Verchromte Oberfläche löst sich ab nach PV2500

    • Verchromte Oberfläche löst sich ab nach PV2500

      Hallo SpritzgussWeb-Mitglieder und Kollegen,

      ich habe folgendes Anliegen:

      Wir sind Zulieferer für Automotiv und haben zur Zeit ein Problem mit einem Projekt!
      Es handelt sich um ein Handschuhfachgriff eines premium Herstellers mit Schließzylinder.

      Verfahrenstechnisch wird das Ganze mit GID gespritzt, das Material ist ein ABS natur.

      Das Problem:
      Durch die große Öffnung im Bauteil (Schließzylinder), hatten wir eine stark ausgeprägte Bindenaht, die ich mit einer erhöhten Werkzeugwandtemperatur kaschieren konnte (DS 105/AS 90°C). Die Bindenaht wurde beseitigt und wurde nach dem galvanisieren abgedeckt.
      Jetzt habe ich eine lange Zykluszeit von 90 Sekunden, 45 gr. Schussgewicht, bei einer 40er Schnecke.

      Nun haben wir das Problem, dass der PV2500 Test nicht bestanden wird, da sich in den Randbereichen (Trennebene) die Chromschicht löst.
      Es wurden einige Versuche gefahren:
      1. weniger Einspritzdruck
      2. geringere Einspritzgeschwindigkeit
      3. weniger Nachdruck
      4. verschiedene Umschaltpunkte
      5. weniger Gasinnendruck
      6. Teile getempert
      7. Teile in Wasser fallend
      8. kältere WKZ Wandtemperaturen

      Alle Versuche sind n.i.O, bis auf die Versuche mit dem Abkühlen im Wasserbad, dieser Versuch ist bedingt i.O..

      Hat jemand diesbezüglich noch Erfahrungen oder Tipps, die mich weiterbringen könnten?
      Wir müssen bis nächste Woche i.O. Teile vorstellen, sonst gibt's ärger.
      Das beste daran ist, dass eine Fremdfirma für uns die Teile spritzt und ich nur bedingt an die Maschine kann.

      Vielen Dank im Voraus!
    • Hallihallo
      Intuitiv würde ich den Fehler eher beim Galvanisieren suchen (sofern die Teile so verchromt werden). Dort insbesondere beim Beizen. Das ist eine ziemlich fisselige Sache...
      Frage dazu:
      - Hat das schonmal unter anderen Bedingungen funktioniert oder ist das ein Neuteil?

      Du sagst der Fehler tritt an der WZ-Trennlinie auf. Was mir dazu einfällt: Werkzeug tuschieren... Das kannst du nur aller Wahrscheinlichkeit nicht innerhalb von einer Woche machen. Daher: Teile vor dem verchromen manuell nachbearbeiten um die Trennlinie zu minimieren.
    • Hi,

      ja das mit der Fehlersuche ist so eine Sache...
      Die Galvanik schiebt natürlich die Schuhe in meine Richtung (Spritzhaut, Spannungen, nicht homogene Stellen (Butadien)).
      Dort wurden auch mehrere Versuche gefahren.

      Es handelt sich dabei um ein Neuteil, somit habe ich keine Situation die den PV Test bestanden hat.

      Die Trennebene wurde auch schon manuell Bearbeitet, leider ohne Erfolg.

      Für weitere Anregungen wäre ich dankbar!!!
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    • Ich weiß sehr gut wie das ist, wenn die Schuld in andere Schuhe (die eigenen) geschoben werden soll. Ich komme auch aus dem Automotive-Zuliefererbereich und kenne das z.B. aus der Thematik der Lackierung nur zu genüge.
      Grundsätzlich ist es in dem Fall aber schon recht empfindlich. Galvanisieren ist ein schwieriger Prozess.
      Inhomogenitäten im Gefüge machen da sehr viel aus. Die können eben leicht in der Trennebene entstehen.
      Was mir noch einfällt:
      Nimm mal ein oder vielleicht sogar mehrere anderes ABS zu Testzwecken her. Kennzeichne sie eindeutig und lasse sie galvanisieren und testen. Dann kannst du genau aussagen bzw. ausschließen ob/dass es am Material liegt. ABS ist ja bei weitem nicht gleich ABS.

      Und da fällt mir nochwas ein:
      Wie genau sind die Teile an der Trennebene nachgearbeitet worden?
    • Das mit dem Material ist eine gute Idee!
      Wir arbeiten hier auch mit zwei Typen ABS (P2MC und Lustran 4000 Ultra) und einem Bayblend ABS-PC.
      Kundenvorgabe ist das T45 ABS-PC, ich werde das Ganze mit dem Lustran und P2MC versuchen.

      Die Nacharbeit erfolgte per Polierscheibe, dieser Versuch ging von der Galvanikleitung aus.
      Wie genau Das von statten ging weiß ich nicht, da ich mich im Jahresurlaub befand.

      Vielen Dank!
    • Ja Materialvorgaben/Freigaben sind auch ein Thema für sich ;)
      Aber wenn du nachweisen könntest, dass der Fehler zubeseitigen ist, dann stehen die Chancen ja gar nicht so schlecht.
      Wenn du irgendwie kannst, besorg dir kurzfristig noch ein bis zwei weietre ABS Typen als Probe um das ganze etwas "repräsentativer" zu machen.
      Die Teile werden also mechanisch nachbearbeitet...
      Versuch es mal thermisch. Durch die Polierscheibe "verletzt" du die Oberfläche letztendlich auch. Dadurch kann sich das Beizen auch schon ändern bzw du legst zum Beizen andere Materialschichten frei.
      Nimm mal einen Heißluftföhn und fahre damit die Trennlinie ab. In verschiedenen Zeiten und Temperaturen. Dadurch kann sich die Trennlinie auch etwas "glätten" und den Fehler verbessern oder vermeiden.
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    • Das sind echt hervorragende Anmerkungen und Tipps!

      Das Thema mit der thermischen Bearbeitung werde ich gleich direkt ansprechen und durchführen lassen.
      Leider werde ich zeitlich nicht mehr an verschiedene ABS-Typen kommen, vielleicht erzielen wir aber auch schon so eine Verbesserung und kriegen dann evtl. eine neue Frist.

      Danke für alles!
    • Naja auch wenn du mit dem anderen ABS schlechtere Ergebnisse erzielst, kannst du zumindest aussagen, dass das Material einen Einfluss hat und du aufgrund dessen mehr Zeit benötigst, mit weiteren Materialien zu musten.

      Viel Erfolg und halt uns bei Gelegenheit auf dem laufenden ;)
    • Guten morgen zusammen,

      kurzes Feedback zu den Ereignissen:

      Die Ergebnisse waren stark verstreut!
      Am besten haben die Serienparameter mit der Kantenbearbeitung bestanden.
      Wobei von 6 Teilen im Klimawechseltest 2 ausgefallen sind?!?
      Obwohl der Prozess stabil war und in der Galvanik alles auf einem Gestell gefahren wurde.

      Als weitere Maßnahme werde ich jetzt nochmal bei einem weiteren Unterlieferanten eine Abmusterung durchführen lassen.
      Bezüglich LD und Verweilzeit, vielleicht haben wir da eine thermische Belastung + die Teile werden zur Zeit noch manuell entnommen.
      Das könnte den Prozess ja auch schon beeinflussen.

      Sobald der Test bestanden ist, werde ich mich nochmal mit den zielführenden Maßnahmen melden!

      Vielen Dank bis dahin.

      Mit freundlichen Grüßen



      Ümit
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