Nachwuchsmangel bei Spritzgiessern? Ist die Ausbildung reine Zeitverschwendung? Was ist die Ausbildung wirklich wert?

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    • Nachwuchsmangel bei Spritzgiessern? Ist die Ausbildung reine Zeitverschwendung? Was ist die Ausbildung wirklich wert?

      Das Thema ist aktueller denn je, gerade zurzeit mal wieder durch den GKV in der K-Zeitung mit einem Beitrag öffentlich gemacht - siehe Link:
      k-zeitung.de/gkv-malt-ausbildu…=campaign&utm_content=GKV

      Diesen Bericht habe ich wie folgt kommentiert:

      Es ist lange überfällig, dass in der kompletten Ausbildung ein Wandel vollzogen wird, hin zur Teilung der Herstellungsverfahren, es muss endlich DER Facharbeiter *Spritzgiesser* ausgebildet werden (auch in der Berufsschule)! Das heisst, dass ein (lange überfälliges) Ausbildungskonzept auf dem Stand der Technik(!) entstehen muss. Immer noch wird bei diesem wichtigen Herstellungsverfahren auf Basis uralter Prozessphilosopien ausgebildet, oft basierend auf Mythen aus Zeiten, wo die Spritzgussmaschine nicht mehr als ein einfaches Hydrauliksystem war. Spritzguss und die dafür vorhandene Technik ist inzwischen so anspruchsvoll und hoch komplex geworden, dass die ausgebildeten "Verfahrenstechniker" mit dem unzureichenden Prozess-Wissen quasi zum weiteren "hin basteln" anspruchsvoller Formteile verdammt sind! Es ist skandalös, dass wichtige Technologien wie z. B. das *Visualisieren der Prozessinhalte* mit Hilfe der Kurvengrafik (ist über 30 Jahre in den Maschinen verfügbar) nicht Inhalt der Ausbildung ist!! Nachweislich ist nur durch das Visualisieren der Spritzgussprozess reproduzierbar! Wenn man dieses alles weiß - das IKV empfiehlt seit langen Jahren Möglichkeiten zur "Prozessbeherrschung" - muss doch die Frage erlaubt sein: Mit was will man heute junge Leute für diesen faszinierenden Beruf begeistern, etwa mit weiterem "Prozessbasteln" nach ewiggestriger Prozess-Philosophie?

      Schon im Februar hatte die K-Zeitung einen Bericht vom VDI-Spritzgusstag veröffentlicht, wo dieses "Klagelied" *Es mangelt an Fachkräften und Nachwuchs* Thema war - siehe Link:
      k-zeitung.de/spritzgiessern-ma…ktivitaet/150/1196/93466/

      Stellt sich doch wirklich die Frage: Was passiert eigentlich *mit dieser Problem-Erkenntnis*? Lähmung bei allen Funktionären und den zuständigen Institutionen (GKV, IHK's usw.)? Ist notwendiger Wandel wirklich so schwer?


      Was sollen junge Menschen eigentlich davon halten?
      HHB
    • Im Grund ist die Ausbildung Zeitverschwendung wenn man danach für 10 bis 12€ die Stunde im 3 oder 4 Schichten arbeiten muss.
      Solange sich da nichts ändert rate ich jedem davon ab den Beruf zu ergreifen.
    • Ja, auch aus diesem Blickwinkel ist das natürlich völlig richtig!!
      Jedoch sollte man den Beruf auch aus Sicht der "erfüllenden Verwirklichung" (ich weiss, hört sich blöd an) auswählen - wenigstens sollte er aber Spass machen und Eines ist besonders wichtig:
      Man sollte im Beruf erfolgreich sein bzw. wenigstens dafür das nötige Wissen haben, und genau das wird den "Spritzgiessern" mit der heutigen Ausbildung nicht vermittelt! ;( ;(

      Erfolg macht Spass und gibt Zufriedenheit :thumbsup:
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    • Tip: Nicht mit der Masse mitschwimmen um "aussergewöhliches" zu leisten - und dafür hat man gerade beim Spritzguss alle Chancen dieser Welt!!
      Wenn man gut verdienen will muss man auch gut abliefern, soweit die Logik . . . ich weiss: Es wird immer schwerer, jedoch werden gute(!!) Spritzgiesser wahnsinnig am Markt gesucht und wer wirklich gut ist, kann auch gutes Geld verlangen/bekommen . . .
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    • Womit wir wieder beim Thema sind: Täglich Prozesse gestalten/basteln, die immer wieder vom Kollegen "umgebastelt" werden, damit wenigstens der Kunde beliefert werden kann!

      Verständlich: So will ein vermeintlicher *Facharbeiter* nicht jahraus jahrein sein Geld verdienen . . . siehe mein Beitrag oben.

      Die größte Gefahr für die Spritzgiesser sind sie selbst, da sie nicht für Veränderungen in Ihrem Prozessdenken bereit sind (haben wir doch immer schon so gemacht) :thumbdown:


      Wir brauchen neues Denken, denn die Probleme, die mit altem Denken erzeugt wurden, kann man nicht mit der alten Denkweise lösen.

      Albert Einstein


      Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu schaffen.

      Hermann Hesse
    • Hallo Kollegen
      Ich finde ihr habt Recht
      mit der Berufsschule das sie den Prozessen hinterhersteht. Ich habe selbst schon erfahren das meine Azubis im 3. Lehrjahr erst die projezierte Fläche oÄ. gelernt haben.
      Ich frage mich wenn ein Azubi das im Bertieb nicht früher beigebracht bekommt was er dann die vorhergehenden Jahre arbeiten sollte.
      Das mit der Bezahlung macht mich stutzig .10-12 € die Stunde.
      Ich denke hier in Bayern wird man kaum einen Spritzgießer unter 15€ - 18 € bekommen .
      Ich finde den Beruf super und meine Azubis machen ihn sehr gerne , er ist abwechslungsreich und fordert sie auch sehr.
      Ab dem 2ten Lehrjahr müssen sie ca. 2 mal in der Woche neue Werkzeuge mustern , Farbmusterungen durchführen oder auch Roboter programmieren.
      Im 3ten Lehrjahr arbeiten sie voll mit und führen selbstständig Schichten.
      Ich denke man darf die Azubis nicht dummhalten sondern man muss sie fördern wo es nur geht.
      Wenn sie nach der Lehrzeit nicht im Betrieb bleiben sondern weitermachen wollen wie evtl. Meister oder Techniker ist es gut so und man hat ihnen alles mögliche für den weiteren Lebensweg mitgegeben.
      Ich bekomme als Prüfer immer wieder mit das Firmen ihre Azubis dummziehen damit sie dableiben.
      Kein Wunder das dann der Beruf solch einen Ruf bekommt.
    • Ich bin auch ganz eurer Meinung! Die Berufsschulen sind für die Kunststoff Branche nicht richtig aufgestellt... wenn ich an meine Lehrzeit zurück denke: Wir waren ca 75% Spritzgießer und die restlichen 25% waren Extrudierer, Schäumer, Tiefzieher und Folienbläser. Wir haben zusammen jeden Verfahren angerissen, aber sind nirgends ins Detail gegangen, da die Zeit dafür natürlich nicht gereicht hat... Viele Lehrer die ich damals hatte waren irgend welche Quereinsteiger, die aber von den meisten Verfahren selbst nur wenig wussten!

      Ich muss sagen: In dem ersten Jahr NACH der Ausbildung, habe ich in meiner Firma mehr gelernt, als in den 3 Jahren davor.. Leider sehen viele Firmen immer noch Azubis billige Arbeitskräfte und nicht die Zukünftigen Köpfe in der Produktion. Meinen "Ausbilder" habe ich 1 mal im Monat gesehen, wenn ich mein Berichtsheft abgegeben habe und dann 1 Monat vor der Prüfung zur Vorbereitung.

      Ach wie oft musste ich mir den Satz anhören: "Das musst du noch nicht können, du bist erst im X Lehrjahr!" und dann nach der Ausbildung: "Warum kannst du das nicht, habt ihr das nicht durch genommen? Was hast du in deiner Ausbildung gemacht?"

      Bezahlungen von 10-12€ sind wirklich keine Seltenheit in dem Beruf, dafür arbeitet keiner gern! Ein guter Facharbeiter weiss sich allerdings auch gut zu verkaufen und kann seine 16-20€ die Stunde verdienen!
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    • . . . ich hoffe, dass noch einige Beiträge über *realistische Zustände* aus den Spritzgussproduktionen kommen - zeigt dieses doch, dass wir es hier nur mit der "Spitze des Eisberges" dieser skandalösen Zustände bei der Aus- und Weiterbildung und Bezahlung der Spritzgiesser zu tun haben!!


      Frage mich, warum gerade der GKV, also der Verband der Kunststoffverarbeiter-
      - diese Zustände nicht beim (richtigen) Namen nennt,
      - sie von der richtigen Seite anpackt und verändert??!!


      Warum haut da kein Unternehmer mal auf den Tisch und macht die Situation klar? Wo bleiben die Macher?


      Sind Verbände und ähnliche Institutionen nur entweder zum *Jammern* oder *Glorifizieren* da? Hier ist Anpacken und Handeln gefragt, aber bitte keine Girls-Days mit bunten Luftballons, das sind für junge Leute nur berufliche Lachnummern, wo die kosenlose Cola genauso lockt, wie das Freibier nach 18:00 auf der Messe ;) :!:



    • Mal meine Gedanken zu dem Thema als Ingenieur.

      Ich habe mitbekommen, dass die Ausbildungsstände der heutigen Azubis kein Stück zeitgemäß sind. Da werden einfach ein paar Grundlagen in den Raum geworfen ohne diese kritisch zu hinterfragen. Z.B. wird das leidige Thema MFI/MVI immer noch als absolute Wahrheit gelehrt, obwohl es der größte Unsinn für den Spritzguss ist.
      Zum anderen werden die Herstellungsverfahren der verschiedenen Kunststoffe leider nicht mal erwähnt, wodurch man einfach nur stumpf lernen muss, welche Kunststoffsorten getrocknet werden müssen. Würde man kurz anreißen, wie die verschiedenen Sorten hergestellt werden, steigt das Verständnis für diese Thematik stark an und man wird sich bewusst, dass länger trocknen alles andere als Gut ist.
      Die Azubis und der Ausbilder meines ehemaligen Arbeitgebers haben sehr oft die Gelegenheit wahrgenommen und mir Fragen zu diversen Themen gestellt. Hat denen am Ende in der Prüfung massiv weitergeholfen, da nicht stumpf auswendig gelernt wurde und das Wissen so flexibler war. Das Interesse an weiteren Informationen und der Wille sich weiterzubilden und zu entwickeln ist da, wird aber leider durch den Fachkräftemangel(hier meine ich es auch so) gebremst. Es mangelt an ordentlichen Ausbildern in den Firmen, ordentliche Berufsschullehrer und am Willen der Firmen sich weiterzuentwickeln.

      Es wäre einfach diesen Personen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Das sind nur die offensichtlichen Mängel. Es mangelt weiterhin an gutem Fachpersonal in der Artikelkonstruktion, der Werkzeugkonstruktion, dem Einkauf, der Qualitätssicherung und bei den Kunststoffherstellern.
      Wenn schon einfache Konstruktionsregeln für amorphe Kunststoffe auf teilkristalline Kunststoffe ohne Sinn und Verstand angewandt werden, wird der Prozess schlecht laufen. Ebenso ist die Kunststoffauswahl sehr oft auch eine große Katastrophe. Da sind nicht nur die Artikelkonstrukteure gefragt, sondern auch der Einkauf(möglichst billig ist am Ende oft teurer) und die Kunststoffhersteller. Wie oft saß ich in Besprechungen, wo der Kunststoff nach Preis und MFI ausgewählt wurde? Da werden Kunststoffe ausgesucht, die nicht für den Anwendungsfall geschaffen sind und am Ende wird der Prozess wieder zurechtgefummelt. Alles mit Empfehlung des Kunststoffherstellers, der häufig selber nicht versteht, was das Material kann und was nicht.
      Weiter geht es mit dem Werkzeug. Man macht schöne Konzepte, wie der Artikel gefüllt wird und wie er schön sauber entformt wird. Leider wird in sehr vielen Fällen vergessen, dass der Kunststoff auch gleichmäßig gekühlt werden muss. Das entscheidet am Ende auch über den Prozess und wird wieder irgendwie zurechtgebastelt. Ich kenne auch verschiedene Werkzeugkonzepte für jeweils einen bestimmten Artikel und wie sich die Werkzeuge im Prozess unterscheiden. Die Ausstoßmengen können sich um Faktor 2 unterscheiden und die Qualität aus dem schnellen Werkzeug ist weitaus besser, da diese gleichmäßig gekühlt wurden. Hier ist wieder der Einkauf in der Verantwortung, der möglichst billig einkaufen will.
      Weiterhin hat die Qualitätssicherung teilweise abgehobene Vorstellungen vom Spritzguss. Die Möglichkeiten der verschiedenen Kunststoffe sind nicht bekannt und es wird am Ende erwartet, dass der Spritzgießer den Prozess so einstellt, dass alle fallenden Teile eine Abweichung von 0,01mm untereinander haben. Mit einem sauberen technischen Kunststoff kommt nah in diesen Bereich rein, aber nie mit einem Wald-und-Wiesen-PP. Ebenso ist den meisten nicht bekannt, dass Kunststoff ein statistisches Material ist. Die Materialeigenschaften schwanken von Schuss zu Schuss und sind nie konstant. Einen sehr guten Ausgleich kriegt man über einen guten Einblick in das Werkzeug mittels Sensorik. Das wird aber oft einfach gestrichen und somit ist man wieder am Basteln.

      Will man etwas an diesem System ändern, muss sich einiges deutlich ändern. Ich kann die jungen Leute verstehen, dass sie kaum Motivation haben sich in die Prozesse reinzudenken und dann den Prozess gezielt zu steuern, wenn der Bastler als der König der Produktion gefeiert wird.

      Für mich wäre der erste Schritt einfach den ganzen Entscheidern klar zu machen, welche Fehler sie machen und wie man diese erkennen und abstellen kann. Erst wenn von Oben gelebt wird, dass ein sauberer Prozess besser als gebastelter Prozess ist, wird sich auch was ändern. Vorher braucht man nicht über eine Umstrukturierung der Ausbildung reden, da diese eh verpufft.
    • @Olufsen,

      ich habe mich letzte Woche bei einem Kunden mit einem erfahrenen Kunststoffformgeber in Hessen unterhalten.
      Er erzählte mir, dass er in dieser Firma erst seit ein paar Monaten angestellt ist, nachdem sein Ex-Arbeitgeber vor einem halben Jahr in die Insolvenz gegangen ist (mit vollen Auftragbüchern übrigens, aber das ist eine andere Geschichte). Sein neuer Arbeitgeber sucht immer noch händeringend nach erfahrenen Spritzgießern aber die sind im Markt kaum mehr zu bekommen. Ich fragte ihn, ob sich das denn auch einigermaßen in seinem Gehalt niederschlagen würde. Er sagte mir: "Ja, auf jeden Fall! Die Situation musste ich doch ausnutzen" und schmunzelte schelmisch.

      Will sagen, auch hier greift allmählich das Angebot-Nachfrage-Prinzip!
      Leider muss man dafür allerdings auch einen Arbeitgeberwechsel in Betracht ziehen um in den Genuß einer starken und erfolgversprechenden Verhandlungsposition zu kommen. Wer sich derzeit für einen Ausbildungsberuf entscheidet, dem würde ich den Beruf des Kunststoffformgebers absolut ans Herz legen.
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    • Hi,

      ist zwar schon eine Weile her aber möchte meine Gedanken dazu beitragen.

      Bin von der Ausbildung zum Maschinenfahrer Extrusion nach einem Jahr umgesprungen auf Verfahrensmechaniker für Fromteile.
      Hab jetzt hier auch noch ein halbes Jahr verkürzt und bin seit Februar fertig.

      Bekomme momentan so 12,50€ Stundenlohn , ich muss sagen ich komme damit aus und hoffe das es in den nächsten Jahren natürlich mehr wird.

      Zur schulischen Ausbildung muss ich sagen das das erste Jahr sehr wichtig war, Berechnungen usw.
      Im zweiten hat man eben nur alle verfahren angekratzt hat aber essentiell wirklich nicht viel gelernt.....
      Im dritten hatte ich nur 4 Wochen Schule da ich ja verkürzt hatte aber dennoch stand hier Spritzgießen an letzter Stelle und ersnthaft , alles was ich da noch in der Schule gelernt hatte wusste ich schon dann von der Praxis in der Firma oder eben selbst aus Lehrbüchern gelernt.

      Das erste Schuljahr war top die anderen zwei hätte man sich auch fast sparen können. Leider!

      Und es gibt jeden Tag wieder was um dazu was zu lernen darum liebe ich diesen Beruf .
    • Ich bin Querensteiger aus der Fachrichtung Stanz und Umformtechnik. Wobei dies nur eine Berufsbezeichnung ist aus der man seine Karriere ins Berufsleben startet.(Wenn man denn damit zufrieden ist) Habe unsere AZUBIS angelernt, Werkzeuge konstruirt, Wkz gebaut, und musste dann auf grund der Wirtschaftskrise eine neue Firma suchen. An disem Punkt möchte ich mich ganz herzlich bei meinem alten Meister bedanken, und rückwirkend bei meinem Berufschullehrer für Metallverarbeitung. Bewusst nenne ich hier keine Namen, denn Gott hab sie seelig.
      Jetzt ist es aber so das ich seit 2013 die verantwortung für eine kleine Kunststoffspritzerei habe und mir seit dem für jeden zu verarbeitenden Werkstoff die Verarbeitungsempfehlungen des Herstellers verinnerlicht habe. Die angaben der Hersteller beziehen sich auf Optimale Bedingungen. ( Ich such nen Job) In der Lehre hab ich schweissen und ( für viele unbekannt) Brennen gelernt. Interrasent finde ich das die ausgeworfenen Teile nach 24H erst ihre finale form entwickeln. Rost im Kühllausystem sind hier leider Standart.(Ups)Hab nen Stabblerschein
      und bin Pflichtbewusst...Kunststoffsprirzen macht spass wenn du ZEIT dafür bekommmst....

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