Faustformel für Fließlängen

    • Faustformel für Fließlängen

      Gibt es für unterschiedliche Materialien (PP, PA, PC) für bspw. eine Wandstärke von 2 mm eine Faustformel für die Fließlänge des Kunststoffes. Also wenn ich bspw. einen sehr langen Stab habe, mit einer Wandstärke von 2 mm muss ich alle 200 mm eine Düse setzen, nach dem Schema. Mir geht es hier nur um eine grobe Abschätzung.
    • Ganz einfach: Nein.
      Man kann u.U. bei manchen Herstellern Daten zu einer sogenannten Fliessspirale anfordern, wenn sie so etwas spritzen können. Die Fließweglängen sind aber stark produktabhängig. Da braucht schon nur ein Buchstabe oder eine Zahl in der Nomenklatur abzuweichen und schon hat man ein anderes Produkt und damit einen anderen Fließweg.
      Allerdings spielen beim wirklichen Spritzen dann alle Parameter eine wichtige Rolle. Bei der Fliessspirale hat 1 Sekunde Abweichung in der Zykluszeit in der Summe zur Verweilzeit schon einen deutlichen Einfluss auf die Fließweglänge. Die Angaben sind also alle "relativ" und müssen haargenau interpretiert werden. Von der FLSP auf das eigentliche Werkzeug zu schließen dürfte nicht ganz einfach sein.
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    • Es hängt viel von der Teilegeometrie und der Einspritzzeit bzw. auftretenden Scherrate ab. Theoretisch lassen sich auch 1000mm bei 2mm Wandstärke spritzen, jedoch gibt es keine Maschine dafür und das Material würde dabei anfangen zu brennen, da der Temperaturanstieg durch den Druckverlust enorm wäre. Zum anderen gibt es PP und PP. Je nach Hersteller und Rezeptur ist es möglich mit Material A deine gewünschte Geometrie zu spritzen, aber mit Material B klappt es vorne und hinten nicht, obwohl beides PP ist.
      Somit schließe ich mich @petersj an und sage auch nein.
    • Um noch mal ganz auf die Eingangsfrage zu kommen:

      tsaiwu schrieb:

      . . .muss ich alle 200 mm eine Düse setzen. . .
      Klar ist dieses Verfahren auch möglich (Kaskade). Und theoretisch könnte man damit auch 2m lange Fließwege erreichen. Nur ist das dann noch sinnvoll? Bei "geraden" Teilen könnte man sogar Werkzeuge konstruieren, bei denen das Spritzteil durch verschieben der Kavität und intrusion recht lang gestaltet werden kann. Oder man spritzt (z.B. bei Wellschläuchen) etappenweise den Schlauch aneinander und kann dadurch sogar endlos lange Schläuche erreichen.
      Man muss also beurteilen: Wie soll mein Teil aussehen, welche optische Qualität will ich erreichen, welche Möglichkeiten bietet mir das zu verwendende Material, welche Möglichkeiten bieten mir die Maschinen, die ich habe, rentiert sich der größte Aufwand, den ich treiben muss überhaupt noch (Urformverfahren Spritzguss, Massenherstellung, Stückzahl).
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    • Werden eigentlich noch so Fließwegspiralen gespritzt?
      Die gab es doch mal früher als Anhaltswerte ....
      Wir haben auch noch so ein Werkzeug im Archiv :)

      Letztlich ist für die Fließfähigkeit vorallem das PVT Daten Diagramm wichtig....
      Das wird auch für Simulationen in den Differenzialgleichung im Algorithmus verwendet.
      Deswegen ist auch der MFI oder MFR oder halt MVR immer relativ und sagt für mich
      zu wenig aus, weil keine unterschiedlichen Drücke verwendet werden.
      Und Druckunterschiede sind nun mal vorhanden.
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    • Ich denke mal Luemmel hat es einfach verwechselt.
      Der MFI/MVR ist nur für die Extrusion wichtig. Im Spitzguss kann es passieren, dass ein Kunststoff mit einem MFI von 10 einen höheren Fülldruck benötigt als ein anderer Kunststoff mit einem MFI von 5. Klingt für viele erstmal widersprüchlich, aber das zeigt einfach gut auf, dass ein MFI nur eine Scheininfo ist und wenn 99% der Kunden dies so hinnehmen, wieso ändern?
    • @Luemmel
      Ja, Fliesspiralen (FLSP) werden immer noch gespritzt - zumindest bei uns als Compoundeur. Es nimmt sogar mit der Zeit immer mehr zu. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es nicht die Kunden sind, die dieses anfordern, sondern unsere Entwickler und Anwendungstechniker. Bei einigen wenigen Produkten gehört die FLSP sogar zur Spezifikation und ist auch freigaberelevant.
      Allerdings werden manchmal unterschiedliche Materialien verglichen, die mit zwangsweise unterschiedlichen Parametern (Temperaturen) verspritzt werden müssen. Das halte ich dann für "unglücklich".
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    • Sorry, Viskositätsdiagramm meinte ich.
      Das PVT Diagramm dient der Simulation, damit man sehen kann,
      ab welchem Druck in Temperaturabhängikeit noch eine Fließfähigkeit vorhanden ist.
      Mit diesem Diagramm kann man bestimmen, ob Fließfronttemperaturen noch ausreichend hoch sind,
      damit sie miteinander verschweißen.