Direktanspritzung Zkykluszeiteinsparen?

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    • Direktanspritzung Zkykluszeiteinsparen?

      Hallo liebe Forum Gemeinde,

      ich lese oftmals das es gelingt durch Direktanspritzung über den Heißkanal zykluszeit eingespart werden kann?

      Für mein Verständnis verkürzt sich wenn überhaupt die Einspritzzeit, da ich keinen Anguß füllen muss.

      Vielen Dank im Voraus!

      LG
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    • Hallo in die Runde,

      also wenn man vom gleichen Artikel redet, mit der selben Kavitäten Auslegung im Werkzeug und dieses
      mit folgendem Systemen vergleicht, Kaltkanal / Heißkanal, kann aber muss dies nicht der Fall sein.

      Grundsätzlich gibt der Artikel aufgrund seiner Geometrie & Qualität die Zykluszeit vor.

      Mit der Ansicht der Einspritzzeit liegst Du nicht falsch, jedoch liegt es auch hier wieder bei der Masse die in die Kavitäten eingebracht werden muss und wie schnell Du diese einspritzt. Ich denke das hier die Ersparnis in der Zykluszeit nicht groß sein würde. Um hier noch ein wenig mehr einsparen zu können ( Schnellläufer ) gibt es auch Optionen Paralleler Schließkraftaufbau zum
      Einspritzen der Masse. Das hier eine Einsparung des Material zustande kommt ist richtig, jedoch ist die richtige Auslegung des Heißkanals hier auch wichtig, da ansonsten die Verweilzeit des Kunststoffes wieder eingreift.
      Die Kosten eines Heißkanals und dessen Wartung und Reinigung ist natürlich deutlich kosten intensiver.

      Bei einem Kaltkanal spielt die Dicke des Angusses wieder eine Rolle. Dies kann, je nach Dicke, die Zykluszeit beeinträchtigen bezüglich des Abriss. Hier hat man aber einen deutlichen höheren Materialverbrauch als bei einem Heißkanal.
      Die Investitionskosten eines Kaltkanals Werkzeuges sind deutlich geringer. Dies gilt auch für die Instandhaltungskosten.

      Gruß

      The Problem Solver
    • Stimmt alles soweit. Leider machen viele nur die kurzsichtige Rechnung auf. Für sie gilt die Rechnung "Günstiges Werkzeug = Mehr Gewinn". Dies stellt sich jedoch immer wieder als falsch heraus. Geht es nur um kleine Stückzahlen, stimmt die Rechnung. Nur ist der Spritzguss nicht für kleine Stückzahlen bekannt und sinnvoll.

      1. Szenario. Wir sparen uns den Heißkanal. Für die Qualität hat es folgende Auswirkungen:

      - Gefahr von unvollständig gefüllten Teilen steigt massiv
      - Wohin mit dem Anguss? Wegwerfen ist zu teuer und schreddern und wieder verarbeiten führt zum instabilen Prozess und somit wieder Qualitätsmängel
      - Wird der Anguss wiederverarbeitet sind Additive notwendig, um den Abbau zu verlangsamen. Gestoppt wird er so nicht. Kostet auch wieder Geld. Bei Einfärbungen gilt es auch die Herstellerangaben zur Verweilzeit zu beachten!
      - zusätzliche Kosten für Peripherie und Wartung
      - Kosten für erhöhte Qualitätskontrolle

      2. Szenario: Wir sparen uns Sensorik. Folgende Vorteile gehen dadurch verloren:

      - notwendige Werkzeugwartung kündigt sich rechtzeitig an
      - Kunde kriegt nur iO-Teile, maschinelle Überwachung ist wesentlich günstiger als ein Mitarbeiter(sehr wichtig bei maschineller Weiterverarbeitung beim Kunden, da sein Maschinenstillstand auch Geld kostet und der Lieferant am Ende den Auftrag verlieren kann oder keinen Folgeauftrag mehr erhält)
      - Prozess lässt sich schnell und einfach einstellen

      3. Szenario: Wir sparen uns eine saubere Temperierung. Folgende Vorteile gehen ebenfalls verloren:

      - Rundheit bei rotationssymmetrischen Teilen ist gegeben
      - Zykluszeitreduzierung und somit bessere Maschinenauslastung
      - weniger Einfallstellen
      - deutliche Reduzierung des Verzugs
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    • Historisch gesehen ist der der Kaltanguss ein Fragment aus der Metallverarbeitung, genauer: Aus dem Alu- und Zinkdruckguss (was früher Alu- und Zinkspritzguss hieß). Dort ist er auch nicht "prozesshinderlich", da man es bei dem Verfahren mit einer FLÜSSIGKEIT zu tun hat. Beim Kunststoff ist der Kaltkanal als Verbindung zwischen Spritzzylinder der Maschine und der Kavität ein Energie- und Prozessvernichter, was durch den Tunnelanguss verstärkt wird. Fakt ist, dass dem Kunststoff durch lange Kaltwege die "Lauffreudigkeit" genommen wird, also die zugeführte Energie aus der Aufbereitung im Spritzzylinder wird zu einem großen Teil vernichtet, bevor der Kunststoff in der Kavität seinen "eigentlichen Job erfüllen" kann. Dieses wurde vor langen Jahren erkannt und man hat den sogenannten Heisskanal entwickelt, was thermisch gesehen die Verlängerung des Spritzzylinders ist. Logisch ist: Wenn a) wenig Energie und b) wenig Prozesswirkung(-präzision) der Maschine vergeudet werden soll, dann muss dafür gesorgt werden, dass zwischen Schneckenvorraum und Kavität nur minimale Fließwiderstände vorhanden sind.
      Ergo: Über Energie und Präzisionsspritzguss kann erst ernsthaft und kompetent nachgedacht werden, wenn im Vorfeld bei der Projektierung der Werkzeug- bzw. Angusskonzepte diese Dinge im Sinne Kunststoffes erfüllt sind!! Leider "ticken" zu viele Leute in der Kunststoffbranche in Metall oder Flüssigkeit, aber ob es gefällt oder nicht: Wir haben es hier mit Plastik zu tun, und plastische Masse hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten bei der Ausformung!!


      Wer DAS versteht, der weiß auch, dass Kunststoffspritzguss keine Kunst ist sondern ein plausibles verstehbares und somit beherrschbares Verfahren :thumbsup:


      Nicht (allein) der Zyklus entscheidet über Wirtschaftlichkeit sondern die Ausbringung über "Gutstück pro Anlagenverfügbarkeit (24 h / Tag" ist ausschlaggebend. Und da liegt die Branche bei einem Nutzungsgrad von ca. 60%-70%!