Neue Norm DIN 16742

    • Neue Norm DIN 16742

      Hallo & guten Tag!

      Habe mich gerade erst im Forum angemeldet, muss aber gestehen, dass ich seit längerer Zeit schon stiller Mitleser bin. Schon ab und an konnte ich ausgetauschte Erfahrungen und Vorgehensweisen aus den Threads als Anregungen einsetzen. So muss es doch sein :thumbup:

      Nun habe ich gleich mal einige Fragen, die ich bewusst hier im Anwendungstechnik-Forum stellen möchte:
      Seit 01.10.2013 gilt für Thermoplastteile die neue Norm 16742-10-2013 verbindlich und löst damit endlich die bereits lange zurückgezogene DIN 16901 ab. Die 16742 beschreibt Toleranzen und Abnahmebedingungen und ist damit die aktuelle Grundlage zur Herstellung bzw. Bewertung von Spritzgußteilen aus Kunststoff.

      • Wie wird die neue DIN 16742 in ihren/euren Betrieben gehandhabt? Ist sie schon etabliert?
      • Welche Erfahrungen gibt es damit? V.a. im direkten Vergleich mit der DIN 16901?
      • Ist die Arbeit mit der 16742 für Sie/Euch "einfacher" oder "leichter" geworden oder macht sie alles nur noch komplizierter?

      Da nun seit der offiziellen Einführung rund 6 Monate vergangen sind, müsste es dazu doch schon erste Erfahrungen geben.

      Viele Grüße vom
      Vertriebsfuzzi 8)
    • Wenn nicht 16742 - nach welcher Norm wird dann gefertigt???

      Hallo zusammen,

      nachdem mein obiger Beitrag nun mehr als 100x geöffnet wurde, es aber noch keine einzige Reaktion drauf gegeben hat,
      gehe ich davon aus, dass die neue Norm bei den meisten Betrieben noch kein ein Thema ist. Auch gut.

      Nach welcher Norm werden eure Spritzteile dann gefertigt?

      Gespannt auf die Antworten verbleibe ich

      mit freundlichem Gruß

      der Vertriebsfuzzi 8)
    • Es kommt ganz klar auf den Kunden an. Teilweise werden sogar alle Maße ohne DIN toleriert.

      Die neue DIN ist für Kunststoffe zu eng.
      Hallo die ist enger gegenüber Stahl und da tut sich nun wirklich nix mehr...

      Nichts desto trotz. Nach Teilefreigabe wird die Zeichnung angepasst und etwaige Toleranzen fest vergeben, dann ist es egal was für eine DIN da drunter steht...
      ..:: Gruß von Kuka ::..
      ..:: Alle sagten es geht nicht. Dann kam einer, der das nicht wusste, und tat es ::..
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    • Kuka schrieb:

      Es kommt ganz klar auf den Kunden an. Teilweise werden sogar alle Maße ohne DIN toleriert.

      Die neue DIN ist für Kunststoffe zu eng.
      Hallo die ist enger gegenüber Stahl und da tut sich nun wirklich nix mehr...

      Nichts desto trotz. Nach Teilefreigabe wird die Zeichnung angepasst und etwaige Toleranzen fest vergeben, dann ist es egal was für eine DIN da drunter steht...

      Hallo zusammen,

      danke für die klasse Antwort: es kommt tatsächlich ganz auf den Kunden an! Das kann ich absolut bestätigen und begrüße es auch immer wieder, wenn die Kunden offen sind und Bereitschaft zeigen die Toleranzen für Ihre Kunststoffteile im Einzelfall festzulegen. Vorher drüber sprechen, was wird von beiden Seiten erwartet, dann Werkzeug erstellen und bemustern und nach dem Vermessen festlegen, ob korrigiert/geändert werden kann und/oder die Zeichnung angepasst wird. So wünschen wir uns das.

      Für alle anderen Fälle gibt es dann die Normen. Diese helfen und zeigen auf was möglich, eingeschränkt möglich oder ausgeschlossen ist. Was kann erwartet werden und was liegt über den Möglichkeiten/Gegebenheiten. Bis dato gab es (und gibt es noch) für Kunststoff-Formteile die längst für ungültig erklärte DIN 16901, die auf Erfahrungen der Thermoplastverarbeitung aus den 60er und 70er Jahren basiert.

      Völlig falsch ist Ihre Feststellung allerdings in der Annahme, dass die neue 16742 für Kunststoffe zu eng sei. Das ist nicht richtig, weil die 16742 speziell und ausschließlich die Gegebenheiten von Spritzgußteilen berücksichtigt. Sie geht sogar noch weiter indem sie Toleranzen in verschiedene (Qualitäts-)Klassen (Toleranzgruppen eins bis acht) einteilt, die Schwindung berücksichtigt und die Funktionstoleranzen der Teile den Herstellprozessen im Werkzeugbau unterordnet. Auch die Bemaßung von Toleranzen in der Konstruktion wird anders dargestellt. Wie ich meine ist das alles viel, viel praxisgerechter. Dadurch werden dem Werkzeugmacher/Kunststoffspritzer die Freiheiten und Notwendigkeiten entgegengebracht, die er für eine wirtschaftliche Umsetzung benötigt. Nach einer ersten näheren Analyse liegt das (abgelöste) Toleranzfeld 16901-130 genau zwischen den neuen Toleranzgruppen 5 und 6, bietet also genügend Luft nach oben und unten.
      Unseres Erachtens können diese Klassen- bzw. Toleranzeinteilungen sogar helfen, den Kunden darauf aufmerksam zu machen, dass in seiner Konstruktion Fehler in der Bemaßung oder Fehleinschätzungen in der möglichen Toleranzerreichung (Stichwort Angsttoleranzen) enthalten sind und verdeutlichen, dass engere Toleranzen nur mit entsprechendem Mehraufwand und Mehrkosten vereinbar sind oder eben garnicht umsetzbar sind. Dies war bisher nur schwerlich möglich, weil die 16901 viel zu grob ist bzw. den heutigen technischen Möglichkeiten nicht mehr entspricht.

      In der (Groß-)Serie mag es zwar auch üblich sein, dass jeder Kunde seine eigene Werksnorm für die Produktion vorschreibt. Aber auch die Werksnormen sind oft von Fehlern gespickt. Die letzte die ich gesehen habe setzte als Allgemeintoleranz die DIN 2768-f voraus. (Anmerkung: 2768 ist eine Norm für die Tolerierung von Zerspanungsteilen aus METALL, die Spezifikation "f" steht obendrein noch für fein, was die Toleranzlage weiter einschränkt). Da mag man manchmal bezweifeln, dass die Konstrukteure nur annähernd so etwas wie Kunststoffkompetenz mitbringen. ;(

      In unserem Falle sind wir in der Prototypen-/Vorserienfertigung tätig, einem Bereich also, in dem die Tolerenzen für die spätere Serie überprüft und ggfs. festgelegt wird. Aber auch bei uns kommen manche Kunden mit Vorstellungen, die oft nicht umsetzbar sind. Solange sie mit sich reden lassen und offen sind, ist das kein Problem, aber es gibt auch genug, die sich auf den Standpunkt stellen selber alles richtig zu machen und von vorn herein den Werkzeugbauer/die Spritzerei als "unfähig" abzustempeln.

      Auch wenn die neue Norm nun mehr Freiheiten und Möglichkeiten mitbringt, so ist sie doch auch deutlich umfangreicher wie die bisherige. Der Aufwand für die Einführung, für Schulungen, Software etc. ist immens. Es wird also noch ein ganzes Weilchen dauern, bis wir ausschließlich damit arbeiten können. Das sieht man auch an den wenigen Antworten zu diesem Thema. Die neuen Gegebenheiten müssen erstmal in die Köpfe - sowohl bei Kunden, als auch bei uns Fertigern.


      Schönen Abend wünscht
      der Vertriebsfuzzi 8)