Wie konservativ ist die KU-Branche (noch)?

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    • Wie konservativ ist die KU-Branche (noch)?

      Hallo zusammen,

      mal eine ganz andere Sache, die man immer wieder hört/mitbekommt/gesagt bekommt.
      Die Kunststoffbranche ist sehr konservativ.
      Stimmt das noch in euren Augen? Konservativ meine ich jetz im Sinne von "am Hergebrachten festhaltend","althergebracht","vorsichtig, zurückhaltend" (s. Duden).
      In den verschiedenen Teil- und Untergebieten (Spritzguss, Extrusion, etc.) ist das natürlich nochmal stark zu unterscheiden, aber generell habe ich die Gesamtbranche als eher konservativ kennengelernt bisher. Mag daran liegen, dass ich noch recht jung bin und wenig Berufserfahrung habe und man nicht ernst genommen wird (auch ein Kriterium fürs Konservative würde ich sagen); aber steht ein Generationswechsel nicht vor der Tür und somit auch eine "Auflockerung" des Status Quo. Die Branche ist so hoch-innovativ, wieso gibt es dann so viele (subjektiver Eindruck: hauptsächlich) Verarbeiter, OEM's egal was, welche gegen Neuerungen bzw. Einflüsse von außen so verschlossen/ablehnend sind?
      Warum immer so steif und mit Scheuklappen umherziehend? Lieber behält jemand seine gemachten Erfahrungen, sein Wissen (Know-How) und seine Gedanken für sich, als diese auszutauschen. Dieses Forum hier ist ein super Beispiel, dass es auch anders gehen kann; wobei auch hier bei den jeweiligen Mitgliedern Unterschiede festzustellen sind ;)

      Wie seht ihr das?
      Einfach mal aus Interesse.
      Danke für eure Zeit und Meinungen :)
      Grüssle
      De Fritze



      P.S.
      Gibt es eigentlich sowas wie ein Foren-Treffen?
      Z.B. auf Messen?
    • Hallo @Fritze,

      ja, Du siehst das ganz richtig: Die Spritzgießer sind verhältnismäßig, manchmal sogar sehr "konservativ" unterwegs. Man hält gerne an gestrigen Arbeitsweisen fest, dieses besonders im Prozessdenken.
      Ich glaube fast, dass dieses von den Verbänden und Instituten sogar gewollt ist: So bleibt der Spritzgießer mit seinem KnowHow-Wissen, schon von der Ausbildung begonnen, in alten Denkstrukturen mit dem Ergebnis, dass es für sein "Technologie-Umfeld" (Maschinenbauer und Peripherie-Anbieter) einfacher ist, ihm für Problemlösungen irgendwelche Technik zu verkaufen.
      Wiesonst kann es sein, dass teilweise sinnlose "technologische Hochrüstung" für viel Geld stattfindet und die daraus resultierende Wertschöpfung/Nutzung sehr oft unzureichend ist?

      Eines ist sicher: Prozess- und Verfahrenstechnik bei den Spritzgießern findet immer noch auf alt hergebrachtem Denken statt und eine durchgängige Öffnung und Veränderung ist immer noch nicht festzustellen. Das Fatale: Gleiches bei der Ausbildung junger Nachwuchskräfte, zu denen Du ja wohl auch gehörst.

      Ich kann Euch jungen Spritzgießern nur empfehlen, dass Ihr Euch folgenden Themen öffnet und verschreibt:
      1) Prozesse visualisieren und reproduzieren: a) Mit Thermografiebilder (Formteil nach Entformung) und b) mit Werkzeugsensoren.
      2) Kommunikation zwischen Werkzeug und Spritzgussmaschine immer im Sinne "Ursachen-Wirkungsprinzip" (Maschinenprozess mit Werkzeugsensoren regeln).

      Schon Einstein sagte: "Wir brauchen neues Denken, denn die Probleme, die mit altem Denken erzeugt wurden, kann man nicht mit der alten Denkweise lösen".

      In diesem Sinne beste Grüße
      HHB
      HHB
    • Hallo Fritze,

      ich kann dich komplett verstehen. Auch bin fast frisch aus der Ausbildung und habe bei dem ersten Job direkt die harte Realität kennengelernt, dass man sich sehr oft gegen Neues verschließt. Ich habe festgestellt, dass oft einfach nur Angst dahinter steht. Wenn ein Neuling(dazu zähle ich uns beide) ankommt und etwas Neues probieren will, kommen gleich die Alten und wollen es einem ausreden, da es doch schon immer so lief und es keiner Änderung bedarf. Anstatt die alten Probleme mit neuen Lösungen zu beseitigen, wird einfach so lange rumgefuckelt, bis es irgendwie funktioniert. Dann kann man behaupten, dass es doch mal funktioniert hat und man keine neue Lösung braucht.
      Entweder kommt keiner auf den Gedanken, dass es nicht richtig ist oder man hat Angst davor, dass jemand offenbart wie lange man die Fehler gemacht ohne es zu merken. Wenn Persönlichkeiten dabei sind, die sich dadurch persönlich direkt angegriffen fühlen, hat man direkt verloren. Bei solchen Leuten muss man ganz vorsichtig sein oder hat überhaupt gar keine Chance irgendwas zu bewegen.

      Aber es geht auch anders. Ich wohne in einer Gegend, wo viele Spritzgussfirmen(Zulieferer und Verarbeiter) angesiedelt sind und durch meine Hobbies habe ich auch den einen oder anderen der verschiedenen Firmen kennengelernt. Einige verbleiben im Trott und der Rest geht weiter. Wenn auch nur langsam und zögerlich, aber ein Schritt wird gemacht und es ist mehr als bei vielen anderen. Diese Firmen merken, dass es so nicht mehr weitergehen kann, bevor es zu spät ist. Ich gehe davon aus, dass es innerhalb der nächsten 5 Jahre zu einer Auslese kommen wird, wo sehr viele rückständige Firmen verschwinden werden.

      Viele verstehen auch nicht, dass der Stand der Technik erst mal erreicht werden muss, bevor man neue Techniken nutzen kann. Behrens bringt da z.B. Sensoren und Thermografie ein, die notwendig sind. Solange ich nicht weiß, was nach der Düsenspitze passiert, kann ich noch so eine umfangreich ausgestattete Maschine und ein noch so exakt gefertigtes Werkzeug haben. Ich werde nie die Qualität erreichen, die mit dem aktuellen Stand der Technik möglich ist. Für mich ist es notwendig zu wissen, was in der Kavität passiert(thermisch, rheologisch), wie die Kühlung ausgelegt ist(Druck, Temperatur) und was die Maschine kann. Solange dies Unbekannte sind, kann man neue Techniken streichen, weil die oft sinnlos verpuffen. Was bringt z.B. eine variotherme Temperierung, wenn ich den exakten Zeitpunkt zum Umschalten der Kreisläufe nicht kenne? Was bringt mir ein exakt gefertigten Werkzeug mit tollster Regelung des Heißkanals, wenn ich nicht auf die Schwankungen im Kunststoff reagieren kann?

      Lass dir nicht deinen Drang nehmen. Schöpfe die Möglichkeiten soweit aus, wie es geht und dann hast du die Antwort wohin deine Reise gehen wird.

      Nachtrag: Ich habe im Bereich Anwendungstechnik etwas ähnliches geschrieben. Vielleicht willst du noch deinen Senf beigeben ;)

      Irrglaube im Spritzguss
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    • Hey!
      Danke für die Beiträge, scheint so als ob der o.g. Thread schon auf dasselbe hinaus läuft, obwohl es wohl eher fachlich gemeint war zu Beginn (?).
      Es ist zwar kein Trost so richtig, aber man ist nicht alleine und kann es nur versuchen "besser zu machen", wenn man dann groß ist.
      Oder eben die Branche wechseln; wobei ich glaube, "same shit, different toilet".
      Merci und Grüssle
      De Fritze


      P.S.
      Was war denn mit dem Forentreffen??
      Gibts da was?