Heißkanal überspritzt

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    • Heißkanal überspritzt

      Bei uns ist mal wieder ein Heißkanal überspritzt. Das Teil ist komplett vollgelaufen und jede mögliche vorhandene Überwachung hat es nicht festgestellt.
      An der Maschine wurde nichts rumgestellt und das Werkzeug lief störungsfrei, bis dem Bediener aufgefallen ist, dass der Kunststoff nicht seitlich aus dem Werkzeug kommen sollte. Er konnte es auch nicht früher sehen, da bis kurz vor der Maschinenstörung nur geringe Mengen aus dem Leck getreten sind und erst gegen die Ende die Maschine eine Fehlermeldung gezeigt hat, dass das Massepolster nicht mehr stimmt. Erst dann lief es aus dem Werkzeug.

      Als Überwachungsmöglichkeiten gibt es nur die Maschinenparameter und die Leistungsüberwachung des HK-Regelgeräts.
      Mir ist bewusst, dass mit den vorhandenen Systemen es nicht möglich ist den Schaden zu minimieren, da nur bestimmte Bereiche des HK überwacht werden können. Leckt der an einer ungünstigen Stelle minimal, kann er volllaufen und und die Leistungsüberwachung kriegt es zu spät mit, ist der Schaden gleich groß wie ohne Überwachung. Die einzig mir bekannte zuverlässige Überwachung wären WID-Sensoren, aber da sträubt man sich vor den Kosten :thumbdown:. Als ab ein voller Heißkanal nichts kosten würde.


      Kennt ihr vielleicht zuverlässige Möglichkeiten der Heißkanalüberwachung vor Überspritzung, die sich nachrüsten lassen?


      Edit: Unserer Werkzeuge laufen auch mal gut und gerne 10 Millionen Schuss.
    • Guten Morgen 1u21,

      habe Deinen Beitrag gerade gelesen und könnte Dir noch einen Tip geben.
      Ich kenne jemanden aus meiner Vergangenheit, der Selbstständig und Freiberuflich ist.
      Vielleicht wäre dies ja interessant.
      Schau mal at Link:

      wf-plastic.de/de/

      Ich meine, der hatte soetwas in der Richtung gehabt, bin mir aber nicht mehr ganz sicher.

      Gruß

      The Problem Solver 8)
    • Da fällt mir noch ein,

      es gibt ja die Möglichkeit ja auch über das Restmassepolster dies festzustellen, je nachdem wie groß die Leckage ist.
      Zu dem müßte die Heizleistung des Heißkanals an der Stelle nach oben gehen, wenn ich mich richtig erinnern tu.
      Bei meinem alten AG bestand sogar die Möglichkeit, aufgrund RR-Produktion, mit einem Partikelmessgerät, die erhöhte Partikelbelastung
      durch den zersetzten Kunststoff zu messen.
      Wenn alle drei Anzeichen da waren, war es zu 95% überspritzt.

      Wobei so wie Du beschrieben hast, die Masse kam schon seitlich raus, sollte dies defenitiv schon am Masspolster oder am Formteil festgestellt worden sein.

      Gruß

      The Problem Solver
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    • Hallo @1u21,

      klar, mit WID-Umschaltregelung wird soetwas komplett ausgeschlossen . . . . aber das Thema hat im Spritzguss ja nur Zukunft, wird heute noch nicht gebraucht :thumbsup:

      Vorschlag:
      - Es sollten die SGMs folgende Ausstattung haben: Bei erreichen eines voreingestellten Überwachungs-Spritzdruckes (10% größer als der max. Massedruck bei laufendem i. O. - Prozess) sollte der Einspritzgprozess auf Nachdruck umschalten. Dieses muss natürlich konsequent gepflegt werden, heisst: Es sollten nur eine ausgewählte kleine Anzahl von Einrichtern Zugriff auf diesen Parameter haben! Immerhin geht es hier um zigTausende Euro möglicher Werkzeugschäden, heißt: Entgangener Gewinn!!!! Bei 5.000 Euro, die schnell als Schaden erreicht werden, müssen wieder 100.000 Euro Umsatz geleistet werden, um das rauszuholen!!!! Dieses sollten sich besonders Einrichter mal vor Augen führen, die gerne großzügig mit den Drücken umgehen!
      - Grundsätzlich kann man sagen: Eine Leckage entsteht nur durch Überlastung des System, und wenn es nur einmal beim Anfahren passiert. Ist ja allen bekannt: Um schneller ein Werkzeug anzufahren wird oft der Massedruck hoch eingestellt. Wie oft sehe ich bei Kunden Prozesse laufen, wo der Einspritzdruck grundsätzlich auf Maxwert der Maschine eingestellt ist . . . . :thumbdown:
      - Ursache kann natürlich auch ein im Aufbau zu schwaches Werkzeug sein, welches sich bei Belastung/Überlastung durchbiegt.

      Grundsätzlich reicht oft EINE Überlastung und die Leckage ist vorhanden.
      Aus Erfahrung kann ich nur Empfehlen: Sensibel mit den Massedrücken umgehen und nur mit konsequenten Überwachungen fahren . . . . Merke: 1000 bar bei einer 50ger Schnecke ist eine Kraft von 20.000 kg = 20 to im Spritzzylinder!!

      Gruß
      HHB
      HHB
    • Sorry wenn ich da mal nachhake....

      - bei einer 50er Schnecke ist der Umfang der Schnecke ca. 15,7cm (3,14 x D), 1000bar entsprechen ca. 1000kg je Quadratzentimeter was bedeutet das bei 1cm dosieren eine Kraft von 15,7Tonnen wirkt. Dies nun multipliziert mit dem Dosierweg ergibt Kräfte deutlich über 20T! Dosierweg 20cm gleich 315T bei 1000bar Spritzdruck....wobei der Druck im Zylinder nicht wirklich wichtig ist.
    • . . . gerne, aber allen Ernstes: Das ist das 1x1 der Druck/Kraftberechnung, das jeder in der Berufsschule hätte haben müssen! Zumal dieses Thema gerade bei den Spritzgießern wichtig ist: Sie haben es ja im Tagesgeschäft ständig mit großen Kräften die über hohe Drücke erzeugt werden, zu tun!!! Merke: Druck x Fläche ist Kraft!

      Aber tröste Dich: Das spiegelt doch nur die skandalöse Qualität der Ausbildung :thumbdown:
      Ich bekomme dieses ja auch immer bei meinen Seminaren bestätigt . . . . .

      Und wenn die Spritzgießer ein Gefühl für diese Thematik bekommen würden, könnte noch gigantisch viel Energie in den Prozessen eingespart werden.
      Beispiel: Wer bedenkt schon, dass der Kunststoff beim Dosieren (mit 50ger Schnecke und 80 bar Staudruck) die Schnecke gegen eine Kraft von 1,6 to nach hinten bewegen muss? Wobei bei über 90% der verarbeiteten Granulatmengen 50-60 bar Staudruck völlig ausreichen. und ich habe schon sehr viele Prozesse mit > 100 bar Staudruck laufen gesehen . . . . ?(

      Potential ohne Ende liegt in den Arbeitsweisen beim Spritzguss, da brauchts keine elektrische Maschine zum Energiesparen . . . .
      HHB
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    • Woher kam denn die Überspritzung?
      Ein gut abgestimmter und gewarteter Heisskanal überspritzt normalerweise nicht so einfach.
      Es macht also mehr Sinn Ursachenforschung zu betreiben und das abzustellen.
      Überspritzungsursachen sind oft zu hohe Vorspannung beim Einbau, oder ungenügende Reinigung der Dichtflächen bei der Wartung und damit schleichende Überspritzung. Überwachen lassen sich solche kleinen Masseaustritte, gerade bei Mehrkavitätwerkzeugen kaum.

      Was viele unserer Kunden machen ist, bei entsprechend sensiblen Werkzeugen kleine Kontrollbohrungen in den Distanzplatten vorzusehen und da ab und zu mal nachzuschauen. Kostet nicht viel und ist allemal so gut wie elektronische Totalüberwachung.
      Das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint
    • @TPS:

      Das System hatten wir mal ausprobiert und negative Erfahrung gesammelt. Ich war leider nicht dabei, weshalb ich die genauen Gründe nicht kenne.
      Ob die HK-Geräte irgendetwas gemeldet haben, kann keiner mehr sagen. Die speichern nichts und keiner auf Schicht hat darauf geachtet.

      @Behrens:

      Das mit der Sperre der Parameter kann ich vorerst vergessen. Die Möglichkeit die Maschinen zu sperren und nur noch einen bestimmten Personenkreis zuzulassen, wurde damals nicht eingekauft, da die Maschinen für das Technikum waren, was vor ein paar Jahren eingespart wurde. Die vorhandenen Maschinen sind nun keine Mustermaschinen mehr, sondern Produktionsmaschinen. Da kann jeder Parameter verstellen.
      Das Werkzeug lief schon 15 Tage am Stück durch, bevor was passierte. Somit kein Anfahrproblem und Einbauproblem würde ich auch ausschließen. Das Siegel des HK-Herstellers war noch intakt. Aber nach 3,5 Millionen Schuss kann so was passieren, weil alles einem gewissen Verschleiß unterliegt.
      Auch hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Schussgewicht von ca. 260g bei einer 80er Schnecke...
      Eine Schwankung des Massepolsters von 0,1mm bleibt unbemerkt und füllt den HK trotzdem gleichmäßig.

      @Ingo Dentz:

      Heißkanal wurde einwandfrei gewartet. Die Dichtflächen, an die wir ran kommen können, waren alle sauber. Irgendwo ist was gebrochen und hat den HK langsam und irgendwann schlagartig geflutet.
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    • Hallo 1u21,
      wenn was gebrochen ist, dann vermute ich mal die Keramikscheiben, die den Heisskanal abstützen? Dann könnte entweder die Vorspannung zu hoch sein, was sich erst dann bemerkbar macht, wenn irgendwas nachgibt.
      Ausserdem gibt es da statt Keramikscheiben auch die Möglichkeit Titanscheiben einzusetzen.. Die sind, vergliehcn mit einer Reparatur nur unwesentlich teurer, geben aber eben ein wenig mehr Wärme ans Werkzeug ab, so dass man bei vielen Abstützungen in einem kleinen Werkzeug vorsichtig sein muss. Das müsste man sich mal anschauen. In Finnentropp gibts viele Caps and closure - spritzer, wenn ich mich recht erinner. Wenns also ein Caps and closure - werkzeug ist, ist das nochmal was ganz anderes.
      Das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint
    • 1u21 schrieb:

      Irgendwo ist was gebrochen und hat den HK langsam und irgendwann schlagartig geflutet.

      Und hier wird Dir auch ein WID Sensor den Schaden nicht verhindern können.
      Ich denke man sollte sich damit abfinden, dass es Fehler gibt, die ich durch aufwendige Sensorik überwachen kann!

      Otl. E.
      "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" und "Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom"
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    • @Ingo Dentz:

      Branche hast du richtig getroffen. Nur lief das Werkzeug 3,5 Millionen Schuss und solche Fehler hätten sich lange vorher bemerkbar gemacht. Somit können alle Fertigungsfehler ausgeschlossen werden. Da hat der HK-Hersteller gute Arbeit geleistet und die Betreuung durch den Service-Techniker ist auch vorbildlich. Somit war es irgendwo einfach nur normaler Verschleiß.

      @Otl. E.:
      Der Schaden hätte nicht verhindert werden können, aber die Kosten hätten minimiert werden können. Und die undichte Stelle wäre besser zu entdecken. So hätten wir nicht den langen Produktionsausfall, der durch eine sachgemäße Reinigung und Reperatur hervorgerufen wird, sondern nur 1-2 Tage, da es vor Ort hätte gemacht werden können.
      Für mich ist Sensorik nicht nur dafür da zu überwachen, was alles gut läuft, sondern auch was schlecht läuft. Wenn ich einen Fehler durch Sensorik entdecken kann, haben die Sensoren ihren Job gemacht.