Vermessen von Polyamidteilen

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    • Vermessen von Polyamidteilen

      Hallo zusammen,

      wir stellen technische Teile zu 80% aus Polyamiden her.
      Wer Polyamid verarbeitet und enge Toleranzanforderungen hat, kennt die Problematik der Wasseraufnahme und Quellung.
      Für den EMPB konditionieren wir die Teile auf einen Gleichgewichts-Feuchtigkeitsgehalt von 50%Luftfeuchte und 23°C.
      In diesem Zustand werden alle Maße gemessen und dokumentiert, zusätztlich werden noch eine handvoll Prüf- und Funktionsmaße
      gemessen. Damit wollen wir eine Aussage über das Verhalten der Maße, der Polyamidteile über einen größeren Einsatzbereich (Wüste, Polargebeite ;( etc.)
      bekommen.
      Mich würde interessieren ob es noch andere Vorgehensweisen gibt um die maßliche Qualität sicher zu stellen?
      Werden sonst noch, irgendwo auf dieser Welt Polyamidteile im spritzfrischen Zustand vermessen und zu welchem Zweck?

      Danke erstmal und erholsame Pfingsten ;)

      Plastic-Joe
    • Auch uns als Compounder und Lieferant von Kunststoffgranulaten ist es bekannt, dass es durch Feuchtigkeitsaufnahme und / oder durch Temperaturschwankungen zu Volumenänderungen und auch Maßänderungen nicht nur bei Polyamiden kommt. Wir als Compoundeur stehen je nach Anforderung des Kunden dann vor der Aufgabe, entweder zu verhindern, dass ein Compound Feuchtigkeit aufnimmt / abgibt oder auch sicher zu stellen, dass die Eigenschaften des Compounds unter bestimmten klimatischen Verhältnissen am Fertigteil noch gewährt sind. Damit sind wir aber nicht für die maßliche Konstanz bei Klimawechseln zuständig - das muss dann der Teilehersteller sicher stellen. Nicht selten wird es daher notwendig für gleiche Teile in den unterschiedlichen Wetterzonen auch unterschiedliche Additivierungen zu erstellen. Selbst die Autoindustrie hat bei dieser Aufgabe entsprechende Probleme. Ein Kunstoffteil im Armaturenbrett kann im Normalklima problemlos und leise sein. Im Polargebiet oder in der Wüste fängt die gleiche Kombination dann an zu quíetschen. Oder bestimmte Bauteile lassen in bestimmtem Klima einen Zusammenbau dann nicht mehr zu. Da muss der Konstrukteur im Vorlauf der Herstellung dann ggf. entsprechende Zugeständnisse an die Toleranzen machen. Oder es muss tatsächlich für ein anderes Klima ein anderes Produkt verwendet werden, was auch durchaus üblich ist. Es spricht nur keiner drüber. Aber eigentlich weiß es jeder, wenn er ein wenig darüber nachdenkt.
    • Hallo petersj,

      danke für deine Antwort. Also haben nicht nur wir damit zu kämpfen :(
      Das stärkt mir den Rücken intern :)

      Zitat:
      "Wir als Compoundeur stehen je nach Anforderung des Kunden dann vor der Aufgabe, entweder zu verhindern, dass ein Compound Feuchtigkeit aufnimmt / abgibt oder auch sicher zu stellen, dass die Eigenschaften des Compounds unter bestimmten klimatischen Verhältnissen am Fertigteil noch gewährt sind. Damit sind wir aber nicht für die maßliche Konstanz bei Klimawechseln zuständig - das muss dann der Teilehersteller sicher stellen"
      Könnt ihr Compounds z.B. auf Basis Polyamid herstellen, die die Wasseraufnahme am Bauteil und damit die Maßschwankungen verringert?
      Wenn ja, dann sollten wir uns mal näher unterhalten.

      Danke für deine Antwort
      Plastic-Joe
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    • Ob man eine Feuchtigkeitsaufnahme bei PA verhindern oder zumindest vermindern kann, wage ich so nicht zu bestätigen. Das ware dann doch eher eine Aufgabe, die über einen beratenden Verkäufer und dann ggf. auch über unsere AWT und - wenn wir ein entsprechendes Produkt noch nicht haben, die Entwicklung.
      Das ist nicht wirklich problematisch Entsprechendes anzustoßen . . . nur leider nicht mein Arbeitsbereich. Da müsst ihr das Verkaufsbüro eurer Region kontaktieren.

      PS
      Ich weiß aber, dass es PAs gibt, die "trockenschlagzäh" sind. Sie erreichen also ohne Feuchtigkeitsaufnahme ein sehr hohes mechanisches Niveau.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von petersj ()

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    • Hallo Luemmel,

      danke für deine Antwort,da hast Du leider Recht.
      Wenn Du mir ein Material vorschlagen kannst das:

      - die herrvorragenden mechanischen Eigenschaften aufweist wie Polyamide
      - abriebfest
      - elektrisch ebenfalls so hochwertig
      - flammgeschützt UL V0 besitzt
      - max. 3€/kg kostet

      dann teile ich mit dir, nach Einführung des Materials, die Prämie für den Verbesserungsvorschlag in unserem Haus. ;)
    • Wie ware es in diesem Fall z.B. mit dem Produkt TEDUR. Es ist ein PPS der Albis Plastic. Gewiss ist der Kilopreis deutlich höher. Wenn dann aber der Ausschuss und die Probleme deutlich weniger werden, kann sich das wiederum schnell bezahlt machen.
      Von TEDUR gibt es diverse Einstellung bezüglich mechanischer Eigenschaften, dielektrischer Eigenschaften und der (inhärenten) Brennbarkeit.
      Beratung: albis.com
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    • Soweit mir bekannt ist, müsste die natürliche Sättigung (H2O-Aufnahme) nach einer gewissen Zeit vollständig abgeschlossen sein.
      Aus zeitlichen und finanziellen Gründen kann dieser Lagerprozess aber oft nicht eingehalten werden.

      Aus meiner Lehrzeit kann ich mich noch an Teile (Schaltnocken) aus PA6 erinnern, die der Kunde absolut gesättigt erhalten wollte.
      Die haben wir dann in einem alten Würstlaskocher zu tode konditioniert :)

      Heutzutage ist gemeist üblich die bautechnisch kritischen Teile mit ca. 1,5 % H20- Zugabe zu konditionieren. Dadurch sind sie meist
      schon zu > 65 % gesättigt und damit maßlich schon sehr stabil. Danach folgt glaub ich nur noch die Gewichtszunahme (bin mir aber nicht mehr ganz sicher damit).

      Mfg KuFo
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    • Hallo zusammen,

      also wir arbeiten in der Anwendungstechnik fast ausschließlich nur mit PA.
      Ich weiß nicht ob das Thema noch aktuell ist aber wollte nur mal mein Senf loswerden :D

      PA Feuchtigkeitaufnahme:
      aliphatisches PA "atmet"...soweit ich weiß nimmt es immer Wasser auf und gibt es auch wieder ab. Kann zB auch dazuführen dass Additive schneller migrieren können. Ob man PA mit der entsprechenden Additivierung daran hindern kann dass es Feuchtigkeit aufnimmt? Glaube ich derzeit nicht daran :)
      bei aromatischen bzw teil-aromatischen PA schaut es wiederum anders aus. Die kosten natürlich entsprechend auch etwas mehr.
      PA kann man schön mit verschiedensten Additiven tunen. Aber wie es halt immer so ist, hat es seine Grenzen. Irgendwann muß man dann die Sache objektiv betrachten und eventuell auf andere Werkstoffe umsteigen.

      Mit entsprechenden Additiven kann man die Maßhaltigkeit beeinflussen, wie zB eine gute Nukleierung. Auch andere physikalische Eigenschaften kann man in einem bestimmten Range beeinflussen. Aber wie gesagt..es gibt Grenzen.

      Ich gib petersj vollkommen recht...ich denke nicht das man nur mit einem Compound alle Wetterbedingungen abdecken kann. Das ist utopisch. Die Materialien werden ja durch die Umgebung ganz anders belastet. Ich kann ja auch net mit Wanderklamotten plötzlich tauchen gehen..bzw ich kann schon..der Erfolg wird sich aber bestimmt in Grenzen halten :)

      Also wie gesagt, aliphatische Polyamide atmen quasi Feuchtigkeit. Nimmt zu, nimmt ab..stark abhängig durch die Bedingungen in der Umgebung. Je nach Einsatzbereich muß es eigentlich additiviert werden. Gewisse Additive verlangsamen die Aufnahme von Feuchtigkeit aber ob man es wirklich komplett verhindern kann? Glaube ich derzeit nicht daran.
      Wie kann man die Aufnahme verlangsamen? Also rein theoretisch und auch praktisch ist es so, dass die amorphen Bereiche die Feuchtigkeit aufnehmen. Die kristallinen Bereiche nicht. Das heißt wenn ich eine gute homogene feine Nukleierung habe könnte das schonmal dazu beitragen, das weniger aufgenommen wird. Dann besteht die Möglichkeit mit hydrophoben Additiven zu arbeiten. Gleitmittel oder PE zb. Das ist aber eine Gratwanderung. Hydrophobe Materialien mischen sich halt nicht so gut in PA. Da muß die Konzentration also stimmen. Des Weiteren können diese auch die mechanischen Werte in den Keller ziehen. :)
      Aja..da könnte man noch viel schreiben... :)

      hab ich für ausreichend Verwirrung gesorgt? ok..dann hab ich mein Pensum erreicht :)

      Gruß
      desiderium