Schimmel und Zersetzungsprozesse auf Vinyl-Schallplatten

    • Schimmel und Zersetzungsprozesse auf Vinyl-Schallplatten

      Guten Tag in die Runde!

      Dank Google habe ich dieses Forum gefunden und hoffe hier Kenner der Materie zu finden.

      Ich sammel Schallplattten die ich auf Trödelmärkten erwerbe und immer wieder begegnen mir
      Singles (bei LPs hab ich dies noch nicht beobachtet - kann aber auch an der geringeren Anzahl
      liegen die ich auf Märkten durchsehe) die unerklärliche schimmelartige Veränderungen aufweisen.

      Je nach Fortschritt der Krankheit bekommen die Platten Flecken die teilweise 2-3 cm
      rundliche Flächen ausmachen.
      Die Flecken erinnern an Wasserflecken auf Butterkäsescheiben (auch weißlich), man kann sie
      nicht wegreiben meistens kann man sie nicht erfühlen, sie können aber auch erhaben sein.

      Es ist aber kein Phänomen das jetzt speziell Platten betrifft, wo man schon am Cover den
      Zerfall wegen feuchter/nasser Lagerung erkennen kann.
      Mir begegnen solche Schallplatten auch deutschlandweit.

      Bei Billiglabels scheint der Fehler häufiger aufzutreten.
      Am letzten Wochenende hielt ich mal wieder eine Platte in Händen die von einer Seite
      bereits eine mikrogekräuselte Oberfläche aufwies.
      Dabei war die Platte nicht verzogen wie Platten mit Hitzeschäden.

      In meinem erste Post stelle ich eine Metronome-Pressung vor, diese weißt einen Befall im Endstadium auf.
      Die Beulenpest ist erhaben, läßt die Platte an befallenen Stellen wachsen.
      Fährt man mit dem Finger drüber spürt man die Hügeligkeit.
      Der Befall pflanz sich auch unter dem Label fort.

      Hat jemand eine Erklärung?

      Gruß
      Dateien
      • P1010850.JPG

        (999,45 kB, 6 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • P1010852.JPG

        (799,74 kB, 6 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • P1010852.JPG

        (799,74 kB, 5 mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • Gaaanz alte Platten sind ggf. noch aus Schellack. Das ist ein Naturprodukt der Lackschildlaus Kerria lacca (Pflanzenläuse, Familie Kerridae). Das kann natürlich mit den Jahren wieder anfangen zu "leben". Vor allem, da die Platten ja nicht immer mit klinisch sauberen Händen angefasst wurden (wie auch im einen Bild an den verschimmelten Fingerabdrücken zu sehen ist). Die, die später schon aus Vinyl gepresst wurden erleiden oft ein ähnliches Schicksal mit dreckigen Händen, Ablagerungen und Gtränkereste etc.
      Da Schallplatten gepresst und nicht gespritzt werden, könnte es natürlich auch sein, dass das Material "geschichtet" wurde. In die Mikrospalte setzen sich dann auch "Viecher" die bei gutem Klima dann zur Vermehrung neigen und dadurch die Schichten dann aufblähen.

      Vermute ich mal so. . .
    • Danke Peter für die erste Reaktion.

      Nein es sind keine Schellackplatten. der Fingerabdruck ist von mir. Das ungewöhnliche ist das alle Platten sehr sauber sind,
      sehr gepflegt.
      Sie stammen aus der Zeit von ca. 1965 - 1972.
      Ich hatte 105 Schallplatten aus 2 Kartons von mehr als 400 Stück Singles gekauft.
      Die Platten sollen auf dem Dachboden (nördl. BW) gelagert worden sein, in Kartons.

      Die Schallplatten sind von verschiedenen Herstellern, nur die 2-3 Metronome und eine PYE-Hitton Pressung waren befallen.

      Nach meinem Kenntnisstand werden die Platten aus einem Klumpen, ähnlich Pizzateig, gepresst, wo siehst Du da den Schichtaufbau?

      Ich habe hier weitere Bilder:
      Bei dieser Pressung hat sich ein Belag gebildet, auf dem Foto wirkt er weiss, tatsächlich ist er stumpf, er ist sogar rauh.
      Fahre ich mit dem Fingernagel in Laufrichtung der Nadel über die Platte ist ein Kratzen an den befallenen Stellen hörbar,
      bei den unbefallenen Stellen kein Laut!
      Es ist übrigens nur eine Seite befallen!
      Ungewöhnlich ist auch der Befall in seiner geometrischen Ausrichtung. Die Platte ist nicht gleichmäßig befallen.
      Kann das an der Materialmischung liegen?
      Ich habe total verdreckte Platten erworben, die haben schlechter gelegen, keine weißt diese Schäden auf.
      Sehr wohl begegnen mir immer wieder Platten mit solchen Schäden, oft weisen auch die Hüllen auf Feuchteschäden hin.
      Dateien
      • P1010853.JPG

        (830,49 kB, 5 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • P1010854.JPG

        (540,25 kB, 3 mal heruntergeladen, zuletzt: )
    •      
    • Hier zum Schluß möchte ich Euch noch die PYE-Hitton-Pressung zeigen.
      Die Rückseite der Hülle zeigt kleine braune Stockflecken, dementsprechend ist auch nur die Schallplatten-
      Rückseite befallen.
      Die Flecken gehen nämlich durch das Papier!
      Offenbar lag diese Platte als oberste oder unterste auf einem Plattenstapel, denn die Vorderseite ist
      nicht befallen, die Platte nicht und auch nicht das Papier!
      Durch Reiben mit dem Daumen auf der Auslaufrille konnte ich den natürlichen Glanz wieder
      herstellen, ich hoffe die Platte mit Zahnpasta als Schleifmittel retten zu können.

      Ich weiß zwar was mit einem Blech passiert wenn ich es in den Regen lege, aber wie verhält sich Vinyl?
      Tatsache ist das es verschiedene Mischungen gibt, schon zwischen Singles und LPs soll es Unterschiede geben.

      - Gibt es einen natürlichen Zerfallsprozeß?

      - Spielt die Lagertemperatur eine Rolle? Siehe Zinkspritzguß!

      - Wie reagieren Schallplatten auf andere Kunstoffe?
      Schallplatten werden oft in PVC-Hüllen oder Japan-Hüllen (nahezu luftdicht!) gelagert.
      Von Prospekthüllen weiß man das frühere Produkte mit Toner reagieren, was muß beim Umgang
      mit Vinyl beachtet werden?

      Wenn man z.B. Plattenhüllen mit Klebstoff (UHU o.ä.) an den Kanten zusammenklebt, besteht Gefahr das der
      Klebstoff der in das Papier (hier Singles) einzieht, eventuell mit dem Vinyl reagiert?

      Bisher galt die Schallplatte als sicherer Datenträger!

      Vielen Dank im voraus für eventuelle Stellungnahmen!
      Dateien
      • P1010858.JPG

        (599,55 kB, 2 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • P1010859.JPG

        (671,96 kB, 1 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • P1010861.JPG

        (982,74 kB, 1 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • P1010856.JPG

        (949,85 kB, 2 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • P1010857.JPG

        (896,63 kB, 1 mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • Da es sich bei Vinyl Schallplatten - wie der Name schon sagt - um den Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid) handelt, könnte ich mir vorstellen, daß es mit bestimmten Substanzen - die in den div. Verpackungen (Hülle aus Plastik, Papier o.ä) oder mit denen die Platten auf andere Weise jegliche Art in Berühung gekommen sind, zu einer chemischen Reaktion gekommen sein. Auf Grund des Alters der Platten wird die Oberfläche des Kunststoffes wahrscheinlich auch durch die natürlichen Umwelteinflüsse mehr oder weniger angegriffen sein und somit auch leichter durchdringbar. Bei thermischer Zersetzung von PVC entsteht z. B. HCL (Salzsäure); u.U. kann dies evtl. vielleicht auch bei anderen Prozessen erfolgen und dadurch wird das Gefüge an/unter der Oberfläche angegriffen und verändert sich farblich ....

      Möglich, das dies alles nur spekulativ ist .... aber weiss :)

      Grüße und sammel schön weiter
    • Plastik oder wie wir lieber sagen "Kunststoffe" sind nicht zwangsläufig gegen Zersetzung geschützt. Das wird idR. durch entsprechende Additive erreicht. Zwar ist die Zersetzungszeit der meisten Kunststoffe recht lang, es ist aber durchaus nichts Ungewöhnliches, wenn Kunststoffe mit den Jahren ihre Eigenschaften verlieren. Und dafür müssen sie nicht zwangsläufig in der Sonne oder im Wasser liegen. Dieses begünstigt den Prozess aber in der Regel. Also können auch Ausdunstungen anderer umgebender Artikel zu einer Zersetzung oder Degradation führen.
    •