Kennzahlen in der Spritzgussfertigung

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    • Kennzahlen in der Spritzgussfertigung

      Hallo,
      als neuer Mitarbeiter im Bereich Qualität soll ich für den Spritzgussbereich Kennzahlen definieren. Zum einen Frage ich mich welche Kennzahlen im Bereich der Qualität üblich und sinnvoll sind und welche im Bereich der Fertigung. Zum Hintergrund evtl. auch noch. Die Produktion läuft in Ungarn und sollte von uns in Deutschland kontrolliert/überwacht werden, d.h. wir benötigen Zahlen, Daten, Fakten, KPI´s oder ähnliches um den Bereich wieder auf Spur zu bringen.
      Kann mir hier jemand helfen?

      Mit freundlichen Grüßen
      Tobias
    • Komisch, dass sich hier keiner von den "Qualitötern" aus dem Spritzguß meldet.

      Sicherlich müssen die Fakten spezifisch auf jeden Betrieb und jedes Formteil separat erfasst und erst danach festgelegt werden. Welche Fakten erfasst werden sollen müssen vielleicht vorher schon mal erfasst werden: Sensorisch (Geruch, Haptik), farblich (visuell, messtechnisch), mechanisch (Zug-, Biegefestigkeit etc.), maßlich (Länge, Breite, Tiefe etc.). Wenn man dann erfahren hat, welche Parameter zum Ausschuß führen, können die zu untersuchenden Punkte festgelegt und dann auch statistisch erfasst werden. Sicherlich wird man zuerst einmal versuchen alle Parameter zu ermittel. Dann kann per Ausschluss der Aufwand reduziert werden. Dann muss man natürlich untersuchen, warum die geforderten Grenzwerte nicht erreicht wurden. Erst dann kann man entsprechende weitere Maßnahmen starten.
      Welche "Kennwerte" hier zur Anwendung kommen sollen, muss für jeden Betrieb und jedes Formteil -ggf. auch für jedes Polymer und jede Farbe - separat festgelegt werden. Und diese Kennwerte werden sich im Laufe der Zeit immer wieder ändern.
    • @petersj, kannst den Begriff "Qualitöter" mal erklären, weiss nicht, was damit gemeint ist .......

      @TLorenz, ich gehe mal davon aus, dass ihr über *Prozess-Kennzahlen* nachdenkt?! Für die qualitätsrelevanten Prozess-Kennzahlen der Spritzgussteile ist die *Verfahrenstechnik-Spritzguss* zuständig und das beginnt schon bei der Musterung. Beim Einfahren zum serienfähigen Prozess müssen individuell für jedes Spritzgussteil qulitätsbeeinflussenden Kennzahlen festgelegt werden und die dafür notwendigen Toleranzen auch. Die konstante Ausformung in der Kavität (beeinflusst durch die Verdichtung des Kunststoffes während der Schwindungsphase/Nachdruck...) lässt sich sehr gut über die Kennzahl *Schussgewicht* (kompletter Schuss ohne Angüsse) feststellen. Stabiler Prozess bedeutet, dass das Schussgewicht innerhalb einer Toleranz +/- 5% liegen muss. Irrtümlich werden oft *total konstante Gewichte* als besonders GUTer Prozess betrachtet, zeigt aber, dass solche Prozesse komplett im *Überladungsmodus* laufen, was wiederum für die Quailität hinsichtlich mechanischer Belastung des Formteiles schlecht ist (wegen Druckspannungen).

      Letztendlich bleiben für eine Aussage zur Teilequalität nur Kennzahlen des Formteiles aussagefähig (messen uns wiegen). Wenn das Überwachen während des Prozesses online passieren soll, bleibt nur
      - das Wärmebild und
      - das Schussgewicht oder Werkzeuginnendruck.
      Nur mit diesen beiden Kennzahlen ist eine *Online-QS* möglich.
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    • ;) Als "Qualitöter" sehe ich die Leute, die einen eigentlich gut laufenden Prozess mit geringen Schwankungen (wie auch von dir beschrieben) auf theoretischem Weg so lange optimieren (wollen) - z.B. an hand von Einengung der Toleranzen - bis die wirklich vorhandene gute Qualität wegoptimiert (getötet) worden ist. Oft wird dann ein "zurück zu den Wurzeln" nicht mehr möglich sein, weil die "Kennzahlen" damit dann ad absurdum geführt werden. Und das wird von vielen Qaltitätsüberwachern nicht akzeptiert.
    • Mal eine reine Interessensfrage. Willst du die Qualität der Kunststoffteile erfassen oder auch die Qualität des Prozesses? Wie @Behrens es schon erklärt hat, ist die Qualität des Artikels stark von Prozess abhängt und die meisten Quali-Mitarbeiter achten nicht darauf. Wenn du schon die Gelegenheit hast neue Kennzahlen zu definieren, würde ich die Chance nutzen und den Prozess qualitativ sinnvoll erfassen. Erfordert zwar dann eine ordentliche Prozessüberwachung, macht am Ende aber am wenigsten Arbeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von 1u21 ()

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    • @petersj irgendwie stehe ich da völlig "auf dem Schlauch", was heisst

      "einen eigentlich gut laufenden Prozess mit geringen Schwankungen (wie auch von dir beschrieben) auf theoretischem Weg so lange optimieren (wollen) - z.B. an hand von Einengung der Toleranzen - bis die wirklich vorhandene gute Qualität wegoptimiert (getötet) worden ist" .......?

      Warum optimieren (*Qualität töten*), wenn die Qualität in Ordnung ist .......? ?(
    • Was 1u21 sagt, ist auch ein Problem - liegt aber nicht in der Hand der Qualitäter.

      Was ich meine, versuche ich mal an folgendem Beispiel zu erklären.

      Es wird ein Material PA6 mit 30% GF verarbeitet. Ein Schuß wiegt 30g. Das hat man als Mittel über 100Schuß festgestellt. Als Toleranz wurde mal 30 +- 3,5g festgelegt. Nun kommt der Theoriequalitäter und legt fest, dass die Toleranz eingeengt werden kann: auf 30 +-1,5%. Auf dem Papier - ganz toll. Nun kommt aber eine andere Charge zum Einsatz mit nur 28% GF. Das liegt aber in der Fertigungstoleranz des Produktes (30% +-3%) damit paßt die Toleranz des Qualitäters nicht mehr und es wird nur noch Ausschuß produziert. Das ist eine Qualitötung. Der Verursacher der Toleranz wird aber nicht zurück rudern zur ursprünglichen Toleranz, die festgelegt worden war wegen der Produktionstoleranzen des Materialherstellers. Der Schwanz, der daraus erwächst ist dann kaum vorstellbar.
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    • @petersj, ich weiss nicht, ob Du über Maßtoleranzen oder Gewichtstoleranz diskutierst . . . ?! Das eine nenne ich Q-Kriterium und das andere nenne ich Prozesskriterium

      Fakt ist, dass eine *Prozesskontrolle über Gewicht* mit einer Toleranz +- 3,5 g beim Schussgewicht von 30 g keinen Sinn macht!! Das wäre ja eine Toleranz von +- 11,7%!!!!!! Glaub mir: Kannst vergessen .... das sind *ganze Welten* in der zulässigen Prozessschwankung!
      Ich habe eine Spritzerei (nicht als (Theorie)Qualitäter sondern als Spritzereileiter) schon vor über 20 Jahren mit *Prozessüberwachung über Schussgewicht* gefahren, auch wenn Du es nicht glaubst: Mit +- 5% funktioniert das wunderbar (1x pro Schicht erfassen)!! Stabile Qualität ist dann automatisch das Ergebnis ....... ;) :)

      Voraussetzung: Prozessbeherrschung, Prozessdisziplin und Nachhaltigkeit :thumbsup:
    • Danke für die vielen guten Antworten.
      Ich war leider die letzte, 1,5 Wochen weg und konnte daher nicht mit an der Diskussion teilhaben.

      Ist das Teilegewicht die einzige Größe, die Überwacht werden sollte oder gibt es auch Maschinenwerte (Drücke, Zeiten, ...) die evtl. einmal oder zweimal pro Schicht aufgezeichnet werden sollten? Wie kann man hier eine Sinnvolle Qualitätssicherung einführen wenn es im Unternehmen keine Software dazu gibt? Wäre meiner Meinung nach aktuell nur in Excel möglich, allerdings ist hier wahrscheinlich der Aufwand (bei 40 Maschinen) doch sehr hoch oder kennt hier jemand eine praktikable Lösung?

      Ein weiterer Punkt, der von #Neuer Nutzer angesprochen wurde ist natürlich, dass wir von Deutschland auch sinnvolle Kennzahlen bezüglich der "Profitabilität" der Fertigung brauchen. Die Kennzahlen "Anlagenverfügbarkeit, OEE, Instandhaltungskosten je Maschine und Werkzeug" finde ich gut. Gibt es auch hier ein "Patentrezept", wie man zu den Kennzahlen am besten kommt und auch "Management konform" darstellen kann?

      Eine Kennzahl ist meiner Meinung nach der Ausschuss. Auch hier die Frage. Was ist hier am sinnvollsten? Sollte man den Ausschuss auf die Stückzahl beziehen oder eher auf den Umsatz?
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    • Das Gewicht eines Teiles habe ich nur als Beispiel für eine Erfassung genannt. Ihr müsst doch am besten wissen welche Maße euch wichtig sind. Das kann genau so gut die Farbe, der Glanz oder sonst was sein. Eigentlich alles was man objektiv messen kann (äh ja Farbe kann auch subjektiv entscheidend sein = visuell). Und sonnst muss man mal sehen, was die Maschinen so an Istwerten zur Dokumentation bereit stellen. Ohne ein wenig Investitionen wird es aber nicht gehen. Messgeräte, Lichtkammer, Auswertesoftware (z.B. EXCEL), Datenübermittlung. Auch der Ausschuss kann ein Qualitätskriterium sein. Ob man da nun nach Stück pro 100 oder sonst wo nach geht ist letzten Endes egal. Man kann da in alle Richtungen umrechnen. Aber ihr müsst so oder so versuchen den Ausschuss zu senken. Und das werdet ihr auch nur über eine Erfassung gewisser Maschinenistwerte und deren Optimierung erreichen. Und da würde ich sagen, müsst ihr anfangen.
      Zu Dokumentieren hat keiner Lust - damit fängt schon mal alles an, "Wer soll das denn noch machen" ist ein schnelles und beliebtes Argument. Aber da muss man dann durch.
      Eine Kennzahl könnte auch das Verhältnis von gekaufter Rohware zu versandten Gutteilen (Gewichte) sein. Dann weiß man auch was für die "Tonne" produziert wurde.
    • Danke für die gute Erklärung.
      Ein Punkt der mir immer nicht so gut gefällt ist das Thema mit dem Excel. Wie kann ich denn hier eine sinnvolle Auswertesoftware draus machen (ich bin nur Excel-Anwender und kein Spezialist, der hier diverseste Sachen "programmieren" kann). Wie kann man so etwas aufbauen?
    • Nun, erst einmal muss man sowieso fast alle Daten sammeln, um einen Überblick zu bekommen, welche der Daten überhaupt sinnvoll verwendbar sind. Da EXCEL eine Tabellenform mit senkrechten Spalten und horizontalen Zeilen hat, ist diese Form ideal zum späteren auswerten. In die Spalten oben den Parameter eingeben (als Text) und in den Zeilen darunter dann z.B. stündlich die dazu ermittelten Werte. Oder - wenn vorhanden - kann man auch im ERP-System (z.B. SAP) entsprechende Werte aus Prüfungen der Artikel sammeln und dann mit entsprechenden Queries (Abfragen) Auswertungen formatieren.

      Dann sucht man sich mal jemanden (oder besucht eine entsprechende Schulung im Interesse der Firma => bezahlt die Firma), um dann entsprechende Auswertungen in EXCEL oder SAP produzieren zu können. Auch Computersoftware bedarf manchmal der Schulung der Mitarbeiter. Sie ist ein WERKZEUG und der Mitarbeiter muss entsprechend in der Benutzung eines Werkzeuges unterwiesen werden. Richtig benutzen kann man sie dann allerdings erst, wenn man ständing damit arbeitet.

      Die Herstellung von Qualität ist meistens mit Arbeit verbunden. Und das sollte auch der Betriebsleitung und Geschäftsführung bewusst sein.
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