Stromspitze

    • Stromspitze

      Guten Morgen zusammen,
      nun zu meinem Problem, ich wusste nicht wirklich unter welchen Bereich ich es einstufen soll.
      Es geht um die Stromspitze in einer Spritzerei. Ich bin ein Spritzgießer- Formteile, seit knapp 3 Jahren ausgelernt. Nun wurde mir vor kurzem von der Geschäftsführung mitgeteilt, dass ich die Stromspitze "überschritten" habe und nun die Firma mehr Kosten für den Strom tragen muss. Zur info, wir sind ein relativ kleines Unternehmen im Ruhrgebiet. 20 Maschinen von 50t bis 1000t. Beim Anheizen habe ich immer den gleichen Ablauf, sprich, Montag 04.30Uhr alle Maschinen gleichzeitig einschalten (Motor, Öl Vorwärmung, Zylinderheizung, Peripherie und ggf. mehrere Trockner). Das hab ich in dieser Firma wie auch in meiner vorherigen Firma (Ca. 30 Maschinen) genauso gemacht. Es hat den Chef jedes mal gefreut wenn um ca. 7Uhr morgens alle Maschinen am laufen waren. Nun heißt es ab sofort, nur noch gestuft "anheizen". sonst hat man mehr kosten.
      Stimmt das wirklich? Und wenn ja, wieso ist es so? Dachte bis jetzt, man muss nur das bezahlen, was man auch verbraucht und nicht unbedingt "wie schnell" es geschieht. Wohl gemerkt, bis jetzt hat es mir keiner beigebracht wie man anheizen soll, bzw habe es zig mal so gemacht und es war nie falsch gewesen.

      Schonmal vielen Dank für Antworten.
    • Guten Morgen,

      ja diese Stromspitze gibt es wirklich, wurde mir in meiner Ausbildung auch gesagt, das es so etwas gibt.
      Das hat vermute ich den einfachen Grund, dass das Stromunternehmen in kurzer Zeit sehr viel Strom auf einmal ( also "von 0 auf 100" ) für die Firma bereitstellen muss und somit das Netz bei denen belastet wird. Und das berechnen sie eben extra.

      Genau so ist bei mir der Ablauf auch, die Trocknungsanlage schaltet sich bei uns automatisch an.
      Ich komm in die Firma, mach das Licht an, die Stromversorgung, Druckluft und das Kühlwasser an.
      Dann schalte ich noch die Vakuumpumpen für die Trocknungsanlage an.
      Dann gehe ich von Maschine zu Maschine und mach den Hauptschalter an, mache den Motor, Zylinderheizung und die Werkzeugtemperierung an.
      Fahre das Handling auf Reverenz und gehe zur nächsten.
      Bis ich durch bin ist die erste Maschine schon warm und durchgeheizt sodas ich das alte Material rauslasse bis getrocknetes, warmes Material kommt und lasse die Maschine anfahren.



      Gruß,
      Lindo
    • Im Regelfall muss man beim Energieversorger neben der rein verbrauchten Energie auch die Netznutzung selbst bezahlen. Und hierzu wird normal der je höchst bezogene Wert herangezogen. Das ist meist monatlich so.
      Zusätzlich gibt es eine bereitgestellte Leistung, d.h. eine Leistung die ihr theoretisch maximal beziehen dürft bzw. gekauft habt. Wird die überschritten wird es einmal richtig teuer, da ist ein fünfstelliger Betrag gleich weg.

      Wenn man nun alle Maschinen gleichzeitig einschaltet, dann auch noch Motor und Heizung zusammen kann es natürlich vorkommen dass diese Leistung überschritten wird, da die Maschine ja hier ein Maximum der Leistung aufnimmt!

      Ich frage mich eher warum das so gemacht wird, und sehe diese Vorgehensweise auch als reine Energie- und Geldverschwendung.
      Gerade bei großen Maschinen braucht die Zylinderheizung ja deutlich länger wie die Ölvorwärmung. Somit kann man den Motor ja deutlich später einschalten. Genauso braucht eine große Maschine länger zum aufheizen, wie eine kleinere, d.h. die größeren zuerst und dann die kleineren.
      Neben der Energieverschwendung ist ein langes Laufen der Motor im Leerlauf auch schlecht für die Kompensationsanlagen, da die Motoren im Leerlauf viel Blindstrom produzieren und diese somit stark belastet werden. Sind die Kompensationsanlagen nicht ausreichend oder sogar gar nicht vorhanden wird das auch Geld kosten, da der Energieversorger dies berechnet!

      Bei uns läuft es immer so ab dass um ca. 3.45 Uhr die Zylinderheizungen an den großen Maschinen eingeschalten werden (800-1300Tonnen), kurz danach die kleineren Maschinen. Zunächst wird nur die Ölkühlung laufen gelassen, hier hängt auch die Kühlung der Einzugszone dran. Die Motoren werden dann erst ca. 20-40min vor Start der Maschine eingeschalten. Die Werkzeugheizungen je nach Dauer aber meist auch so 30-60min vor Start. Kühlwasser, Druckluft, Vakuum usw. wir parallel eingeschalten, aber nicht zuvor, was auch nur unnötig Energie verbraucht (ich brauch ja weder Druckluft noch Kühlwasser wenn die Maschinen noch gar nicht laufen). Sind Trockner erforderlich werden diese auch gleich zu Beginn an gemacht um natürlich möglichst viel Trocknungszeit zu haben.

      Dadurch steigt der Energiebedarf langsam an, und bis z.B. die kleinen Maschinen an gemacht werden sind die großen schon warm und brauchen entsprechend weniger Leistung (die meiste Zeit benötigt ja das Durchwärmen wo die Heizbänder aber nicht mehr mit voller Leistung laufen).
      Um kurz nach 5.00 Uhr werden dann die ersten Maschinen angefahren (zunächst die Teil wo ohne groß Bedienung laufen können) damit um ca. 6.00 Uhr eig. die gesamt Produktion läuft, da hier auch die Werker kommen.

      Die wird bei uns schon zig Jahre so gemacht und funktioniert ganz gut!
    •      
    • Die Firma schließt mit dem Stromversorger einen Vertrag. In diesem wird abgesprochen, wie viel Amphere (oder auch Kilowatt) Belastung die Firma maximal ziehen darf. Dafür gibt es dann bei den Großverbrauchern (das ist ein industrieller kunststoffverarbeitender Betrieb auch mit "nur" 20 SGMs plus Perepherie) einen entsprechenden Großabnehmerbonus, da man ja ordentlich was "durchzieht". Nun wird aber dann gleichzeitig verlangt, dass man gewisse Grenzen einhält. Und das sind dann z.B. die sogenannten Stromspitzen, die nicht überschritten werden sollten. Werden diese Absprachen (Verträge) nicht eingehalten kostet da natürlich extra - und da langen die Versorger richtig hin. Hintergrund ist, dass die Versorger eine gewisse Menge an Stom ins Netz einspeisen. Das haben sie mal irgendwann entsprechend ausgerechnet. Kommen nun mehrere Großverbraucher gleichzeitig auf die Idee alle Anlagen gleichzeitig zu starten, bricht das Netz zusammen. Es sei denn, dass der Betreiber weiß, dass er mehr einspeisen muss. Das kostet aber mehr Geld, da u.U. ein Kraftwerk mehr ans Netz muss, welches eigentlich noch "schläft".
      Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder Cheffe macht einen neuen Vertrag mit dem Anbieter (oder einem neuen Anbieter). Da hebt man den Grenzfall dann entsprechend an, um das Strafe zahlen zu vermeiden. Dieses wird oft auch notwendig, weil der Betrieb mit der Zeit investiert hat und dadurch mehr große elektrische Verbraucher betreiben will.
      Oder man vermeidet es, alle Anlagen gleichzeitig anzuschalten. Zum Beispiel durch Zeitschaltuhren. Wenn z.B. alle Maschinen zwischen 4:30 und 4:45 Uhr eingeschaltet werden, brauchen alle installierten Heizzonen 100% an Leistung, bis sie einigermaßen aufgeheizt sind. Dazu kommen evtl. noch die Antriebsmotoren der SGMs um das Öl vorzuheizen, plus Trockner, Kühlung und Werkzeugtemperierung. Beginnt man aber schon z.B. mit der ersten Maschine um 3:00 Uhr und schaltet alle 15 Minuten eine nächste Maschine dazu ein, sind die ersten Maschinen aus dem Maximumverbrauch bereit heraus und die "Stromspitze" wird geglättet.
      Das muss man mal ausrechnen oder ausprobieren, was die günstigere Methode ist.
      Wir hatten früher mal das gleiche Problem. Bei den Nachforschungen für die Gründe stellte sich heraus, dass die Spitzenüberschreitung nicht zu Schichtbeginn, sondern in der Regel zwischen 8 und 9 Uhr morgens stattfand. Die Produktion lief dann doch aber schon zu großen Teil! Warum? In allen Büros wurden die Kaffeemaschinen gestartet! Folge bei 150 Büros: plötzlich 150x1000 Watt Zusatzbelastung des Netzes. Kaffeemaschinen wurden einkassiert ==> Kaffee gibt es seit dem kostenlos aus der Kantine. Das war damals billiger, als einen neuen Vertrag zu schließen. Ach eine Methode der Vermeidung der Stromspitzenüberschreitung.
      Das Ganze ist aber meistens eine organisatorische Geschichte. Aber wie schon oben erwähnt: auch die nachträglichen Investitionen (mehr oder größere Maschinen) müssenn berücksichtigt werden.
      MfG. petersj
    • Diese Lastspitzen lassen sich auch durch den Verzicht auf die Ölvorwärmung vermeiden.
      Die Entscheidung muss natürlich jeder für sich selber treffen. Wir wärmen nur vor wenn eine sehr
      hohe Genauigkeit verlangt wird. Unter 20° sollte die Öltemperatur meines Erachtens beim Anfahren allerdings auch nicht liegen.
      Eine Vorwärmung auf 45° halte ich in den meisten Fällen für reine Energieverschwendung.
      Unsere neue Boy 60E mit Servoantrieb braucht eine minimale Öltemperatur von 25°. Ab dieser Temperatur arbeitet
      die Maschine mit höchster Genauigkeit. Leider sind noch nicht alle Hersteller von hydraulischen Maschinen auf die Idee
      gekommen, die Vorwärmtemperatur einstellbar auszuführen.
      Techniker Fachr. Mechatronik
    • Vielen Dank, nun klingt alles logisch.
      Trotzdem ist es etwas seltsam, dass es erst jetzt zum ersten Mal passiert ist. Immerhin wenn draußen minus Grade sind, brauchen die Maschinen dementsprechend länger um auf die Temperatur zu kommen. Also müsste die Stromspitze eher in den Wintermonaten entstehen. Vorausgesetzt die Auslastung der Maschinen ungefähr die gleiche ist wie jetzt. Oder es gibt zu verschiedenen Jahreszeiten auch verschiedene Tarife bei dem Stromanbieter. Wie dem auch sei, jetzt heize ich gestuft an. Also zuerst Kaffeemaschine :D, Trockner, Kühlwasser und Druckluft, dann nach und nach alle Heizungen, ganz am ende Öl Vorwärmung. Übrigens Zeitschaltuhr ist bei uns leider nicht möglich. Die Idee hatte ich schon vor 2 Jahren gehabt, da wurde mir nur gesagt "Chef möchte das aus versicherungstechnischen Gründen nicht machen". Gut, dann eben nicht.
      Zu der Öl Temperatur, wir haben bei uns lediglich 3x Battenfeld und eben der Rest sind alles Demag's. Eine Battenfeld macht grundsätzlich keinen Mucks, bevor man nicht alle Sicherheitseinrichtungen überprüft, erst dann startet die Öl Vorwärmung, nach dem man den Motor einschaltet. Glaube da gibt es auch keine Toleranzen, 45°C sind nun mal 45°C. Bei Demag bin ich mir nicht ganz sicher wieviel die benötigen, meine aber auch 45°C mit Toleranzen +/- 10°C. Das aber auch nicht bei allen Maschinen. Nach einem Firmware update geht das bei einigen nicht mehr ( Toleranzen verstellen, Soll Temp. einstellen).


      Gruß
    •      
    • Hallo
      Ich würde wie folgt vorgehen.
      Lass dir vom Stromanbieter einen Onlinezugang einrichten , der ist kostenlos.
      In diesen Daten kannst du genau sehen wann die Spitze ist.
      Mach eine Liste mit den Maschinen die du hast , verzeichne darauf wann du sie einschaltest .
      Erst die Heizung und ca. 20 min später die Vorwärmung . bei einer 2 Kreisanlage ( Ölkühlung und Werkzeugkühlung getrennt ) empfiehlt es sich diese erst mal auszulassen damit das Öl schneller warm wird.
      Du wirst sehen das du auch unter dem Tag Spitzen verursachst wenn zb. 5 Maschinen gleichzeitg auffahren .Hier gibt es sogenannte vorrangschaltungen die dies vermeiden. Temperiergeräte schlagen sich auch ganz gewaltig im Stromverbrauch nieder ( 9-12 KW )
      Wir haben es bei 22 Maschinen geschafft dadurch dauerhaft die Spitzen zu vermeiden .
      Gruß Matthias
    • Hi
      Ich würde bei einer Lastwurfabschaltung vorsichtig sein , denn die funken mit dem Abschalten Böse dazwischen.
      Es gibt Schaltungen die ein Aufdosieren oder Auffahren verhindern ( verlägern die Kühlzeit ) und selbst die sind für die Qualität bescheiden.
      Es ist am sinnvollsten die Produktion nach Zykluszeiten zu planen um eine gesunde Mischung zu erreichen . Nicht eine Woche alles Schnelläufer und die Woche darauf die mit der langen Zykluszeit.
      In einer kleinen Produktion mit 22 Maschinen sind so im Jahr ca. 10 000 Euro an Stromkosten zu sparen .
      Wichtig ist es die Maschinen zu messen was sie wirklich im Betrieb ziehen ( wird von den Herstellern angeboten ) und zu überlegen wo Strom gespart werden kann.
      Licht / Heizung / Kühlung usw.
      Gruß Matthias
    •      
    • Wir haben zur Vermeidung von diesen Lastspitzen ein Einschaltregime, die großen Verbraucher dürfen nur im Viertelstundentakt eingeschaltet werden. Also Heizung Ma 1 an, viertel Stunde später Heizung Ma 2, viertel Stunde später Ölvorwärmung Ma 1 usw... Je nach Prio. Dauert je nach Maschinenpark natürlich länger aber eine Personalstunde kostet nun mal weniger als das ganze Jahr für die Lastspitze zu zahlen.
    • Hallo,

      auch bei uns waren die Stromspitzen in den letzten Jahren immer mal wieder Thema und ich habe mit unserer Instandhaltung(welche für Energiewirtschaft zustädig ist) heiße Diskussionen geführt.

      Wenn man Montag morgens alles einschaltet was man so an Maschinen und Peripherie brauch, ist das natürlich sehr unwirtschaftlich und hat kurzfristig einen extrem hohen Stromverbrauch. Jeder, der mal logisch drüber nachdenkt, wird selbst erkennen dass das Schwachsinn ist.

      Nicht umsonst gibt es in den Anlagen Einschaltprogramme, mit welchen man schön kontrolliert eine Anlage nach der anderen anfährt. Natürlich läuft dann vielleicht mal eine Zylinderheizung schon ab 3:30 Uhr und wird erst ab 6:00 Uhr benötigt, aber wenn man dadurch die Stromspitzen umgeht, ist das wesentlich schonender für den Geldbeutel.

      Soweit die Theorie, die ich so auch absolut verstehe und akzeptiere.

      Leider kommt es jedoch auch vor, dass Verantwortliche die Verträge mit den Stromanbietern so extrem eng auslegen, dass es praktisch 0 Spielraum für den Einrichter gibt.

      Beispiel: 2K-Anlage mit Peripherie/Entnahmeroboter/2 Temperiergeräte/2 Trockner; Anlage steht wegen Umbau und Wartung.

      AV ruft an und benötigt nun ganz plötzlich dringend Teile von der Anlage (Kunde hat kurzfristig bestellt oder irgendwas anderes ist der Fall, egal). In der Regel fahre ich die Anlage schonend an, sprich beide EE nacheinander aufheizen, Werkzeugheizung einige Zeit später zusammen mit den Temperiergeräten. Trockner laufen meist schon vorher.

      Um Zeit zu sparen lege ich 2-3 o.g. Punkte zusammen, und schon haben wir den Grenzwert überschritten. Das ist meiner Meinung nach eine absolute Fehlkalkulation des Energieverantwortlichen.

      Mittlerweile ist es bei uns so, dass wir einen "Spitzenwarner" in der Abteilung installiert haben. Sobald wir dem Grenzwert zu nahe kommen, kommt ein Alarmton und wir müssen Verbraucher abschalten.

      .....wir schalten zum Strom sparen Verbraucher ab....in der Produktion.....das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

      Das kommt wirklich selten vor. Aber trotzdem verstehe ich es nicht.

      Gestuftes Einschalten bringt jedoch extrem viel und sollte überall Standard sein.

      LG

      Klabuster
    • Ja das mit dem Onlinezugang

      kenne ich auch,

      unser Cheffe hat uns auch immer die Ohren vollgejammert wegen der Stromspitzen,

      bei genauerer Betrachtung sind wir dann daraufgekommen,

      dass unsere Jungs vom Werkzeugbau die Auslöser waen,

      alle um 7.00 Uhr angefangen, und dann alle Maschinen volle Kanne.........
      Gruß
      Peter
    •