort der Staudruck zustande kommt. Für ‚alte Hasen‘ mag die Frage etwas lachhaft klingen, jedoch bin ich mit meinen Jährchen noch weit davon entfernt. :D

      Danke im Voraus!
    •      
    • Du meinst wirklich die Extrusion im Sinne von "Compoundierung" oder Profilextrusion?
      Mal die grundlegenden Unterschiede:
      Spritzguss ist ein diskontinuierlicher Prozess. Heißt: Extrudieren im Sinne von Dosieren, nämlich bis ein bestimmtes Volumen vor der Schnecke erreicht ist. Dieses wird dann (in den meisten Fällen) bei stehender Schnecke in die Form gepresst.
      Extrusion ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem ständig ein Massestrang aus der meistens formgebenden Düse gepresst wird. Da die Schnecke beim Extrudieren kein bestimmtes Massevolumen vor der Schneckenspitze aufbauen muss, gibt es hier also auch keine Rückstromsperre, wie sie für die meisten Produkte beim Spritzguss erforderlich ist.

      Da beim Spritzguss ein recht hoher Druck erreicht werden muss, schließt die Rückstromsperre den Raum vor der Schnecke gegen den Raum in der Schnecke (Schneckengänge) ab. Dadurch wirkt die Schnecke als Kolben. Daher auch der Name "Schneckenkolben-Spritzgießmaschine".
      Bei der Extrusion wird über die Schneckengeometrie, die Drehzahl und die lichte Öffnung der Düse der Druck aufgebaut. Ist die Düse im Verhältnis zur Förderleistung der Schnecke zu groß, kann kein zur Formbildung entsprechender Druck aufgebaut werden. Damit ist dann die Ausformung des Extrusionsstranges (welches Profil der auch immer haben soll) nicht gewährleistet.
      Steckt man nun in der Compoundierung, also der Aufbereitung einer Formmasse für ein spezielles Polymerprodukt vor dem Spritzguss oder der Formteilextrusion, gibt es i.d.R. die Möglichkeit, die Schneckengeometrie durch entsprechende Schneckenelemente für eine bestimmte Funktion (Reaktion) zu konfigurieren. Beispiel: Eine Compondierschnecke (meistens mindestens zwei, da sie im Verfahrensteil meistens mindestens paarweise ineinander kämmend angeordnet sind) besteht auf einer Gesamtlänge von z.B. 3m aus ca. 30-60 untereinander austauschbaren Einzelelementen, die auf den 3m langen Holm als Buchsen aufgesteckt werden. Förderelemente in Schneckenform haben dabei auch unterschiedliche Steigungen, um damit die Masse unterschiedlich schnell zu fördern. Muss der Masestrom an einer Stelle für einen bestimmten Prozessablauf "gebremst" und damit z.B. "gestaut werden, können Förderelemente eingesetzt werden, die eine Steigung entgegen der Förderrichtung der normalen Elemente haben. Man erzeugt damit einen "Staudruck" in der Prozesskette. Dabei muss natürlich darauf geachtet werden, dass der Massestau nicht so groß wird, dass durch diese Stauelemente nichts mehr weitergefördert wird.
      Bei der Extrusion wird also kontinuierlich Masse vom Einzug nachgefördert, die auch kontinuierlich aus der Düse austritt. Der von der Schnecke erzeugte Massestrom muss dabei so groß sein, dass das Extrudat außerhalb der Düse nicht abreist, aber der Druck in der Düse ein Niveau hat, dass eine ausreichende Formgebung erlaubt. Dieser Druck ist aber im Verhältnis zu Spritzguss deutlich niedriger.