Spritzhaut Ursachen

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    • Spritzhaut Ursachen

      Hallo zusammen,

      hat jemand fundierte Kenntnisse im Bereich Spritzhautbildung?

      Situation:
      Material ABS/PC
      Kunde moniert Blasenbildung an Teilen, nach verchromen.
      Teile sind aus der Serienfertigung, hatten nie diese Probleme und werden seit Jahren produziert.

      Es wurden 4 Teile mit Blasenbildung reklamiert, aus der bis Dato gesamten Fertigung von ca. 200.000 Teile!

      Der Fehler tritt auch nicht mehr seit Monaten auf, trotzdem fordert der Kunde ein 8D Report mit Maßnahmen.
      Laut der Analyse der Galvanik, haben diese Teile eine Spritzhautbildung an den Stellen gehabt, was zu einer schlechten Beizung führt.

      Es wurde nichts an dem Spritzgussprozess verändert, vor und weder nach dieser Reklamation!

      Um eine Maßnahme zu definieren, brauche ich die Fehlerursache:
      Was kann alles zu einer Spritzhaut führen?
      (zu hohe Einspritzgeschw., hoher Nachdruck, starke Scherung, hohe Verdichtung)

      Treten Spritzhäute einfach sporadisch auf?
      Gibt es evtl. Prozessprobleme in der Galvanik, wie kann man das nachvollziehen?!
      Kann es überhaupt sein, das nur 4 Teile betroffen sind aus einer hohen Losgröße oder müssten dann nicht mehr Teile ausfallen?

      Für Anregungen und Ideen wäre ich sehr dankbar!
      Vielleicht gibt es auch Literatur diesbezüglich, nur leider finde ich in der Google suche nichts!

      Vielen Dank!!!
    • Spritzling schrieb:

      Hallo zusammen,

      hat jemand fundierte Kenntnisse im Bereich Spritzhautbildung?

      Situation:
      Material ABS/PC
      Kunde moniert Blasenbildung an Teilen, nach verchromen.
      Teile sind aus der Serienfertigung, hatten nie diese Probleme und werden seit Jahren produziert.

      Es wurden 4 Teile mit Blasenbildung reklamiert, aus der bis Dato gesamten Fertigung von ca. 200.000 Teile!

      Der Fehler tritt auch nicht mehr seit Monaten auf, trotzdem fordert der Kunde ein 8D Report mit Maßnahmen.
      Laut der Analyse der Galvanik, haben diese Teile eine Spritzhautbildung an den Stellen gehabt, was zu einer schlechten Beizung führt.

      Es wurde nichts an dem Spritzgussprozess verändert, vor und weder nach dieser Reklamation!

      Um eine Maßnahme zu definieren, brauche ich die Fehlerursache:
      Was kann alles zu einer Spritzhaut führen?
      (zu hohe Einspritzgeschw., hoher Nachdruck, starke Scherung, hohe Verdichtung)

      Treten Spritzhäute einfach sporadisch auf?
      Gibt es evtl. Prozessprobleme in der Galvanik, wie kann man das nachvollziehen?!
      Kann es überhaupt sein, das nur 4 Teile betroffen sind aus einer hohen Losgröße oder müssten dann nicht mehr Teile ausfallen?

      Für Anregungen und Ideen wäre ich sehr dankbar!
      Vielleicht gibt es auch Literatur diesbezüglich, nur leider finde ich in der Google suche nichts!

      Vielen Dank!!!

      @Spritzling da würde es sich anbieten ein Bild zu sehen.
      Der Fehler ist schon recht seltsam, besonders bei der Stückzahl.
      In der Galvanik können auch fehler entstehen :D .

      Gruß Bob
    • Spritzling schrieb:

      Es wurde nichts an dem Spritzgussprozess verändert, vor und weder nach dieser Reklamation!
      Ich liebe solche Aussagen.
      Solche Dinge lassen sich nur über eine vernünftige Werkzeugüberwachung, nicht Maschinenüberwachung, ausmerzen. Jede Kunststoffcharge hat intern leichte Schwankungen, die mal stärker und mal schwächer sind. Dies macht sich im Fließverhalten bemerkbar und in eurem Fall durch diese 4 Teile von 200.000. Diese Fehlerrate ist ganz normal ohne entsprechende Überwachung, aber kein Kunde sieht dies ein.
      Grund für diese Schwankung beruht auf der Molekulargewichtsverteilung, die Einfluss auf die Fließfähigkeit, Schwindung und andere Eigenschaften hat. Kein Hersteller kann eine Charge herstellen, die exakt identisch zur vorherigen ist.

      Ich spreche da aus Erfahrung. Wir produzieren pro Jahr 5 Mrd. Teile aus vielen verschiedenen Werkzeugen und ich beobachte dies immer wieder. Die Fehlerrate korreliert dabei mit den verschiedenen Chargen.

      Viel Spaß beim 8D-Report. Ich darf mich ca. 1-3 mal pro Woche mit solchen Reklamationen rumschlagen und sammel so Argumente für eine Werkzeugüberwachung.
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    • Guten Morgen,

      danke für eure Antworten!

      Werkzeugüberwachung:
      Das eine Werkzeugüberwachung Sinn macht streite ich nicht ab, da ich aber die Schnittstelle zwischen Kunde/Vertrieb und Formenbau bin und wir die Konstruktion und den Werkzeugbau begleiten, kann ich dir sagen, dass der Kunde nicht (immer) bereit ist das Geld für Überwachungen in das Projekt einfließen zu lassen.

      In diesem Fall ist es eine schon ältere Form, die wir Übernommen haben.

      Material:
      Das es Schwankungen in der Herstellung von Kunststoffen gibt, brauchen wir, glaub ich, nicht anzusprechen.
      Dafür haben die Hersteller Ihre Ranges und Specs.
      Für 4 Teile von 200.000 Teilen, werden wir uns wahrscheinlich auch kein MFI Gerät anschaffen, um die Viskosität zu prüfen.

      Außerdem denke ich das, wenn es ein Materialthema gewesen sein sollte, mehrere Artikel betroffen wären.
      Da es eines unserer Hauptmaterialien ist.

      Fehlerbild:
      Es handelt sich bei dem Fehler um eine partiell auftretenden Spritzhautschicht, die sich auf die eigentliche Oberfläche legt.
      Somit ist es dort nicht möglich, mit der Beize, das Butadien abzuspalten um Kavernen für die Palladiumkerne zu schaffen.
      An diesen Stellen lösen sich dann die Schichten ab.

      Ich werde später versuchen einige Bilder bereitzustellen.

      Definierte Maßnahme:
      15 Teile beim Anfahren zu selektieren -> vorher waren es 10 Teile

      Ich werde euch auf dem laufenden halten!

      Vielen Dank!!!
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    • Wir reden ja immerhin von einer Fehlerquote von 0,002 %.
      Das muss man ja schon mal sagen.
      Kann es nicht sein, dass es sich um Anfahrteile handelt?
      Oder das wirklich etwas in der Galvanik schief gelaufen ist?
      Persönlich kann ich Dir anraten, nicht alles zu akzeptieren, was Dir der Kunde vorwirft.
      Die Spritzerei ist immer an allem schuld, trifft jedoch nicht immer zu.
      Dafür gibt es auch Fachleute, die mal in das Teil sowie in das Material rein schauen und Dir sagen, wo sich der Fehler eingeschlichen hat.
      Manchmal lohnt es sich, dass Geld für die Analyse in die Hand zu nehmen um wirklich heraus zu bekommen wo der Fehler herkommt.
      Wenn Du dann soviel Schnick Schnack an Dein Werkzeug gebaut hast das mehr Kabel anliegen an Eurem Serverraum und der Fehler immer noch auftritt bist Du der Held.
      Noch eine abschliessende Frage.
      Habt Ihr bei dem Teil eine 100% Sichtkontrolle?

      Otl. E.
      "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" und "Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom"
    • Ähnliche Probleme kenne ich.
      Zwei Ursachen hatten sich herausgestellt. Fremdmaterial oder der Einsatz von Regenerat welches nicht mehr die geforderten Eigenschaften besitzt.
      Bei Automatischer Materialzuführung, kann eine Klappe welche nicht richtig schließt, ein abgenutztes Gummi, eine falsch gestellte Weiche oder ähnliches immer mal ein Körnchen Fremdmaterial reinkommen lassen.

      Gerade auf Grund der geringen Fehler Rate ist hier davon auszugehen, dass ein Wiederholfehler kommt.

      Das Verchromen ist ein sehr empfindlicher Vorgang. Der Spritzgießer neigt dazu am Cent zu sparen also ist der geforderte 8D Report nachvollziehbar. Zu erst taucht der Fehler selten auf "Ach kommt mal vor" und später ist der Schaden groß. Besser wirklich suchen statt eine standard Maßnahme in den 8D Report zu schreiben.
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    • Ich würde mich jetzt auch mal Otl. E. anschliessen und auf Anfahrteile tippen. Die Blasenbildung könnte dann entweder von thermisch geschädigter Kunststoffmasse kommen, oder ein Rest Trennmittel sein.
      Massnahmen: Hinweis an die Mitarbeiter, die vorhandenen Arbeitsanweisungen einzuhalten.
      Wegen dem bisschen würd ich keinen Stress mit dem Kunden vom Zaun brechen. Das hebt man sich besser für Dinge auf, wos wirklich um Geld geht.
      Der Qs-ler beim Kunden braucht halt was zum Abheften. Dat wars.

      Gruss

      Ingo
      Das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint
    • Guten Morgen Leute,

      Anfahrteile wurden auf 15 erhöht, dass Ganze wird über den Robi realisiert!

      Aktuell gehen wir durch die REM Aufnahmen davon aus, dass die Luft beim Einspritzen überrollt wird und dadurch die Blasenbildung nach dem verchromen begünstigt wird.

      Entlüftungsrippen werden neu eingebracht und dann mal gucken wo die Reise hingeht.
      Wir hatten diesbezüglich den Spezialisten von BAYER hier, der meinen Prozess begutachtet hatte.

      Hab zwischendurch auch mal Dosierweg und Verweilzeit errechnet, alles im grünen Bereich!

      Vielen Dank bis hier hin!

      Mal schauen was sich noch ergibt!
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